Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die Bedeutung der Erziehungsmittel 3
1.1 Was sind Erziehungsmittel? 3
1.2 Einteilung der Erziehungsmittel 3
1.2.1 Evolutionshilfen 3
1.2.2 Progressionshilfen 4
1.2.3 Gegenwirkende Maßnahmen 4
1.2.4 Transformationsmaßnahmen 4
1.2.5 Direkte Erziehungsmittel 4
1.2.6 Indirekte Methode 4
1.2.7 Praktische Auswertung 4
2 Wie können Erziehungsmittel eingesetzt werden? 5
2.1 Grundvoraussetzungen für Erziehungsmittel 5
2.2 Die Erziehungsmittel 6
2.2.1 Lob und Belohnung 6
2.2.2 Ermutigung 6
2.2.3 Tadel 7
2.2.4 Strafe 7
2.2.5 Aufgabe und Arbeit 8
2.2.6 Wettbewerb und Leistungsmessung 9
2.2.7 Das Spiel 9
2.3 Der richtige Einsatz von Erziehungsmitteln 9
2.3.1 Einsatz von Erziehungsmitteln im Allgemeinen 9
2.3.2 Ermutigung 10
2.3.3 Aufgabe 11
3. Zusammenhang zwischen Erziehungsmittel und Lebensstil 12
3.1 Hat der Lebensstil Auswirkungen auf das Erziehungsmittel? 12
3.2 Wie kann der Lebensstil die Wahl und Wirkung des Erziehungsmittels beeinflussen? 13
3.2.1 Der Lebensstil des Erziehers 13
3.2.2 Hat das Wesen oder Lebensziel des Heranwachsenden Auswirkungen auf das
Erziehungsmittel? 14
3.3 Die Autorität des Erziehers 14
4. Anwendung in der Gemeinde 15
Literaturverzeichnis 16
Einleitung
Kleine und größere Kinder werden ihre Wege einmal alleine gehen müssen, dies kann ihnen niemand abnehmen. Aber wie das Kind seinen Weg später alleine gehen wird, daran sind die Erzieher 1 maßgeblich beteiligt. Die Aufgabe des Erziehers ist es, dem Kind oder Jugendlichen zu helfen, mit seinen Trieben, Anlagen und der Umwelt fertig zu werden 2 .
Um dieses Ziel zu erreichen, sind bestimmte Erziehungsmittel notwendig. Diese werde ich im ersten Teil ausführlich darstellen, im zweiten Teil werde ich der Frage nach dem Einsatz und Umgang von Erziehungsmitteln nachgehen. Im dritten Teil behandle ich den Zusammenhang zwischen Erziehungsmitteln und Lebensstil und am Ende gebe ich noch ein kurzes Resümee. Die Übertragung auf die Gemeinde werde ich in die Ausarbeitung integrieren und nicht erst am Ende aufführen.
1. Die Bedeutung der Erziehungsmittel
Das Thema dieser Ausarbeitung lautet „Erziehungsmittel in der Erziehung“. Bevor wir aber über Erziehungsmittel sprechen, muss geklärt werden, was Erziehungsmittel überhaupt sind und wie sie angewendet werden sollen.
1.1 Was sind Erziehungsmittel?
Erziehungsmittel sind Maßnahmen und Situationen, mit deren Hilfe Erzieher versuchen, auf die Heranwachsenden einzuwirken. Durch dieses Einwirken sollen die Einstellung oder die Motive des Heranwachsenden gebildet, gefestigt oder verändert werden. Erziehungsmittel können unter anderem Lob, Tadel, Erinnerung und Ermahnung oder die Strafe sein. Auch Situationen des Spiels, des Wetteiferns, der Arbeit, der Gewöhnung und des Gesprächs, sowie die Vorbildfunktion eines Anderen, gehören zu den Erziehungsmitteln 3 . Dies ist natürlich nur eine grundlegende Definition, die jeder Pädagoge oder Erzieher für sich selbst ausweiten und füllen muss. Und genau darin besteht auch das Problem. Das gleiche Erziehungsmittel kann in verschiedenen Situationen oder durch verschiedene Personen angewendet eine völlig andere Auswirkung haben 4 . Deshalb versucht man, die verschiedenen Erziehungsmittel einzuteilen 5 .
1.2 Einteilung der Erziehungsmittel
Es wird versucht, verschiedenen Phasen oder Situationen wie Gewöhnung, Belehrung oder Inspiration, einzelne Erziehungsmittel zuzuordnen. Außerdem wird zwischen
Entscheidungshilfen, Erweiterungshilfen oder Hilfen zur Anpassung an eine Situation unterschieden. Das Problem an diesen Einteilungsversuchen, vor allem der Einteilung von bestimmten Mitteln zu bestimmten Situationen oder Intensionen, gestaltet sich aber als äußerst schwierig. Ein erster Versuch ist eine Vierteilung in Evolutionshilfen, Progressionshilfen, gegenwirkende Maßnahmen und Transformationsmaßnahmen. Diese Vierteilung möchte ich kurz erläutern.
1.2.1 Evolutionshilfen
Es wird versucht, durch sichernde, unterstützende und fortlenkende Einwirkung auf den Leistungs- und Reifestand im Psychischen und Physischen auf das Kind einzuwirken 6 . Durch dieses Einwirken wird versucht, eine Änderung der Entwicklung (Evolution) des Kindes herbeizuführen. Der Gedanke dabei ist, dass die menschliche Entwicklung immer das Produkt
1 Immer wenn ich in der Ausarbeitung vom Erzieher im Allgemeinen rede, sind damit die Eltern, Verwandte und Freunde genauso gemeint, wie der Lehrer in der Schule oder der Jugendkreisleiter.
2 W. Jentsch/ H. Hartmut, Evangelischer Erwachsenen Katechismus, Kursbuch des Glaubens, Gütersloh 1 1975, 612.
3 Vgl. E. E. Geißler, Erziehungsmittel, Bad Heilbrunn 6 1982, 22.
4 Vgl. ebd. 33
5 Die Frage, ob in der Erziehung überhaupt von Erziehungsmitteln gesprochen werden darf, kann in dieser Ausarbeitung nicht behandelt werden. Hier verweise ich auf weiterführende Literatur. Z.B. Geisler, a.a.O.. oder W. Brezinka, Erziehungsziele, Erziehungsmittel, Erziehungserfolg, München/ Basel 1981, 107-137.
6 Vgl. Geißler, a.a.O., 24-25.
eines Reifeprozesses und Lernvorgängen ist. Somit muss auf diesen Reife- und Lernprozess (Entwicklung) Einfluss genommen werden.
1.2.2 Progressionshilfen
Hier kommt es nicht so sehr auf die Entwicklung an, sondern auf einen zunehmenden Wissensstand. Bei diesen Erziehungsmitteln werden also mehr die Bildung und die Kultur des Kindes angesprochen. Als Progressionshilfen könnte man also alles bezeichnen, was formal und inhaltlich zum Wissenserwerb (Kultur und Bildung) beiträgt. Es geht aber nicht nur um das bloße Wissen von Wertverhältnissen oder politischen und moralischen Normen, sondern auch darum, diese später zu leben und zu repräsentieren 7 .
1.2.3 Gegenwirkende Maßnahmen
Man hört schon im Namen, dass es nun nicht mehr um Hilfen für das Kind geht, sondern um konkrete Maßnahmen, die dann direkt auf das Kind einwirken. Die beiden oben genannten „Hilfen“ zielen darauf ab, das Kind in seiner Entwicklung voran zu bringen. Maßnahmen dagegen sollen einer falschen oder negativen Entwicklung des Kindes entgegenwirken und diese „falsche“ Entwicklung stoppen oder korrigieren. Die gegenwirkenden Maßnahmen basieren auf zwei verschiedenen Modellen. Die Gegenwirkung soll entweder durch Furcht und Leiden erzielt werden oder durch die „natürliche Strafe“ geschehen 8 .
