Lizenziatsarbeit im Fachbereich Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Freiburg (Schweiz)
von Christa Fuchs, eingereicht am: 29. März 2007
Inhaltsverzeichnis
THEORETISCHER TEIL 1
I Einleitung und Problemstellung. 1
1 Forschungsziel. 3
1.1 Abgrenzung des Themas 6
II Theoretischer Hintergrund 7
2 Theorie zur Sozialisation Jugendlicher. 7
2.1 Begriff „Sozialisation“ 7
2.2 Die „Sozial-kognitive Lerntheorie“ von Bandura 8
2.3 Entwicklungsaufgaben von Jugendlichen 12
3 Medien-Helden und ihre Bedeutung für Jugendliche 13
3.1 Actionhelden als Idol und Vorbild. 13
3.2 Abenteuerheld 15
4 Theorie zur Wirkung und Nutzung der Medien. 17
4.1 Der Uses and Gratifications Ansatz 18
4.2 TV-Nutzung 19
5 Theorie zur Funktion der Medien und ihr Potenzial als Sozialisationsinstanz. 22
5.1 Soziale Funktionen der Medien. 26
5.2 Der Actionfilm als potenzielle Sozialisationsinstanz 27
6 Kirche und Medien. 29
7 Funktionalitäten der Religion. 31
7.1 Erklärungen zu „Identitätsstiftung“ 33
7.2 Erklärungen zu „Handlungsführung im Ausseralltäglichen“ 35
7.3 Erklärungen zu „Kontingenzbewältigung“ 38
7.4 Erklärungen zu „Sozialintegration“ 39
7.5 Erklärungen zu „Kosmisierung - Die Ordnung der Welt“ 40
7.6 Erklärungen zu „Weltdistanzierung“ 41
III Forschungsstand und Studien. 42
3 Jugend, Religiosität und Werteorientierungen. 42
4 Studien zu religiösen Vorkommnissen im Film. 43
EMPIRISCHER TEIL 47
I Untersuchung des Actionfilms nach religiösen Funktionen. 47
1 Einleitung und Zielsetzung 47
2 Wahl der Forschungsmethode 48
3 Methodisches Vorgehen 50
3.1 Planungsphase 50
3.1.1 Einleitung und Zielsetzung der Forschungsfragen 50
3.1.2 Untersuchungsleitende Fragen 52
3.1.3 Untersuchungsgegenstand - Actionfilm. 59
3.1.4 Auswahl der zwölf Actionfilme. 59
3.1.5 Formale Charakteristika des Materials 61
Lizenziatsarbeit im Fachbereich Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Freiburg (Schweiz)
von Christa Fuchs, eingereicht am: 29. März 2007
3.1.6 Auswahl der Analyseeinheiten 62
3.1.6.1 Genre Actionfilm 62
3.1.6.2 Genre Abenteuerfilm. 63
3.1.6.3 Kurze Zusammenfassung der Filme 64
3.2 Entwicklungsphase 69
3.2.1 Theoriegeleitete Kategorienbildung. 69
3.2.2 Empiriegeleitete Kategorienbildung. 72
3.3 Testphase. 73
3.3.1 Reliabilitätsprüfung - Pretest 73
3.3.2 Validitätsprüfung. 74
3.4 Anwendungsphase 74
3.4.1 Datenerfassung und Auswertung. 75
3.4.2 Statistische Auswertung. 75
II Ergebnisse. 76
4 Forschungsfragen. 76
4.1 Ergebnisse zur Forschungsfrage 1 und 2. 76
4.2 Ergebnisse zur Forschungsfrage 3 78
4.3 Ergebnisse zur Forschungsfrage 4 81
4.4 Ergebnisse zur Forschungsfrage 5 83
4.5 Ergebnisse zur Forschungsfrage 6 85
4.6 Ergebnisse zur Forschungsfrage 7 86
4.7 Ergebnisse zur Forschungsfrage 8 87
5 Zusammenfassung und Diskussion 89
Quellenverzeichnis 95
Abbildungsverzeichnis 99
Bildquelle 100
Anhang 100
Danksagung
Hiermit möchte ich mich bei allen ganz herzlich bedanken, die mich während
dem Schreiben dieser Arbeit unterstützt und motiviert haben.
Christa Fuchs
1 Pfeiffer, Susanne: Film und Religion. Die Mediensozialisation Jugendlicher im
Informationszeitalter. Münster 2000, S. 49.
THEORETISCHER TEIL
I Einleitung und Problemstellung
Obwohl die Kirche als Institution von Werten und Moral an Anhängern verloren hat, ist die ideelle, spirituelle Ader jedoch, die dahinter steckt, nach wie vor sehr beliebt. Dies geht aus einer der jüngsten Studien von Campiche, Professor für Religionssoziologie an der Universität Lausanne, hervor, der über 10 Jahre eine Langzeitstudie über die religiösen Grundhaltungen und deren Veränderungen in der Schweiz durchgeführt hat. Die gesamtschweizerische Untersuchung von 1500 Einwohnern hat bestätigt, dass sich eine gewisse Ablehnung gegenüber religiösen Institutionen wie den Kirchen erkennen lässt. Nach Campiche hat sich der Umfang religiöser Ausdifferenzierungen in der populären Alltagskultur vervielfältigt. Die Religion ist zur Privatangelegenheit geworden. Jeder stellt sich patchworkartig seine eigene Religion aus unterschiedlichen Elementen der verschiedenen Glaubenssätze zusammen. Von der Institution Kirche hingegen wird heutzutage verlangt, dass sie bescheiden und unabhängig ist und sich für das Wohle der Gesellschaft einsetzt. 2 Die Mehrheit der Schweizer/Innen sieht demnach die religiöse Funktion der Kirche als „Kraftquelle für schwierige Zeiten und Ressource zur Humanisierung des Zusammenlebens“ 3 .
Aber auch andere Befragungen kommen zum gleichen Schluss: „Alle religions-oder kirchensoziologischen Untersuchungen der letzten fünfzehn Jahre ergeben das gleiche Bild: das gemeinsame, öffentliche, von den Grosskirchen geprägte Christentum geht zurück, der einzelne Mensch schafft sich mehr und mehr seine
1 Horstmann, Kai: Kirche in der Medienwelt. Überlegungen zu ihrer liturgischen Praxis. Waltrop 2000, S. 5.
2 Vgl. Campiche, Roland J.: Die zwei Gesichter der Religion. Faszination und Entzauberung. Zürich 2004,
S. 270-286.
3 Campiche, 2004, S. 286.
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eigene, verborgene Religion, die sich aus Elementen unterschiedlichster Herkunft zusammensetzt“. 4 Religion ist zu einer Privatsache geworden, man praktiziert sie für sich und nicht in der Öffentlichkeit.
Treffend hat dies Kramer, Professor für praktische Theologie an der Universität Zürich, unter dem Titel „Glauben à la carte“ zusammengefasst. In dem dazugehörenden Text in der NZZ schreibt er dazu: „Jeder stellt sich seinen persönlichen Glauben zusammen aus - beispielsweise - Christentum, Buddhismus, Astrologie, Ökologie, Tantra oder Yoga. Die Verkündigung des Gotteswortes von der Kanzel, die im Zentrum der traditionellen, öffentlichen Grosskirche steht, stösst nur noch auf geringes Interesse“. 5 Das Bedürfnis nach Religiosität ist offensichtlich weiterhin vorhanden, wenn es auch nicht mehr an kirchliche Institutionen gekoppelt ist. Es braucht folglich ein neues Medium als Überbringer der Glaubensinhalte, oder zumindest neue Kanäle, durch die der Einzelne seine zusammengestückelte Religion nähren und aufrechterhalten kann, wenn die Institution Kirche nur noch für traditionelle Rituale wie Taufe, Hochzeit und Beerdigung benutzt wird. Wobei neben Radiobeiträgen sofort auch Fernsehsendungen als potenzielles Medium in Betracht gezogen werden können. Denn sie erreichen erstens unzählige Haushalte, ihr Inhalt kann zweitens individuell nach Laune im privaten Raum genutzt werden und ermöglicht drittens die freie Entscheidung, was aus der Masse an dargebotenen Inhalten für sich selbst als glaubensstützend rezipiert und angewendet werden möchte. In diesem Sinne bieten auch Hollywoodfilme und Filme im Allgemeinen immer wieder eine Vielzahl an Elementen aus der christlichen Tradition an, denn
4 Kramer, Werner: Glauben à la carte. Die weltanschauliche Individualisierung als Herausforderung für die
Volkskirchen. Neue Zürcher Zeitung. 22.05.1999. URL: http://www.kirchen.ch/pressespiegel/nzz/0076.htm
(28.11.2006).
5 Kramer, 1999, S.1.
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Ein Film der sehr viele religiöse Symbole und Glaubensansätze anbietet ist die Trilogie von The Lord of the Rings. Einige der darin vorkommenden Grundelemente sind zum Beispiel der Kampf zwischen Gut und Böse, die Nächstenliebe sowie die Macht eines unerschütterlichen Glaubens und der motivierenden Hoffnung, um nur ein paar davon zu nennen. Könnte der Film somit als neues Medium betrachtet werden, die unterschiedlichsten Glaubensinhalte direkt in die Privatsphäre der Menschen zu bringen? Und unterstützt er in diesem Sinne die derzeitige Tendenz der Menschen hin zur „Patchwork-Religiosität“ 7 ? Diese und weitere Fragen bildeten die Ausgangslage für das im Folgeabschnitt dargelegte Forschungsinteresse.
