Abbildungsverzeichnis
Formel für die libidöse Konstruktion einer Masse Seite 15 Abbildung 1
II
Inhalt
I Einleitung 1
II Le Bons Darstellung der Psychologie der Massen 1
2.1 Kennzeichen einer Masse 1
2.2 Eigenschaften von Massen 3
2.3 Führer von Massen und ihre Überzeugungsmittel 5
III Freuds Konzeption der Massenpsychologie 8
3.1 Suggestion und Libido 8
3.2 Identifizierung 9
3.3 Verliebtheit und Hypnose 12
3.4 Herdentrieb und Urhorde 15
IV Vergleich der Ansätze von Le Bon und Freud 18
V Schlussbetrachtung 20
Literaturverzeichnis 21
III
I Einleitung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Thematik der Massenpsychologie in den Darstellungen von Le Bon und Freud und fokussiert auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Ausarbeitungen, abgerundet durch die Frage nach dem Erkenntnisfortschritt Freuds. Grundlage hierfür bildet zum einen das 1985 publizierte Werk „Psychologie der Massen“ des 1841 geborenen französischen Arztes und Soziologen Gustave Le Bon, welcher zu den Begründern der Massenpsychologie zählt. Zum anderen wird Sigmund Freuds Darlegung der „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von 1921 beleuchtet. Der 1985 in Freiberg geborene Psychologe und Doktor der Medizin an der Universität Wien widmet sich in seiner Forschungsarbeit unter anderem den Bereichen der Psychopathologie, der Hysterie, der Hypnose wie auch der Analyse der psychischen Persönlichkeit eines Menschen. Kapitel II untersucht zunächst einmal die Darstellung der Massenpsychologie nach Le Bon und beginnt mit einer allgemeinen Definition und Charakterisierung des Massenbegriffs in Abschnitt 2.1 Im Anschluss folgt ein Überblick über die eine Masse auszeichnenden Eigenschaften im Unterpunkt 2.2 und eine Darlegung des Wesens der Führer von Massen wie auch ihrer Überzeugungsmittel in Teil 2.3.
Kapitel III präsentiert in Analogie dazu die massenpsychologische Konzeption Freuds. In Abschnitt 3.1 wird zunächst nach einer psychologischen Erklärung für die Wandlung eines Individuums innerhalb einer Masse gesucht. Der Teilabschnitt 3.2 dient der Vorbereitung für die Ausarbeitung einer Formel für die Konstruktion einer Masse, welche in Abschnitt 3.3 präsentiert wird. Der Unterpunkt 3.4 beschäftigt sich mit der Erklärung weiterer Massenphänomene.
Der IV. Teil führt ein Vergleich zwischen den Darstellungen von Le Bon und Freud auf. Kapitel V fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit im Fokus der eingangs dargelegten Fragestellung noch einmal zusammen.
II Le Bons Darstellung der Psychologie der Massen
2.1 Kennzeichen einer Masse
In seiner Ausführung definiert Le Bon eine psychologische Masse als ein organisiertes Konstrukt, welches dem Gesetz der seelischen Einheit von Massen unterliegt. Dabei bedarf es nicht lediglich einer einfachen Vereinigung von Menschen, kennzeichnend für die Masse ist vielmehr, dass die ihr zugehörigen Personen neuartige Eigenschaften unter Vorherrschaft der
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unbewussten Persönlichkeit internalisieren. Hierbei entwickelt sich eine gemeinschaftliche Seele, ohne dass jedoch eine örtliche Verbindung der Massenmitglieder erforderlich ist. 1 Eine psychologische Masse zeigt charakteristische allgemeine wie auch besondere Merkmale auf, die in Abhängigkeit von der Homogenität bzw. Heterogenität einer Masse variieren können. Diese Kennzeichnen werden anhand des Gesetzes der seelischen Einheit von Massen eingehend umschrieben, wobei Le Bon stets den Zustand der vollendeten Massenorganisation fokussiert. Als das außergewöhnlichste Element betrachtet er dabei die Entstehung einer gemeinschaftlichen Seele, die sich allein aufgrund des Zustandes der Massenbildung und unabhängig von der Eigentümlichkeiten sowie Eigenschaften ihrer Einzelpersonen bildet: 2 „Die psychologische Masse ist ein unbestimmtes Wesen, das aus ungleichartigen Bestandteilen besteht, die sich für einen Augenblick miteinander verbunden haben.“ 3 Die Bestandteile einer Masse bilden sich dabei keinesfalls aus dem Durchschnitt oder der Summe ihrer Einzelelemente, sondern lassen sich vielmehr als ganz neue Merkmale charakterisieren. So widmet sich Le Bons Untersuchung den Ursachen für die Veränderung eines Individuums durch den Sachverhalt seiner Massenzugehörigkeit. Dabei bezieht er seine Erfahrungen auf die psychologische Erkenntnis, dass die seelische Persönlichkeit primär durch unbewusste Vorgänge geleitet wird. So zeigt Le Bon auf, dass eine Rassenseele vor allem diese unbewussten gleichartigen allgemeinen Charakterzüge zu einer Gemeinschaftsseele vereint, während die bewussten Elemente die Unterscheidungsmerkmale der Einzelindividuen aufzeigen: 4 „Das Ungleichartige versinkt im Gleichartigen und die unbewussten Eigenschaften überwiegen.“ 5
Als Folge der Verbindung der lediglich gewöhnlichen Eigenschaften der Einzelpersonen kann eine Masse keinesfalls durch herausragende Intelligenz geprägt sein: 6 „Die Masse nimmt nicht den Geist, sondern nur die Mittelmäßigkeit in sich auf.“ 7 Dennoch prägt eine Masse nicht lediglich das Mittelmaß der allgemeinen Charaktereigenschaften ihrer Mitglieder, wie bereits angeführt entstehen vielmehr auch völlig neuartige Wesenszüge. Hierfür nennt Le Bon drei verschiedene Erklärungsgründe, die er unter dem Oberbegriff der Veränderung der Gefühle der Einzelindividuen subsumiert. Zunächst führt die bloße Zugehörigkeit zu einer Masse dazu, dass sich durch das entstehende