1.2.4 Transformationsmaßnahmen
Versucht man, mit den gegenwirkenden Maßnahmen langfristig eine Veränderung beim Kind zu erreichen, stößt man wahrscheinlich schnell an seine Grenzen. Denn mit einer bloßen Gegenwirkung ist es meist nicht getan. Es soll nicht versucht werden, das Kind zu „verwandeln“ oder zu „verändern“, sondern die Motivation und die Motive des Kindes sollen sich ändern. Wenn diese Veränderung dann eintritt, ist es eine lang anhaltende Veränderung 9 .
Dies ist immer noch ein sehr einfacher Versuch, Erziehungsmittel zu strukturieren. In der pädagogischen Literatur werden diese Versuche immer noch genauer aufgeschlüsselt. Der richtige Weg wäre aber, sie zu vernetzten und nicht klar abzutrennen. Nun kommt aber keine Wissenschaft ohne eine Struktur aus. Neben dieser Vierteilung gibt es noch den Versuch einer Zweiteilung. Dieser Versuch kommt nicht von einer Intension her, sondern von der Frage, „wie wirkt sich ein Erziehungsmittel in einer bestimmten Situation aus?“ Diese Unterscheidung besteht dann nur aus den direkten und den indirekten Erziehungsmitteln 10 .
1.2.5 Direkte Erziehungsmittel 11
Der Erzieher wirkt meistens direkt auf das Kind ein, zum Beispiel durch Lob oder Tadel, durch Strafe oder Führung. Das Umfeld hat dabei nur eine begrenzte Einwirkung auf das Kind. Das Entscheidende ist, dass der Impuls alleine vom Erzieher zum Kind geht.
1.2.6 Indirekte Methode 12
Der Erzieher wirkt nicht direkt auf das Kind durch Lob, Tadel oder ähnliches ein, sondern schafft Situationen oder nutzt vorhandene Situationen aus, um auf das Kind einzuwirken. Dies geschieht zum Beispiel beim Arbeiten, Spielen oder Wetteifern.
Nun könnte man fragen, warum diese Modelle wichtig sind und ob diese theoretischen Modelle denn für uns von Nutzen sein können. Ich wollte in diesem ersten Abschnitt vor allem einmal die Grundlagen klären, die zum weiteren Verständnis der Ausarbeitung wichtig sind. Aber alleine diese Modelle können schon einen praktischen Nutzen für uns haben. Diesen möchte ich im nächsten Punkt kurz behandeln.
1.2.7 Praktische Auswertung
Oft sind in Gemeinden und Kirchen, sei es in der Jungschar, in der Kinderkirche oder auch in Erwachsenenkreisen, nur die gegenwirkenden Maßnahmen bekannt oder kommen sehr stark zum Ausdruck. Es ist ja auch oft die einfachste Methode, eine Gruppe oder einen Kreis in den Griff zu bekommen. Es wird versucht, auf vorhandene Störungen oder Fehlentwicklungen
7 Vgl. ebd., 24-25
8 Vgl. ebd., 24-25
9 Vgl. ebd., 25-26
10 Vgl. ebd., 31-33
11 Vgl. ebd., 32-33
12 Vgl. ebd., 32-33
einfach direkt zu reagieren und entgegen zu wirken. Die natürlichen Strafen sind hierfür auch gut geeignet, aber ich denke, das Kernproblem wird dadurch nicht angegangen und eine grundlegende und längerfristige Änderung des Verhaltens oder der Einstellung tritt nicht ein. Wenn ich immer nur auf Situationen reagiere, dann werde ich nur schwer etwas ändern können. Der praktische Nutzen für eine Gemeinde oder Kirche wäre, diese Modelle näher zu erläutern, zu zeigen, dass es direkte und indirekte Maßnahmen gibt, dass die Erzieher versuchen sollen, nicht nur direkt auf die Kinder einzuwirken, sondern auch Situationen schaffen sollen wie das Spiel oder ähnliches. Natürlich möchte ich nicht sagen, dass es diese Ansätze in Gemeinden und Kirchen nicht gibt, aber die Erwähnung soll die Wichtigkeit ausdrücken und dazu ermutigen, auch indirekte Erziehungsmittel anzuwenden. Das wäre dann auch die nächste Frage, wie ich Erziehungsmittel überhaupt einsetzten und anwenden kann - gefolgt von der Frage, was die einzelnen Erziehungsmittel überhaupt sind.
2 Wie können Erziehungsmittel eingesetzt werden?
Ein Erziehungsmittel wirkt nie genau gleich und hat daher auch nicht immer den gewünschten Erfolg. Deshalb möchte ich zuerst etwas Grundlegendes über die Wirkungsweise von Erziehungsmitteln schreiben, um dann in den nächsten Punkten die einzelnen Erziehungsmittel näher zu betrachten.
2.1 Grundvoraussetzungen für Erziehungsmittel
Als Grundvoraussetzung nennt Ross Campbell einen emotional gefüllten Liebestank 13 . Man könnte sogar sagen, ein gefüllter emotionaler Liebestank ist die Grundbedingung dafür, dass ein Erziehungsmittel die richtige Wirkung auf das Kind hat. Diese doch sehr abstrakten Begriffe füllt Campbell durch ein Beispiel 14 . Seine 16-jährige Tochter war einige Tage auf einem Zeltlager und sein 17-jähriger Sohn übernahm daheim sehr viel mehr Verantwortung als üblich. Dann kam die Schwester wieder nach Hause und sein Sohn wurde auf einmal weinerlich, unzufrieden und reizbar, was er normalerweise nicht war. Natürlich hätte Campbell seinen Sohn zurechtweisen oder ihm Hausarrest geben können. Doch das Erziehungsmittel des Tadels wäre hier falsch gewesen, warum? Sein Sohn stellt ihm die Frage: „Liebt ihr mich auch wenn meine Schwester wieder da ist und ich nicht mehr so viel tun kann?“ Hätte Campbell hier mit einem Tadel reagiert, hätte das sein Sohn als „du liebst mich nicht mehr“ aufgefasst. Ein emotional gefüllter Liebestank ist also die von den Eltern mit Ja beantwortete Frage „Liebst du mich?“. Erst wenn das Kind weiß, dass es geliebt wird, dann erzielt ein Erziehungsmittel die richtige Wirkung. Bei den meisten Eltern liegt das Problem nicht daran, dass sie ihre Kinder nicht lieben, sondern daran, dass sie diese Liebe nicht zeigen 15 . Wenn dieser Tank nicht gefüllt ist, weil die Liebe nicht gezeigt wird, dann kommt es nicht zum Schuldverständnis und zur Reue des Kindes, sondern zu Gegenreaktionen wie Trotz oder Wut 16 . Dies sollten wir auch immer in der Gemeindearbeit bedenken. Wissen die Kinder und Jugendlichen wenn ich Tadel ausspreche, dass ich sie liebe? Oder sie zumindest gerne habe und der Tadel nicht gegen sie persönlich gerichtet ist, sondern gegen ihre Tat? Ist die Frage nach dem gefüllten Tank beantwortet, gibt es noch eine zweite Frage, die die Auswirkung eines Erziehungsmittels stark beeinflusst. Die Frage, wie es dem Kind oder Jugendlichen physisch und psychisch geht. Ist das Kind hungrig, müde, krank oder hat es Streit mit anderen? Dies gilt vor allem bei kleineren Kindern. Aber auch bei größeren Kindern und Jugendlichen kann die Beantwortung dieser Frage schon sehr viel klären 17 . Natürlich sind dies alles immer nur Teilaspekte, die auf ein größeres Ganzes hinweisen, aber erst wenn die Fragen nach dem Zustand des Kindes und dem gefüllten Liebestank beantwortet sind, kann man über die Wirkungsweise von Erziehungsmitteln nachdenken. Ich denke, diese zwei Fragen müssen von den Eltern nicht stundenlang erarbeitet werden, denn sie kennen ihre Kinder. Aber Erzieher im Sinn von Gemeindemitarbeiter in Jungschar oder Teenykreis müssen sich mit dieser Frage manchmal genauer beschäftigen. Grundsätzlich gilt aber immer:
13 Vgl. R. Campbell, Kinder sind wie Spiegel, Marburg an der Lahn, 12 1999, 80
14 Vgl. ebd., 80
15 Vgl. ebd., 48
16 Vgl. ebd., 79-87
17 Vgl. ebd., 83
Erziehungsmittel sollen so eingesetzt werden, dass sie das Selbstwertgefühl des Kindes oder des Jugendlichen erhöhen, anstatt das Kind zu erniedrigen oder sein Selbstverständnis zu verletzen.
