Inhalt
1. EINLEITUNG 3
2. GRUNDLEGENDES ZUR MINNE IM MAURICIUS VON CRAÛN. 4
2.1. DAS IDEALISIERTE MINNESYSTEM IM MINNEEXKURS. 4
2.2. DIE MINNE ALS SYSTEM ZUR GEWALTREGLEMENTIERUNG. 6
3. VOR DER MINNEHANDLUNG. 7
3.1. DIE MINNE DES MAURICIUS 7
3.2. DIE MINNE DER GRÄFIN VON BEAMUNT. 8
3.3. DER MINNEDIALOG 8
4. DIE MINNEHANDLUNG 10
5. NACH DER MINNEHANDLUNG - WER TRÄGT SCHULD AM SCHEITERN DER MINNE?
12
6. LITERATUR 15
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Minne zwischen dem Ritter Mauricius von Craûn und der Gräfin von Beamunt im Text Mauricius von Craûn. Sie geht der Fragestellung nach, warum diese Minne als gescheitert betrachtet werden kann.
Die Erzählung findet sich im Codex Ser. Nova 2663, dem Ambraser Heldenbuch, jener „berühmten Sammelhandschrift mit Werken vom Ende des 12. und 13. Jh.s, die 1503 von Kaiser Maximilian I.² in Auftrag gegeben wurde.“ 1 Als Quelle wird eine altfranzösische Schrift angesehen, die heute allerdings verloren gegangen ist.
Der Erzähler führt im Minneexkurs zunächst ein idealisiertes Minnesystem ein, welches ich gesondert vorstellen und dann im Weiteren als Grundlage für meine Analyse der Minnebeziehung zwischen Mauricius und der Gräfin heranziehen möchte. Im nächsten Kapitel wird die Minne als ein System zur Gewaltreglementierung im Mittelalter vorgestellt, um im Verlauf der Arbeit auch das Scheitern der Minne als System zur Gewalteindämmung aufzuzeigen. Die nachfolgenden Kapitel beleuchten die Minnebeziehung vor und nach der Minnehandlung, also vor und nach dem Gewähren des lônes in Form von Sex. Den Minnedialog zwischen Mauricius und der Gräfin sowie die Minnehandlung möchte ich in gesonderten Kapiteln be-handeln, da diese beiden Szenen die Problematik des Handelns aus verschiedenen Diskursen 2 heraus einführen. Den Einfluss des Vermischens der Diskurse durch die Minnepartner möchte ich hier herausarbeiten und ebenfalls zur Analyse der Minne und ihrem letztendlichem Scheitern heranziehen.
Die Analyse behandelt also den Minneexkurs, Mauricius’ Minnemonolog sowie den Minnedialog mit der Gräfin, setzt dann erneut bei der Minnehandlung ein und endet mit dem Schluss der Erzählung. Ausschnitte des Prologs werden zur Darstellung des Minnesystems als gewaltreglementierendes Moment herangezogen werden, allerdings werden der Schiffsbau, die Fahrt zum Turnier und das Turniergeschehen aus meiner Analyse ausgeklammert, da sie keine wesentlichen Punkte zur Beantwortung der Fragestellung beinhalten.
1 Klein, S. 7
2 Hier sowie in der weiteren Analyse beziehe ich mich auf den Diskursbegriff nach Foucault.
3
2. Grundlegendes zur Minne im Mauricius von Craûn
2.1. Das idealisierte Minnesystem im Minneexkurs
Im Mauricius von Craûn wird im Minneexkurs (V. 254-416) zunächst ein idealisiertes Minnesystem vorgestellt. Der Erzähler erläutert gewissermaßen, von wem Minne wie vollzogen werden kann, wie sie idealer Weise ablaufen sollte und was nicht mit dem Minnekonzept vereinbar ist.
Zur Minne gehören stets zwei Personen: Der Minneherr und seine erwählte Minnedame. Es stellt sich also die Frage, wer mit wem eine Minnebeziehung eingehen darf. Im Mauricius von Craûn kann die Rolle des Minneherren ausschließlich von einem Ritter bekleidet werden: „wan diu ir ritterschaft ist guot (…) sie dienent die harte schône / den frouwen dâ nâch lône“, V. 254,259-260. Die Minnedame muss eine höfische Dame sein, welche vom Ritter als die Edelste aus allen anderen Damen erwählt wurde:
„viel tugendlîche kunde sich / her Mauricius bewarn. / durch das muose im widervarn / êre von guoten wîben: / bî den wolt er belîben.“, V. 398-402 und
„dâ was ein ritter, deist niht lanc / der kêrte allen sîn gedanc / an einer frouwen minne, / und rieten im die sinne / daz er diente zaller stunt / der grævinne von Beamunt, / wan er deheine werder vant.“, V. 263-269.
Der Text schließt die Minne mit einer nichthöfischen Dame aus und begründet dies mit dem schlechten Minnelôn, den diese Damen dem Minneherren gewähren: „viel swache lônent boesiu wîp: / sie machent sêle unde lîp / den mannen dicke unmære und maneger freuden lære.“, V. 409-412.
Die Minne dient also offensichtlich zum Erhalt eines lônes, welchen die Minnedame dem Minneherren gewähren muss: „hilft aber im sîn stætekeit / daz er lônes wird gewert,“, „wan er wirt lônes rîch ein man“, V. 298-299,306. Um diesen lôn in Empfang nehmen zu dürfen, fordert die Minne einiges von dem Minneherren, er muss Minnedienst leisten. Die Minne fordert zunächst einmal stætekeit, was etwa als Beständigkeit 3 des Ritters ins Neuhochdeutsche übersetzt werden kann:
„minne twinget sunder slac / einen man noch baz an stæte / danne ein keiser tæte.“, V. 314-316 und „Swer sich an Minne wendet, (…) der füere stæte veile, / biz er sie dar zuo bringe / daz im von ir gelinge.“, V. 335+338-340.