1 Forschungsziel
Ziel dieser Untersuchung ist es, einen Beitrag innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses über die Religion in den Medien zu leisten, genauer noch über das Potenzial religiöser Funktionen im Actionfilm. Zwar gibt es bereits viele Analysen, die den Film nach religiösen Analogien zur Bibel absuchen, ob jedoch eine sinnverwandte, religiös motivierte Lebenshilfe im Actionfilm verborgen steckt, konnte im Lauf der Nachforschungen nicht gefunden werden. Es geht also nicht darum, Abbilder biblischer Gestalten oder Motive in Actionfilmen wieder zu erkennen, oder die Renaissance der Jesusgestalt in Literatur und Film, die Georg Langenhorst in den letzten Jahren aufkommen sieht 8 , sondern um die Frage, ob der Film „religiöse Funktionen“ 9 anbietet. Entstanden ist die Idee für das Forschungsziel wie oben bereits kurz angeschnitten wurde daraus, dass man in den Medien immer wieder von der Abnahme an Kirchgängern, insbesondere Jugendlicher und junger Erwachsener hört. Eine Tendenz, die auch die nachstehende Abb. 1 sichtbar macht.
6 Hasenberg, Peter; Luley, Wolfgang; Martig, Charles (Hrsg.): Spuren des Religiösen im Film. Meilensteine
aus 100 Jahren Filmgeschichte. Mainz 1995, S. 14f.
7 Damit ist eine Religion gemeint, die aus verschiedenen religiösen Elementen zusammengesetzt ist.
8 Vgl. Langenhorst, Georg: Jesus ging nach Hollywood. Die Wiederentdeckung Jesu in Literatur und Film
der Gegenwart. Düsseldorf 1998, S. 25.
9 Siehe dazu das Kapitel 7: Funktionalitäten der Religion.
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Abb. 1: Religionslandschaft Schweiz 10
Aber auch Böhnke meint, dass die „Religion nicht mehr als Fundament der Gesellschaft [fungiere]“ 11 . Gemäss ihm gibt es keine verbindliche religiöse Basis mehr, da neuerdings die Gesellschafts- und Naturwissenschaften die Erklärungsmodelle liefern, wieso die Dinge so sind wie sie sind. Und indem die religiösen Institutionen und deren Handlungen somit nichts mehr zum Aufschluss über die Welt beitragen können, führe dies zu einem Plausibilitätsverlust. 12 Mit diesem Plausibilitätsverlust lässt aber ebenso die Funktion der Kirche als starker, moralischer Erziehungsfaktor nach. Auch die aktuelle Shell Jugendstudie 2006 besagt, dass Jugendliche den Kirchen in wichtigen Lebensfragen nicht mehr die entsprechende Kompetenz zuschreiben. 13 Daraus ergab sich die Frage, welche
10 Abb. SDA: Religionen. Landeskirchen verzeichnen grosse Verluste. In: Berner Zeitung, 22. Dezember
2004, S. 3.
11 Böhnke, Michael: Theologische Gründe für und wider die Funktionalität der christlichen Religion. In:
Jömann, Norbert; Junker, Christiane; Touma, Chadi (Hrsg.): Religion - wieso, weshalb, warum? Zur
Funktion von Religion aus soziologischer, biologischer, philosophischer und theologischer Sicht. Münster
2004, S. 91-112, hier S. 94.
12 Vgl. Böhnke, 2004, S. 97f.
13 Vgl. Shell Deutschland Holding [Shell] (Hrsg.): Jugend 2006. Eine pragmatische Generation unte r Druck.
Frankfurt am Main 2006, S. 28.
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Instanz Jugendlichen fortan die Funktionen der Religion 14 , wie beispielsweise Angstbewältigung oder die Vermittlung von Wertevorstellungen übermittelt. Die Studie von Shell zeigt, dass diese Funktion der Wertevermittlung neuerdings mehr und mehr von Familien und Freundeskreisen übernommen wird. 15 Aus dieser Thematik heraus entstanden folgende hypothetische Fragen: Besteht die Möglichkeit, dass der Actionfilm das Potenzial hat, einen Teil der religiösen Funktionen zu übernehmen? Denn nach welchen Werten und Glaubenssätzen richten sich Jugendliche, für welche die Eltern fremd und „uncool“ geworden sind und Schule zum täglichen mühsamen Pflichterfüllen gehört? Welche Vorbilder und Idole werden dann beachtet und als Modell genommen, um die eigene Identität herauszubilden und sich in der Welt zurechtzufinden? Aus diesem Kontext heraus stellte sich folgende forschungsleitende Frage:
Diese Fragestellung setzt sich mit dem Thema auseinander, ob analog zu den Aufträgen der Religion sinngemässe Funktionen auch im Actionfilm versteckt sind, so beispielsweise der gelingende Umgang mit seinen Mitmenschen, die Hilfestellung in nicht alltäglichen Konfliktsituationen oder die Unterstützung zur Identitätsbildung. Ob Actionfilme das Potenzial solcher religiösen Hilfsfunktionen vorweisen, soll im empirischen Teil dieser Arbeit anhand einer quantitativen Inhaltsanalyse an zwölf Actionfilmen erforscht werden. In diesem Teil wird dann auch genauer erläutert, wieso gerade der Actionfilm als Untersuchungs-gegenstand gewählt wurde.
Der Theorieteil der Arbeit befasst sich damit, inwiefern sich Jugendliche sozialisieren und ob sich durch das Medium Fernsehen überhaupt Weltvorstellungen und Lebenshaltungen aneignen lassen. Hier interessieren unter anderem auch Fragen wie: Welches sind die sozialen Funktionen der Medien? Fungieren die Medien als Sozialisationsinstanz? Wie sieht es mit der TV-Nutzung von Jugendlichen aus, wie viel und wann sehen sie heutzutage fern? Und welche Bedürfnisse werden dadurch befriedigt? In einem zweiten theoretischen Teil wird dann kurz auf die Präsenz von Religion in den Medien eingegangen, im
14 Erklärungen zu den Funktionen der Religion finden sich im Kapitel 7: Funktionalität der Religion.
15 Vgl. Shell, 2006, S. 28.
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Allgemeinen aber nimmt die Arbeit auf die Funktionalitäten der christlichen Religion Bezug.
1.1 Abgrenzung des Themas
Die Sozialisation Jugendlicher, die Medien als Sozialisationsinstanz, die Religion in den Medien sowie die Funktionen von Religion sind weitläufige Themenbereiche. Um diese Themen im Umfang einer Lizenziatsarbeit untersuchen zu können, müssen sie eingegrenzt werden. Die Arbeit beschränkt sich daher jeweils auf die für die Forschungsfrage relevanten Teilbereiche und muss auf eine vollumfängliche Erläuterung der Ansätze, Diskussionen und Hintergründe verzichten. In einer weiterführenden Arbeit hingegen wäre eine Vertiefung empfehlenswert. Gleiches gilt auch für die Forschungsfrage, die im Grunde genommen mit Hilfe von Wirkungsforschung untersucht werden müsste. Erst eine solche Folgestudie könnte zu aufschlussreichen Ergebnissen führen, ob der Actionfilm tatsächlich religiöse Funktionen anbietet, die Jugendlichen als Ersatzreligion dienen können. In dieser Arbeit kann deshalb nur untersucht werden, inwiefern der Actionfilm das Potenzial aufweist, Jugendlichen als Ersatzreligion zu dienen. Ob Jugendliche dieses Potenzial dann aber auch nützen, muss offen gelassen werden. Aufbauend auf diese Arbeit wäre aber beispielsweise eine Doktorarbeit interessant, die sich einer empirischen Langzeituntersuchung mit Jugendlichen widmen würde.
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II Theoretischer Hintergrund
Im nachfolgenden Kapitel wird in einem ersten Teil erforscht, in welchen Schritten und wie sich Jugendliche sozialisieren. Hinzu kommt die Frage, inwiefern die Medien und im konkreten Fall das Fernsehen einen Einfluss auf diese Sozialisation haben. Neben den Mediennutzungsmotiven (Uses and Gratifications Ansatz) werden auch die Medien als Sozialisationsinstanz und deren soziale Funktionen betrachtet. Der zweite Teil befasst sich mit dem Thema Religion in den Medien und der Funktionalität der Religion.
2 Theorie zur Sozialisation Jugendlicher
In diesem Kapitel wird der Begriff „Sozialisation“ definiert. Zudem werden Aussagen zur Begründung von Sozialisierungsvorgängen gemacht, die Jugendliche während ihrer Entwicklung durchleben.