Doch bevor ich über den konkreten Einsatz von Erziehungsmitteln schreibe ist es wichtig, die Erziehungsmittel zu kennen, deshalb werde ich diese kurz darstellen.
2.2 Die Erziehungsmittel
In der Einleitung habe ich geschrieben: „Erziehungsmittel sind Maßnahmen und Situationen, mit deren Hilfe Erzieher versuchen, auf die Heranwachsenden einzuwirken“. Diese Maßnahmen und Situationen stelle ich nun kurz dar.
2.2.1 Lob und Belohnung
Lob und Belohnung sind einige der wenigen positiven Erziehungsmittel, die dem Kind das Selbstwertgefühl und das Selbstverständnis verstärken und unterstützen. Lob und Belohnung bewirken also, dass sich das Kind in seinem Verhalten bestätigt sieht und dieses Verhalten dann auch öfters zeigen wird. Durch Lob und Belohnung werden also das Selbstbewusstsein und die innere Motivation des Kindes gestärkt 18 . Allerdings muss der Erzieher beim Lob und beim Belohnen seine Motive hinterfragen. Versucht der Erzieher Lob und Belohnung für seine Zwecke zu missbrauchen, dann hat Lob und Belohnung nicht den gewünschten erzieherischen Effekt der Stärkung und Förderung des Selbstbewusstseins. Beim Lob und der Belohnung sollte also immer darauf geachtet werden, dass das Kind nicht die falsche Motivation vermittelt bekommt. Lob kann bei einem trotzigen oder zornigen Kind zudem eine „aufschließende“ Wirkung haben und nicht zuletzt schaffen Lob und Belohnung eine gute Atmosphäre zwischen Erzieher und Kind 19 . Dabei ist zu beachten, nicht den Charakter des Kindes zu loben mit Ausdrücken wie „Du bist ein Genie“, sondern die Tat gelobt oder belohnt wird mit „Das hast du gut gemacht“ oder ähnlichem. Aus solchem Lob oder solcher Belohnung kann das Kind für sich seine eigenen Schlüsse ziehen. Wird der Charakter des Kindes gelobt und an anderer Stelle getadelt mit Kommentaren wie „Du bist zu nichts nütze“, besteht die Gefahr, dass das Kind diesen Spagat zwischen Lob und Tadel seines Charakters nicht schafft 20 .
Über das Lob könnte man noch viel schreiben. Ich denke, wichtig ist, dass Lob und Belohnung eines der wichtigsten und positivsten Erziehungsmittel sind. Allerdings sollte dieses Erziehungsmittel auch verantwortlich eingesetzt werden, so dass das Kind oder der Jugendliche dadurch gestärkt wird und nicht zu einer Marionette des Lobes und der Belohnung wird.
2.2.2 Ermutigung
Die Ermutigung wollte ich nicht zusammen mit Lob und Belohnung behandeln, denn die Ermutigung kann auch bei falschem Verhalten oder Fehlern ausgedrückt werden. Hier könnte man Lob und Belohung nicht einsetzen 21 . Die Ermutigung wirkt zum einen natürlich ermutigend, dann aber auch bestätigend auf das Kind. Der Heranwachsende nimmt durch Ermutigung neue oder schwierige Aufgaben an, denn die Ermutigung fördert und bestärkt sein Selbstvertrauen. Natürlich ist die Ermutigung oft ein langer und schwieriger Weg, den man als Erzieher mit dem Kind und Jugendlichen geht, im Gegensatz zum Ausüben von Druck oder falschem Lob und Belohnung, die - zumindest kurzfristig - viel schneller zum Ziel führen. Doch ist der Weg der Ermutigung der richtige, denn nur er führt ein Kind in die Selbstständigkeit und schafft es, die Eigenmotivation des Kindes zu stärken 22 . Auf die Ermutigung möchte ich später noch einmal genauer eingehen, denn ich denke, die Ermutigung ist genau das, was Kinder und vor allem Jugendliche heute brauchen, wo der Ruf nach Disziplin und eigener Motivation wieder so laut wird 23 . Die Frage ist ja, wie ich heute in
18 Vgl. B. Brokate/ B. Block, Schwarze Pädagogik, München 2007, 10-11
19 Vgl. Geißler, a.a.O., 110 und 113
20 Vgl. R. Ruth, Elternbuch, Wuppertal 1986, 55
21 Vgl. Geißler. a.a.O., 108
22 Vgl. R. Ruthe, Die Kunst zu ermutigen, Moers 9 2007, 15-17
23 Vgl. Ein Bericht über die heutige Disziplindebatte im Spiegel. http://www.spiegel.de/spiegel/inhalt/0,1518,436592,00.html, Datum des Zugriffes: 10, September, 2008
der Gemeinde und Familie durch Ermutigung auf meine Kinder und Jugendlichen positiv auf die Erziehung einwirken kann. Doch zuerst möchte ich noch grundlegend bleiben.
2.2.3 Tadel
Der Tadel soll einem schlechten oder fehlenden Verhalten entgegen wirken. Das Kind lernt die Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch, wenn es gelobt und getadelt wird. Jedoch ist es mit einem Tadel oft nicht getan. Es reicht nicht aus, einfach nur einen Fehler oder ein Fehlverhalten festzustellen, sondern es müssen auch Hilfen zum Überwinden des Fehlers oder des Fehlverhaltens geschaffen werden 24 . Wird das Kind durch einen Tadel lediglich beschämt oder erniedrigt und bekommt keine Lösung angeboten, hat der Tadel wenig Sinn für das Kind. Es wird den Fehler vielleicht nicht noch einmal machen, aber nicht aus Wissen und verstanden haben, sondern aus Furcht vor dem Tadel. Der Tadel ist also durchaus eine positive Form der Erziehungsmittel, denn das Kind lernt Richtig und Falsch zu unterscheiden und kann bei richtigem Einsatz des Tadels lernen, besser zu handeln. Dies sollte vor allem in der Kinderarbeit und Jungschararbeit bedacht werden. Wer tadelt sollte dem Kind helfen, sich zu ändern und nicht nur ein Fehlverhalten feststellen. Natürlich wissen gerade Kinder oft genau, was sie falsch gemacht haben, und gerade in solchen Situationen sollte dem Kind geholfen werden.
2.2.4 Strafe
Auf die Strafe werde ich später nicht genauer eingehen, deshalb werde ich die Strafe hier etwas ausführlicher behandeln. Durch die Strafe soll beim Kind unerwünschtes Verhalten verhindert, verringert oder vermieden werden, doch Strafe ist nicht gleich Strafe. Ich möchte zwei Meinungen gegenüberstellen. Larry Christenson schreibt in seinem Buch Die christliche Familie: „Die meisten Eltern machen den Fehler, Schläge als letzte Zuflucht zu benutzen. Wenn Vernunft, Bitte, Schmeicheleien, Spott und Drohung fehlschlagen, geben zornige und verzweifelte Eltern zuletzt auf und schlagen ihr Kind. Gott meint nicht, dass Schläge die letzte Verteidigung der kämpfenden Eltern sind. Sie sind das erste Mittel der Eltern, um in Gehorsam gegen Gott Ungehorsam des Kindes in Ordnung zu bringen“ 25 . Dies belegt Christenson auch mit einigen Bibelstellen wie dieser aus Sprüche 29,15 „Rute und Tadel gibt Weisheit; aber ein Knabe, sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande“ oder aus Hebräer 10, 31 „Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“ und Hebräer 12, 11 „Jede Züchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geübt sind, Frieden und Gerechtigkeit.“. Christenson überträgt diese Stellen eins zu eins auf den leiblichen Vater der Kinder. Natürlich betont Christenson immer auch die Liebe, die im Vordergrund stehen muss. Dagegen schreibt Campbell ganz anders von Strafe: „Es ist nie einfach, eine geeignete Strafe zu finden. Die Strafe muss dem Vergehen entsprechen. Ein Kind hat ein sehr sicheres Gefühl für Fairness und Konsequenz, es merkt wenn Eltern zu heftig reagieren (…) Körperliche Züchtigung ist manchmal bei einer ausgesprochen trotzigen Haltung nötig, aber sie ist erst das allerletzte Mittel“ 26 .
