Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 3
II. Christliche Missionierung vor dem 19. Jahrhundert. 3
III. Missionierung in den deutschen Kolonien in Afrika. 5
1. Anfänge. 5
2. Weltbild und Selbstverständnis der Missionare. 6
3. Mission und Kolonialismus. 8
3.1. Gegenseitige Wegbereitung. 8
3.2. Kooperation und Konflikt. 9
3.3. Der Hereroaufstand. 11
4. Modernisierungseffekte der Missionierung. 13
4.1. Bildung und Erziehung durch die Missionare. 13
4.2. Die Kulturforschung der Missionare. 15
Literaturverzeichnis. 16
2
I. Einleitung
Die folgende Hausarbeit kann aufgrund der gebotenen Kürze keine umfassende Gesamtdarstellung der Missionierung in Afrika im 19. Jahrhundert sein, sondern stellt lediglich die wichtigsten Motive derselben heraus. Beginnend mit einem bewusst knapp gehaltenen Rückblick auf die christliche Missionierung vor dem 19. Jahrhundert (Kaptitel II) schließt sich direkt der Hauptteil der Arbeit an (Kapitel III), in welchem vom allgemeinen zum besonderen schreitend die wichtigsten Aspekte der Missionsbewegung angesprochen werden. Im Mittelpunkt dieses Teils steht die - in der Geschichtswissenschaft häufig debattierte - Dialektik zwischen Mission und Kolonialismus. Im vierten Kapitel werden - ebenfalls bewusst knapp - die Modernisierungseffekte durch die Missionare auf dem Gebiet der Bildung, Erziehung und Kulturforschung umrissen.
Die Darstellung zeigt Grundtendenzen aller deutschen Missionsgesellschaften im Afrika des 19. Jahrhunderts auf und bezieht sich nur an bestimmten Stellen auf eine bestimmte Kolonie oder Missionsgesellschaft.
II. Christliche Missionierung vor dem 19. Jahrhundert
Das Christentum verbreitete sich der biblischen Botschaft gerecht werdend und in der apostolischen Tradition stehend in seinen Anfängen „überwiegend friedlich“ 1 . Diese Einstellung änderte sich erst, als der christliche Glaube 312/24 unter Konstantin dem Großen und 391 unter Theodosius I. in Rom und Armenien zur Staatsreligion wurde und somit eine „Einheit von Religion, Staat und Gesellschaft“ 2 gegeben war. Die christliche „Schwertmission“ richtete sich von nun an gewaltsam nach innen, im weiteren Verlauf durch Eroberung auch nach außen und institutionalisierte sich ab 798 in drei Missionserzbistümern auf deutschem Boden 3 . Im Mittelalter war die Mission ein von der Machtpolitik nicht zu trennender Faktor, was sich unter anderem in den religiös gerechtfertigten Kreuzzügen ab 1096 zeigte und auch im Verlauf der christlichen Mission in
1 Geiss 1996, S. 78.
2 Ebd.
3 In Salzburg (798), Hamburg-Bremen (831/46) und Magdeburg (968).
3
Übersee deutlich wurde. Die Missionsidee lieferte die ideologische Begründung für die europäische Expansion in Übersee, die der Suche nach Gold und Sklaven dienen sollte 4 - von christlich motivierten Beweggründen kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein.
Die Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus 1492 und die Landung Vasco da Gamas in Indien 1498 leitete eine „welthistorische Wende“ ein, die zur europäischen Expansion über den gesamten Globus und letztlich einer „Europäisierung der Erde“ führte, an deren Ende etwa 85% der Erdoberfläche europäisch beherrscht wurde (D.K. Fieldhouse) 5 . Eine der weitreichendsten Folgen dieser „Europäisierung“ war die Ausbreitung des christlichen Gedankenguts und damit verbunden auch der abendländischen Kultur in der ganzen Welt.