2.1 Begriff „Sozialisation“
Um der Sozialisierung von Jugendlichen auf die Spur zu kommen, soll hier vorerst der Begriff Sozialisation geklärt werden:
Sozialisation ist also zusammengefasst
2.2 Die „Sozial-kognitive Lerntheorie“ von Bandura
Es gibt eine Vielzahl verschiedener Modelle zur Begründung von Sozialisationsvorgängen, die zwar unterschiedliche, wenn auch im Kern sehr ähnliche Darstellungsperspektiven der Sozialisationsproblematik aufzeigen. Um sich in diesen vielen Befunden nicht zu verlieren, wurde im Zusammenhang mit dem Thema dieser Arbeit die „sozial-kognitive Lerntheorie“ von Bandura ausgewählt. Sie eignet sich deshalb sehr gut zur Erforschung der Fragestellung der Arbeit, da sie das Lernen anhand von Modellen untersucht und dabei auch die Medien in ihre Studien einschliesst. Gemäss der Lerntheorie „Sozialkognitives Lernen - Sozialisation via Modelle“, welche hauptsächlich von Bandura entwickelt wurde, wird davon ausgegangen, dass Beobachtung und Imitation einen grossen Teil der Sozialisation ausmachen, wobei die Wirkung von Vorbildern eine entscheidende Rolle spielt. Das heisst, die meisten menschlichen Verhaltensweisen werden durch Beobachtung von Modellen angeeignet. Da es sich hierbei aber nicht nur um Nachahmung handelt, sondern auch um eine individuelle Anpassung des Beobachteten an das jeweilige soziale Umfeld, heisst die Lerntheorie auch sozial-kognitive Lerntheorie. 18 Die Informationen bzw. die Modelle werden gemäss Bandura durch physische Darbietungen, bildliche Repräsentationen oder verbale Beschreibungen übermittelt, er deutet in diesem
16 Grundmann, Matthias; Lüscher, Kurt (Hrsg.): Sozialökologische Sozialisationsforschung. Ein
anwendungsorientiertes Lehr- und Studienbuch. Konstanz 2000, S. 18.
17 Zimmermann, Peter: Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter.
2. Aufl., Opladen 2003, S. 16.
18 Vgl. Zimmermann, 2003, S. 33.
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Zusammenhang auf den beachtlichen Einfluss bildlicher Präsentationen, von Fernsehen, Filmen und anderen visuellen Medien hin. So meint er, könne beispielsweise die Entstehung von Peergroups, das heisst, die Bildung von bestimmten Typen-Gruppen belegen, wie sich Heranwachsende an ihren favorisierten Idolen orientieren. 19 So zum Beispiel die unzähligen Fangruppen von TV-Serienstars, für die auf Fanwebseiten nicht nur sämtliche Hintergrundinformationen zu den Stars angeboten werden, sondern auch Diskussionsforen, Fanartikel, usw. Diese Webseiten zeigen einen lebhaften Austausch innerhalb der Peergroups, sowie deren Identifikation mit den Stars, die sich teilweise sogar durch identisch gewählte Kleider und Sprüche manifestiert. Eine solche „Fan-Kultur“ oder „Interpretationsgemeinschaft“ sieht auch Bonfadelli in seiner Mediennutzungsforschung. Sie kann bewirken, „dass sich Individuen gewissen Medieninhalten, Sendungen oder Filmen wie z.B. Beverly Hills 90210, Bay Watch oder Rocky Horror Picture Show zuwenden und sich in der gemeinsamen Zuwendung zu diesen Medieninhalten spezifische Kulturen mit typischen Verhaltensmustern herausbilden können“. 20 Daraus lässt sich die plausible Annahme machen, dass auch Fans von Actionfilmen beispielsweise deren Helden imitieren oder anzustreben versuchen. Wichtig für die Untersuchung dieser Arbeit ist dabei aber grundsätzlich der Nachweis durch Bandura, dass „angesichts der Wirksamkeit und des Umfangs der Modellierung durch das Fernsehen, die Massenmedien eine einflussreiche Rolle für die Formung von Verhaltensmustern und die Prägung sozialer Einstellungen spielen“ 21 . Die sozial-kognitive Lerntheorie bekräftigt aber in Übereinstimmung mit dem im kommenden Kapitel erläuterten „Uses and Gratifications“ Ansatz ebenfalls, dass keine einseitige Beeinflussung des Subjekts stattfindet, sondern die Rezipienten ihre Wirklichkeit aktiv mitgestalten. 22 Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass betreffend dem Erkenntnisziel dieser Arbeit, Actionhelden ein unreflektiertes Vorbild für Jugendliche darstellen. Jedoch deutet die sozialkognitive Lerntheorie darauf hin, dass es Jugendlichen möglich ist, durch die Betrachtung von Filmen, und der darin vorkommenden Helden, Erkenntnisse zu
19 Vgl. Bandura, Albert: Sozial-kognitive Lerntheorie. Stuttgart 1979, S. 48.
20 Bonfadelli, Heinz: Medienwirkungsforschung I. Grundlagen und Perspektiven. Konstanz 1999, S. 58.
21 Bandura, 1979, S. 48.
22 Vgl. Bandura, 1979, S. 180ff.
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gewinnen, deren Konsequenzen sie zwar erfahren, aber selber direkt nicht miterleben müssen. Zimmermann nennt dies eine „soziale Verifizierung“, bei der sich Menschen „durch die Überprüfung der Gültigkeit des eigenen Denkens im Vergleich mit dem Urteil anderer“ sozial einordnen können. 23 Interessant zur Beantwortung der Forschungsfrage dieser Arbeit, (inwiefern Actionfilme religiöse Funktionen anbieten, die das Potenzial haben Jugendlichen als Ersatzreligion zu dienen), ist zudem, ob Jugendliche Idole und Modelle tatsächlich auch aktiv nachahmen. Da aufgrund des Zeitlimits dieser Arbeit keine Wirkungsforschung möglich ist, wird zur Verdeutlichung, dass eine solche Imitation plausibel ist, die mit Hilfe von Studien entwickelte Theorie des Modelllernens nach Bandura hinzugezogen. Gemäss ihm hängt eine Nachahmung der Modelle von folgenden Aspekten ab: Aufmerksamkeits-, Behaltens-, Motorische Reproduktions- und Motivationale Prozesse; Zimmermann hat diese Aspekte sehr treffend zusammengefasst: 24
Aufmerksamkeitsprozesse
Während man vor der TV-Ära nur die Mitmenschen in der Umgebung als Verhaltensmodelle zur Verfügung hatte, brachte das Fernsehen eine unendliche Anzahl neuer, wenn zum Teil auch fiktiver Modelle auf den Bildschirm und somit in die Haushalte. Was aber braucht es für die Aneignung solcher Modelle? Gemäss einer guten Zusammenfassung der Theorie von Bandura durch Zimmermann:
Bezogen auf die vorliegende Lizenziatsarbeit unterstützt diese Theorie die Auswahl des Filmhelden als potenzielles Idol oder Nachahmungsmodell Jugendlicher.
23 Vgl. Zimmermann, 2003, S. 34.
24 Vgl. Zimmermann, 2003, S. 35ff.
25 Zimmermann, 2003, S. 36.
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Behaltensprozesse
„Beobachtete Modelle sind nur dann wirksam, wenn Menschen sich an bestimmte Verhaltensweisen auch erinnern. Denn es kann ja sein, dass ein Modellverhalten nicht sofort umsetzbar ist (…). In der Zwischenzeit muss das Beobachtete gespeichert werden. (…) Dies geschieht mit bildhaften Vorstellungen, sprachlichen Beschreibungen oder mit begrifflichen Kennzeichnungen“. 26 Eine Möglichkeit zur bildhaften Speicherung solcher Modelle können beispielsweise Phantasie-vorstellungen eigener Heldentaten sein, die auf das persönliche Umfeld zugeschnitten sind. Hinzu kommt die Wiederholung in der Vorstellung und wenn möglich die Umsetzung in die Tat als wichtige Gedächtnisstütze, um Modelle effektiv verinnerlichen zu können. 27 Diese Voraussetzung wäre insofern gegeben, wenn sich Jugendliche immer wieder Actionfilme ansehen und sie dadurch den Anreiz verspüren, die guten Taten des attraktiven, erfolgreichen Helden zu imitieren.
Motorische Reproduktionsprozesse
„Soll ein Modellverhalten in das eigene Verhalten umgesetzt werden, müssen die körperlichen Fähigkeiten vorhanden sein. Wie schnell eine solche Umsetzung geschieht, hängt einmal von der Verfügbarkeit von Teilfertigkeiten und zum anderen von der Fähigkeit zur Selbstkorrektur ab“. 28 Nicht zuletzt sind natürlich auch Übung und ein fester Wille Bestandteil des Erfolgs.