Unterschiedlicher könnten die Meinungen wohl kaum sein. Doch beide Autoren sprechen bestimmt aus Erfahrung und begründen daher auch ihre Theorie sehr gut. Es geht also um den Einsatz der Strafe als Erziehungsmittel. Im gemeindlichen und schulischen Kontext muss man das Erziehungsmittel in Form von Schlagen wohl kaum thematisieren, da hier der Gesetzgeber bereits eine klare Grundlage geschaffen hat, die dies verbietet 27 . Ein grundlegendes Probleme für mich ist, dass die Strafe oft sofort mit Schlagen gleich gestellt wird, dies ist aber ein entscheidender Fehler. Die Strafe ist zuerst ganz grundsätzlich einmal ein Erziehungsmittel, das auf ein Verhalten des Kindes folgt, um es zu bestrafen. Was das für eine Strafe ist, ist zuerst einmal völlig offen. An erster Stelle sollten selbstverständlich die natürlichen Strafen stehen. Natürliche Strafe bedeutet, dass das Kind den sachlichen Zusammenhang zwischen Strafe und Vergehen einsehen und verstehen kann. Das heißt, die
24 Vgl. Geißler, a.a.O., 137
25 L. Christenson, die Christliche Familie, Darmstadt 1978, 112
26 Campbell, a.a.O., 95-96
27 Für die Diskussion, ob die Prügelstrafe wieder eingeführt werden soll, ist in dieser Ausarbeitung nicht der Platz, hier muss auf weiterführende Literatur verwiesen werden.
Strafe ist für das Kind nachvollziehbar und verständlich 28 . Damit ist die Frage nach der Prügelstrafe aber immer noch nicht beantwortet. Christenson betont immer wieder den biblischen Zusammenhang zwischen Prügelstrafe und Gottes Erziehung mit uns. Ich würde Christenson den Vorwurf machen, dass er die Bibeltexte für seine Zwecke missbraucht und keine ordentliche Exegese macht. Zum anderen würde ich die Frage stellen, welches Gottesbild die Kinder bekommen, wenn sie immer und sofort geschlagen werden. Was ist mit dem liebenden Vater und dem vergebenden Jesus? Und als letztes würde ich die Frage stellen, was er mit sämtlichen neuen pädagogischen Erkenntnissen macht, die in den letzten Jahren gewonnen wurden. Natürlich kann ich Christenson auch verstehen, wenn er in einer Zeit, wo die Auswirkungen der antiautoritären Erziehung immer mehr bekannt werden, den Ruf nach den „alten Werten“ aufnimmt. Ich glaube sogar, dass viele Christen damals auf ein solches Buch gewartet haben, denn Schlagen ist die einfachste Art der Erziehung. Die Kinder gehorchen aufs Wort und sind anständig. Doch würde ich die Frage stellen, wie lange sie dies sind. Natürlich hat diese Art der Erziehung den Vorteil, dass ich die Kinder scheinbar im Griff habe und sie erzogen habe, doch werden solche Kinder nicht oft ein falsches Gottesbild haben und später sich entweder immer ducken ohne Rückgrad zu haben oder sie werden genauso gewalttätig wie sie erzogen wurden.
Hier finde ich den Ansatz von Campbell den richtigen. Strafe muss in bestimmten Situationen sein, aber das Strafmaß muss der Tat angemessen sein und Schlagen muss die letzte Art der Strafe sein. Strafe und auch die körperliche Strafe soll dem Kind ja helfen und es nicht in seinem Selbstverständnis und seinem Wert verletzen oder demütigen. Wie oben genannt ist der Weg der natürlichen Strafe die pädagogisch beste Art zu strafen, wenn eine Situation eine Strafe erfordert. Ein einfaches Beispiel kann dies verdeutlichen: Ein Kind wird beim Abschreiben erwischt, der Lehrer lässt ihn als Strafe die Arbeit nachschreiben oder setzt das Kind an einen anderen Platz. Die Strafe wäre angemessen und nachvollziehbar. Müsste das Kind dagegen als Strafe den Schulhof kehren, würde für das Kind kein Zusammenhang zwischen Vergehen und Strafe bestehen. Bei natürlichen Strafen erfolgt die Bestrafung also als eine Konsequenz aus dem Verhalten des Kindes. Das Strafmaß ist allerdings abhängig von der körperlichen und seelischen Belastbarkeit des Kindes 29 . Damit möchte ich meine Ausführungen über die Strafe als Erziehungsmittel schon beenden, denn im gemeindlichen Alltag spielt die Strafe eine untergeordnete Rolle. Die bisher genannten Erziehungsmittel gehören eher in die Kategorie der direkten Erziehungsmittel. Im nächsten Abschnitt möchte ich noch einige indirekte Erziehungsmittel beschreiben. Dabei muss ich vorausschicken, dass man direkte und indirekte Mittel nie ganz trennen kann.
2.2.5 Aufgabe und Arbeit
Jede Aufgabe und jede Arbeit, die das Kind vom Erzieher bekommt, stellt es vor eine Herausforderung, die bewältigt werden muss. Das Kind kann entscheiden, ob es die Herausforderung annimmt oder sie ablehnt 30 . Die Aufgabe des Erziehers besteht nun darin, Situationen zu schaffen, in denen das Kind Aufgaben oder Arbeiten annehmen kann und diese auch bewältigen kann. In diesen Situationen kann der Erzier natürlich auch direkt auf das Kind einwirken, zum Beispiel durch Lob oder Ermutigung.
Das Kind erfährt in der Aufgabe und Arbeitssituation, dass es Mühe macht, Leistung zu erbringen, aber vor allem auch, dass Leistung zu der Erfüllung eines Ziel führt und Freunde mit sich bringt. Das Kind soll in seine Leistung Vertrauen bekommen und lernen, mit Rückschlägen umzugehen 31 .
Diese Art Situationen zu schaffen, finden wir in den Gemeinden heute in der Erlebnispädagogik oder ähnlichem. Und ich denke, das ist ein richtiger Weg. Die Kinder und Jugendlichen werden in ihrem Sein bestätigt, indem ihnen Aufgaben und Verantwortung übertragen werden und ihnen Vertrauen entgegen gebracht wird. Wichtig ist, die Jugendlichen
28 Vgl. T. Dietrich, Zeit- und Grundfragen der Pädagogik, eine Einführung in pädagogisches Denken, Bad Heilbrunn
8 1998, 115-133
29 Vgl. ebd., 118
30 Vgl. J. Herderer, Pädagogik, München 1981, 171
31 Vgl. ebd., 70-71
aus einer reinen Konsum- und Zuhörerschaft heraus zu nehmen. Die Grenze ist da, wo zu großer Leistungsdruck entsteht.
2.2.6 Wettbewerb und Leistungsmessung
Dem Mensch ist von Natur aus Ergeiz gegeben und diesen möchte er auch zeigen. Das ist bei Kindern nicht anders. Auch sie wollen sich beweisen, Leistung bringen und dafür eine Belohnung oder Anerkennung bekommen. Es ist zu bedenken, dass dies vom Erzieher immer in positiver Weise genutzt werden soll, siehe dazu 2.2.1 Lob und Tadel. Noch im Mittelalter war es so, dass durch die Geburt der Stand des Menschen entschieden wurde. Heute muss sich ein Kind bereits in der Schule beweisen und seine Leistung entscheidet darüber, welche Schule er besucht und welchen Abschluss es später machen wird. Dass das Kind diesem Druck standhalten kann, muss es vorbereitet werden. Es gilt, Situationen zu schaffen, in denen der Heranwachsende seine Leistungen zeigen kann, in denen er seine Stärken und Schwächen erproben kann. Vor allem sollte hier auch gelernt werden, mit Versagen umzugehen. Es müssen also Situationen geschaffen werden, in denen das Kind Leistung bringen darf und zeigen kann, dass es etwas kann. Kinder wollen das. Auf der anderen Seite muss auch die Möglichkeit gegeben werden, mit Versagen umzugehen 32 . Ich denke, diese Art, Situationen zu schaffen, ist ein gängiger Bestandteil in unseren Gemeinden. In der Jungschar und Jugendarbeit werden beim Sport und Spiel solche Situationen geschaffen und dies sollte so bleiben, dass sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene messen dürfen. Es sollten nicht immer Spiele gespielt werden, wo alle gewinnen. Es darf eine Leistungsmessung und einen Wettbewerb geben. Es darf einen Gewinner und einen Verlierer geben, nur sollte auf Ausgewogenheit der Spiele geachtete werden und vor allem sollte gezeigt werden, dass der Wert eines Menschen nicht von dieser Leistung abhängt. Es gilt, den Spagat zu schaffen zwischen der Anerkennung der Leistung und dem Wert des Menschen.
