Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung 1
II. System und Methodik der Rekrutierung und Ausbildung von Freiwilligen im
kaiserzeitlichen Heer 1
II.a. Einführung 1
II.b. Die Musterung 2
II.c. Exkurs: Die Grundausbildung 8
II.d. Vom Rekruten zum Soldaten 9
II.e. Zusammenfassung 12
III. dona militaria - Militärische Auszeichnungen des römischen Heeres 13
III.a. Einführung 13
III.b. CORONA OBSIDIONALIS 14
III.c. CORONA CIVICA 15
III.d. CORONA MURALIS und CORONA VALLARIS 17
III.e. TORQUES 18
III.f. PHALERAE 19
III.g. Zusammenfassung 19
IV. Abbildungsteil 21
V. Bibliographie 28
VI. Hand - Out 30
I. Einleitung
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um die schriftliche Ausarbeitung des Referates ‚Das römische Heer der Kaiserzeit - Rekrutierungswesen und Auszeichnungen’, welches im Wintersemester 2007 / 2008 im Rahmen des Hauptseminars ‚Die Legionen Roms’ unter der Leitung von Herrn PD Dr. Ulrich - Walter Gans vorgetragen wurde.
Das Referat gliederte sich in zwei Teile. Der erste Teil hatte die Erläuterung des kaiserzeitlichen Rekrutierungswesens zum Thema. Im zweiten Teil wurde ein Einblick in die verschiedenen Auszeichnungen des römischen Militärs gewährt.
Die nun hier vorliegende Ausarbeitung möchte, einen keineswegs erschöpfenden Einblick in die komplexe Materie des kaiserzeitlichen Rekrutierungswesen und den vielfältigen römischen Militärauszeichnungen geben.
II. System und Methodik der Rekrutierung und Ausbildung von Freiwilligen im kaiserzeitlichen Heer
II.a. Einführung
Das Heer der römischen Republik und das der Kaiserzeit unterschieden sich grundlegend. Erkenntlich wird dies besonders bei näherer Betrachtung der Organisationsstrukturen des Militärs während dieser beiden Epochen der römischen Geschichte.
Seit ungefähr dem Ende des 2. Jhr. v. Chr. ist ein Strukturwandel innerhalb der republikanischen Armee zu verzeichnen, der sich in den veränderten Anforderungen, die von diesem Zeitpunkt an verstärkt von außen an das aus römischen Bürgern bestehende Heer gestellt wurden, begründete. Auseinandersetzungen mit Kimbern und Teutonen, sowie die zunehmende territoriale Expansion Roms, erforderten eine vermehrte und bisweilen auch dauerhafte militärische Präsenz in einigen der eroberten Gebiete. Feldzüge waren nicht mehr nur auf die Sommermonate beschränkt, wie es bis zu diesem Zeitpunkt üblich war, sondern einzelne Einheiten blieben, sofern es die militärische Großwetterlage erforderte, längerfristig in entfernten Territorien stationiert. Aus dieser Notwendigkeit entstanden für die nicht geringe Anzahl derjenigen Soldaten des republikanischen Heeres, die sich aus der Bauernschaft rekrutierten, große Probleme. Die längere Abwesendheit von ihren Gehöften bedeutete, dass ihre Felder brach fielen. Der Spagat zwischen einer ausreichenden Getreideversorgung der eigenen Bevölkerung und einer ebenso ausreichenden militärischen Präsenz in den erworbenen Territorien erwies sich für die Entscheidungsträger in der römischen Politik und dem Militär als äußerst problematisch.
1
Unter dem Eindruck dieser Ereignisse und den daraus gewonnenen Erfahrungen zeichnete sich ab, dass das republikanische Bürgerheer mit seinen bis dahin bewährten Strukturen den andersartigen Aufgaben und Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Um die Oberhand in seinem, bis zu diesem Zeitpunkt geschaffenen Einflussbereich auch auf längere Frist behalten zu können, war die Umwandlung und Neustrukturierung des republikanischen Bürgerheeres zu einer professionellen und gut ausgerüsteten Berufsarmee die notwendige und logische Konsequenz. Diese Wandlung wurde, verkürzt gesagt, an der Wende des 2. zum 1. Jhr. v. Chr. durch die Heeresreformen des Popularen Gaius Marius (*156 v.Chr. - †13.1.86 v.Chr) eingeleitet. Mit seinen Reformen schuf Marius den Unterbau für die kaiserzeitliche Armeeorganisation. 1 Dabei ist anzunehmen, dass Marius das römische Heer nicht ad hoc gänzlich ‚neu erfand’, sondern, dass die von ihm angestoßenen Reformen das Resümee einer sich bereits seit Jahrzehnten innerhalb der republikanischen Armee abzeichnenden Entwicklung waren.
Diverse antike Schriftquellen geben Aufschluss über die vielschichtige Geschichte und Entwicklung des römischen Heerwesens. Für die späte Republik sind hier einerseits der ‚Bellum Iuguhrtum’ des Sallust (*1.10.86 v.Chr. - †13.5.34 v.Chr) und ‚De Bello Gallico’ von Caesar (*13.7.100 v.Chr. -†15.3.44 v.Chr) zu nennen. Andererseits die ‚Naturalis Historiae’ des Plinius Secundus (*23/24 -†79 n.Chr.), der in Griechisch verfasste ‚Bellum Iudaeicum’ des Opportunisten Flavius Iosephus (*37/38 n.Chr. - †um 100), die ‚Annales’ des Tacitus (*55 n.Chr. - †nach 116 n.Chr.), sowie das ebenfalls in griechischer Sprache verfasste Geschichtswerk des Cassius Dio (*um 163 n.Chr. - †um 235 n.Chr.) für die Kaiserzeit. Besonders aber der Schriftsteller Flavius Vegetius (4. Jhr. n.Chr.) befasst sich in seinem Werk ‚De re militari’ ausgiebig mit der Materie der Anwerbung und Ausbildung von Rekruten für die römische Armee und ist somit nicht nur im Rahmen dieser Arbeit eine der antiken Hauptquellen für diesbezügliche Informationen.