Motivationale Prozesse
Um Verhaltensweisen in die Tat umzusetzen braucht es motivierende Ergebnisse, die beispielsweise Akzeptanz oder Belohnung versprechen. Das heisst, damit man bereit ist, eine Beobachtung auch umzusetzen, braucht es einen gewinnbringenden Wert. Ebenfalls überzeugend, wenn nicht genau so wichtig für das eigene Verhalten, wirken sich beobachtete negative Konsequenzen aus, die man zu verhindern sucht. 29 So hilft zum Beispiel Lob auf eine Handlung als positive Bestätigung, in diesem Sinne fortzufahren. Bezüglich dieser Arbeit würde
26 Zimmermann, 2003, S. 36.
27 Vgl. Bandura, 1979, S. 36.
28 Zimmermann, 2003, S. 36.
29 Vgl. Bandura, 1979, S. 38.
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dies bedeuten, dass man durch das positive Auftreten des Actionhelden angespornt wird, durch Imitation je nach Gelegenheit selbst diese Anerkennung zu erlangen. Anders ausgedrückt, kann in der sozial-kognitiven Lerntheorie schon rein die Erwartung der Konsequenzen einen verhaltenssteuernden Effekt im motivierenden oder demotivierenden Sinn bewirken. Trotzdem soll dabei nicht vergessen werden, sagt Zimmermann: „dass wir nicht einfach irgendwelche Modelle und deren Verhaltensweisen imitieren, sondern dass unsere Modellierungen in einer umfassenden Person-Situation-Interaktion stattfinden“. 30
2.3 Entwicklungsaufgaben von Jugendlichen
Ein interessanter Aspekt im Hinblick auf die Forschungsfrage ist ebenfalls die Entwicklungsaufgaben von Jugendlichen, die aus den Untersuchungen von Dreher und Dreher aus dem Jahr 1985 hervorgingen. Wobei mit „Entwicklungsaufgabe“ eine Aufgabe gemeint ist, „die sich in einer bestimmten Lebensperiode des Individuums stellt. Ihre erfolgreiche Bewältigung führt zu Glück und Erfolg, während Versagen des Individuums unglücklich macht, auf Ablehnung durch die Gesellschaft stösst und zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung späterer Aufgaben führt“. 31
Wichtig für Jugendliche zwischen fünfzehn und achtzehn Jahren sind demnach folgende fünf Entwicklungsaufgaben: 32
1. Aufbau eines Freundeskreises
2. Akzeptieren der Veränderungen des Körpers (Pubertät) 3. Verhalten aneignen, welches erwartet wird in der jeweiligen Gesellschaft 4. Entwickeln einer eigenen Weltanschauung, d.h. herausfinden, welche Werte man akzeptiert und als Richtschnur für sein Verhalten übernehmen möchte 5. Ziele entwickeln, die einem wichtig und realisierbar erscheinen
Habermas benennt diese eher schwierige Phase der Sozialisation im Jugendalter der 13-16-Jährigen als „Adoleszenzkrise“, in der sich die Heranwachsenden die Fragen stellen: „Wer bin ich, was werde ich sein?“ und sich kritisch mit den
30 Zimmermann, 2003, S. 37.
31 Oerter, Rolf; Montada, Leo (Hrsg): Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch. Weinheim 1995, S. 121.
32 Vgl. Dreher, Eva.; Dreher, Michael: Wahrnehmung und Bewältigung von Entwicklungsaufgaben im
Jugendalter. Weinheim 1985, S. 329.
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elterlichen Vorgaben, gesellschaftlichen Konventionen und kulturellen Richtlinien auseinander setzen. Es ist die Zeit, in der elterliche Einstellungen hinterfragt werden und nach eigenen bevorzugten Rollenmodellen gesucht wird. 33 Auch hier stellt sich die Frage, ob der Actionfilm mit seiner enormen Vielfalt an Rollenmodellen Vorbild und Reflektionsfläche sein kann, um Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit Hilfestellung und Anregungen zu bieten. Inwiefern hat der Actionfilm, bei der Entwicklung dieser Lebensbereiche das Potenzial, Antworten, Mithilfe und Ideen zu bieten?
Sofern die nachfolgende Untersuchung ergibt, dass die religiöse Funktion der Identiätsstiftung, auch im Actionfilm wieder erkennbar ist, so könnte die plausible Annahme gemacht werden, dass der Actionfilm das Potenzial hat Jugendliche auf der Suche nach ihrer Identität zu unterstützen.
3 Medien-Helden und ihre Bedeutung für Jugendliche
Im folgenden Abschnitt soll auf den Hintergrund eingegangen werden, weshalb zur Untersuchung der Forschungsfrage der Fokus auf die Helden der Actionfilme als Überbringer der religiösen Funktionen gerichtet wurde. Dabei wird nachfolgend jeweils vom Helden gesprochen, wobei damit auch die Heldin gemeint ist, die in zwei der zwölf Filme auch vorkommt.
3.1 Actionhelden als Idol und Vorbild
Die Untersuchung richtet sich unter anderem auf den Held des Actionfilms, da er die Hauptfigur dieses Genres darstellt und mehr oder weniger durch den ganzen Film hindurch präsent ist. Die Handlung wird somit wesentlich von seinem Agieren getragen, zudem wird die Hauptrolle in ihrem Tun und Wesen am meisten ausgeleuchtet. Gemäss der Figurenanalyse von Faulstich können nur begrenzt Charakteren auftreten, denn der Film „tut sich medienspezifisch - im Gegensatz etwa zum Buchroman - schwerer damit, Figuren in den Mittelpunkt zu stellen und allzu ausführlich und differenziert zu charakterisieren. (…) Deshalb sind Filme generell auch eher Handlungsfilme als Figurenfilme“. 34 Der Held wurde ausserdem gewählt, da er grundsätzlich mit positiven Werten assoziiert wird, indem er mutig
33 Vgl. Tillmann, Klaus-Jürgen: Sozialisationstheorien. Eine Einführung in den Zusammenhang von
Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung. 7. Aufl., Reinbek bei Hamburg 1996, S. 241.
34 Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse. München 2002, S. 95.
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Gefahren abwendet, Missstände auflöst und für Gerechtigkeit sorgt. „Akrobatik, (…), Wagemut und Tugendhaftigkeit des Helden werden ebenso demonstriert wie die begehrenswerte Schönheit einer Frau, die es wert ist, alles zu wagen und sich für den Pfad des Rechtes zu entscheiden“. 35 Andere favorisierte Werte des Helden sind seine Grosszügigkeit, seine Hilfe in schwierigen Situationen und seine zum Teil übernatürlich wirkenden, vor allem technischen Begabungen. Nicht zu vergessen ist sein Durchsetzungswille kombiniert mit hoher Risikofreude. Oft entwickelt er sich erst im Verlauf des Films zum Helden und grossen Kämpfer, indem er durch Zufall in eine Situation gelangt, die seine verborgenen Fähigkeiten fördert und ihn Unmögliches erproben lässt. Ein Aspekt, der verglichen werden kann mit der religiösen Funktion „Handlungsführung im Ausseralltäglichen“ 36 nach Kaufmann. Dabei lebt der Held vor, dass nur wer sich an das fremde Handlungsfeld und an die Grösse der Gefahr anpasst, überleben kann. 37 Er bietet in dem Sinn Hilfestellung an, wie mit einer nicht alltäglichen Sachlage umgegangen werden kann oder wie man trotz Rückschlägen mit Durchhaltekraft ans Ziel gelangt.
Gemäss einer Studie von Vorderer zum Thema, was Publikumslieblinge attraktiv macht und wovon die Intensität „parasozialer Beziehungen“ abhängt, ergaben sich die beiden Hauptaussagen, dass vor allem männliche Figuren als attraktiv erscheinen. Was die „parasoziale Beziehung“ zum medialen Helden interessant und subjektiv bedeutsam macht, ist dagegen das Vermögen der Figur, Erfolg zu haben. 38 Da die meisten Helden von Actionfilmen noch immer männlich sind und am Ende ihre Aufgabe erfolgreich bestehen, kann man darauf schliessen, dass die Helden das Potenzial haben vom Publikum favorisiert zu werden. Ralph Weiss, der sich mit der Sozialpsychologie der Medienrezeption befasst hat, meint dazu, dass das Fernseh-Idol einen Ich-Entwurf versinnbildlicht, „den die Rezipienten für attraktiv und erstrebenswert halten und zugleich selbst nicht wirklich auszufüllen meinen. (…) Die ’intensive Beziehung‘ zu einem Vor-Bild ist für junge Menschen
35 Becker, Wolfgang; Schöll, Norbert: Methoden und Praxis der Filmanalyse. Untersuchungen zum Spielfilm
und seinen Interpretationen. Opladen 1983, S. 61.
36 Siehe dazu die Ausführungen im Kapitel 7.2: Erklärungen zu „Handlungsführung im Ausseralltäglichen“.
37 Vgl. Traber/Wulff, 2004, S. 26.
38 Vgl. Vorderer, Peter: Unterhaltung durch Fernsehen. Welche Rolle spielen parasoziale Beziehungen
zwischen Zuschauern und Fernsehakteuren? In: Klingler, Walter; Roters, Gunnar; Zöllner, Oliver (Hrg.):
Fernsehforschung in Deutschland. Themen - Akteure - Methoden. Teilband 2. Baden-Baden 1998,
S. 689-707, hier S. 703f.
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von besonderer Bedeutung; denn sie sind mit der Vorbereitung einer eigenständigen, von den Eltern unabhängigen sozialen Existenz befasst. (…) Die Fernsehfigur versinnbildlicht einen Lebensentwurf, in dem sich die Fans wieder erkennen. [Das heisst], die Figur macht deren Idee eines geglückten Selbst gegenständlich; sie verwandelt die erstrebte Zukunft des eigenen Ich in ein gegenwärtiges, vorgestelltes Erlebnis“. 39
Wiederum lässt sich hier die identitätsbildende Funktion des Films feststellen, die auch die Religion gemäss Kaufmann als „Identitätsstiftung“ kennt. Diese Funktion der Religion besteht unter anderem darin die Persönlichkeit eines Individuums aufzubauen, gelingende Umgangsformen mit andern und sich selbst zu fördern und den Glauben zu festigen, dass man in seiner Art und Weise akzeptiert ist und somit die Sicherheit eines geglückten Selbst verspürt. 40 Auch der Actionheld wird immer wieder auf seine Identität hin geprüft, indem seine Ehre und Selbstbehauptung auf dem Spiel stehen. Dies beispielsweise, wenn er auf sich selbst gestellt einer extremen Bewährungsprobe unterliegt. 41
3.2 Abenteuerheld
Auch die Abenteuergeschichten sind auf den Helden zentriert, viele seiner Eigenschaften stimmen mit denen des Actionhelden überein. Aus Gründen der Vollständigkeit, soll er hier aber trotzdem separat aufgeführt werden. Der Abenteuerheld zeichnet sich gemäss Rother durch folgende Eigenschaften aus: „Er soll vielseitige körperliche, geistige und moralische Qualitäten besitzen, um Gefahren siegreich bestehen zu können, er soll ein Freund des Menschen, des Volkes sein, ihre Züge tragen und mit ihnen oder doch für sie gegen Unrecht, Unterdrückung, Heuchelei kämpfen, er soll erfolgreich mit bestehenden Missständen fertig werden und neue, bessere ’Welten‘ suchen und entdecken“. 42 Der Held des Abenteuerfilms kann aber genauso die Rolle des Konterrevolutionärs, des Rebellen oder des Aussenseiters übernehmen. Er wird zudem durch seine Geschicklichkeit, seine athletischen Darbietungen und seine Kampfkunst idealisiert. Die Motivation des Helden ein Abenteuer in Angriff zu
39 Weiss, Ralph: Fern-Sehen im Alltag. Zur Sozialpsychologie der Medienrezeption. Wiesbaden 2001,
S.262f.