2.2.7 Das Spiel
Im Spiel kann das Kind eine Vielzahl von Verhaltensregeln und Funktionsweisen kennen lernen. Das Spiel bietet dem Kind einen „realen Erfahrungscharakter“. Das Kind lernt greifen, zupacken, reagieren und auf andere einzugehen, auf Regeln zu achten, zu verlieren und zu gewinnen 33 . In der Zeit des Spiels lernen das Kind und der Jugendliche durch die sozialen Verhaltensformen. Im Spiel können das Kind und der Jugendliche den Umgang mit anderen lernen, zum Beispiel Streitigkeiten klären. Das Spiel ist elementarer Bestandteil der Erziehungsmittel und sollte in jeder Altersgruppe und Gemeindearbeit zum Einsatz kommen. 34 Es gäbe noch eine Vielzahl von anderen Erziehungsmitteln. Alle einzeln und explizit darzustellen, würde jedoch das Thema und den Inhalt dieser Ausarbeitung sprengen. Aber um über Erziehungsmittel zu diskutieren und zu sprechen, gehören nun mal die Grundlagen. Deshalb habe ich diese dargestellt und erläutert. Jetzt komme ich zum Thema, wie ich diese Erziehungsmittel richtig einsetzen kann.
2.3 Der richtige Einsatz von Erziehungsmitteln
Den allerwichtigsten Grundsatz beim Einsatz von Erziehungsmitteln möchte ich noch einmal wiederholen und an den Anfang dieses Abschnittes setzten.
Grundsätzlich sollte jedes Erziehungsmittel so eingesetzt werden, dass das Selbstwertgefühl das Selbstverständnis und den Wert des Kindes erhöhen und das Kind sein Leben später in unserer Gesellschaft alleine leben kann 35 . Zuerst möchte ich den Einsatz der Erziehungsmittel im Allgemeinen behandeln.
2.3.1 Einsatz von Erziehungsmitteln im Allgemeinen
Vor allem Campbell und Ruthe, die ich in dieser Ausarbeitung zitiere, haben sehr gute grundsätzliche Hinweise zum Einsatz von Erziehungsmitteln. Diese möchte ich
32 vgl. S. Werner, Prüfen - Beurteilen - Benoten, Bad Heilbrunn 1996, 1-11
33 Vgl. R. Bachmeister, Piaget, www.uni-koblenz.de/~wberger/hp/downloads/file/tds_Piaget.pdf Datum der Zugriffs, 11. September 2008
34 Beim Thema Spiel möchte ich auf weiterführende Literatur verweisen, vor allem die Literatur des Herrn Piaget.
35 Vgl. Campbell, a.a.O., 78
zusammenfassend kurz darstellen, da sie einen guten Überblick bieten und zudem meist eins zu eins für den Einsatz in der Gemeindearbeit und Erziehung übernommen werden können. Im Folgenden möchte ich spezifisch auf einige Erziehungsmittel und deren Einsatz eingehen 36 .
Der Erzieher sollte beim Einsatz von Erziehungsmitteln immer versuchen, mehr positive Anleitung zu einem guten Verhalten und zur Leistung zu geben, als negatives Verhalten oder Lustlosigkeit zu bestrafen oder zu tadeln 37 . Der Erzieher muss sich also Gedanken machen, wie er das Kind durch Lob oder Ermutigung zu einem bestimmten Verhalten bewegen kann. Es geht darum, Situationen zu schaffen, in denen das Kind ein bestimmtes Verhalten erlernen kann, ohne bestraft zu werden. Dies erfordert wie immer mehr Aufwand vom Erzieher, wird aber auf Dauer eine längere und positivere Wirkung haben. Bevor Erziehungsmittel eingesetzt werden, muss eine gute Grundlage zwischen Erzieher und Kind geschaffen werden. Vertrauen und ein gefüllter „Liebestank“ sind dabei die Grundvoraussetzungen, dass die Erziehungsmittel den gewünschten Effekt haben. Es muss dabei immer gefragt werden, ob es das richtige Erziehungsmittel für diese spezielle Situation ist. Hier möchte ich noch einmal auf das Beispiel von Cambpell und seinem Sohn verweisen. Oder wäre es richtig, einem Kind fünf Wochen Hausarrest zu geben, wenn es aus Versehen eine Vase hinuntergeworfen hat? Nach dem richtigen Erziehungsmittel zu suchen, ist nicht immer einfach, doch loht es sich, sich darüber Gedanken zu machen 38 . Der Erzieher muss beim Einsatz von Erziehungsmitteln konsequent sein. Dies gilt natürlich für Tadel und Strafe genauso wie für Lob und Anerkennung. Eine versprochene Belohnung muss genauso gegeben werden wie eine ausgesprochene Strafe. Die Leistung sollte genauso anerkannt werden wie eine schlechte Leistung nicht gut geredet werden sollte 39 . Natürlich muss man hier flexibel bleiben, aber ein inkonsequentes verhalten hat immer negative Auswirkungen 40 . Diese grundlegenden Dinge sollten immer beachtet werden. Deshalb werde ich im Folgenden das hier genannte nicht bei jedem Erziehungsmittel noch einmal schreiben.
Diese Aufzählung ist natürlich sehr allgemein gehalten. In den nächsten drei Punkten werde ich die Erziehungsmittel in der Praxis behandeln. Dies möchte ich anhand dieser Frage tun: „Wie kann ich Kindern und Jugendlichen helfen, die Bibel aus eigenem Antrieb zu lesen oder zu beten? Wie kann ich als Erzieher zu einem geistlichen Leben „erziehen?“ 41 Diese Fragen möchte ich anhand der zwei Erziehungsmittel Ermutigung und Aufgabe behandeln 42 .
2.3.2 Ermutigung
Ermutigung kann ein Kind ganz neu motivieren, Aufgaben, Ängste oder schwierige Lebenssituationen anzunehmen. Das gilt natürlich in der Erziehung daheim und in der Schule genauso wie in der Gemeinde. In der Elberfelder Bibel wird das Wort ermutigen zwei Mal in der Fußnote als Alternative zum Trösten angeboten, und zwar in Epheser 6, 22 und Kolosser 4,8. Viel wichtiger finde ich, dass Paulus in seinen Briefen ständig Worte der Ermutigung ausspricht. Paulus ermutigt zum Gebet, Gaben zu geben, zu trösten und treu zu bleiben 43 . Ich denke, dass Paulus hier von Ermutigungen spricht, denn es sind keine Befehle oder guten Wünsche. Paulus ermutigt die Gemeinden, etwas zu tun. Paulus befiehlt nicht einfach oder stellt diese Ermutigung in einen leeren Raum. Nein, Paulus zeigt immer wieder, warum es wichtig ist, etwas zu tun. Ich denke, daraus können wir einiges lernen. Eine Ermutigung ist kein Befehl, sondern soll eine Hilfestellung des Erziehers sein, dort wo man ratlos oder
36 Hier möchte ich auch die Hompage des Jugendamtes der Stadt Nürnberg empfehlen, die mit ihrem Motto „Stark durch Erziehung“ auf genau dieses Thema eingeht. Besonders zu empfehlen ist die Pdf-Datei unter dem Link: http://www.jugendamt.nuernberg.de/downloads/kampagne_erziehung/ke_broschuere_acht_sachen.pdf Diese Broschüre gibt es in 15 Sprachen und kann eine gute und kurze Hilfe für Familien und Gemeinden sein. Pdf Datei auch im Anhang 1
37 Vgl. Campbell a.a.O., 78
38 Vgl. ebd., 80
39 Vgl. Ruthe, a. a. O., 47
40 Geißler, a.a.O., 172
41 Faktoren wie das Gebet oder Gottes Wirken möchte ich nicht mit einbeziehen, sehe sie aber sehr wohl als ein Handeln Gottes.