II.b. Die Musterung
Den exemplarisch angeführten Berechnungen von Yann Le Bohec zu Folge benötigte das römische Imperium bei einer militärischen Gesamtstärke von 25 Legionen (die Zahl der Legionen schwankte während der gesamten römischen Kaiserzeit erheblich), zuzüglich der Marine und den Auxiliartruppen jährlich etwa 18.000 neue Rekruten, um die erlittenen Verluste und Abgänge zu ersetzen. Bei der Auffrischung der Truppen bediente sich der Staat erst der Freiwilligen, die bei Rekrutierungsstellen vorstellig wurden. Reichte deren Zahl nicht aus, um erlittenen Verluste zu kompensieren, Krisenzeiten eine Aufstockung der Kontingente notwendig machten oder sich
1 Junckelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. 1 1989 Mainz.S.86.
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schlechterdings nicht genügend, den Anforderungen entsprechende, Freiwillige meldeten, wurden Rekruten einberufen. Konnte die erforderliche Sollstärke auch durch die Einberufung von Rekruten nicht erreicht werden wurden zusätzlich Veteranen reaktiviert. 2 Die Überwachung der Rekrutierung von Freiwilligen oblag in Friedenszeiten gemeinhin den Statthaltern der einzelnen Provinzen, welche letztinstanzlich die Verantwortung dafür trugen. 3 In Kriesenzeiten hingegen konnten spezielle Beamte mit der Truppenaushebung (lat.: dilectus) beauftragt werden. Sie wurden als missi ad dilectum, legati ad dilectum, diletatores oder inquisitores bezeichnet. 4 Das elaborierte System, nach welchem Freiwillige seit dem frühen Prinzipat auf ihre Tauglichkeit für den Militärdienst untersucht wurden gliederte sich in zwei Stufen deren erste die Musterung (lat.: probatio) darstellte. 5 Vegetius zu Folge erfolgte die Musterung durch einen Offizier der mit der Überprüfung der für den Militärdienst erforderlichen Qualifikationen betraut war. Die Freiwilligen wurden in einer medizinischen Untersuchung sprichwörtlich auf Herz und Nieren geprüft. Aus Vegetius Werk geht hervor, dass eine gut physische Verfassung von wesentlicher Bedeutung war. Der verantwortliche Offizier sollte, ähnlich der Begutachtung von Nutztieren, deren körperliche Verfassung sich laut Vegetius an Hand ähnlicher Kriterien feststellen lässt, auf Körperhaltung und Körpersprache, Gliedmaßen, Gesicht und Augen achten. Der potentielle Rekrut sollte sich durch einen breiten, muskulösen Oberkörper, kräftige Arme und starke Hände auszeichnen. 6
Was die Größe anbelangt, so behauptet Vegetius, dass die ideale Größe eines Soldaten in der ‚Vorzeit’ zwischen fünf und sechs römischen Fuß lag. 7 Welchen Zeitraum er damit ungefähr meint, geht aus seinen Ausführungen jedoch nicht hervor. Von Nero (*15.12.37 n.Chr. - † 09.06.68 n.Chr.) ist in diesem Zusammenhang allerdings bekannt, dass er während seiner Regierungszeit von 54 bis 68 n.Chr. eine Legion mit einem Mindestmaß von mindestens sechs römischen Fuß ausheben ließ; die Legio I Italica oder auch ’Phalanx Alexanders des Großen’. Die Legio I Italica ist hier insofern erwähnenswert, da anzunehmen ist, dass zu Neros Zeiten sechs römische Fuß nicht als Mindestmaß gegolten haben dürften, sondern wahrscheinlich eine außergewöhnliches Gardemaß darstellten. Gemäß dem Codex Theodosianus lag das erforderliche Mindestmaß um 367 n.Chr. bei fünf Fuß und sieben Fingerbreiten (lat.: digitus). 8 Die Überprüfung der Größe erfolgte durch das Anlehnen
2 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 1 1989 Paris.S.77.
3 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 1 1989 Paris.S.76.
4 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 1 1989 Paris.S.77.
5 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.3.
6 Vegetius: De re militari. I,6.
7 nach Kinne, Andreas: Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik - ein Hilfsmittel für die archäologische Geländearbeit. 4 2006 Dresden.S.8. 1 röm. Fuß = 29,6 cm
8 nach Kinne, Andreas: Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik - ein Hilfsmittel für die archäologische Geländearbeit. 4 2006 Dresden.S.8. 1 röm. digitus = 1,85 cm
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des Freiwilligen gegen einen auf das Mindestmaß genormten Pfosten. 9 Eine zu geringe Körpergröße bedeutet aber nicht zwangsweise den Ausschluss vom Kriegsdienst. Laut Vegetius verfügte der rekrutierende Offizier im Rahmen der Vorgaben über einen gewissen Spielraum. Bei der Bewertung der Tauglichkeit sollte nicht allein die Körpergröße als ausschlaggebender Faktor berücksichtigt werden, sondern vielmehr der körperliche Zustand, da es zweckdienlicher erschien leistungsfähige denn groß gewachsene Freiwillige zu rekrutieren. 10
Rekruten sollten nach Vegetius’ Meinung möglichst aus ländlich geprägten Regionen im Norden des Imperiums stammen. Freiwillige aus diesen Gebieten seien für den Kriegsdienst besser geeignet, da sie einerseits durch das kühlere Klima, andererseits durch die harte physische Arbeit, welche das Landleben in diesen Regionen mit sich bringe, widerstandsfähiger gegen Verletzungen seien. 11 Freiwillige aus der Stadt hingegen seien das urbane Leben mit seinen zahlreichen Annehmlichkeiten zu sehr gewöhnt, so dass sie sich nur schwerlich in das entbehrungsreiche und von Disziplin geprägte Leben der Armee eingliederten. 12 Aus einem ähnlichen Grunde seien auch: ’…Fischer, Vogelfänger, Zuckerbäcker, Leinweber, und überhaupt alle die sich mit Arbeiten beschäftigen, die auch von Frauenzimmern besorgt werden können und auch sollen, […] für das Kriegswesen nicht geeignet.’ 13 Bewerber, deren berufliche Tätigkeit sich durch eine intensive physische Beanspruchung auszeichnete seien Letzteren vorzuziehen.
Auf die physische Verfassung eines Rekruten wurde bei der Bewertung seiner Tauglichkeit also besonders Wert gelegt. Dennoch scheint es Fälle gegeben zu haben, in denen Rekruten trotz einer körperlichen Beeinträchtigung für tauglich erklärt wurden. So berichtet Arrius Menander: ’Qui cum uno testiculo natus est quive amisit, iure militabit secundum divi Traiani rescriptu.’ 14 Durch eine kaiserliche Weisung wurde den hiervon Betroffenen der Kriegsdienst, trotz der körperlichen Versehrtheit, ermöglicht. 15
Das Alter steht in engem Zusammenhang mit der physischen Verfassung eines Freiwilligen. Vegetius erörtert auch dieses Kriterium ausführlich in einem gesonderten Kapitel. Seinen Ausführungen ist dabei zu entnehmen, dass das ideale Eintrittsalter zum Militärdienst in den Legionen der Beginn der Pubertät sei. Die begründe sich Vegetius darin, dass der Körper in dieser Phase noch im Wachstum sei, noch nicht an Altersverschleiß leide und das Kriegshandwerk dank
9 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.6.
10 Vegetius: De re militari. I,6.
11 Vegetius: De re militari. I,2.
12 Vegetius: De re militari. I,3.
13 Vegetius: De re militari. I,7.
14 Arrius Menander: On Military Affairs. I, 49, 16, 4
15 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.7.