40 Vgl. dazu die Ausführungen im Kapitel 7.1: Erklärungen zu „Identitätsstiftung“.
41 Vgl. Rother, Rainer (Hrsg.): Sachlexikon Film. Reinbeck bei Hamburg 1997, S. 14.
42 Rother, 1997, S. 9f.
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nehmen, kann von Ruhm und Geld geleitet sein, der Befriedigung von Sehnsüchten dienen oder bis hin zu Adrenalin ausstossenden Mutproben und klassisch, selbstlosen Rettungsszenarien reichen. 43 Konkret heisst das: „Männer, die für Freiheit und Moral den Kampf gegen das Böse wagen, für die Liebe einer Frau ihr Leben aufs Spiel setzen und den Zuschauer auf Erkundungen und Reisen in ferne exotische Länder entführen“. 44
Becker nennt diese Filme, welche die Suche nach Moral und den Kampf gegen die Bösen verkörpern „Problem-“ und „Moralfilme“, da sie penetrante Moralitäten enthalten wie beispielsweise: „Verbrechen lohnt sich nicht“ - „Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit!“ - „Bleibe bescheiden und nähre dich redlich“ und biete auch sonst viele Variationen bürgerlicher Charaktere. 45 Dargestellt werden „alles Menschen, die sich in einem permanenten Kampf um ihre Selbstverwirklichung befinden, Menschen mit Vorsätzen und Absichten, mit anspruchsvollen Prinzipien, an denen sie festhalten, Menschen mit Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen“ 46 . Helden also, die gegen aussen das Bild vermitteln, trotz Niederschlägen weiterzukämpfen und gegen alles und jeden gerüstet zu sein. Helden die ein „Gott gegebenes“ Vertrauen zu haben scheinen, dass am Ende alles gut kommt oder zumindest alles seinen Sinn hatte. Eine Lebenseinstellung, die auch von der Religion gefördert wird. 47
Zusammengefasst birgt der Held folglich verschiedenste positive und erstrebenswerte Elemente in sich. Er ist geistesgegenwärtig, ideell orientiert, er stellt die Gerechtigkeit wieder her, setzt sich für die Unterdrückte ein, er ist athletisch, männlich, selbstsicher, entscheidungsfreudig, souverän, mutig, verantwortungsvoll, grosszügig, abenteuerlustig, risikofreudig und weiss auch die schwierigsten Gefahren irgendwie zu meistern. Wer also gäbe ein besseres Vorbild ab als der Held mit all diesen Qualitäten?
Das folgende Kapitel soll vorerst Auskunft darüber geben, inwiefern das Medium Fernsehen überhaupt genutzt wird und für welche Bedürfnisbefriedigung.
43 Rother, 1997, S. 10.
44 Koebner, Thomas: Reclams Sachlexikon des Films. Stuttgart 2002, S. 7.
45 Vgl. Becker/Schöll, 1983, S. 97.
46 Becker/Schöll, 1983, S. 100.
47 Siehe dazu Kapitel 7: Funktionalitäten der Religion.
Seite 16
4 Theorie zur Wirkung und Nutzung der Medien
Die Frage nach der Wirkung der Medien auf die Rezipienten und nach den grundlegenden Aspekten des Kommunikationsvorganges gibt unzählige Befunde wieder: die „Lasswell-Formel“, das „Feldschema“ von Maletzke oder das „two-step flow“-Modell, um nur einige davon zu nennen. Die Anzahl der Wirkungs- und Nutzungsmodelle sind kaum überschaubar und die Frage nach der Wirkung der Medien ergibt keine eindeutige Antwort. „Tatsache ist (…), dass bis heute keine allgemeingültige Theorie und somit auch keine eindeutige Antwort auf diese Frage existiert (…)“. 48 Spezifisch für das Medium Film wurde nachstehende frühe kritische Medientheorie bekannt: die „Film-Theorie“ von Balazs. 49 Pürer fasst sie in seinem Buch treffend zusammen:
Das Medium Film als bekanntlich sehr komplexes Zusammenspiel zwischen Bild, Ton und Bewegung wird also bereits in frühen Medientheorien als ein interaktives und somit bewegendes, antreibendes Medium gesehen. Während sich die Kommunikationswissenschaft in ihren Anfängen zunächst darauf fixierte, welche Wirkungen die Medien auf die Rezipienten haben (Wirkungsansatz), sah man diesen Ansatz später als ein zu einseitig verlaufender Prozess an und befasste sich fortan auch mit Auswirkungen auf den Rezipienten. Woraus sich der „Nutzenansatz“ oder im Englischen „Uses and Gratifications Approach“ entwickelte. 51
48 Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Wien-Köln-Weimar (2)
1995, S. 177.
49 Vgl. Pürer, Heinz: Einführung in die Kommunikationswissenschaft. München (5) 1993, S. 166.
50 Pürer, 1993, S. 166.
51 Vgl. Maletzke, Gerhard: Kommunikationswissenschaft im Überblick. Grundlagen, Probleme, Perspektiven.
Opladen 1998, S. 118f.
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4.1 Der Uses and Gratifications Ansatz
Dieser Ansatz geht von einem aktiven Publikum aus, welches sich den Botschaften der Medien bewusst zuwendet und diese je nach individuellem Bedürfnis auch für sich beansprucht. Solche Gratifikationen können emotionaler Art sein oder auch kognitive Leistungen beinhalten, wie Informationen, Aufklärung, soziale Kontakte, Wissenserweiterung, Enkulturation, Unterhaltung oder Lebenshilfe. 52 Im Uses and Gratifications Ansatz kommen drei Hauptkomponenten zusammen: „Die Lehre vom Nutzen durch Bedürfnisbefriedigung; die These vom aktiven Rezipienten; die Theorie der symbolischen Interaktion“. 53 Das Erste heisst, dass der Mensch danach sucht, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Können diese befriedigt werden, so zieht er daraus einen Nutzen (gratification). Daraus ergibt sich die These vom aktiven Rezipienten als zweite Komponente. 54 Wie sich also bereits im Ansatz von Bandura zeigte, wird der Mensch keineswegs als ein passiver Empfänger begriffen, sondern vielmehr als ein aktiver Teilnehmer. 55 Die dritte Hauptkomponente des Uses and Gratifications Ansatzes befasst sich mit dem zwischenmenschlichen Verhalten und wurde wesentlich von Mead entwickelt. Diese symbolische Interaktion bedeutet, „dass der Mensch sich nicht nur in einer natürlichen, sondern auch in einer symbolischen Umwelt bewegt, d.h. sich an Bedeutungen und Bewertungen seiner Umwelt orientiert. (…) und weil der Einzelne die Bedeutungen der ihn umgebenden Wirklichkeit erst im kommunikativen Austausch mit den ‘anderen’ lernt und bildet“ 56 . Meyen fasst folgende Grundannahmen für den Uses and Gratifications Ansatz treffend zusammen: 57
N Mediennutzung kann über Bedürfnisse und Motive der Rezipienten
erklärt werden.
N Das Publikum ist aktiv, kennt seine Bedürfnisse und handelt
zielgerichtet. Die Handlung wird dabei auch durch eine Kosten-
Nutzen-Kalkulation gesteuert und damit auch von den Erwartungen
52 Vgl. Bonfadelli, 1999, S. 57.
53 Maletzke, 1998, S. 119.
54 Vgl. Maletzke, 1998, S. 119f.
55 Vgl. mit Kapitel 2.2: Die „Sozial-kognitive Lerntheorie“ von Bandura
56 Teichert, W.: „Fernsehen“ als soziales Handeln. Zit. in: Maletzke, Gerhard: Kommunikations-wissenschaft
im Überblick. Grundlagen, Probleme, Perspektiven. Opladen 1998, S. 121.
57 Meyen, Michael: Mediennutzung. Mediaforschung, Medienfunktionen, Nutzungsmuster. Konstanz, 2004,
S. 12.
Seite 18
an die Medien. Diese Medien-Images werden davon beeinflusst, ob
man die gesuchten Belohnungen bekommt oder nicht.
