Thukydides - Geschichtsbild und Methodik
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Das Geschichtsbild des Thukydides 4
III. Die Methodik des Thukydides 12
IV. Zusammenfassung und Ergebnisse 16
V. Literaturangabe 19
VI. Quellen 20
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Thukydides - Geschichtsbild und Methodik
I. Einleitung
Das Geschichtswerk des Thukydides gilt heute als Beginn der Geschichtsschreibung und der antike Historiker als Initiator der modernen Geschichtswissenschaft 1 . Bezeichnet man Herodot als Vater der Geschichtsschreibung, so kann man seinen Nachfolger Thukydides als den Vater der realistischen, wissenschaftlichen und politischen Geschichte bezeichnen 2 . Ohne Herodot ist die Leistung des zweiten großen Historikers des antiken Griechenlands zwar undenkbar, jedoch begründet dieser einen neuen Anfang im Vergleich zu seinem berühmten Vorgänger 3 . Bogner bezeichnet Thukydides als den eigentlichen Beginn der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung und als „Gipfel der historischen Kunst der Griechen (wenn nicht der historischen Kunst überhaupt)“ 4 . Sein unvollendetes Werk über den Peloponnesischen Krieg ist zwar kein Geschichtswerk als Ganzes, aber sein Nachfolger Xenophon knüpft in seiner Hellenika direkt daran an 5 .
Jedoch kamen in der Geschichtsforschung Zweifel an seiner Wissenschaftlichkeit auf 6 . Thukydides selbst bietet viele Anhaltspunkte für diese Zweifel, da er viele Dinge einfach ausläßt oder übergeht 7 . Dabei darf nicht übersehen werden, daß Thukydides ausdrücklich die Kriegs- und Machtgeschichte zu seinem Thema gemacht hat.
Die Reihe von Vorwürfen seitens der Geschichtsforschung in bezug auf seine Wissenschaftlichkeit betreffen größtenteils sein Geschichtsverständnis und seine Methodik. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit soll sein Geschichts- und Menschenbild näher beleuchtet werden. Interessant ist hier auch die Frage nach möglichen Einflüssen auf sein Geschichtsverständnis. Der zweite Teil widmet sich der thukydideischen Methodik und der Frage nach seiner Wissenschaftlichkeit. Im dritten und letzten Abschnitt werden die Ergebnisse noch einmal zusammengefaßt.
1 von Fritz, Die Griechische Geschichtsschreibung, 1967, S. 524
2 ebenda S. 523
3 Bogner, Vom geschichtlichen Denken der Griechen, 1948, S. 42f
4 ebenda S. 43
5 Strasburger, Studien zur Alten Geschichte II, S. 777
6 von Fritz, S. 523
7 Schuller, Die griechische Geschichtsschreibung der klassischen Zeit, 1991, S. 100
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Thukydides - Geschichtsbild und Methodik
II. Das Geschichtsbild des Thukydides
Um das Geschichtsbild von Thukydides zu erklären, bedarf es zuerst einer Untersuchung seiner Biographie. Möglicherweise finden sich in seinem Lebenslauf Hinweise auf Ereignisse, die sein Geschichtsbild geprägt haben könnten.
Thukydides entstammte einer politisch ambitionierten Aristokratenfamilie Athens, die als adlig-konservativ galt und zeitweise in Opposition zu den Alkmeoniden und Perikles stand 8 . Geboren wurde er etwa zu Beginn der Fünfziger des 5. Jahrhunderts vor Christus 9 . Zu Beginn des Peloponnesischen Krieges 431 v.Chr. war er noch verhältnismäßig jung, wahrscheinlich Anfang 20. Zieht man in Betracht, daß Thukydides im Amtsjahr 424/423 Stratege war 10 , muß er zu diesem Zeitpunkt mindestens 30 Jahre alt gewesen sein und bereits einen zehnjährigen Sohn gehabt haben, da man diese Bedingungen erfüllen mußte, um überhaupt zum Strategen gewählt werden zu können 11 . Demnach ist es wahrscheinlich, daß er zumindest vor 454 geboren war, also beim Ausbruch des Krieges mindestens 23 Jahre alt war. Über seinen Todeszeitpunkt sind keine Angaben erhalten geblieben, doch man hält in der Forschung das Jahr 400 für eine realistische Schätzung seines Todesjahrs 12 .