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der jugendlichen Auffassungsgabe rasch zu erlernen sei. Cassius Dio gibt in einer seiner Schriften das 35. Lebensjahr als obere Altersgrenze für den Kriegsdienst an. 16 Ebenso wie der Geschichtsschreiber Titus Livius (*um 59 v.Chr. - †17n.Chr.). 17 Allerdings ist, unter Berücksichtigung der im betreffenden Abschnitt von Livius geschilderten Begleitumstände der Aushebung fraglich, in wie fern die von ihm genannte Altersgrenze auch in Friedenszeiten gegolten hat. Livius berichtet: ‚Sogar Freigelassene hatten auf die Fahnen geschworen, wenn sie Kinder und das dienstfähige Alter hatten.’ 18
Die Ergebnisse einer Analyse der Laufbahnen von fünfhundert Legionären zeigen jedoch, dass die Angaben des Vegetius, am unteren Ende der Altersskala als auch die des Cassius Dio und die des Livius am oberen Ende der Skala, größtenteils der Realität entsprachen. Die Auswertung der Laufbahnen ergab, dass alle Legionäre zwischen dem 13. und 36. Lebensjahr der Armee beitraten, dreiviertel von ihnen zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr. 19
Dass laut Livius selbst Freigelassene rekrutiert wurden unterstreicht die Dringlichkeit der beschriebenen Aushebung umso mehr. Freigelassenen oder gar Sklaven war der Dienst in den Legionen, wie eine Korrespondenz zwischen Plinius dem Jüngeren (*61/ 62 n.Chr. - †um 113 n.Chr.) und Kaiser Traian (*53 n.Chr. - †117 n.Chr.) belegt, ansonsten nicht erlaubt. Der betreffende Briefwechsel gewährt einen Einblick in die rechtliche Stellung der Unfreien und besonders der Sklaven: Zwei Sklaven hatten unerkannt und entgegen der Vorschriften versucht dem Militär beizutreten. Sie hatten bereits die Musterung und auch die Grundausbildung abgeschlossen, als ihre rechtliche Stellung bekannt wurde. Plinius, der zu diesem Zeitpunkt mit dem Amt des Statthalters der Provinz Bithynien betraut war (um 111 n.Chr.), wendet sich nun in dieser Angelegenheit Rat suchend an Kaiser Traian:
„Semporius Caelianus (whose merit I must always mention with esteem) having discovered two slaves among the recruits has sent them to me. But I deferred passing sentence till I had conferred with you, the glorious founder, and firm support of military discipline, concerning the punishment proper to be inflicted upon them. My principal doubt is, that though they have taken the military oath, they are not yet entered into any particular legion. I beg therefore, Sir, you would let me know what method I shall pursue, especially as it is an affair in wich example is concerned.”. 20 Den Zeilen des Plinius ist deutlich zu entnehmen, dass die freie Geburt ein bedeutsames Kriterium für die Zulassung zum Militärdienst darstellte. Ohne einen solchen Nachweis, oder konnte die freie
16 Cassius Dio: LV,23,1
17 Livius: Ab urbe contita. XXII, 11,8
18 Livius: Ab urbe contita. XXII, 11,8
19 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.7.
20 Plinius: Epistulae. X.29
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Geburt auch nur nicht zweifelsfrei belegt werden, blieb der Dienst in einer römischen Legion zumindest in Friedenszeit verwehrt. 21 Ausschließlich in Krisen- oder Kriegzeiten, wenn eine Verstärkung der Truppen unbedingt erforderlich war, der Bedarf an Soldaten aber nicht mehr in ausreichendem Maße durch Freiwillige, Einberufene oder Veteranen gedeckt werden konnte, ging das römische Militär vereinzelt dazu über Unfreie zu rekrutieren. 22 Die auf diese Wiese rekrutierten Soldaten leisteten ihren Dienst jedoch gemeinhin nicht in den regulären Einheiten ab, sondern in gesonderten Hilfstruppen (lat.: cohors voluntariorum). 23 Die Rekrutierung von Unfreien und deren Dienst im römischen Heer stellte demnach etwas Exzeptionelles dar, da sich in Krisenzeiten auch gewöhnlich Freiwillige in ausreichendem Maße fanden.
Ebenso wie es Unfreien und Sklaven nicht erlaubt war, war es auch Personen ohne römisches Bürgerrecht, Ehebrechern, vormaligen Deserteuren oder Verbannten nicht erlaubt Dienst in den Legionen zu leisten. 24
Um ihre freie Geburt und das römische Bürgerrecht nachweisen zu können und somit ihre einwandfreie Reputation zu unterstreichen, ließen sich potentiellen Rekruten zu diesem Zweck Referenzschreiben (lat.: epistula commendaticia) von Vertrauenspersonen ihrer Wahl ausstellen. Meist handelte es sich bei den Ausstellenden um Personen aus dem näheren Umfeld des Freiwilligen, die gewissen politischen oder anderweitigen Einfluss besaßen, den sie im Sinne des Rekruten geltend machen konnten. Aus dem 2. Jhr. n.Chr. ist ein solches Referenzschreiben des Freiwilligen Theon erhalten geblieben:
„To Julius Domitius, tribunus militum legionis, from Aurelius, his beneficarius. I have once previously recommended my friend Theon to you, and now again ,Sir, I ask you to look upon him as if he were me, as he is a man worthy of your regard. He has left his own family, property, and buisness, and followed me, and through he has relieved me from worry. I therefore request an introduction for him to you. He can tell you about our business. Whatever he has said, he has done. I have a high regard for the man [...] May I wish you and your people, Sir, every happiness and success for many years to come. Look upon this letter, Sir, and imagine that I am talking with you.” 25
Den an den musternden Offizier adressierten höflichen, aber auch mit subtilem Nachdruck versehenen Zeilen des Bürgens (lat.: beneficarius) ist zu entnehmen, dass Theon bereits zum wiederholten Male versuchte aufgenommen zu werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist also davon auszugehen, dass ein solches Referenzschreiben letztendlich nur
21 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.9f.
22 Arrius Menander: On Military Affairs: I, 49,16,4,10
24 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.9f.
25 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.12.
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unterstützende Funktion bei der Bewertung der Tauglichkeit eines Rekruten besaß und etwaige andere Defizite praktisch nicht zu neutralisieren vermochte. 26
Erfüllte der Freiwillige nach seiner Musterung jedoch alle der zuvor genannten relevanten Kriterien in ausreichendem Maße, wurde er für tauglich befunden (lat.: probatus). Der Freiwillige stieg damit zum Rekruten (lat.: tiro) auf und wurde von diesem Zeitpunkt an als ein solcher in den Akten der zuständigen Militärverwaltung geführt. 27
In der für jeden neuen Rekruten angelegten Akte wurden verschiedene persönliche und für den Militärdienst relevante Informationen vermerkt. Neben dem Datum der Tauglichkeitserklärung und dem Namen des hierfür verantwortlichen Offiziers enthielt eine solche Akte außerdem den vollständigen Name des Rekruten, Angaben zu dessen Alter, Charakter und Gesundheitszustand, sowie zu Identifikationszwecken einen Vermerk über unverkennbare individuelle Körpermerkmale (lat.: incosimi) wie z.B. Narben. 28 Parallel zur Erstellung der Akte erfolgte die Zuweisung eines jeden probaten Freiwilligen zu einer Einheit, bei der er nachfolgend die Grundausbildung zu absolvieren hatte. Dem Rekruten wurde von seiner Rekrutierungsstelle zusätzlich ein Schreiben mit seinen persönlichen Angaben ausgestellt und ihm zur Vorlage bei seiner zugewiesenen, zukünftigen Einheit mitgegeben. Mitunter waren die Einheiten denen die Rekruten zugewiesen wurden in entfernten Regionen des römischen Imperiums stationiert, so dass häufig größere Distanzen zwischen dem Ort der Musterung und dem zugewiesenen Militärposten überwunden werden mussten. Die dabei anfallenden Reisekosten fielen auf die Rekruten zurück, welche diese vom zuvor erhaltenen Antrittsgeld (lat.: viaticum) finanzierten. 29 Traf der Rekrut bei seiner neuen Einheit ein, wurde seine Ankunft vom Dienst habenden Offizier in den Tagesbefehlen (lat.: acta diurna) vermerkt.
