Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Menschenhandel, Prostitution und Sextourismus 3
2.1 Begriffsdefinitionen 3
2.2 Allgemeiner Überblick. 5
2.3 Die Akteure 5
2.3.1 Opfer. 5
2.3.2 Täter. 6
2.3.3 Freier 7
2.4 Funktionsmechanismen. 7
3. Fokus tschechisch-deutscher Grenzraum 8
3.1 Geschichte, Gegenwart und Perspektiven 8
3.2 Prostitution und Sextourismus im Grenzgebiet 10
3.3 Ergebnis eines Experteninterviews. 11
3.4 Auswirkungen der Europäischen Integration. 12
4. Resümee und Ausblick 13
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Themen wie Menschenhandel und Prostitution sind in unserer Gesellschaft tabuisiert (DGO 2006: 5). Niemand redet gern darüber, keiner möchte damit in Verbindung gebracht werden. Selbst Sachkundige aus der Wissenschaft und dem öffentlichen Leben können teilweise nur unzureichende Angaben zur Größenordnung und Reichweite eines Sexmarktes machen, der, der Europäischen Union bereits weit voraus, unlängst nahezu alle Handelshemmnisse weltweit abgebaut zu haben scheint. Seit dem Jahr 2000 beziehungsweise mit der Veröffentlichung des Buches „Kinder auf dem Strich“ von Cathrin Schauer im Jahr 2003 haben diese Themen zumindest in Europa ein zwar temporäres, jedoch vehementes mediales Interesse erfahren. Die Beobachtungen und Erkenntnisse der Sozialarbeiterin aus Plauen, die in einem grenzüberschreitenden Projekt gegen Zwangsprostitution und die sexuelle Ausbeutung von Kindern in der Euregio Egrensis engagiert ist, haben mich dazu bewogen, diese Thematik tiefgreifender zu analysieren.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Hintergründe und Strukturen des Menschenhandels und der Prostitution allgemein zu beleuchten und im Besonderen auf die Situation im tschechisch-deutschen Grenzgebiet einzugehen. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich der Prozess der Europäischen Integration auf den Sexmarkt im tschechisch-sächsisch-bayrischen Grenzraum auswirkt. Das Thema umfasst eine Vielzahl von Wissenschaftsbereichen und stellt sich so komplex dar, dass es kaum reguläres Schrifttum gibt, das es vermag, die Mechanismen des Menschenhandels allgemein, die spezielle Situation im tschechisch-deutschen Grenzraum und die dortige Prostitutionsszene im Besonderen umfassend darzustellen und miteinander zu verknüpfen. Daher war es notwendig, Literatur aus den verschiedensten Fachbereichen, wie den Sexualwissenschaften, den
Rechtswissenschaften, den Kulturwissenschaften, der Geschichte und der Geographie, der Kriminologie, der Sozialwissenschaften und anderer zu konsultieren. Viele Berichte in den Medien und besonders Arbeiten mit Blick auf den tschechisch-deutschen Grenzraum beziehen sich dabei immer wieder auf die Schilderungen von Frau Schauer und ihrem Projekt KARO e.V. Der Titel „Kinder auf dem Strich“ kann daher als ein für
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diese Thematik besonders bedeutendes Werk bezeichnet werden, auch wenn die enthaltenen Aussagen partiell in Zweifel gezogen (Kirschner 2006) beziehungsweise als nicht nachprüfbar dargestellt wurden (Schmidt 2003).
Es sei noch darauf hingewiesen, dass es keine umfangreichen Datenerfassungen in den Bereichen Menschenhandel, Prostitution und Sextourismus gibt, da sich diese zumeist in Graubereichen außerhalb der Gesellschaft abspielen (Paulus 2003: 24). Viele Aussagen im Zusammenhang mit diesen Themen basieren auf Schätzungen oder Vermutungen und können je nach Autor unterschiedlich ausfallen.
2. Menschenhandel, Prostitution und Sextourismus
2.1 Begriffsdefinitionen
Mit dem Begriff Menschenhandel werden häufig falsche oder banale Vorstellungen assoziiert: Frauen die überraschend und in aller Heimlichkeit entführt, ihres Passes beraubt und alsbald an einem beliebigen Zielort als Sexsklavinnen angeboten werden. Diese Annahme reicht jedoch nicht aus, um die vielschichtigen Hintergründe und Strukturen des Menschenhandels erklären zu können (Munk 2006: 62). Der Handel mit der Ware Mensch ist zumeist eine korrumpierte Form der Frauenmigration (Davidson 2006: 19), die, so ist zu vermuten, jedoch in den allermeisten Fällen nicht auf Freiwilligkeit beruht. Die betroffenen Frauen sind aus den vielfältigsten Gründen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Zu den Push-Faktoren in den Herkunftsländern zählen unter anderen Armut, Arbeitslosigkeit,
Perspektivlosigkeit, mangelnde Infrastruktur, fehlende Absicherung und politische Verfolgung. Hoffnungen auf Stabilität, Wohlstand, eine Anstellung mit guten Verdienstmöglichkeiten sowie ausreichende Absicherung ziehen viele Frauen deshalb oft in die westlichen Industriestaaten (Paulus 2003: 60).
