Inhaltsverzeichnis
1. VORBEMERKUNG 3
2. DAS WESEN DER VERNUNFT. 4
3. VERSUCH DER KRITIK AN HERDERS VERNUNFTBEGRIFF 6
4. FAZIT 9
5. LITERATURVERZEICHNIS 11
2
1. Vorbemerkung
Johann Gottfried Herders Werk ‚Ideen zu Philosophie der Geschichte der Menschheit’ ist der Versuch einer Universalgeschichte, einer wissenschaftlichphilosophischen Anthropologie, in der u. a. naturphilosophische, sprachtheoretische, kulturelle, theologische, historische und anthropologische Erkenntnisse zusammenfasst und in Beziehung gesetzt werden. Die zentrale Frage, die den ‚Ideen’ zu Grunde liegt, lautet: „ob denn, da alles in der Welt seine Philosophie und Wissenschaft habe, nicht auch das, was uns am nächsten angeht, die Geschichte der Menschheit im Ganzen und Großen eine Philosophie und Wissenschaft haben sollte.“ 1 Die vier Teile des Werkes erschienen 1784, 1785, 1787 und 1791. Herders lebenslanger Freund Johann Georg Hamann schrieb an den Verleger des Werkes:
An diesem Zitat kann man erkennen, welche Hochschätzung der Freund dem Werk entgegenbringt und welche Dimension das Vorhaben Herders für seinen Zeitgenossen darstellte.
Der Theologe Herder, über den Jean Paul einmal meinte, er scheine „aus einem halben Dutzend Genies auf einmal“ 3 zu bestehen, wurde jedoch auch für sein Werk kritisiert. Besonders Immanuel Kant warf ihm vor, als Theologe fachlich nicht geeignet zu sein, solch eine Arbeit zu schreiben. Der Königsberger Philosoph zweifelte an der Kompetenz des Verfassers. 4
1 Zitiert nach: Irmscher, Hans Dietrich: Johann Gottfried Herder. Stuttgart 2001. S. 127.
2 Zitiert nach: Richter, Lutz (Hg.): Johann Gottfried Herder im Spiegel seiner Zeitgenossen. Berlin 1978. S. 232f.
3 Zitiert nach: Döppe, Friedrich: Johann Gottfried Herder. Sein Leben in Bildern. Leipzig 1953. S. 11.
4 Vgl. Pross, Wolfgang (Hg.): Johann Gottfried Herder. Werke. Band III/1. Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. München, Wien 2002. S. 842.
3
Trotz aller Kritik hatte Herders Hauptwerk 5 einen starken Einfluss auf die entstehenden Wissenschaften des 19. Jahrhunderts. 6
Diese Arbeit will untersuchen, welchen Stellenwert die Vernunft in Herders ‚Ideen’ einnimmt. Im Folgenden soll zunächst auf das Wesen der Vernunft eingegangen und ihre Bedeutung in Herders Geschichtsphilosophie geklärt werden, um anschließend den Versuch zu unternehmen, eine Kritik an der Vernunft in Herders ‚Ideen’ zu formulieren.
Um dem aktuellen Forschungsstand der Herder-Forschung gerecht zu werden, finden verschiedene Monographien, aber auch Anthologien und Nachschlagewerke Eingang in diese Arbeit. Die Argumentation wird gestützt durch direkte Textzitate sowie unterstützende Analysen aus der Sekundärliteratur. Als Textgrundlage dient die kritische Herder-Werkausgabe des Hanser Verlages aus dem Jahre 2002.
2. Das Wesen der Vernunft
Was uns vom Tier unterscheidet sind der aufrechte Gang, die Sprache und eben die Vernunft, wobei hier eine untrennbare Wechselwirkung vorliegt. Dadurch, dass der Mensch sich vom Boden erhoben hat, konnten die weiterreichenden Sinne Sehsinn und Gehör sich entwickeln, konnten seine Hände sich zu feinen Werkzeugen ausbilden. 7 Irmscher beschreibt Herders Auffassung folgendermaßen: „Die aufrechte Gestalt des Menschen mit der Möglichkeit zur Umsicht und zum Überblick begründet seine Freiheit von der Sklaverei der tierischen Triebe.“ 8 Herder sieht also einen direkten Zusammenhang zwischen der Anatomie bzw. Physiognomie und der menschlichen Fähigkeit zur Vernunft, den er ausführlich im dritten Buch darlegt. Irmscher sagt weiter, dass „Vernunft von Herder nicht ‚als ein angeborenes
5 Vgl. Irmscher, Hans Dietrich: Aspekte der Geschichtsphilosophie Johann Gottfried Herders. In: Herder und die Philosophie des deutschen Idealismus. Hg. von Marion Heinz. Amsterdam 1997. S. 19.
6 Der Brockhaus, Literatur : Schriftsteller, Werke, Epochen, Sachbegriffe / hrsg. von der Lexikonred. des Verl. F. A. Brockhaus. Mannheim, Leipzig 2004. S. 347.
7 Vgl. Pross, Wolfgang (Hg.): a. a. O., S. 126f.
8 Irmscher, Hans Dietrich (2001): a. a. O., S. 134.
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Arbeit zitieren:
2008, Die Rolle der Vernunft in Johann Gottfried Herders ‚Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit’, München, GRIN Verlag GmbH
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