Rekruten besaßen einen rechtlichen Sonderstatus. Einerseits galten sie nach absolvierter Musterung nicht mehr als Zivilisten, andrerseits, da die Grundausbildung noch nicht mit Erfolg absolviert worden war, auch noch nicht als Soldaten. 30 Wichtig war die rechtliche Stellung für die disziplinarische Maßregelung der in militärischen Angelegenheiten noch unerfahrenen Rekruten. Gemeinhin wurden Rekruten bei eventuellen Vergehen gegen die Dienstvorschriften weniger hart bestraft als voll ausgebildete oder altgediente Soldaten. 31 So wurde unter Anderem das erstmalige unerlaubte Entfernen eines Rekruten von der Truppe oder das Verkaufen der Ausrüstung nicht
26 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.11.
27 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.12.
28 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh. S17f.
29 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.19f.
30 Le Bohec, Yann: Die römische Armee. 1 1989 Paris.S.80.
31 Arrius Menander: 49,16,4,15.
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geahndet. Bei einem erneuten Verstoß gegen die Dienstvorschriften, erfolgte jedoch eine Sanktionierung nach Vorschrift, da nun davon ausgegangen wurde, dass der Rekrut mit den Direktiven des Militärs vertraut war. 32
II.c. Exkurs: Die Grundausbildung
Vegetius widmet einen Teil seines hier bereits mehrfach zu Rate gezogenen Werkes der Beschreibung der militärischen Grundausbildung in der römischen Armee im 4. Jhr. n. Chr.. Seine sachlich gefassten, anschaulichen Ausführungen geben, bis zu einem gewissen Grad, Aufschluss über die gängige Ausbildungspraxis seiner Epoche und die dabei vermittelten Inhalte: „Alles hat seine Zeit zum lernen, und Waffenübung ist nicht so leicht, als sie scheint, zu lernen, sie mag für einen Fußgänger [Fußsoldaten], Pfeilschützen oder Reiter seyn. Alle Bewegungen des Leibes und seiner Glieder, das Stehen bleiben an Ort und Stelle, das Schwenken ohne die Reihen zu verwirren, die Wurfpfeile mit Kraft und treffend zu schleudern, Gräben zu ziehen, Pallisaden geregelt zu setzen, mit dem Schilde sich zu schützen, dagegen sein Hiebe und Stiche mit Erfolge anzubringen, das will, das muß gelernt und stets geübt auch werden, will man, daß der Neuling zum Soldaten werde, und so den ihm gegenüber stehenden Feind nicht fürchte, wohl gar auf dem Schlachtfelde sich gerne sehe.“ 33
Einerseits ist den Zeilen zu entnehmen, dass die Grundausbildung recht komplex strukturiert war und nicht ausschließlich das Erlernen der Grundlagen des militärischen Handwerkes zum Ziel hatte. Vielmehr erfolgte wohl bereits in dieser Phase eine militärfachspezifische Ausbildung der Rekruten, welche sich je nach Truppengattung unterschied und dabei die jeweils unterschiedlichen Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten berücksichtigte. Andererseits ist der angeführten Textstelle zu entnehmen, dass es dabei aber auch unweigerlich notwendig war den Rekruten in ausreichendem Maße Zeit zu gewähren, damit die einzelnen Elemente der Ausbildung zu Genüge verinnerlicht werden konnten.
Vegetius zu Folge erstreckte sich die Grundausbildung gewöhnlich über einen Zeitraum von mindestens vier Monaten, in denen der Umgang mit verschiedenen Offensiv- und Defensivwaffen, wie auch das Einhalten taktischer Formationen während eines Gefechtes erlernt und durch
32 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.16f.
33 Vegetius: De re militari. I.4.; Übersetzung derselben Textstelle nach Davies, Roy W.: Service In The Roman Army.
1 1989 Edinburgh.S.15,Z.: ‘A recruit must have time to learn everything. For the art of weapons - whether you wish to train a cavalaryman , foot-archer or infantry man - must not seem small or light, to teach them the whole range of arms - drill and movements, not to desert their posts, to keep their ranks, to throw their weapons with great force and accuracy, to dig ditches, to plant a palisade with skill, to handle their shield and deflect the oncoming weapons of the enemy by holding it at an angle, to avoid a blow with skill and deliver one with bravery.’
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Übungsmärsche mit Gepäck oder Schwimmen die Kondition verbessert werden sollte. 34 Der Schulung und der körperlichen Abhärtung dienten wohl auch die verschiedenen von Rekruten zu Übungszwecken vollbrachten Schanz- und Bauarbeiten. Zwei aus der ehemaligen Provinz Cyreneica im Nordwesten der heutigen Türkei stammende Meilensteine sind ein epigraphisches Zeugnis solcher Tätigkeiten. Den Inschriften: ‚VIAM [TRAIAN] FECIT PER TIRONES LECTOS EX PROVINCIA CYRENSI’ 35 ist zu entnehmen, dass die betreffende Straße zweifelsohne durch Rekruten der römischen Armee, oder zumindest unter derer aktiver Beteiligung, angelegt wurde. Die Errichtung von Feldlagern durch Rekruten erscheint im Hinblick auf die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen in den Kastellen Haltwhistle in Nordengland, Llandrindod in Wales und dem südlich von Xanten gelegenen Alpen - Veen (s. Abb. 2) ebenfalls wahrscheinlich. 36 Die Entwicklung der Rekruten wurde während der gesamten Zeit ihrer Ausbildung von dem jeweils zuständigen Ausbilder (lat.: campidoctor) überwacht. Er überprüfte die Leistungsfähigkeit durch regelmäßige Übungseinheiten und vermerkte dabei Fort- oder auch Rückschritte in der persönlichen Akte eines jeden Rekruten. Auf diese Weise konnte die Entwicklung des Einzelnen nachvollzogen und beurteilt werden, ob der betreffende Rekrut am Ende der Grundausbildung tatsächlich für den Kriegsdienst geeignet war. 37 Dabei erhöhte ein differenziertes Sanktionierungssystem zudem den Leistungsdruck unter den Rekruten. Während das System einerseits zufrieden stellende Leistungen verschiedenartig belohnte, strafte es andererseits unzureichende Leistungen u.a. durch die Reduzierung der persönlichen Getreideration ab. 38
II.d. Vom Rekruten zum Soldaten:
Die erfolgreiche Absolvierung der Grundausbildung hing von der Gesamtbewertung der Leistungen ab, welche der Rekrut innerhalb der vier Monate zu erbringen hatte. Die Leistungen wurden anhand der erstellten Aufzeichnungen kritisch bewertet. Wurden sie für zufrieden stellend befunden, stand der Aufnahme in die Armee nichts mehr im Wege, andernfalls wurde der Betreffende nachträglich als für den Kriegsdienst untauglich erklärt. Nach dem Abschluss der Ausbildung wurden die Rekruten dann Vegetius zu Folge „… eindeutig in der Haut bezeichnet…“. 39 Wie genau sich diese eindeutige Kennzeichnung auf der Haut gestaltete, darüber herrscht wegen des schlechten