Thukydides war wahrscheinlich ein wohlhabender Mann, da er Gold- und Silberminen in Thrakien besaß 13 oder zumindest die Nutzungsrechte innehatte 14 . Der materielle Reichtum bedeutete nicht nur die Zugehörigkeit zum athenischen Adel, sondern bescherte Thukydides wohl auch eine gewisse Unabhängigkeit. Da fast alles, was man von dem Historiker weiß, seinem eigenen Werk entnommen werden muß, weil es ansonsten kaum Überlieferungen zu seiner Person gibt, ist die Quellenlage bis zu seiner Wahl ins Strategenamt äußerst
8 RE Supplementband XII (1970) 1091 s.v. Thukydides (Kleinlogel)
9 Luce, Die griechischen Historiker, Düsseldorf, Zürich, 1998, S. 85
10 Thukydides, IV 104, 4: hieraus lässt sich auch seine Abkunft klären, denn hier bezeichnet er sich selbst als Sohn des Olores.
11 RE Supplementband XII (1970) 1092 s.v. Thukydides (Kleinogel)
12 ebenda S. 1094 oder auch Luce, Die griechischen Historiker, S. 87
13 Thukydides, IV 105, 1
14 RE Supplementband XII (1970) 1095f s.v. Thukydides (Kleinogel)
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Thukydides - Geschichtsbild und Methodik
dürftig. Jedoch dürfte Thukydides zu Beginn des Krieges als Soldat gedient haben, denn ohne jegliche Kriegserfahrung ist die Wahl in ein so hohes militärisches Amt, vor allem in Krisenzeiten, sehr unwahrscheinlich. Des weiteren wissen wir von ihm selbst (Thuk. II, 28), daß er an der Pest erkrankte, die Athen in den ersten Jahren des Peloponnesischen Krieges heimsuchte. Doch er überlebte die furchtbare Seuche, die er im zweiten Buch in den Abschnitten 49 und 50 detailliert beschreibt.
Als Stratege wurde Thukydides nach Thrakien gesandt, da er mit der Gegend vertraut war (s.o.) und bei den dortigen Adligen einen großen Einfluß besaß 15 . Jedoch scheiterte er dort, da Amphipolis an den spartanischen Heerführer Brasidas fiel. Für sein Versagen schickte man Thukydides in die Verbannung, die erst mit dem Kriegsende 404 endete. Erst jetzt kehrte er nach Athen zurück. Dort arbeitete aber weiterhin an seinem Werk 16 , wahrscheinlich bis zu seinem Tod, denn schließlich bleibt seine Arbeit unvollendet und reißt abrupt ab.
Durch seine Zugehörigkeit zur Adelsschicht Athens, erlebte er unmittelbar die philosophischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit. Er war Zeuge der Politik des Perikles und Zeuge der Stimmung der athenischen Polis vor, teilweise während und nach dem Krieg 17 . Das Fünfte Jahrhundert wird auch als „aufklärerisches“ Jahrhundert bezeichnet. Die damit einhergehenden geistigen Entwicklungen, die sich in dieser Zeit vollzogen, konnten somit nicht an ihm vorbeigehen. Durch seine militärische Laufbahn als Soldat und Stratege, nahm er nicht nur selber am Peloponnesischen Krieg teil, sondern gewann auch tiefe Einblicke in Kriegsführung und Kriegstaktik. Zwar endete diese Karriere recht schnell, führte aber andererseits dazu, daß er während seiner Verbannung Gelegenheit hatte, andere griechische Poleis kennen zu lernen und auf diese Weise seinen Horizont zu erweitern. So nutzte er die Zeit seiner Emigration für sein Lebenswerk 18 . Nicht zuletzt war er Bürger des geistigen, politischen und wirtschaftlichen Zentrums der griechischen Welt. In bezug auf sein Geschichtsverständnis lassen sich allein aus seiner Biographie aber noch keine entscheidenden Schlüsse ziehen. Erst im Kontext seines Geschichtswerkes wird sein Geschichtsbild deutlich und begründbar.
15 RE Supplementband XII (1970) 1098 s.v. Thukydides (Kleinogel)
16 ebenda, S. 1103
17 Heitsch, Geschichte und Situationen bei Thukydides, 1996, S. 1
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Arbeit zitieren:
Sebastian Schmid, 2001, Thukydides - Geschichtsbild und Methodik, München, GRIN Verlag GmbH
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