Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Eine globalisierte Welt im Wandel 3
2. Kreolisierung 4
2.1 Herkunft und Verwendung des Konzepts in den Sprach-
wissenschaften S. 4
2.2 Anwendung in den Kulturwissenschaften und der Ethnologie 6
2.3 Kreolisierung in der Karibik 7
3. Hybridisierung 8
3.1Herkunft und Verwendung des Konzepts in der Biologie
und den Literaturwissenschaften 9
3.2 Anwendung in den Kulturwissenschaften und der Ethnologie 10
4. Vergleich der beiden vorgestellten Konzepte 11
4.1 Kreolisierung versus Hybridisierung 11
5. Schluss: Kreolisierung, Hybridisierung und Globalisierung 13
Literaturverzeichnis S. 15
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1. Einleitung: Eine globalisierte Welt im Wandel
Nicht erst mit den Vorgängen, die im allgemeinen mit „Globalisierung“ bezeichnet werden und die in erster Linie eine Vernetzung der Welt auf der Ebene der Wirtschaft, Technik und Kommunikation hervorgebracht haben, lässt sich die Welt als eine Welt im Wandel bezeichnen. Schon durch wichtige Ereignisse wie den Sklavenhandel und die Kolonialisierung insbesondere in Afrika und Südamerika haben sich in vielen Teilen der Welt Situationen ergeben, die in den Kultur- und auch Sprachwissenschaften im Allgemeinen mit „Kulturkontakt“ umschrieben werden. Durch diese einschneidenden Begebenheiten haben sich durch Vermischung nicht nur neue Sprachen sondern auch neue Identitäten, ethnische Gruppen und Kulturen entwickelt und fühlen sich zum Teil weiterhin im Wandel begriffen.
Um diesen Kulturkontakt und Kulturwandel zu beschreiben und in Worte zu fassen, haben sich in den Kulturwissenschaften und speziell in der Ethnologie Kategorien entwickelt, die den Vermischungsprozess erfassen. Dazu gehören Konzepte wie Kreolisierung, Pidginisierung, Hybridität oder auch Synkretismus, die eine Aufnahme in die theoretische Debatte in der Ethnologie erfahren haben. Bei den genannten Theorien handelt es sich zumeist um Adaptionen aus anderen wissenschaftlichen Richtungen, die in die Kulturwissenschaft übertragen wurden.
In der vorliegenden Arbeit soll es nun darum gehen, zwei dieser Konzepte -Kreolisierung und Hybridisierung - vorzustellen und einem Vergleich zu unterziehen. Dabei stellen sich folgende Fragen: Wo haben die Theorien ihren Ursprung und was ist ihre eigentliche Bedeutung? Wie findet die Adaption in der Ethnologie statt und mit welcher Bedeutung werden die Konzepte hier belegt? Ist die Übernahme in die Kulturwissenschaften in dieser Form sinnvoll? Lassen sich die beschriebenen Konzepte vergleichen, haben sie verschiedene Inhalte oder sind sie in ihren Aussagen eigentlich eher Deckungsgleich? Um eine Annäherung an diese Fragestellungen zu finden, werden zunächst die beiden Konzepte vorgestellt und die Fragen nach ihrer Herkunft und Bedeutung
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für die Kulturwissenschaften geklärt. In einem zweiten Schritt werden die Theorien verglichen. Dabei soll überprüft werden, ob sie sich in ihrer Bedeutung unterscheiden oder ob sie synonym verwendbar sind.
2. Kreolisierung
Der erste hier zur Diskussion stehende Begriff ist derjenige der „Kreolisierung“. Seine ursprüngliche Bedeutung bezieht das Wort „Kreol“ aus dem lateinischen „creare“ (schaffen, erschaffen). Hier soll es zunächst darum gehen, die Herkunft und Bedeutung des Konzepts zu erläutern, die es in der
sprachwissenschaftlichen Kreolistik einnimmt. In einem zweiten Schritt soll geklärt werden, wie die Übertragung in die Kulturwissenschaften von statten geht und mit welcher Bedeutung der Begriff der Kreolisierung hier belegt wird. Schließlich wird in einem letzten Abschnitt eine beispielhafte Anwendung des Konzepts in der Karibik vorgenommen, wo Kreolisierung einen besonderen lokalen Stellenwert erfährt.