34 Vegetius: De re militari. I,9 - I,14; I,18; I,19; I,27; II,23; III,4.
35 Merlin, Alfred (Hrsg.): L’Annee Epigraphique - Revue des Publications Épigraphique. Paris 2 1968: Bd. 13, Jhrg.
1951 - 1955; 1951, 210. und Merlin, Alfred (Hrsg.); L’Annee Epigraphique - Revue des Publications Épigraphique. Paris 2 1968. Bd. 14, 1956 - 1960 Bd. 14, Jhrg. 1956 - 1960; 1957, 133.
36 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.16. und Johnson, Anne: Römische Kastelle des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. in Britannien und den germanischen Provinzen des Römerreiches. Mainz 1 1987. S.57.
37 Vegetius:De re militari. I,6;I,8; I,13 und II,5.
38 Vegetius:De re militari. I,13.
39 Vegetius: De re militari. II,5.
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Überlieferungszustandes und multiplen Übersetzungsmöglichkeiten der Textstelle, nach wie vor Uneinigkeit. Bereits Lipowsky, aus dessen 1827 erschienen Übersetzung die hier zitierte Textstelle entstammt, setzt sich mit dieser Problematik auseinander. Unter zu Hilfenahme anderer historischer Quellen weist Lipowsky darauf hin, dass die von verschiedenen Seiten geäußerte Annahme, es handele sich bei dieser eindeutigen Kennzeichnung auf der Haut um eine Art Brandmarkung, mehr als unwahrscheinlich sei. Die Unwahrscheinlichkeit einer solchen Verfahrensweise begründet sich darin, dass in römischer Zeit vor allem Sklaven gebrandmarkt (lat.: notae serviles) wurden, um deren Zugehörigkeit zum Besitz ihres’ Herren kenntlich zu machen. Eine derartige Prozedur bei römischen Legionären stünde, Lipowsky zu Folge, in krassem Gegensatz zum Selbstverständnis und Ehrgefühl eines frei geborener römischen Bürgers, welcher hierdurch als Sache und Besitztum einer höheren Instanz, in diesem Falle des römischen Militärs, ausgewiesen würde. 40 Bis zu diesem Punkt schließt sich auch der Autor der hier vorliegenden Arbeit Lipowskys Argumentation an. Warum Lipowsky jedoch im Folgenden davon ausgeht, dass eine derartige Kennzeichnung anstatt durch Einbrennen durch Ätzung erfolgt sein soll, bleibt unklar. Immerhin bleibt das Ergebnis auch bei einer Ätzung dasselbe: es verbleibt eine eindeutige Bezeichnung auf der Haut, welche vor dem Hintergrund der von Lipowskys auf Selbstverständnis und Ehrgefühl des frei geborenen römischen Bürgers ausgerichteten Argumentation als irrational erscheint. Roy Davies steht der ’eindeutigen Bezeichnung auf der Haut’ ebenfalls kritisch gegenüber, da aus dem kaiserzeitlichen Militärwesen keine anderen Nachweise für eine reguläre Anwendung solcher Praktiken bekannt seien. Die betreffende Textstelle bei Vegetius sei, so Davies, nicht im wörtlichen Sinne zu verstehen, sonder als militärfachspezifische Phrase, welche die Aushändigung einer Art Identifikationsmarke (lat.: signaculum) aus Blei beschreibt. 41
Mit dem Erhalt des signaculum erreichte der Rekrut erneut eine neue Stufe in der militärischen Hierarchie und wurde von diesem Zeitpunkt in der Verwaltung der betreffenden Einheit als ‚vollständig ausgebildet’ (lat.: signatus) geführt. Hiernach erfolgte Abnahme des militärischen Treueides (lat.: sacramentum militae oder iusiurandum), nach dessen Schwur der ‚vollständig ausgebildete’ Rekrut erst offiziell als Soldat (lat.: miles) in den Akten vermerkt wurde. 42 Erst mit diesem Vermerk in den Akten der betreffenden Einheit (lat.: in numeros ferre) erfolgte die Annerkennung des Betreffenden als Soldat. 43
40 Lipowsky, Felix Joseph: Des Flavius Vegetius Renatus fünf Bücher über Kriegswissenschaft und Kriegskunst der Römer. 1 1827 Sulzbach.S.79f.
41 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.13.
42 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.26.
43 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.16ff.
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Der miles erhielt den Sold eines Gefreiten, welcher im 1. Jhr. n. Chr. ca. 1.200 Sesterzen betrug und verglichen mit der Besoldung hochrangiger Offiziere, welche unter Umständen fast das 160-fache verdienen konnten, verschwindend gering wirkt. 44 Zudem zog das Militär die während der Ausbildung angefallenen Lebenserhaltungskosten noch zusätzlich ratenweise vom Sold ab. 45
Abhängig von den individuellen Veranlagungen und dem Bildungsniveau eines Soldaten bot das römische Militär die Möglichkeit verschiedene Laufbahnen einzuschlagen. Dazu bestand neben dem regulären Dienst in der kämpfenden Truppe auch die Option eine Anstellung als Schreibstubenbediensteter (lat.: librarius) in der Militärverwaltung zu bekommen. Beide Dienstposten ermöglichten realistische Aufstiegschancen. Dies belegt unter anderem der Werdegang des Legionärs Petronius Fortunatus. Nach weniger als vier Jahren Dienst in der Administration wurde Fortunatus zum Feldzeichenträger (lat.: signifer) befördert und ihm damit eine zugleich hoch angesehene und als Kassenwart seiner Einheit verantwortungsvolle Aufgabe übertragen.
Freiwillige verpflichteten sich bei ihrer Rekrutierung eine festgelegten Zeitraum in den regulären, aktiven Einheiten der Legionen und Auxiliartruppen abzuleisten. Dieser Dienst wurde sub aquila unter dem Adler - bezeichnet. Generell ist festzustellen, dass sich die Dienstzeit je nach Einheit und auch zu verschiedenen Epochen unterscheiden konnte. So betrug die Dienstzeit in der Praetorianer Garde in der Kaiserzeit durchschnittlich nur 16 Jahre, währenddem Angehörige der Auxiliartruppen zur gleichen Zeit 25 Jahre abzuleisten hatten. Unter den ersten drei Kaisern Augustus (27 v. Chr. -14 n. Chr.), Tiberius (14 n. Chr. - 37 n. Chr.) und Caligula (37 n. Chr. - 41 n. Chr.) betrug die durchschnittliche Dienstzeit eines Legionärs sub aquila 28,1 Jahre.