Im Zeichen von Aufklärung, Physiokratismus und Frühliberalismus setzte Ende des 18. Jahrhunderts eine Phase „kolonialer Ernüchterung und Enttäuschung“ ein, in deren Verlauf der französische Physiokrat Turgot Kolonien als „reife Früchte, die vom Baume fallen“ bezeichnete 6 . Diese zwischenzeitliche Abwendung von kolonialem Besitz evozierte einen „gewisse[n] Stillstand missionarischen Elans“ 7 , der um 1750 einsetzte und bis etwa 1850 andauerte. Erst um 1880 setzte im Zeichen des Imperialismus eine erneute hochkoloniale Phase ein, die bis 1940 andauerte, und das Christentum weitgehend mit dem kommerziell expandierenden Europa identisch werden ließ 8 . Die christlichen Missionen spielten demnach im Hinblick auf die Festigung europäischer Kolonialgebiete auf allen fünf Kontinenten eine zentrale Rolle, die „sich nicht mit den Kategorien der politischen Herrschaft und ökonomischen Abhängigkeit erfassen lässt“ 9 . Ab 1870 setzte in den christlichen Missionen ein „doppelte[r] Missionsenthusiasmus“ 10 ein, der sich in erster Linie auf Ostasien und Afrika konzentrierte.
4 Vgl. Geiss 1996, S. 79.
5 Vgl. Gründer 1992, S.11-12.
6 Vgl. Gründer 1992, S.12-13.
7 Hammer 1978, S. 78.
8 Vgl. Geiss 1996, S.82.
9 Gründer 1992, S. 15.
10 Hammer 1978, S. 79.
4
Eine wichtige Grundlage für die Ausbreitung der christlichen Mission außerhalb Deutschlands war die Übersetzung und Verbreitung der Bibel in verschiedene Sprachen, was ab 1804 unter anderem von der „Basler Bibelgesellschaft“ in die Tat umgesetzt wurde 11 . Das Christentum wurde zunächst durch Geistliche nach Afrika transportiert, die zur Betreuung der Europäer in den großen Handelsforts ins Land kamen und „die christliche Unterweisung der häufigen Mulattenkinder übernahmen“ 12 - missionarische Erfolge konnten zu diesem Zeitpunkt mit Ausnahme einiger Bekehrungen im Hauspersonal allerdings nicht erzielt werden 13 . Die deutschen evangelischen Missionsgesellschaften, die sich am Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der evangelikalen Erweckungstheorie 14 in den afrikanischen Kolonien niederließen 15 konnten ebenfalls nur sehr wenige Bekehrungen unter den Eingeborenen verzeichnen. Dies lag unter anderem auch daran, dass die Missionare in der Regel völlig unvorbereitet nach Afrika gesandt wurden und oft mit Krankheiten (wie Malaria) und der Versorgung der oft mitgereisten Familien zu kämpfen hatten. Erbauungsschriften und Bibelauszüge, die die Missionare in der jeweiligen Landessprache gemeinsam mit selbstgebackenem Zwieback unter den „Heiden“ verteilten, wurden oft systematisch eingesammelt und ungelesen zurückgegeben 16 . Außerdem hatten die Missionsgesellschaften auch in der Heimat mit Kritik zu kämpfen; so wurde beispielsweise das „bequeme Leben der Missionare“ bemängelt, ungeachtet der Tatsache, dass diese ein solches gar nicht führten. Die römisch-katholische Mission gründete vom „protestantischen Missionseifer angestachelt“ 17 vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts in rascher Folge ihre Missionsgesellschaften, die sich etwa zeitgleich mit den deutschen
11 Vgl. Hammer 1978, S. 86.
12 Geiss 1996, S. 83. Æ Mulatte: Nachkomme eines weißen und eines schwarzen Elternteils.
13 Die meisten dieser Bekehrungen fanden am Sterbebett statt und wurden ohne lange Vorbereitungszeit des Täuflings vollzogen.
14 Æ „Religiöse Erneuerungsbewegung innerhalb des Protestantismus vom 17. bis 19. Jh. Als Reaktion gegen den Rationalismus der Aufklärung und die Orthodoxie des Staatskirchentums.“ (aus: Fuchs, Konrad und Heribert Raab: Wörterbuch Geschichte. 13. Auflage. München 2002.)
15 Zum Beispiel die „Basler Mission“ (1815) und die „Berliner Mission“ (1824).
16 Vgl. Hammer 1978, S. 87.
17 Hammer 1978, S.79.
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Arbeit zitieren:
Christian Horn, 2003, Deutsche Missionsgesellschaften in Afrika im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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