N Medien konkurrieren nicht nur untereinander um Zeit und
Aufmerksamkeit der Menschen, sondern auch mit anderen Quellen
der Bedürfnisbefriedigung. Mediennutzung ist deshalb nur zu
verstehen, wenn man diese Alternativen berücksichtigt.
N Medien können eine ganze Reihe von Bedürfnissen befriedigen,
wobei ein und dasselbe Angebot zu ganz verschiedenen Zwecken
genutzt werden kann.
Doch auch der Uses and Gratifications Ansatz bietet keine abgeschlossene Erklärung, vielmehr ist er eine sinnvolle Ergänzung zum Wirkungsansatz. 58 Ähnliche Theorien findet man aber auch in der Psychologie, so beispielsweise bei den oben beschriebenen Theorien von Bandura, in denen er darauf hinweist, dass das Erleben von Medieninhalten an keine automatischen, gleich bleibenden Reaktionen gekoppelt ist. Der Uses and Gratifications Ansatz wäre hier aber vor allem auch für eine weiterführende Studie dieser Arbeit interessant, wenn es darum ginge, Medienwirkungsforschung zu betreiben. Es liesse sich damit der Frage nachgehen, inwieweit der Actionfilm Jugendlichen einen Nutzen anbieten könnte, damit beispielsweise die im Film vom Helden positiv übermittelten Werte oder Verhaltensweisen übernommen und als Lebenshilfestellungen gebraucht würden. Wäre es möglich, dass der Actionfilm als ein von Jugendlichen akzeptiertes Medium, neu als Überbringer religiöser Werte den Pfarrer ersetzen könnte?
4.2 TV-Nutzung
Die Bedeutung der Medien für Kinder und Jugendliche im Alltag hat seit dem einfachen Erwerb von Fernseher, Computer, Internet und Videospiel zugenommen. Die meisten Haushalte haben mindestens einen Fernseher, aber auch ein Computer und das Internet gehören nach und nach zur Standardausrüstung in der westlichen Welt. Fernsehen ist aber fraglos zum Bestandteil des Alltags geworden.
58 Vgl. Maletzke, 1998, S. 123.
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Die allgemeinen Funktionen, die das Fernsehen so beliebt machen, hat Kunkel in Anlehnung an Retter bzw. Baake folgendermassen treffend zusammengefasst: 59 1. Die Funktion als Informationsträger und zur Herstellung von Öffentlichkeit. Dabei wird der Fernseher als Instrument der öffentlichen Meinungsbildung angesehen, der den gesellschaftspolitischen Bereich durch Informationsvermittlung abdeckt. 2. Die Erziehungs- und Bildungsfunktion. Sie bietet kulturelle Angebote, die nicht nur Wissen sondern auch Bildung allgemein zugänglich machen. 3. Die Bereitstellung von Angeboten zur Unterhaltung. Sie ermöglichen ohne grossen Kostenaufwand einen bequemen Zeitvertreib. Und zuletzt wäre da noch der 4. Aspekt, die soziale Funktion des Fernsehens. Damit ist gemeint, dass der TV die ganze demografische Spannbreite mit „persönlicher Orientierungs- und Lebenshilfe“ versorgt oder auch als Verbindung zur Aussenwelt dienen kann. 60 Diese verschiedenen kognitiven, emotionalen und sozialen Bedürfnisse der Rezipienten, auf welche dieser Ansatz hinweist, zeigen einmal mehr, dass die Lebenshilfe ein Bestandteil des Grundes ist, wieso man gerne fernsieht. Bei Untersuchungen des allgemeinen Nutzungsverhaltens geht es um Fragen wie: Zu welcher Tageszeit schauen Sie am meisten fern? Wie oft sehen Sie fern und wie lange? Welche Sendungen bevorzugen Sie? Usw. Die aktuelle Sonderauswertung der TV-Nutzungsdaten der Schweizer und Schweizerinnen zwischen 1999 und 2004 nach Soziodemografie, durchgeführt von SRG SSR idée suisse, hat unter anderem folgende Ergebnisse hervorgebracht: 61 Die Reichweite des Fernsehens machte 2004 in der Schweiz gegen 75% aus. Pro Kopf schauten die Deutschschweizer durchschnittlich 148 Minuten TV im Tag. Die Fernseh-Nutzung in der französischen und italienischen Schweiz lag mit 173 bzw. 178 Minuten etwas höher. Dabei fällt auf, dass die SchweizerInnen in kleineren Ortschaften länger vor dem Fernseher sitzen bleiben als Einwohner grösserer Orte. Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren schauten im Durchschnitt 99 Minuten pro Tag fern, wobei die Anzahl erreichter Jugendlicher in der deutschen
59 Vgl. Retter, Hein: Antifernseh-Fibel. Kindererziehung ohne Fernsehen. Anstiftung zu einem fernsehfreien
Familienleben. Bamberg 1981, bzw. Baake, Dieter: Kommunikation und Kompetenz. Grundlagen einer
Dialektik der Kommunikation und ihrer Medien. München 1975, zit. in: Kunkel, Andreas: Fernsehleben.
Mediennutzung als Sozialisationsfaktor. Auswirkungen des Fernsehens auf Gesellschaft und Individuum.
München 1998, S. 121.
60 Vgl. Retter, 1981, bzw. Baake, 1975, zit. in: Kunkel, 1998, S. 121.
61 Vgl. Dähler, M.; Jedele, M.; Messerli, F.: Die TV-Nutzung nach Soziodemografie. Sonderauswertung der
TV-Nutzungsdaten 1999-2004 nach demografischen Merkmalen. Bern 2006, S. 4-22.
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Schweiz bei 61% lag. Die am meisten genutzte Sendezeit ist bei allen Altersgruppen zwischen 18:00 und 23:00. Auch bei den Jugendlichen steigt die TV-Nutzung in dieser Zeit an. In Anbetracht dessen, dass um 20:15 oftmals Spielfilme beginnen und die Lieblingssender der 15-24-jährigen PRO7 (35%), SF1 (34%) und RTL (33%) sind, kann davon ausgegangen werden, dass der Hollywoodfilm zum oft und gern Gesehenen zählt. Wobei SF1 primär als Informationsquelle gebraucht wird. Auch RTL2 und SAT1 stehen vorne auf ihrer Liste und demonstrieren die Bevorzugung der Privatsender mit deren Fokus auf Info- und Entertainment. 62 Hinzu käme, nebst den Populärfilmen im Kino, das Sehen von DVDs und Videos deren Inhalt gemäss den „Top-Ausleihlisten“ zahlreicher Verleiher der Schweiz auch hauptsächlich auf dem Entertainmentsektor liegt. Gemäss Warneke, Regisseur für Kinospielfilme und Professor an der Hochschule für Film- und Fernsehen in Potsdam, ist das Interesse der Zuschauer aus folgenden Gründen auf die populäre Filmkultur ausgerichtet, da sie Wunschvorstellungen, die ehemals von den religiösen Weltbildern zur Verfügung standen, abbilden. Es zeige sich darin ein „Sehnsuchtsverhalten“, welches in der Vergangenheit primär über religiöse oder politisch-ideologische Bewusstseinskonstrukte bedient wurde. Warneke begründet dieses Interesse an einem Bezugsrahmen, in der „Sinnentleerung“ der Welt aufgrund der Säkularisierung und der Abwesenheit eines zusammenhängenden Weltbildes - eines einheitlichen Grundwertes. Daher würden primär Geschichten und Verhaltensmuster favorisiert, in denen das Leben, die Welt und das Menschsein bejaht werden und in denen das Leben und seine Zusammenhänge sinnstiftend dargestellt sind. 63 In diesem Ansatz zeigt sich wiederum ein Argument, das für eine religiöse Funktion des Populärfilms spricht und zwar indem es auf sein sinnstiftendes Leistungsvermögen hinweist. Dieses Kapitel sollte dazu dienen die Reichweite des Mediums Fernsehen anzudeuten, und dem daraus resultierenden Potenzial eine Nachricht, Bildung, Unterhaltung oder ein Weltbild, nach der Auffassung Warneke, beständig in unzählige Haushalte zu vermitteln.
62 Vgl. Dähler/Jedele/Messerli, 2006, S. 4-22.
63 Vgl. Warneke, Lothar: Transzendenz im populären Film. Beiträge zur Film- und Fernsehwissenschaft BFF.
Berlin 2001, S. 58ff. und 254.
Seite 21
5 Theorie zur Funktion der Medien und ihr Potenzial als
Sozialisationsinstanz
Dienten die vorhergehenden Kapitel dazu, im Allgemeinen zu veranschaulichen, dass der Fernsehapparat einen kaum noch wegzudenkenden Platz im heutigen Leben einnimmt, dessen Nutzen in der Bedürfnisbefriedigung verschiedenster Art liegt, so werden in diesem Kapitel die Überlegungen nun auch auf die Funktion und den Sozialisationsfaktor der Medien ausgeweitet. Dabei wird unter anderem die Frage untersucht, inwieweit die Medien, im Speziellen der Film, geeignet sind, neben dem Informationsbedürfnis auch einen Teil an sozialen Bedürfnissen zu befriedigen. Die Durchforschung der Literatur zeigte dabei auf, dass den Medien eine starke und sozialisierende Rolle zugesprochen wird. Ein kleiner Ausschnitt davon soll zeigen, welche Bedeutung der Sozialisation durch die Medien beigemessen wird.