An die Zeit sub aquila schlossen sich in der Theorie noch weitere 5 Jahre Dienst in einem separat organisierten Veteranenverband an (lat.: sub vexillo). Die eigentliche Aufgabe der
Veteranenverbände bestand darin die regulären Truppen ausschließlich während der Kampfhandlungen zu verstärken. In der Theorie waren altgediente Soldaten sub vexillo vom Routinedienst befreit, in der Praxis jedoch unterschieden sich sub aquila und sub vexillo meist nicht wesentlich voneinander. In Bedarfsfällen war es auch nach Ablauf der fünf Jahre sub vexillo Zeit noch möglich, dass ein Veteran erneut, als so genannter evocatus - Herbeigerufener - eingezogen werden konnte. Die Stellung als evocatus brachte aber diverse Privilegien, wie z.B. die Beförderung zum Centurio oder doppelte Besoldung, mit sich. 46
44 Maxfield , Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 48.
45 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.20.
46 Junckelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. 1 1989 Mainz.S.103.
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Über die Dienstzeit in den Auxiliarverbänden der römischen Armee ist bekannt, dass sie in claudischer Zeit (41 - 54 n. Chr.) gemeinhin 25 Jahre betrug. 47 Die Leistung der in diesen Einheiten dienenden Soldaten wurde am Ende ihrer Dienstzeit durch die Verleihung des römischen Bürgerrechts und dem Recht eine nichtrömische Frau zu heiraten (lat.: conubium) honoriert. Die Verleihung der Privilegien wurde schriftlich auf einer Bronzetafel (lat.: diploma) fixiert und durch deren Aushändigung an den Betreffenden offiziell anerkannt (s. Abb.1). 48 Unter denjenigen, die über die notwendigen physischen, psychischen und provenienziellen Vorraussetzungen verfügten, war es durchaus beliebter einer Legion beizutreten als den Auxilliartruppen, da die Besoldung dort dreimal höher lag. 49 Vegetius berichtet, dass sich die Verhältnisse in späterer Zeit allerdings verschoben hätten. Scheinbar wurde der Dienst in den Auxiliartruppen zum Anfang des 3. Jhr. v. Chr. wegen der in diesen Einheiten weniger schweren Arbeit, laxer Disziplin und größerer Karrierechancen beliebter als in den regulären Legionen. 50
II.e. Zusammenfassung
Bei diesen langen Dienstzeiten drängt sich unweigerlich die Frage auf, was den Dienst in der Armee, trotz der harten Lebensbedingungen noch attraktiv machte. Die Attraktivität begründet sich mit aller Wahrscheinlichkeit in den Aufstiegs- und Karrierechancen, der Aussicht auf Wohlstand sowie gesellschaftlichem Ansehen und nicht zu letzt auch in der für Soldaten der Auxiliartruppen besonders attraktiven Aussicht auf die Verleihung des römischen Bürgerrechts und der damit einhergehenden Privilegien. Das Sanktionierungssystem, in dem es möglich war, sich durch exakt umrissene Leistungen hervorzutun und in verschiedener Weise in der Hierarchie aufzusteigen, zeigte für viele einen verlockenden beruflichen Werdegang auf. Der Dienst in der Armee bot, verglichen mit den Perspektiven in anderen Berufszweigen der damaligen Epochen, eine durchaus realistische Aussicht auf Wohlstand und gesellschaftliches Ansehen.
Die vorhergegangen Ausführungen weisen in den bisher angesprochenen Teilbereichen des römischen Militärwesens - Rekrutierung, Ausbildung und Abmusterung - auf eine durchdachte, vielschichtige und aufwändige Organisationsstruktur hin. Das gemeinhin auf Freiwilligkeit basierende Rekrutierungssytem des römischen Militärs während der Kaiserzeit stellte gewissermaßen die zivile wie auch militärische Seite zufrieden: Aus der Bevölkerung wurden, mit Ausnahmen, nur die Männer in Dienst genommen, die dienen wollten und die notwendigen
47 Junckelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. 1 1989 Mainz.S.104.
48 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 50.
49 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.23.
50 Vegetius: De re militari. II.3. und Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.24.
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Standards dafür erfüllten. Jene hingegen, welche den Militärdienst ablehnten, wurden gewöhnlich auch nicht herangezogen. 51
Die sorgsame Auswahl und Ausbildung des kämpfenden Personals - der Soldaten - bildete die Grundlage der Effizienz der römischen Armee. 52 Um eben dieser Effizienz Willen, stellte der römische Staat bewusst hohe Ansprüche an potentielle Rekruten. Niederschlag fanden diese Qualitätsansprüche in einem ausgearbeiteten und differenzierten Rekrutierungsverfahren, welches zwar einerseits die Menge der für tauglich befundenen Rekruten deutlich begrenzte, andererseits aber Rekruten und später, nach deren Grundausbildung, Soldaten hervorbrachte, deren militärische Fertigkeiten für die Antike unzweifelhaft enorm waren. 53
‚dona militaria’ - Militärische Auszeichnungen des römischen III. Heeres:
III.a. Einführung
Über militärische Auszeichnungen ist grundsätzlich zu sagen, dass sie eine positive Disziplinarmaßnahme darstellen. Armeeangehörige, die sich durch Leistungen verdient machen, welche objektiv über das zu Erwartende hinausgehen oder durch großen persönlichen Einsatz im Sinne des Militärs gekennzeichnet sind, sollen auf diese Weise honoriert und Moral sowie Motivation der kämpfenden Truppe gestärkt werden. 54 Stellenwert und Prestige der Auszeichnungen waren und sind nach wie vor im modernen Militärwesen bestimmt durch die dafür zu erbringenden, teilweise klar umrissenen, Leistungen.
Im Militärwesen des römischen Reiches konnten außerordentliche Verdienste verschiedenartig belohnt werden. Zum einen durch ‚praktischen’ Auszeichnungen (lat.: donativa) zu denen Extrarationen, Solderhöhungen, Beförderungen oder einmalige Prämienzahlungen gehörten. Zum anderen durch Auszeichnungen mit einem rein symbolisch - repräsentativen Charakter (lat.: dona militaria), welche annähernd den auch im modernen Militärwesen verwendeten Orden oder Ehrenzeichen entsprechen.
Neben den literarischen Zeugnissen verschiedener antiker Autoren, zu denen in diesem Zusammenhang die Werke des Aulus Gellius und Plinius zählen, stehen bei der Bearbeitung dieses Themas des Weiteren natürlich auch archäologische Hinterlassenschaften wie Inschriften, Skulpturen, Reliefs oder Grabsteine römischer Soldaten (s. Abb. 3) als gehaltvolle Quellen zur
51 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.S.28.
52 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 1 1989 Paris.S.81.
53 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 1 1989 Paris.S.78.
54 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 55.