42 Ich möchte anfügen, dass ich diese Bibelstellen jetzt unter dem Gesichtspunkt der Ermutigung gelesen habe, natürlich können und sollen diese Bibelstellen auch anders interpretiert oder exegetisiert werden.
43 Vgl. Römer 4,5; Römer 12,9-21; 1Korinther16,1-13; uvm.
verzweifelt ist oder dort wo bereits gute Ergebnisse erzielt wurden. Die Ermutigung zielt also immer auf das gleiche Ziel, dass Kind oder Jugendlicher weitermacht, nicht aufgibt oder stehen bleibt.
Jetzt stellt sich die Frage nach der oben genannten praktischen Anwendung. Zum einen gilt wieder das Prinzip, dass ich wissen muss, wo das Kind oder der Jugendliche steht. Ich muss eine Beziehung zu ihm aufbauen oder zumindest ein Gespür für die Situation bekommen, in der er gerade steht. Einem Kind und Jugendlichen die „Richtigkeit“ zu vermitteln, dass in der Bibel zu lesen doch wichtig und gut sei, reicht nicht aus. In den seltensten Fällen wird ein Kind oder Jugendlicher in der Bibel lesen, weil sein Erzieher es ihm sagt. Ich muss dazu ermutigen. Dies kann ganz praktisch geschehen, indem ich mir die Zeit nehme, mit ihm zusammen Bibel zu lesen. Ich kann ihm Stellen zeigen, wo er anfangen kann und ihn ermutigen, das jetzt selber zu tun. Er kann alle Fragen aufschreiben, die er hat und wir reden darüber. In einem nächsten Schritt kann ich versuchen, ihm den Gebrauch einer Konkordanz zu zeigen und ihn wieder durch Worte ermutigen, sie zu benutzen. Im Gespräch kann deutlich werden, wie die Bibel in seinen Alltag redet und auch hier kann ich Gott vertrauen, dass er das tun wird. Die Ermutigung besteht also zum einen darin zu zeigen, was die Bibel uns alles zu bieten hat, wie sie in das Leben spricht, und zum anderen darin, seine Erfahrungen mitzuteilen und darüber zu sprechen. In einem weiteren Schritt könnten wir zusammen eine Studienbibel lesen oder etwas in einem Kommentar nachlesen. Das hört sich ziemlich trivial an, ist aber bestimmt nicht so einfach. Aber einem Kind, das nicht Rad fahren kann, montiere ich doch Stützräder und schiebe es an und sage immer wieder „das machst du gut, trete einfach weiter“. Später montiere ich die Stützräder ab und das Kind kann dann irgendwann frei fahren. Und so soll das auch bei Kindern und Jugendlichen sein. Ich muss sie durch „gezielte“ Ermutigung dazu „erziehen“, dass sie als erwachsene Christen ihr Leben selber leben können. Die Ermutigung ist hier nur ein kleiner Teilaspekt. Mir ist aufgefallen, dass Kinder und Jugendliche meist nicht einfach in der Bibel lesen. Wenn ich mich aber mit ihnen zusammen hinsetze und mit ihnen zusammen lese und sie ermutige, daheim zu lesen und dann immer wieder auch nachfrage, dann beginnt etwas zu wachsen. Ermutigung ist also ein langer, aber ein guter Weg. Vor allem nach Rückschlägen ist es hilfreich, dass jemand nicht einfach aufgibt.
2.3.3 Aufgabe
Jede neue Aufgabe stellt ein Kind oder einen Jugendlichen vor eine neue Herausforderung. Um diese anzunehmen, braucht er Ermutigung, wenn er keine Eigeninitiative zeigt (siehe dazu 2.3.2). Das gute an Aufgaben ist die Bewältigung. Das Kind oder der Jugendliche ist reifer geworden. Der Heranwachsende hat eine positive Erfahrung gemacht und kann sich beim nächsten Mal mehr zutrauen. Natürlich wird das nicht immer so sein, doch sollte dies das Ziel jeder Aufgabenstellung sein. Zuerst einmal muss ich einen Rahmen schaffen, der es mir ermöglicht, eine Aufgabe zu stellen. Durch die Aufgabe sollen die Kinder und Jugendlichen ja gefördert werden. Das heißt, die Aufgabe muss zu bewältigen sein, darf aber nicht so leicht sein, dass sie mit „links“ bewältigt werden kann. Auch dieses Erziehungsmittel möchte ich wieder unter der oben genannten Frage betrachten, wie ich Kinder und Jugendlichen helfen kann, die Bibel aus eigenem Antrieb zu lesen oder zu beten. Wie kann ich als Erzieher zu einem geistlichen Leben „erziehen“?
Eine gute Möglichkeit sind Bücher wie Jesus First 44 , in denen man sich jeden Tag oder bestimmte Tage in der Woche, eventuell auch nur an einem Tag in der Woche trifft, um die gestellten Aufgaben im Buch zu besprechen. Im Gegenteil zur Ermutigung geht es hier um ein ganz konkretes Ziel. Zum Beispiel heißt eine Aufgabe, heute mindestens einem Menschen, den man nicht kennt, das Evangelium zu sagen. Dann bespricht man, wie es den Kindern oder Jugendlichen ergangen ist oder was gut und was schlecht war. Dieses Buch hat somit ganz konkrete Aufgaben, die es zu erfüllen gibt. Oder das „Jesus Experiment“ 45 , das gerade Jugendliche anspricht, die keinen oder nur einen unsicheren gemeindlichen Hintergrund haben. Es ist ein Kurs über vier Wochen, der kostenlos ist und es gibt jeden Tag Botschaft in virtueller Video- Form. Vor allem Jugendlichen, die man auf einer Freizeit kennen gelernt hat
44 R. Werner, Jesus First, das 7 Wochen Programm, Witten 6 2008.
45 http://www.jesus-experiment.de/
und die man dann wieder gehen lassen muss, ohne dass sie eine Gemeinde haben, kann ich diese konkrete Aufgabe mit auf den Weg geben und ihnen damit helfen, an Jesus dran zu bleiben.
Als dritte Möglichkeit möchte ich noch das Jugendbibellese-Heft „Pur“ 46 für Jugendliche oder „Guter Start“ 47 für Kinder nennen. Das Heft bietet die Möglichkeit, vorgegebene Bibeltexte und eine kleine Auslegung dazu zu lesen. Diese Aufgabe kann ich Kindern und Jugendlichen gut stellen, sie herausfordern, Bibel zu lesen und das Gelesene umzusetzen. Natürlich sollte ich sie dabei begleiten. Dies kann eine sehr hilfreiche Aufgabe sein. Das sind natürlich komplexe Aufgaben, die auch viel Zeit in Anspruch nehmen. Es gibt schon ganz einfache Dinge, die hier weiter helfen können. Es muss im Jugendkreis oder auch in der Kinderkirche und Jungschar ja nicht immer eine vorgetragene Andacht sein. Eine klassische Bibelarbeit, in der Aufgaben verteilt werden, kann hier wahre Wunder wirken. Anstatt den Text nur vorzulesen, einfach einen kopierten Text auslegen und dann Stifte verteilen. Die konkrete Aufgabe kann lauten, alle Wörter, die das „zeitliche Geschehen“ betreffen anzustreichen oder ähnliches. Diese Aufgabe ist auch unter dem Stichwort „POZEK“ 48 bekannt. Über solche Aufgaben kann ich als Erzieher zum Arbeiten mit der Bibel anleiten. Aufgaben zu verteilen, zu kontrollieren und dann auch zu besprechen braucht mehr Zeit als eine Andacht zu halten oder Spiele selber vorzubereiten. Wenn ich also konkrete Aufgaben auch für das geistliche Leben gebe, mache ich es dem Kind oder Jugendlichen für sein späteres Leben erheblich einfacher, diese Dinge in eigener Motivation zu tun. Aufgaben müssen aber gut gewählt sein und erfüllbar sein.