Langenhorst beispielsweise räumt den Medien die Funktion der „Ästhetisierung“ der Lebenswelt ein, womit er ausdrücken will, „dass die - ursprünglich im sozialen menschlichen Miteinander beheimatete - Weitergabe zentraler Erfahrungen, Gedanken, Informationen und Werte mehr und mehr durch mediale Vermittlung vollzogen wird: Printmedien und elektronische Kommunikations- und Unterhaltungsmaschinerie bestimmen ganz massgeblich den individuellen und gesellschaftlichen Alltag“ 64 . Auch Lange sieht in den modernen Medien eine nicht zu unterschätzende Sozialisationsinstanz:
64 Langenhorst, Georg: Jesus ging nach Hollywood. Die Wiederentdeckung Jesu in Literatur und Film der
Gegenwart. Düsseldorf 1998, S. 14.
65 Lange, Andreas: Sozialisation durch Medien. In: Grundmann, Matthias; Kurt Lüscher (Hrsg.):
Sozialökologische Sozialisationsforschung. Ein anwendungsorientiertes Lehr- und Studienbuch. Konstanz
2000, S. 305-332, hier S. 305.
Seite 22
In diesem Sinne werden Jugendliche immer wieder mit Medien konfrontiert, die durch ihre Allgegenwart Lebensweisen, Vorstellungswelten und Persönlichkeitsentwicklung mitprägen. Denn „die Medien sind - wie auch die Gleichaltrigengruppen - zu einer wichtigen Sozialisationsinstanz geworden, die die traditionellen Sozialisations- und Erziehungsinstitutionen Elternhaus und Schule einerseits ergänzen, mit ihnen andererseits jedoch auch konkurrieren“ 66 . Wie im Kapitel 4.1 Der Uses and Gratification Ansatz bereits erläutert wurde, funktionieren die Medien aber nicht nach einem einseitigen, monokausalen Wirkungsverlauf, sondern basieren auf einer starken Verknüpfung zwischen Medienreiz und Rezipient. Das heisst, das Medienangebot wird nicht einfach wahllos rezipiert und internalisiert, sondern gemäss erwartetem Nutzen konsumiert. Solche Nutzen der Massenmedien für seine Rezipienten sind gemäss McQuail die folgenden:
Tabelle 1: Funktionen der Massenmedien nach McQuail 67
66 Fritz, Karsten; Sting, Stephan; Vollbrecht, Ralf (Hrsg.): Mediensozialisation. Pädagogische Perspektiven
des Aufwachsens in Medienwelten. Opladen 2003, S. 7.
67 McQuail, Denis: Mass Communication Theory. An Introduction. 3. Aufl., London 1996, zit. in Meyen, 2004,
S. 16.
Seite 23
Unter anderem findet sich bei dieser Auflistung der Lehrsatz der Wirklichkeitsflucht, die Eskapismusthese. Eine These, die sich bisher in unzähligen Medientheorien gut gehalten hat. Sie besagt, „dass Menschen wenigstens vorübergehend aus der Realität, in der sie leben, aussteigen, aus der Wirklichkeit fliehen (escape) wollen - sei es, um den Alltag zu vergessen, um sich von der Arbeit abzulenken und sich vom Stress zu erholen oder um sich von der Familie und den Haushaltspflichten zurückzuziehen“ 68 . Dabei hat sich zudem die Vermutung durchgesetzt, dass es sich um ein menschliches Grundbedürfnis handelt, dem Alltag von Zeit zu Zeit zu entfliehen. 69
Für die Untersuchung dieser Arbeit sind aber vor allem folgende Aspekte dieser Medienfunktionen interessant, Aspekte, die früher primär durch religiöse Institutionen wie die Kirche verbreitet wurden: Die eigene Integration, die Rollenhilfe, das Bedürfnis nach persönlicher Identität, die Bestärkung persönlicher Werte, die Suche nach Verhaltensmodellen sowie die Identifikation mit anderen und zuletzt die Selbstfindung. Diese Funktionen der Medien unterstützen die plausible Annahme der Forschungsfrage, dass sich Jugendliche auch religiöser Motive in Actionfilmen bedienen um ihre Identität zu entwickeln und sich zu sozialisieren.
Auch die Amerikanerin Miles spricht in ihren Untersuchungen zur Bedeutung von Religion und Werten im Populärfilm davon, dass die Gesellschaft ihre Wertevorstellungen neu aus der Medienkultur abliest in der man lebt und nicht mehr wie früher von den „Kirchenwänden“. 70 „Media images are one of the most pervasive means by which Americans receive representations of identity and diversity, relationships, and social arrangements and institutions”. 71 Dabei geht sie nicht davon aus, dass ein einzelner Film diesen Einfluss hat, sondern „the recurrence of similar images across films weaves those images into the fabric of the common life (…), influencing everything from clothing styles to accepted and expected behavior” 72 . Die Vermittlung ist demnach nicht bereits nach einem Film möglich, sondern kann sich erst durch wiederholtes Ansehen eines ähnlichen
68 Meyen, 2004, S. 16.
69 Meyen, 2004, S.16.
70 Vgl. Miles, Margaret R.: Seeing and Believing. Religion and Values in the Movies. Boston 1996, S. 3.
71 Miles, 1996, S. 3.
72 Miles, 1996, S. 4.
Seite 24
Vorbildes herauskristallisieren. Aber dafür ist der Populärfilm ja gerade bekannt, dass er sich an die altbewährten, vom Publikum favorisierten Konventionen hält, wodurch die Konstanz gewährleistet wäre. So sind auch Actionfilme sehr konsistent in ihrem Aufbau und lassen daher vermuten, dass sie sozialisierende Elemente aufweisen, die als Hilfe zur gesellschaftlichen Integration dienen können. „Der Begriff Mediensozialisation unterstellt also aktiv handelnde Individuen, die sich im symbolischen Feld der Medien selbst sozialisieren. Diese Selbstsozialisation ist insbesondere für das Jugendalter typisch“ 73 , wenn es wie oben erwähnt darum geht, die eigene Identität gegenüber den Eltern und dem Umfeld herauszuentwickeln, sich zu orientieren und zu positionieren. Auf der Suche nach Grenzen, Thrill, Action und Intensität bieten ihnen Medien, wie zum Beispiel der Actionfilm, virtuelle Erfahrungsräume, Phantasiewelten und Grenzerfahrungen, die sie real nicht erleben könnten oder möchten. 74 Auf dieser Suche nach stabilisierenden und sinnstiftenden Anhaltspunkten zur Bewältigung des Alltags bieten die Spielfilme Erklärungsmuster teilweise auch in Form von Mythen an. Mythen vermitteln „Götter-, Schöpfungsgeschichten der Vor- oder Frühgeschichte und enthalten symbolische und ins phantastische gehende Elemente (…). Hierbei ist immer das Eingreifen des Metaphysisch-Höheren, ‘Göttlichen’ in die irdisch-menschliche Geschichte gegeben“ 75 . Dies sind Themen, auf die der Mensch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens stösst. Die Mythen dienen dabei als Erklärungsstütze, worin Jugendliche Anregungen suchen, wie sie ihr Leben bewältigen können, ebenso treffen sie dabei auf Symbole, die ihnen beispielsweise in der Werbung Schönheitsideale durch Bodylotions oder den Genuss von Freiheit und Power mit temporeichen Autoaufnahmen suggerieren. Das gleiche passiert auch, wenn sich Jugendliche Medienstars zum Idol und Vorbild nehmen. 76 Auch sie dienen ihnen als Stütze und für Anregungen.
73 Fritz, u.a., 2003, S. 8.
74 Vgl. Karsten, u.a., 2003, S. 8f.
75 Wikipedia: Mythos. Begriff und Bedeutungen. 22.11.2006. URL:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mythos#Begriff_und_Bedeutungen (23.11.2006).
76 Vgl. Pfeiffer, Susanne: Film und Religion. Die Mediensozialisation Jugendlicher im Informationszeitalter.
Münster 2000, S. 29.