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Verfügung. Funde von dona militaria selbst sind jedoch äußerst selten. 55 Eine plausible Erklärung für diesen eklatanten Mangel an Fundmaterial findet sich bei Tacitus. Er berichtet, dass Soldaten in Zeiten finanzieller Not dazu übergingen, ihre teilweise aus Edelmetallen gefertigten dona militaria einzuschmelzen. Ein entsprechender Umgang mit dona militaria ist auch für die nachantiken Epochen anzunehmen. 56
Für alle hier angeführten Quellengattungen ist allerdings einschränkend anzumerken, dass sie zwar Aufschluss über Formengebung, Ausgestaltung und die für die Verleihung notwendigen Verdienste der dona militaria geben, aber nur in eingeschränktem Maße Rückschlüsse auf die Strukturen des dahinter stehenden Vergabesystems zulassen. 57
Im Folgenden sollen exemplarisch einige der unter der Bezeichnung dona militaria zusammengefassten Auszeichnungen des römischen Militärs näher erläutert werden.
III.b. CORONA OBSIDIONALIS:
Plinius berichtet von der corona obsidionalis, dass sie „[…] nie anders als nach einem völlig hoffnungslosen Falle Jemandem zu Theil [wurde], und nur wenn ein ganzes gerettetes Heer sie Einem zuerkannte. Alle andern [Auszeichnungen] gaben die Feldherren, diese allein gaben die Soldaten ihrem Anführer […].“ 58 Die Verleihung der corona obsidionalis erfolgte also nicht wie es in den hierarchischen Strukturen des Militärs anzunehmen wäre ‚von oben’, sondern in umgekehrter Weise. Eine Erklärung hierfür ist, dass die corona obsidionalis an denjenigen verliehen wurde, der sich für das Aufheben einer Belagerung einer Stadt, eines Dorfes oder eines Lagers durch feindliche Truppen verantwortlich zeichnete. Schwerlich konnte ein einzelner Soldat die kampflose oder gewaltsame Aufhebung einer Belagerung erreichen. Die für hierfür notwendigen Verantwortlichkeiten bündelten sich letztendlich im Aufgabenbereich eines ranghohen Offiziers, konsequenter Weise meist dem des Feldherrn, durch dessen taktisches Kalkül und Weitsicht eine Belagerung beendet werden konnte. Nur in einem Fall ist die Verleihung der corona obsidionalis an einen Mannschaftsgrad, einen Centurio, bekannt. 59
Die Verleihung erfolgte, wie Plinius weiter berichtet, durch die geretteten Bewohnern oder Soldaten. Möglicherweise handelte es sich anfangs bei der aus Gras oder sonstigen Pflanzen geflochtenen, und auch als corona graminea bekannten Ehrung, um eine Art spontane Dankesbezeugung der Geretteten, aus der sich später dann eine militärische Auszeichnung
55 Tacitus: Historien. I, 57, 14.
56 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 53.
57 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 61f.
58 Plinius: Historiae Naturalis. XXII,4.
59 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 68.
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entwickelte. 60 ‚[…] Man flocht sie aus grünem Kraute, welches da gepflückt war, wo Jemand die Belagerte gerettet hatte. […]’ 61 Auf Grund dessen besaß sie keinen materiellen Wert. Ihr symbolischer Wert war jedoch, vor dem Hintergrund der für die Verleihung notwendigen Leistungen, umso größer. Es dürfte schwierig gewesen sein sich um die corona obsidionalis verdient zu machen, da die Vorraussetzungen einer Belagerung erst einmal gegeben sein mussten.
Plinius listet eine handvoll Personen auf, die mit dieser Auszeichnung versehen wurden. Als der Erste gilt der der römischen Vorzeit entstammenden und u.a. von Plinius mystifizierten Kriegsheros Lucius Siccus Dentatus. Plinius zufolge nahm Dentatus im Laufe seines Wirkens im 6. oder 5. Jhr. v. Chr. angeblich an 120 Schlachten Teil und errang dabei diverse Auszeichnungen. Die corona obsidionalis allerdings nur ein einziges Mal. Ebenso erhielt der Tribun P. Decius Mus die coronae obsidionalis während seiner Teilnahme an den Kämpfen des ersten Samnitischen Krieges. 62 Die letzte bekannte Verleihung erfolgte, während des Marischen Krieges im 1. Jhr. v. Chr., an Sulla (*138 v. Chr. - † 78 v. Chr.). Zwar ist aus dem Jahre 363 n. Chr. eine weitere Verleihung der corona obsidionalis bekannt, allerdings nicht für Leistungen im Rahmen der von Plinius beschrieben Bedingungen.
Das Aussehen der corona obsidionalis lässt sich nur aus den literarischen Quellen erschließen. Eine verlässliche Rekonstruktion ist auf Grund dessen nicht möglich. 63
III.c. CORONA CIVICA:
Nach der corona obsidionalis war die corona civica (s. Abb. 4 und 5) die höchste militärische Auszeichnung: Sie besaß ebenfalls rein symbolischen Charakter. 64 Die Bedingungen die erfüllt werden mussten um sie zu erhalten werden in den ‚Noctes Atticae’ des Aulus Gellius (2. Jhr. n. Chr.) erörtert:
“The crown is called ‚civic’ which one citizen gives to another who has saved his life in battle, in recognition of the preservation of his life in battle and safety.’ 65 und weiter:’[...] that it was custom to award the civic crown only when the man who had saved the life of a fellow citizen had at the same time slain the nemy who threatened him, and has not given ground in that battle; under other conditions [...] the honour of the civic crown was not granted.” 66
60 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6. 8 - 10.
61 Plinius: Historiae Naturalis. XXII,4.
62 Plinius: Historiae Naturalis. XXII,4.
63 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 68f.
64 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 70.
65 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6.12 - 13.
66 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6.13.
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In der Regel dürfte der Verleihung dieser Auszeichnung die von Aulus Gellius geschilderten Erfordernisse erfüllt worden sein. Doch einschränkend führt er im Folgenden den Fall eines Soldaten an, der zwar durch Erschlagen zweier Feinde das Leben eines römischen Bürgers in der Schlacht, rettete, seine Position wegen des immensen feindlichen Ansturms allerdings nicht halten konnte. Die Notwendigen Vorraussetzungen waren also nicht in Gänze erfüllt. Kaiser Tiberius (14 -37 n. Chr.) gestand dem Soldaten die Auszeichnung per Dekret dann doch, auf Grund der von ihm bewiesenen Tapferkeit, zu. 67
Die corona civica konnte an alle Ränge vergeben werden und war zudem mit großem Prestige verbunden. Der Betreffende hatte durch die Verleihung das Recht bei offiziellen Anlässen, wie Spielen oder Theaterbesuchen bei den Senatoren zu Platz zu nehmen, die sich darüber hinaus bei seinem Eintreten zu erheben hatten. Ebenso gewährte die corona civica den männlichen Verwandten des Ausgezeichneten das Privileg von allen Bürgerpflichten befreit zu sein. Unklar ist aber nach wie vor, ob die corona civica ausschließlich römischen Bürgern vorbehalten war oder ob jeder, der das Leben eines oder mehrerer römischer Bürger unter den gegebenen Vorraussetzungen rettete, berechtigt war diese Auszeichnung zu erhalten. 68
Erstmals erwähnt wird die corona civica anscheinend in einer Komödie des Caecilius Statius (†168 v. Chr.) von der ein Fragment bei Aulus Gellius erhalten ist. 69 Caecilius Statius bezeichnet sie als corona iligna, also als eine aus Eichenblättern gefertigte Krone. Plutarch geht auf die vegitabile Gestaltung ein und gibt drei mögliche Erklärungen für ihr Aussehen:
„Is it because it is easy to find an abundance of oak leaves everywhere on a campain? Or is it because the chaplet is sacred to Jupiter and Juno, whom they regard as guardians of the city? Or is the custom of ancient inheritance from the Arcadians, who have a certain kinship with the oak? For they are thought to have been the first men sprung from the earth, even as the oak was the first plant.” 70
Die möglicherweise letztmalige Erwähnung der corona civica findet sich in einer Inschrift, die in severische Zeit datiert. 71 Aus der Inschrift geht die Verleihung der corona aurea civica an den Centurio C. Didius Saturnius hervor. Allerdings kann hierbei nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob es sich bei der an C. Didius Saturnius verliehenen Auszeichnung tatsächlich um die in diesem Falle
67 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6.14.