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Die Vereinten Nationen definieren den Begriff Menschenhandel in ihrem so genannten „Palermo-Protokoll“ von 2000 wie folgt:
“(a) ‘Trafficking in persons’ shall mean the recruitment, transportation, transfer,
harbouring or receipt of persons, by means of the threat or use of force or other forms of
coercion, of abduction, of fraud, of deception, of the abuse of power or of a position of
vulnerability or of the giving or receiving of payments or benefits to achieve the
consent of a person having control over another person, for the purpose of exploitation.
Exploitation shall include, at a minimum, the exploitation of the prostitution of others
or other forms of sexual exploitation, forced labour or services, slavery or practices
similar to slavery, servitude or the removal of organs;
(b) The consent of a victim of trafficking in persons to the intended exploitation set
forth in subparagraph (a) of this article shall be irrelevant where any of the means set
forth in subparagraph (a) have been used;
(c) The recruitment, transportation, transfer, harbouring or receipt of a child for the
purpose of exploitation shall be considered ‘trafficking in persons’ even if this does not
involve any of the means set forth in subparagraph (a) of this article;
(d) ‘Child’ shall mean any person under eighteen years of age.” (United Nations 2000: 3)
Ich möchte mich der Definition der Vereinten Nationen anschließen und verstehe unter Menschenhandel nicht ausschließlich Delikte in Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung. Vielmehr fallen auch Handlungen darunter, die eine illegale Adoption, Organhandel, Kinderarbeit, Kinderpornographie, illegale Arbeitsverhältnisse oder Scheinehen zum Ziel haben (Paulus 2003: 20). Menschen werden zur Migration gezwungen und müssen dann an einem oder mehreren Bestimmungsorten unfreier Arbeit nachgehen. In der hier vorliegenden Ausarbeitung soll jedoch vor allem auf den Menschenhandel eingegangen werden, der unmittelbar mit der Prostitution und sexuellen Ausbeutung in Verbindung steht.
Der Begriff Prostitution bezeichnet die „gewerbsmäßige Ausübung sexueller Handlungen“ und das Wort Sextourismus beschreibt den „Tourismus mit dem Ziel sexueller Kontakte“ (Dudenredaktion 2001).
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2.2 Allgemeiner Überblick
International hat sich eine perfekt organisierte Schleusungskriminalität entwickelt. Schleuserorganisationen aus der organisierten Kriminalität übernehmen fast alle anfallenden Aufgaben, die mit dem Handel von Menschen in Verbindung stehen. Neben Anwerbung, Ausreise und letztlich der Ausbeutung der Gehandelten werden auch Aufgaben in der Begleitkriminalität abgedeckt. Darunter fallen beispielsweise das Anfertigen gefälschter Ausweisdokumente sowie Bestechungen (Paulus 2003: 18). Der Frauenhandel ist ein weltweites Phänomen und existiert schon seit sehr langer Zeit. In Europa haben sich die aktuellen Erscheinungsformen allerdings erst innerhalb der letzten Jahrzehnte etabliert. Vor allem durch die Grenzöffnungen nach Osteuropa hin werden heute verstärkt Frauen aus Mittel- und Osteuropa dazu genutzt, um die Nachfrage auf dem westeuropäischen Sexmarkt zu befriedigen (Paulus 2003: 21). Allein in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion werden bis zu 8.000 Banden der organisierten Kriminalität zugerechnet, die maßgeblich für die Anwerbung, Schleusung und Ausbeutung osteuropäischer Frauen verantwortlich gemacht wird. Liberale Bestimmungen, wie zum Beispiel das Schengener
Durchführungsübereinkommen, begünstigen dabei die internationale Bewegung der Opfer und führen möglicherweise dazu, dass sich die organisierte Kriminalität weiter ausbreiten kann (Paulus 2003: 75 f.).
2.3 Die Akteure
2.3.1 Opfer
Die Geschädigten sind in einer Vielzahl von Fällen Personen, die sich in einer wirtschaftlichen Notsituation befinden. Sie migrieren in gewisser Weise freiwillig, um sich aus ihrer Notlage befreien zu können. Auslöser für die Entscheidung zur Migration können hohe Schulden, zu versorgende Kinder oder Verwandte, nicht vorhandene Zukunftsperspektiven oder unzureichende Absicherungen sein. Wichtig ist dabei die
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Arbeit zitieren:
Philipp Stroehle, 2008, Menschenhandel, Prostitution und Sextourismus, München, GRIN Verlag GmbH
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