1 Vgl. Le Bon (2007), S. 30f.
2 Vgl. Le Bon (2007), S. 31ff.
3 Le Bon (2007), S. 33.
4 Vgl. Le Bon (2007), S. 33ff.
5 Le Bon (2007), S. 35.
6 Vgl. Le Bon (2007), S. 35.
7 Le Bon (2007), S. 35.
2
Mengengefühl die Vorstellung unüberwindbarer Macht entwickelt. Folglich lassen sich vorher unterdrückte Triebe nun hemmungsloser ausleben. 8
Als zweites erfolgt zwischen den Einzelpersonen eine geistige Übertragung (contagion mentale), welche Le Bon als ein hypnotisches massenspezifisches Kennzeichen wertet: 9 „In der Masse ist jedes Gefühl, jede Handlung übertragbar, und zwar in so hohem Grade, dass der Einzelne sehr leicht seine persönlichen Wünsche den Gesamtwünschen opfert.“ 10 Zu der dritten und bedeutendsten Ursache zählt Le Bon jedoch die Beeinflussbarkeit (suggestibilité) des Individuums in der Masse, von welcher auch die bereits erwähnte geistige Übertragung ausgeht. Den Prozess dieser Übertragung vergleicht Le Bon mit dem Zustand der Hypnose, bei dem die bewusste Persönlichkeit des Hypnotisierten gänzlich ausgeblendet wird und dieser uneingeschränkt dem Willen seines Hypnotiseurs folgt, auch wenn die Gedanken, Gefühle und Handlungen des Hypnotisierten seinen persönlichen Präferenzen vollständig widersprechen. So lassen sich unter der Einwirkung der Suggestion bei einem Individuum in der Masse bestimmte Eigenarten vollständig ausschalten, um hierfür andere in einem Übermaß zu aktivieren. Im Vergleich zur Hypnose zeigt sich diese Wirkung in der Masse noch viel ausgeprägter, da die Suggestion durch Übertragung zusätzlich verstärkt wird. 11 Die aufgedrängten Ideen sind durch einen unaufhaltsamen Tatendrang gekennzeichnet. Der Mensch zeigt nicht mehr sein individuelles Wesen, vielmehr ähnelt er einem Roboter, der durch einen fremden Willen geleitet wird. So vergleicht Le Bon eine Person in der Masse mit einem Triebwesen, und zwar unabhängig von dem Grad seines persönlichen Intellekts. Dieser ist dabei stets höher einzuschätzen als das Intellekt der Masse: 12 „Er hat die Unberechenbarkeit, die Heftigkeit, die Wildheit, aber auch die Begeisterung und den Heldenmut ursprünglicher Wesen, denen er auch durch die Leichtigkeit ähnelt, mit der er sich von Worten und Vorstellungen beeinflussen und zu Handlungen verführen lässt, die seine augenscheinlichsten Interessen verletzen.“ 13
2.2 Eigenschaften von Massen
Die Handlungen einer Masse lassen sich durch den Charakter des Unbewussten unter Einfluss der ausschließlich äußeren Reize beschreiben, wobei sich sowohl positive wie auch negative Eigenschaften herausbilden können. Die Handlungen sind jedoch stets unabweisbar, so dass
8 Vgl. Le Bon (2007), S. 36.
9 Vgl. Le Bon (2007), S. 36.
10 Le Bon (2007), S. 36.
11 Vgl. Le Bon (2007), S. 37f.
12 Vgl. Le Bon (2007), S. 38f.
13 Le Bon (2007), S. 38.
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Swetlana Katolnik, 2008, Wo bestehen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Massenpsychologie bei Freud und Le Bon und worin liegt der Erkenntnisfortschritt von Freud?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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