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1. Einleitung
Gemessen an der Fülle von Problemen, mit denen Lehrkräfte an Schulen heute konfrontiert werden, ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen recht erfolgreich. Immer wieder treten jedoch Probleme auf, die einen Lehrer, der ja in der Regel über keine wirklich fundierte psychologische Ausbildung verfügt, seine Grenzen bewusst werden lässt. Dann braucht es besonderer Methoden zur Lösung schwerwiegender Probleme. Aber auch kleinere Probleme, die auf den ersten Blick keine große Herausforderung für Pädagogen darstellen sollten, können einen Lehrenden zermürben und die Effektivität schulischer Arbeit untergraben. 1 Ist es möglich, dass Sozialpädagogen, Beratungslehrer und Fachlehrer ohne Psychologiestudium eine schulische Einzelfallberatung durchführen können – und das vielleicht sogar effektiver als die ausgebildeten Spezialisten? Der Systemansatz scheint diese Frage mit einem Ja beantworten zu können. 2 Mit Hilfe der systemischen Methode soll es Pädagogen leichter fallen, Probleme innerhalb eines interpersonellen Kontextes zu sehen und ihre Reaktionen in chronisch problematischen Situationen zu verändern. 3 Ich möchte in der vorliegenden Arbeit den systemischen Beratungsansatz vorstellen und dabei insbesondere auf systemische Beratung im schulischen Kontext eingehen. Ich werde zu diesem Zweck wie folgt vorgehen: Nach einer knappen Einführung in den Komplex "pädagogische Beratung in der Schule" in Kapitel 2 werden wir in Kapitel 3 zunächst allgemein in den Komplex "systemische Beratung" einführen (Kapitel 3.1.), um sodann zum eigentlichen Kernpunkt der Arbeit vorzustoßen, nämlich der Bedeutung systemischer Beratung für die schulische Beratungsarbeit (Kapitel 3.2.). Da eine umfassende Darstellung der Möglichkeiten systemischer Beratung in Schulen im Rahmen meiner Studie kaum möglich ist, werde ich mich auf die Beziehung zwischen Pädagogen (Sozialpädagogen und Lehrer) und Schülern beschränken.
1 Vgl. Molnar/Lindquist 1991, S. 11.
2 Vgl. Huschke-Rhein 1998, S. 153.
3 Vgl. Molnar/Lindquist 1991, S. 14.
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2. Pädagogische Beratung in der Schule
Pädagogische Beratung im Kontext Schule hat in den letzten Jahren beständig an Bedeutung gewonnen. 4 Jeder Pädagoge muss beraten können, weil es sich um eine Schlüsselqualifikation für sein Beruf handelt. Die Aufgabe der Erziehung und Förderung von Kindern und Jugendlichen ist ohne entsprechende Fähigkeiten zur pädagogischen Beratung überhaupt nicht adäquat zu erfüllen. Eltern erwarten deshalb auch nicht zu Unrecht, dass die Pädagogen die Kinder sowohl hinsichtlich der Leistung als auch in Fragen der persönlichen Entwicklung begleiten und beraten. 5 Huschke-Rhein unterscheidet vier Beratungsaufgaben in der Schule:
- Schullaufbahnberatung
- Pädagogisch-psychologische Beratung
- Unterrichtsberatung
- Organisationsberatung/Systemberatung, d.h. Beratung in der Schule als Organisation. 6
Der wachsende Beratungsbedarf an Schulen hat verschiedene Ursachen. Der zentrale Grund liegt sicherlich in der zunehmenden Delegation von Entscheidungskompetenzen und Verantwortung von den übergeordneten Instanzen an die Schulen, wo Lösungen vor Ort erarbeitet werden sollen. 7 Nicht nur im Sonderschulbereich, sondern auch in der Regelschule haben immer mehr Kinder Probleme im Bereich von Lernen und Leistung und/oder im sozialen oder affektiven Verhalten. Auch die integrative Beschulung von Schülern mit Behinderung und/oder problematischen Verhaltensweisen erhöht den Stellenwert von Beratung in der Regelschule, schließlich ist Beratung ein zentrales Element in der beruflichen Tätigkeit von Sonderschulpädagogen. 8 Auch die Entwicklung weg vom Lehrer als Einzelkämpfer hin zum Unterrichten
4 Vgl. Palmowski 1995, S. 17.
5 Vgl. Freyaldenhoven 2005, S. 13.
6 Vgl. Huschke-Rhein 1998, S. 153.
7 Vgl. Palmowski 1995, S. 19.
8 Vgl. Palmowski 1995, S. 18.
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im Team und zur Etablierung anderer Kooperationsformen innerhalb der Schule macht Beratung im schulischen Kontext notwendig. 9 Leider sind nicht bei allen Lehrkräften und Schulsozialpädagogen die nötigen Voraussetzungen für effiziente Beratung gegeben. Die gestraffte Lehramtsausbildung ist einseitig auf die Fertigkeit des Unterrichtens ausgerichtet und gibt der Beratung wenig oder überhaupt keinen Raum. Die häufig anzutreffende Haltung "Beraten kann doch jeder" ignoriert die Tatsache, dass es einer langjährigen Ausbildung und Praxiserfahrung bedarf, um qualifiziert psychologisch beraten zu können. Dazu zählen die Kenntnis psychologischer Theorien und Persönlichkeitsbilder ebenso wie eine psychologische Grundausbildung, aber auch das aktive Anwenden konkreter Beratungstechniken und der Gesprächsführung. 10
3. Systemische Beratung in der Schule
3.1. Systemische Beratung – Eine Einführung
Der Systemansatz hat längst in fast allen pädagogischen Praxisfeldern Einzug gehalten, zum Beispiel in der Familienberatung, der Heimerziehung, der Erwachsenenbildung, und der Sozialpädagogik. 11 Die Erwartungen, die an systemische Beratung gerichtet werden, sind höchst vielfältiger Natur. So erzeugt etwa die sprachliche Nähe zum Begriff "systematisch" die Hoffnung, systemisches Denken könne Struktur und Ordnung in das Chaos persönlicher Beziehungen bringen. Andere wiederum fokussieren sich auf die ganzheitliche Herangehensweise und erwarten Beschreibungen, wie alles mit allem vernetzt ist. Lösungsorientierte Pragmatiker setzen darauf, sich nicht lange bei der Analyse eines Problems aufhalten zu müssen, sondern gleich zur Lösung schreiten zu können. Skeptiker verweisen hingegen auf die angeblich technokratische Natur systemischer Ansätze und sprechen von einer
9 Vgl. Palmowski 1995, S. 18.
10 Vgl. Freyaldenhoven 2005, S. 14 f.
11 Vgl. Huschke-Rhein 1998, S. 16.
Quote paper:
Bilel Moussa, 2008, Systemische Beratung im Kontext Schule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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