2.1 Herkunft und Verwendung des Konzepts in den Sprachwissenschaften Der Begriff „Kreole(n)“ war zunächst mit unterschiedlichen Bedeutungen in verschiedenen Kontexten und je nach gebräuchlicher Sprache belegt. In den spanischen und portugiesischen Kolonien in Südamerika waren die „Crioullo“ (port.) bzw. „Criollo“ (span.) zum einen die Nachkommen der in den Kolonien geborenen afrikanischen Sklaven (Knörr 1995: 10). In den spanischen Kolonien wurden damit aber ebenso die Nachkommen der weißen romanischen Einwanderer bezeichnet (Knörr 1995: 10), in Abgrenzung zu den Mestizen (Indio-Spanier). In den portugiesischen Kolonien in Westafrika wurden gemischte Familien mit „Crioullo“ bezeichnet, die eine eigene Kultur und Sprache entwickelten. Im weiteren Sinne war „Kreol“ eine Bezeichnung für kulturelle Elemente in Lateinamerika und der Karibik, die unter verschiedenen Einflüssen
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entstanden, vor allem aber für die dabei entstandenen Sprachen, die Kreolsprachen. 1
Die Wissenschaft, die sich mit diesen Kreolsprachen auseinandersetzte ist die so genannte Kreolistik. Hier wird davon ausgegangen, dass Pidgin- und Kreolsprachen als „Kontaktsprachen“ (engl.: contact languages) aus der Notwendigkeit einer Situation entstehen, in der zwei Seiten einander nicht verstehen (Sebba 1997: 2). Entgegen der generellen Auffassung in Industriegesellschaften von einer Reinheit der Sprache in klarer Abgrenzung zu anderen Sprachen gibt es in Situationen von Sprachkontakten häufig beispielsweise eine Anleihe in Vokabular und Grammatik oder eine Sprachvermischung, auch Pidginisierung oder Kreolisierung genannt (Sebba 1997: 10ff).
Pidginsprachen gelten dabei häufig als Vorläufer für Kreolsprachen, was aber nicht zwingend der Fall sein muss. Im Vergleich zur Quellsprache haben Pidginsprachen eine vereinfachte Grammatikstruktur und müssen von Muttersprachlern der Basissprache ebenso neu erlernt werden. Ein weiteres Merkmal von Pidginsprachen ist, dass es keine Muttersprachler gibt. Über die Entwicklung der Sprache herrschen jedoch gewisse Konventionen innerhalb derer sich gewisse grammatikalische Strukturen entwickeln. Es ist nicht alles möglich (Sebba 1997: 15).
Mit dem Prozess der Kreolisierung wird nun in der Regel die Entwicklung einer Kreolsprache bezeichnet, wobei die Mechanismen dieses Prozesses noch umstritten sind (Adone/Plag 1994: 3). Ein weit verbreiteter Gesichtspunkt des Kreolisierungsprozesses ist die Entwicklung einer voll entwickelten Sprache mit der Ausweitung von Lexik und Grammatik aus einer Pidginsprache (Adone/Plag 1994: 3). Nicht immer ist es jedoch zwingend, dass der Vorläufer einer Kreolsprache eine Pidginsprache ist. Eine Kreolsprache ist in der Regel eine voll ausgebaute und standardisierte Muttersprache, die als solche erlernt wird, zudem sind die funktionalen und grammatikalischen Vereinfachungen des Pidgin weitgehend beseitigt. Die Entstehung von Kreolsprachen findet häufig im Kontext
1 Der Großteil der genannten Informationen stammt aus Lexika, die hier nicht einzeln angegeben werden.
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Arbeit zitieren:
Martin Büdel, 2007, Kreolisierung versus Hybridisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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