Seite 25
5.1 Soziale Funktionen der Medien
Die Anzahl der Medienfunktionen ist gross wie oben bereits erläutert wurde. Zu den gängigsten gehören Information, Unterhaltung, Ablenkung, Escapismus (Flucht aus dem Alltag) und Zeitfüller. Wissenswert für den empirischen Teil dieser Arbeit sind unter anderem aber auch die sozialen Funktionen der Medien, welche teilweise auch mit den religiösen Funktionen nach Kaufmann übereinstimmen. 77 Diese Auflistung soll bei der Bestimmung mithelfen, welche religiösen Funktionen davon auch der Actionfilm für Jugendliche übernimmt. Dr. Vollbrecht, Professor für Medienpädagogik, unterscheidet dabei zwischen sozialen, biographischen und Ich-bezogenen Funktionen: 78
Soziale Funktionen:
N Gesprächsanlässe in Familien und Peergroups N Meinungsbildung
N Gruppenidentität (z.B. in Jugendkulturen) N sich in Medienwelten positionieren
Biographische und Ich-bezogene Funktionen:
N Identitätsentwicklung (Vorbilder, Normen, virtuelle Erprobungen) N Selbst-Vergewisserung, Selbst-Reflexivität und Selbst-Darstellung N Modell-Lösungen für persönliche oder entwicklungsbezogene Themen
Auf der Suche nach Antworten bleiben die Jugendlichen an jenem Angebot hängen, das ihre aktuellen Bedürfnisse, Fragen oder Alltags- bzw. Lebenssituationen widerspiegelt. Die Medien bieten ihnen folglich neue Perspektiven beim Beobachten der Welt und sich selber an. Es bleibt wiederum nicht nur bei einer teilnahmslosen Betrachtung von aussen, sondern beinhaltet auch eine gewisse Involvierung. Wie stark diese Involvierung aber ist, kann von Person zu Person variieren. Gemäss einer Studie des Deutschen Jugendinstituts gehören aufgrund ihrer Lieblingsfilme vor allem Frauen- und Männerbilder sowie
77 Vgl. mit dem Kapitel 7: Funktionalitäten der Religion.
78 Vollbrecht, Ralf: Aufwachsen in Medienwelten. In: Fritz, Karsten; Sting, Stephan; Vollbrecht, Ralf: (Hrsg.):
Mediensozialisation. Pädagogische Perspektiven des Aufwachsens in Medienwelten. Opladen 2003,
S. 13-24, hier S. 15.
Seite 26
die Verlässlichkeit von Beziehungen, der Wunsch nach Nähe und emotionaler Sicherheit zu den Hauptthemen von Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren. 79 Der Aspekt der Verlässlichkeit von Beziehungen soll bei der Untersuchung in Betracht gezogen werden.
5.2 Der Actionfilm als potenzielle Sozialisationsinstanz
Der Actionfilm als partielle und vor allem potenzielle Sozialisationsinstanz wurde zum Untersuchungsgegendstand dieser Arbeit gewählt, da er als Bestandteil der Medien und somit auch der Sozialisationsumwelt, in der heutigen modernen Gesellschaft mit seiner Reichweite und seinem Einfluss auf Jugendliche nicht zu unterschätzen ist. Vor allem durch den praktisch in jedem Haushalt anzutreffenden Fernsehapparat, der zu Informations- und Unterhaltungszwecken oft im Alltag verankert ist, findet der Actionfilm zu Hauptsendezeiten eine enorme Verbreitung. Dr. Schorb, Professor für Medienpädagogik, beschreibt das Fernsehen sogar als das vorherrschende Angebot im Prozess der Sozialisation, aus dem sich heutzutage Jugendliche Wissen und Orientierungen für ein erfolgreiches Hineinwachsen in die Welt heraussuchen - im Gegensatz zum institutionalisierten Lehren, welches nur sehr beschränkte Wahlmöglichkeiten der Lernenden aufweist. Weiter führt Schorb aus, dass sich die Suche mit dem Älterwerden verändert, indem die Jugendlichen dann nach Bestätigung für mehr oder minder ausgeprägte Haltungen, Einstellungen und Urteile suchen. 80 „Dies gilt für die inhaltlichen Bereiche, die verbunden sind mit der Internalisierung gesellschaftlicher Normen und Werte auf der einen und der Ausbildung der je eigenen Identität auf der anderen Seite“. 81 In diesem Sinne kann der Film, als Teilbereich der Medien, auch sozialisierende Aspekte enthalten, die den Jugendlichen diverse Lebensumstände erklären helfen, Antworten und Neuigkeiten bieten, oder aber moralische Grundwerte, Verhaltensregeln und Gesellschaftsnormen vermitteln. Lange bringt hierzu das anschauliche Beispiel des Merchandisings von Serien und Filmen. Dazu werden die Konsumgüter mit einem Image belegt, welches sich
79 Vgl. Barthelmes, Jürgen; Sander, Ekkehard: Erst die Freunde, dann die Medien. Medien als Begleiter in
der Pubertät und Adoleszenz. Medienerfahrungen von Jugendlichen. Bd. 2., München 2001, S. 84 -86.
80 Vgl. Schorb, Bernd: Politische Sozialisation durch Medien. In: Fritz, Karsten; Sting, Stephan; Vollbrecht,
Ralf: (Hrsg.): Mediensozialisation. Pädagogische Perspektiven des Aufwachsens in Medienwelten.
Opladen 2003, S. 77.
81 Schorb, 2003, S.77f.
Seite 27
Kinder und Jugendliche mit dem Kauf des Produktes anzueignen versuchen, indem sie sich dank der erworbenen Ähnlichkeit durch Kleider, Accessoires, usw. der Identität der Heldenfigur oder dem Pop-Idol annähern können. 82 Es findet also bei gewissen Rezipienten eine Annäherung an die erstrebten Vorbilder statt, die sich nicht nur in nachgeahmten Handlungen manifestiert, sondern auch in visueller Form zeigt. Dies jedoch mit dem Vorbehalt, dass das Ausmass des Sozialisierungsprozesses immer auch an die Seite der zu beeinflussenden Rezipienten gebunden ist. Sie wählen eigenständig aus der Fülle von Angeboten diejenigen Informationen aus, die für sie von Interesse sind. Die Medien wirken demzufolge nicht allumfassend, sondern nur im Bereich persönlicher Selektion. Mediale Sozialisation ist demnach ein Prozess, der in zwei Richtungen verläuft, zum einen in Form der Beeinflussung der Subjekte durch die Medien, und zum anderen durch die Wahl oder Ablehnung der Medienerzeugnisse durch die Rezipienten. 83
Es soll hier nochmals betont werden, dass der Anspruch dieser Arbeit nicht darin besteht, den Schulen, Familien, Freunden und Kirchen ihre Sozialisierungsfunktion abzusprechen, sondern eine Untersuchung durchzuführen, die im Actionfilm als Teilbereich der Medien nach einem potenziellen Sozialisationsfaktor forscht. Denn „Sozialisation heute ist (…) immer auch mediale Sozialisation“ 84 , gemäss Schorb. Im Rahmen eines Forschungsprojektes hat er eine Untersuchung mit 210 Jugendlichen über deren mediales Auswahlverfahren gemacht, inwiefern sie Informationen heraussuchen, die sie als bedeutend erachten, um ihr persönliches Weltbild zu arrangieren. Zwar lässt sich aufgrund seiner Untersuchungen nicht sagen, welche generelle Sozialisationsposition die Medien einnehmen, da sie dem Nutzenansatz unterworfen sind, und folglich je nach den Bedürfnissen der Individuen verschiedene Einflüsse ausüben können, die Untersuchungen haben aber gezeigt, dass das Medium Fernsehen als Sozialisationsfaktor dem elterlichen Einfluss und den institutionalisierten wie beispielsweise der Schule gleichzustellen ist. 85 Da der Actionfilm ein nicht zu unterschätzender Bestandteil des Fernseherlebnisses ist, an den Jugendliche mit
82 Vgl. Lange, 2000, S. 308.
83 Vgl. Schorb, 2003, S. 76f.
84 Schorb, 2003, S. 91.
85 Vgl. Schorb, 2003, S. 78-91.
Seite 28
Offenheit und Neugier herangehen, können diese Filme und Hollywoodfilme im Allgemeinen als eine hervorragende Basis zu einer lehrreichen und selbst bestimmenden Auseinandersetzung mit den darin angesprochenen Themen und Problematiken angesehen werden. Zudem verläuft die auf drei Akten basierende Dramaturgie des Populärfilms, gemäss Warneke, primär identisch zur Struktur tatsächlicher Lebensvorgänge: 86
1. Akt - Erschütterung, Konflikt, Veränderung als existenzielle Notwendigkeit. 2. Akt - Versuch, damit fertig zu werden, Anstrengung, Kampf, Auseinandersetzung.
3. Akt - Lösung, Auflösung, Erlösung.
Der Populärfilm, oder im Falle dieser Arbeit der Actionfilm, tragen daher zumindest das Potenzial einer Sozialisationsinstanz in sich, indem sie gewisse Verhaltensweisen in unzähligen Versionen vordemonstrieren, beispielsweise die Überwindung eines Beziehungskonfliktes. Einblicke dieser Art können Jugendlichen indirekt zeigen, welche Varianten es gibt das soziale Leben zu meistern, wie man sich am besten durchschlägt oder welche Handlungsweisen akzeptiert und willkommen sind.
6 Kirche und Medien
In der Fülle von Informationen, die tagtäglich über diverse Medienkanäle an die Öffentlichkeit gelangen, bietet auch die Kirche einen Teil ihrer Inhalte über die Medienlandschaft an. So zum Beispiel mit den „Gedanken zum Sonntag“ oder mit Gottesdienst-Übertragungen, die am Sonntagmorgen live gesendet werden. Zwar ist die Urform der Kommunikation des Evangeliums gemäss Preul, die face-toface-Kommunikation, die visuelle Übertragung im Fernsehen kommt dem aber sehr nahe. 87 Schibilsky sieht jedoch die Theologie in Bezug auf die Medienarbeit unter anderem mit folgenden Schwierigkeiten konfrontiert:
86 Vgl. Warneke, 2001, S. 119.
87 Vgl. Preul, Reiner: Kommunikation des Evangeliums unter den Bedingungen der Mediengesellschaft.
In: Preul, Reiner (Hrsg.); Schmidt-Rost, Reinhard: Kirche und Medien. Gütersloh 2000, S. 12.
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lic.rer.soc Christa Fuchs, 2007, Der Actionfilm als potenzielle Ersatzreligion Jugendlicher, München, GRIN Verlag GmbH
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