Dem gegenübergestellt ist die unstæte, also Unbeständigkeit, von welcher sich der Ritter fernhalten soll: „Swer minnet unde sinne hât, / dem will ich geben einen rât, / daz er unstæte flie-
3 Lexer,S. 209
4
he / und sich an stæte ziehe“, V. 341-344. Aus den Anstrengungen des Minnedienstes erwächst dem Ritter Mühsal 4 : „swer stæteclîchen minnet, / wie vil der gewinnet / beide schaden und arbeit!“, V. 295-298. Diese beiden Begriffe unterstreichen somit die Aktivität des Ritters in der Minne. Der Ritter muss stets etwas für die Minnedame tun, damit sie ihm am Ende den lôn gewährt. Allerdings wird der Dienst vom Erzähler als süeze laste (V. 346) dargestellt, was impliziert, dass der Dienst an der Frau den Ritter nicht negativ belastet, sondern dass er ihn, im Hinblick auf den lôn, gerne erfüllt. Zudem wird der Minneherr durch den lôn nach vollbrachter arbeit für die Mühsal während des Dienstes entschädigt und er bereut es nicht, der Dame Minnedienst geleistet zu haben:
„hilft aber im sîn stætekeit / daz er lônes wird gewert, / ob ers mit triuwen hât gegert, / sô wirt es alles guot rât, / swaz er dâ vor erliten hât, / daz ist im süeze unde guot, / wan im vil selten wê getuot / diu riuwe daz ers ie began, / wan er wirt lônes rîch ein man.“, V. 298-306. Des Weiteren werden zwei Arten des lônes beschrieben. Zum einen erhält der Ritter lôn in Form von êre von der Gesellschaft, welche er durch seine Taten im Dienst für die höfische Dame erfährt (am Beispiel des Mauricius: „dienest hât mîn lop braht / von lande ze lande“, V. 336-337). Die andere Art des lônes ist die Gewährung sexuellen Kontaktes mit der Minnedame. Dieser wird vom Text allerdings nur gutgeheißen, wenn ihm arbeit und stæte vorangehen, da Sex gegen Bezahlung, also Prostitution, klar von Minne getrennt wird und dadurch zum êre-Verlust führt:
„daz selbe ouch ein wîp tuot. / sie machet nôtdurft balt. / sô ist ir laster zwivalt, / der mit guote laster giltet: /disen market maneger schiltet. / deist reht, wan ez ist missetat / swer êre durch gelüste lât.“, V. 380-386.
Der Minnedienst wird zudem als etwas Selbstverständliches angesehen, das einfach jeder Mann leisten muss, da er sonst âne sin, also einfach dumm sei, wenn er nicht minnet, um kein Leid ertragen zu müssen (V. 387-391).
Ist der Ritter dann einmal zum Minneherren einer Dame geworden, richtet sich sein ganzes Denken und Tun auf den Dienst an ihr. Dies wird damit begründet, dass die Minne brennet daz herze in dem bluote (V. 322-323) und dass sie einen Mann zur stæte der Dame gegenüber zwinge, sogar mehr als ein (gewaltsamer) Kaiser das je könnte: „Minne twinget sunder slac / einen man noch baz an stæte / danne ein keiser tæte.“, V. 314-316. Das Minnesystem besteht zusammenfassend also aus dem Dienst eines Ritters an einer höfischen Dame. Diese fordert von ihrem Minneherren Taten und hält dadurch ein System im
4 Die Bedeutungen von schaden und arbeit können semantisch unter „Mühsal“ zusammengefasst werden (Lexer, S. 7, 178).
5
Arbeit zitieren:
Vera Meister, 2006, Die gescheiterte Minne im Mauricius von Craûn, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Darstellung zweier Methoden zur Förderung des Lesens bei leserechtschr...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 26 Seiten
Formen artistischer Oralität in Jose Saramagos "Memorial do Conve...
Romanistik - Portugiesische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
WIR gegen DIE - der Leser als Teil einer Leidensgemeinschaft
Die Stadt der Blinden - von Jo...
Hausarbeit, 26 Seiten
Zu: "Lesen durch Schreiben" von Jürgen Reichen
Eine Methode nach der Schüler ...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 27 Seiten
Girards Theorie der Gründungsgewalt angewendet auf die Melusine des Th...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die Interpretation "Der Moriz von Craun als politische Satire&quo...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 9 Seiten
Historisches Lernen im Sachunterricht der Grundschule
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hausarbeit, 10 Seiten
Höfische Repräsentationsobjekte und ihre Beschreibung im 'Maricius...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 25 Seiten
Handlungs- und produktorientierter Unterricht mit Gedichten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 39 Seiten
Zur Diskussion über die liberale Eugenik unter besonderer Berücksichti...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Probleme und Perspektiven der Wunderdidaktik in der Grundschule
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Examensarbeit, 76 Seiten
Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Einstellung, Wahrnehmung, ...
Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge
Hausarbeit, 12 Seiten
Die Fabel als Lernformat für Kinder? Eine Untersuchung
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Vera Meister's Text Die gescheiterte Minne im Mauricius von Craûn ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Vera Meister hat den Text Die gescheiterte Minne im Mauricius von Craûn veröffentlicht
Vera Meister hat einen neuen Text hochgeladen
Einführung in die französische Literatur- und Kulturwissenschaft
Susanne Hartwig, Hartmut Stenzel
Einführung in die Literatur der Romantik
Monika Schmitz-Emans, Gunter E. Grimm, Klaus-Michael Bogdal
0 Kommentare