Wie perfekt Erziehungsmittel auch eingesetzt oder wie perfekt Situationen für das Kind und den Jugendlichen geschaffen werden, so ist immer doch der Zusammenhang zwischen dem Erziehungsmittel und dem Erzieher ein wichtiger Faktor für die Auswirkungen. Wie sich der Lebensstil des Erziehers auf das Erziehungsmittel auswirken kann, möchte ich im nächsten Abschnitt behandeln.
3. Zusammenhang zwischen Erziehungsmittel und Lebensstil
Es stellt sich also die Frage, ob die Erzieher durch ihren eigenen Lebensstil die Auswirkungen von Erziehungsmitteln beeinflussen können und ob der Lebensstil Einfluss auf die Wahl des Erziehungsmittels hat. Man könnte aber auch umgekehrt fragen, ob das Verhalten des Kindes, des Jugendlichen Auswirkungen auf die Wahl und Wirkung des vom Erzieher angewendeten Erziehungsmittels hat?
Als erstes möchte ich die Frage behandeln, ob der Lebensstil überhaupt eine Auswirkung auf das Erziehungsmittel hat.
3.1 Hat der Lebensstil Auswirkungen auf das Erziehungsmittel?
Ja, der Lebensstil hat immer Auswirkungen auf das Erziehungsmittel. Ist die Ehe von Mann und Frau zum Beispiel gestört, so wird dies Auswirkungen auf die Erziehung haben. Denn Kinder wünschen und sehnen sich nach einer harmonischen Ehe der Eltern 49 . Streiten sich die Eltern sehr häufig und sind dadurch immer gestresst oder sind die Eltern ständig müde, weil beide einen langen Arbeitstag haben, so werden sie wahrscheinlich auch ungeduldig mit ihren Kindern sein oder Strafen bevorzugen, die scheinbar eine schnelle Lösung bringen. Dieses Beispiel macht deutlich, das der Lebensstil immer Auswirkungen auf die Wahl und Wirkung des Erziehungsmittels haben wird. Dies gilt in gleicher Weise auch für Erzieher. Deshalb die Frage, wie können die Erzieher durch ihren Lebensstil die Wahl und Wirkung von Erziehungsmitteln beeinflussen?
46 T. Riewesell, Bibellesebund, pur, Bibellesen für teens, Marienheide, erscheint 4 Mal im Jahr.
47 M. Dröge, Bibellesebund, Guter Start, Marienheide, erscheint 4 Mal im Jahr.
48 Person, Ort, Thema, Zeit, Ereignis, Kern - eine in der Kinderarbeit bekannte Methode, um eine Bibelarbeit vorzubereiten.
49 Vgl. W. Faix, Die christliche Familie, Bonn 2000, 105
3.2 Wie kann der Lebensstil die Wahl und Wirkung des Erziehungsmittels beeinflussen?
3.2.1 Der Lebensstil des Erziehers
Der Titel des Buches von Campbell „Kinder sind wie Spiegel“ beantworte bereits einen Teil dieser Frage. Kinder spiegeln in ihrem Sein das Verhalten und die Erziehung der Eltern wider 50 . Viele Eltern machen die Erfahrung, dass sie ihre Kinder so erziehen, wie sie selbst als Kinder erzogen worden sind. Christenson ist der Meinung, dass dort, wo sich die Eltern über moralische Werte nicht sicher sind, die Kinder später ein unmoralisches Leben führen 51 . Dies sind alles Auswirkungen des Lebensstils der Eltern auf die Kinder. Die Auswirkung des Lebensstils des Erziehers auf das Kind oder den Jugendlichen sind aber ähnlich - besonders in der Zeit der Pubertät, wenn sich ein Jugendlicher eher einer Peergroup anschließt, oder sich zumindest von den Eltern weg bewegt.
Der Lebensstil des Erziehers steht also immer im Zusammenhang mit der Wahl und der Wirkung des Erziehungsmittels. Ein einfaches Beispiel kann dies bestätigen. Sagt der Erzieher dem Kind, es dürfe nicht bei Rot über die Ampel gehen und geht dann selbst bei Rot, so wird das Kind das Verbot hinterfragen oder einfach nicht gehorchen. Genauso verhält es sich auch mit der Wahl des Erziehungsmittels. Kommt ein Erzieher mit seinem eigenen Leben nicht klar und ist ständig „schlecht drauf“, so wird er es kaum schaffen, dem Kind Liebe, Geborgenheit und Vertrauen zu vermitteln und entgegenzubringen. Dieser Erzieher wird sich keine Gedanken über das Kind machen, sondern irgendein Erziehungsmittel wählen. Die Theorie W. Brezinkas, in seinem Buch „Erziehungsziele, Erziehungsmittel, Erziehungserfolg 52 beschrieben, bestätigt diese beiden Beispiele.
Die einfache pädagogische Wahrheit, dass der Lebensstil des Erziehers immer Auswirkungen auf die Wahl und die Wirkung des Erziehungsmittels hat, kann man auch ganz einfach auf eine geistliche Ebene übertragen 53 . Vereinfacht ausgedrückt möchte ich das einmal so formulieren: Lebt der Erzieher in einer Beziehung zu Gott, so sollte das Kind oder der Jugendliche das auch an der Wahl der Erziehungsmittel spüren. Wobei das Kind und der Jugendliche das nicht erst an der Wahl des Erziehungsmittels spüren sollten, sondern schon in der Art, wie der Erzieher mit dem Kind oder Jugendlichen im Allgemeinen umgeht.
In der Gemeinde könnte sich das ganz praktisch in der Bereitschaft zu vergeben zeigen. So wie Jesus uns vergeben hat, so könnte ein Erzieher dann auch dem Kind oder Jugendlichen vergeben. Das bedeutet nicht, dass es keine Strafe mehr geben soll, sondern viel mehr, dass in der Strafe und vor allem nach der Strafe deutlich wird, dass die Tat vergeben ist und mit der Strafe dies dann auch erledigt ist. Das Kind muss nach einer Strafe nicht um neue Wertachtung für sich kämpfen 54 .
Aber nicht nur der Lebensstil kann die Wahl und Wirkung des Erziehungsmittels beeinflussen, sondern auch der Menschentyp. Ist man eher ein cholerischer Typ, wird man schneller und impulsiver strafen. Der Melancholiker dagegen wird eher weniger strafen, doch dem Kind und Jugendlichen immer mehr Misstrauen entgegenbringen 55 . Diese beiden Beispiele sind natürlich nur exemplarisch. Ein Erzieher sollte sich und seinen Typ gut kennen, um nicht einseitig in der Wahl des Erziehungsmittels zu sein. Um beim Beispiel des cholerischen Typs zu bleiben, möchte ich folgendes anmerken: Dieser Typ wird, wenn er sich nicht kennt, schnell eine Strafe verhängen, die nicht angemessen ist und muss sie vielleicht im Nachhinein verringen. Weiß ein cholerischer Mensch aber um diese Tatsache, dass er schnell, impulsiv und öfters überreagiert, kann er versuchen, nicht immer gleich eine Strafe zu verhängen, sondern erst über die Tat nachdenken und dann eine Strafe verhängen 56 .
50 Vgl. R. Campbell a. a. O., 11-15
51 Vgl. L. Christenson, a. a. O., 107
52 Vgl. W. Brezinka, Erziehungsziele, Erziehungsmittel, Erziehungserfolg, München/ Basel, 57-60
53 Natürlich kann man Pädagogik und eine geistliche Ebene nicht trennen und das möchte ich auch nicht, aber ich brauche eine Begrifflichkeit zur Übertragung.
54 J.M. Drescher, 7 Dinge, die ihr Kind braucht, 8 Dinge, die ihre Familie braucht, Dillenburg 2000, 14-17
55 Vgl. R. Ruthe, Typen und Temperamente, Moers 5 2006, 81-89 und 144-150
56 Vgl. T. Lahaye, Dein Temperament in Gottes Hand, Bad Liebenzell 2 1982, 32, 68 und 115
3.2.2 Hat das Wesen oder Lebensziel des Heranwachsenden Auswirkungen auf das Erziehungsmittel?
Auch diese Frage kann mit Ja beantwortet werden. Zum einen hängt dies mit dem Temperament des Kindes oder Jugendlichen zusammen und zum anderen mit der Erziehung. Temperament
Ist das Kind oder der Jugendliche wie oben genannt ein cholerischer Typ, muss der Erzieher dies bei der Wahl des Erziehungsmittels beachten, da dieses Kind oder der Jugendliche eher impulsiv handelt und oft nicht genau über seine Tat nachdenkt. Wenn es dem Kind oder Jugendlichen echt leid tut, sollte keine so harte Strafe verhängt werden. Der Heranwachsende braucht Situationen, in denen er lernen kann, mit seinem Temperament umzugehen. Ein melancholisches Kind dagegen braucht viel mehr Ermutigungen und Aufgaben, da es von Natur aus nicht die selbe Eigeninitiative und Motivation wie ein cholerisches Kind hat. Das heißt also, ein Erzieher sollte nicht nur sich kennen, sondern auch die vier Temperamente und sie bei Kindern und Jugendlichen einschätzen können. Ich denke, in den Gemeinden wird über vieles geredet und gepredigt, aber es sollte auch über diese vier Temperament und den Umgang mit ihnen geredet werden. Es würde es dem Erzieher in Gemeinde und Kirche so viel leichter machen. Erziehung
Wurde ein Kind im „Laissez-fair-Stil“ erzogen, kann es sein dass dieses Kind schnell aufgibt, keine eigene Motivation besitzt oder auch einfach nie auf die Anweisungen des Erziehers hört. Hier sollte versucht werden, dem Kind klare Grenzen zu zeigen, es aber auch bei Aufgaben durch Lob und Anerkennung zu motivieren. Ein Kind, das sehr konservativ oder mit Schlängen erzogen wurde, braucht viel Freiheit zur Entfaltung. Ihm muss ich zeigen, dass es auch Fehler machen darf 57 . Das Kind soll lernen, sich etwas zu zu trauen und seinen Selbstwert nicht aus dem Gehorsam, sondern aus seinem Können und einfach aus seinem „Dasein“ gewinnen. Auch dies sollte in den Gemeinden und Kirchen gesagt werden, so könnte man Kindern und Jugendlichen echt helfen, aus ihren Mustern und Problemen heraus zu kommen. Der Erzieher darf nicht unbewusst die gleichen Erziehungsmittel anwenden, die das Kind oder der Jugendliche daheim erfährt.
3.3 Die Autorität des Erziehers
Die Autorität des Erziehers hat auf die Wirkung eines Erziehungsmittels natürlich großen Einfluss. Doch kann Autorität auch falsch verstanden werden. Pädagogische Autorität kann dem Kind oder Jugendlichen helfen, ein Gebot oder Verbot, das nicht verstanden wurde, trotzdem einzuhalten. Oder wenn das Kind oder der Jugendliche einen Lehr- oder Lernstoff für unwichtig oder uninteressant hält, sollte er diesen trotzdem lernen und verarbeiten, weil er die Autorität des Erziehers achtet 58 . Diese Art von Autorität sollte auch in den Gemeinden und Kirchen gelebt werden, überall da, wo Dinge nicht erklärt oder veranschaulicht werden können. Diese Autorität hilft den Kindern und Jugendlichen, sich in einer Welt zu Recht zu finden, die sie oft noch nicht verstehen.
Es gibt aber auch falsch verstandene Autorität. Diese falsche Autorität zeigt sich in unkontrollierten Strafen oder in der Unberechenbarkeit des Erziehers. Wenn ein Erzieher seine Autorität allein durch Härte und durch Strafen zu bekommen versucht, wird er nie diese positive Autorität, von der ich oben geschrieben habe, erlangen. Diese Autorität wird von den Kindern und Jugendlichen dann meistens als Angst vor dem Erzieher oder vor den Strafen empfunden. Diese Art der Autorität schadet der Wirkung von Erziehungsmitteln mehr als dass sie hilft. Wer Strafe und Härte einsetzt, um Autorität zu bekommen, sollte seine Erziehungsmittel und Motivationen einmal hinterfragen.
57 Vgl. E. Geißler, a.a.O., 66-67
58 Vgl. ebd., 113-116
4. Anwendung in der Gemeinde
Grundsätzlich sollte immer die Motivation des Erziehers hinterfragt werden. Dann sollte klar sein, dass in der Gemeinde eine Offenheit für Fragen besteht und das Fehler gemacht werden dürfen. Die Erziehungsmittel Lob, Anerkennung und Ermutigung sollten vor dem Tadel und der Strafe angewendet werden. Der Tadel und die Strafe dürfen aber nicht auf Kosten einer falsch verstandenen „Gnade“ ganz ausgeklammert werden. Es sollten in der Gemeinde Situationen und das Umfeld geschaffen werden, in denen sich die Kinder und Jugendlichen mit ihren Temperamenten ausprobieren dürfen und nicht gleich in ein geistliches Korsett gesteckt werden. Dies alles sollte nicht jeder für sich alleine tun, sondern in einer Teamarbeit und in der Gemeinschaft.
Dies sind natürlich alles einfach gesagte Wahrheiten, die oft so schwer umzusetzen sind. Ich denke, dies kann aber durch Vorträge und vor allem durch die ganz gezielte Schulung von Mitarbeitern erreicht werden. Was aber noch viel wichtiger ist ist, dass der Erzieher die oben genannten Dinge auch selber tut und ein Bewusstsein in der Gemeinde für die Anliegen der Pädagogik schafft.
Zudem möchte ich auf die konkreten Beispiele in dieser Ausarbeitung verweisen, weshalb ich die Anwendung in der Gemeinde auch so kurz gehalten habe.
Literaturverzeichnis
Brezinka, W.: Erziehungsziele, Erziehungsmittel, Erziehungserfolg. München/ Basel: Uni Taschenbücher, 1981.
Brokate, B. u. B. Block.: Schwarze Pädagogik. München: Grin Verlag, 2007. Campbell, R.: Kinder sind wie Spiegel. Marburg an der Lahn: Franke Buchhandlung, 1999. Christenson, L.: Die christliche Familie. Darmstadt: Leuchter Verlag, 1978. Dietrich, T.: Zeit- und Grundfragen der Pädagogik, eine Einführung in pädagogisches Denken. Bad Heilbrunn: Julius Klinkenhardt Verlag 1998.
Drescher, J.M.: 7 Dinge, die ihr Kind braucht, 8 Dinge, die ihre Familie braucht. Dillenburg: Schulte & Gert Verlag 2000.
Dröge, M.: Guter Start. Marienheide: Bibellesebund, erscheint 4 Mal im Jahr. Faix, W.: Die christliche Familie. Bonn: pro Mundis, Verlag für Wissenschaft und Kultur, 2000. Geißler, E.E.: Erziehungsmittel. Bad Heilbrunn: Julius Klinkenhardt Verlag, 1982. Herderer, J.: Pädagogik. München: Herder Verlag, 1981.
Jentsch, W. u. H. Hartmut.: Evangelischer Erwachsenen Katechismus, Kursbuch des Glaubens. Gütersloh: Gütersloher Verlaghaus, 1975.
Lahaye, T.: Dein Temperament in Gottes Hand. Bad Liebenzell: Telos Verlag, 1982. Riewesell, T.: Pur, Bibellesen für teens. Marienheide: Bibellesebund, erscheint 4 Mal im Jahr. Ruthe, R.: Das Elternbuch Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1986. Ruthe, R.: Die Kunst zu ermutigen. Moers: R. Brockhaus Verlag, 2007. Ruthe, R.: Typen und Temperamente. Moers: Brendow Verlag, 2006. Steffan, B.: Handlugsformen: http://www.paed2.ewf.uni-
erlangen.de/lehrveranstaltungen/ergebnisse/sem_erzmeth_04/2004_5_27_erzmeth/handlung sformen.pdf
Datum des Zugriffs: 10. September 2007.
Werner, R.: Jesus First, das 7 Wochen Programm. Witten: R. Brockhaus 2008. Werner, S.: Prüfen - Beurteilen - Benoten. Bad Heilbrunn: Julius Klinkenhardt Verlag, 1997.
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Ronnie Berzins, 2008, Erziehungsmittel in der Erziehung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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