68 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 70f.
69 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6.12.
70 Plutarch: Questiones Romani. 92.
71 Cagnat, René : (Hrsg.): L’Annee Epigraphique - Revue des Publications Épigraphique. Paris 2 1968: Bd. 2, Jhrg.
1894 - 1900; 1900, 95.
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nur anders benannte corona civica handelt, oder ob es sich um eine eventuelle Neuschöpfung bzw. Kombination zweier verschiedener coronae handelt. 72
III.d. CORONA MURALIS und CORONA VALLARIS
Erstmalige, wenn auch nur indirekte, Erwähnung findet die corona muralis (s. Abb. 6) bei Polybios. 73 Seinen Angaben zufolge wurde die corona muralis bei Belagerungen an den ersten Soldaten auf den Mauern einer feindlichen Stadt vergeben. 74
Aulus Gellius präzisiert die Ausführungen des Polybios und gibt an, dass die corona muralis an denjenigen vergeben wurde, der es schaffte die Mauern erklimmen und mit Gewalt in die Stadt eindringen konnte. Die Verleihung erfolgte, so Aulus Gellius weiter, durch den Kommandanten der Einheit dem der Betreffende angehörte. 75 Bis in die späte Republik wurde diese Auszeichnung unabhängig vom Rang vergeben. Dies änderte sich während der Kaiserzeit, in der keine Verleihung der corona muralis an Ränge unter einem Centurio bekannt ist. Daraus lässt sich erschließen, dass die corona muralis von da an offensichtlich ihre ursprüngliche Bedeutung als Würdigung der Erstürmung einer Stadtmauer, welche meistens durch Mannschaftsdienstgrade erfolgt sein dürfte, verloren hatte. Aulus Gellius beschreibt das Aussehen der aus Gold gefertigten corona muralis als einem Mauerabschnitt in Kleinformat ähnlich. 76 Eine solche, der Beschreibung des Aulus Gellius entsprechende, Darstellung findet sich auf dem Grabstein des Sextus Vibius Gallus (s. Abb. 7).
Vor einem ähnlichen Hintergrund wie die corona muralis, wurde die corona vallaris (s. Abb. 8) vergeben. Im Unterschied zur corona muralis würdigte sie jedoch die Erstürmung eines feindlichen Lagers und wurde an den Soldaten vergeben, der zuerst die Befestigungsanlagen des Lagers (lat.: vallum) überwand. Eine alternative Bezeichnung, unter der sie ebenfalls beakannt war, war wohl corona castrensis (von lat. castra - ‚das Militärlager’). 77 Nicht nur in den zu erfüllenden Anforderungen, sondern auch in der Formengebung, ähnelten sich corona muralis und vallaris. Die corona muralis besaß eine runde Form, die corona vallaris (s. Abb. 9) hingegen eine rechteckige. Bedingt durch die augenscheinlichen Verwandtschaft der coronae in Bezug auf Gestaltung und Anforderungen, ist anzunehmen, dass eine der beiden coronae möglicherweise aus der jeweils Anderen hervorgegangen und somit eine spätere Innovation sein könnte. 78
72 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 72.
73 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 76.
74 Polybios: Historiae. VI,39,5.
75 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6,16
76 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 77.
77 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 79.
78 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 80f.
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Betreffend der erstmaligen Vergabe der corona vallaris ist aber, wegen der unzureichenden Quellenlage, keine sichere Angabe zu machen. Unter den Auszeichnungen die der ebenso hochdekorierte wie legendäre römische Krieger Lucius Siccus Dentatus laut Dionysius von Halikarnassos und Plinius, erringen konnte findet sich keine corona vallaris. 79 Daher ist anzunehmen, da Dentatus mit fast dem gesamten Repertoire der damals bekannten militärischen Auszeichnungen versehenen war, dass die corona vallaris erst in späterer Zeit Einzug in den Reigen der militärischen Auszeichnungen fand. Des Weiteren ist aus der gesamten römischrepublikanischen Epoche kein einziger Empfänger mit Namen bekannt. Allerdings gibt es, Valerie Maxwell zufolge Hinweise darauf, dass die corona vallaris doch bereits in römischrepublikanischer Zeit vergeben wurde.
Ebenso wie viele andere Auszeichnungen verlor auch die corona vallaris während der Kaiserzeit ihre eigentliche Spezifizierung als Auszeichnung und wurde häufig aus ganz unterschiedlichen Gründen vergeben. 80
III.e. TORQUES
Die Verwendung von torques (s.Abb.10) ist aus dem persischen, skythischen und vor allem aus dem keltischen Kulturraum bekannt. Die dort ansässigen und von den Römern als barbarisch angesehenen Völkerschaften trugen torques als Schmuck oder Standessymbol um den Hals. Wie die torques Einzug in den Reigen der römischen Militärauszeichnungen fanden ist nicht sicher. Eine mögliche Erklärung ist jedoch, dass römische Soldaten, die im Zuge der Expansion Roms vermehrt mit diesen Völkerschaften in Kontakt kamen, dem niedergestreckten Gegner Schmuck und Ausrüstungsgegenstände als Beutegut abnahmen. Die so erbeuteten Stücke könnten anfangs als inoffizielle Siegessymbole und Auszeichnungen verwendet worden sein, die dann in den Reigen der offiziellen Auszeichnungen aufgenommen wurden. Während des Prinzipats wurden die torques als eine geringwertige Auszeichnung eingestuft, davon zeugt die hohe Anzahl der Verleihungen. Die für den Erhalt der torques zu erbringenden Leistungen waren nicht spezifiziert. Vielfach wurden die torques auch in Kombination mit anderen Auszeichnungen verliehen (s. Abb.11). Ebenso konnten torques auch an ganze Einheiten verliehen werden, welche die Auszeichnung dann in ihr Feldzeichen aufnahmen. Durch die nicht unerhebliche Zahl der Darstellungen von torques auf Bild- oder Grabsteinen ist über die Tragweise dieser Auszeichnung bekannt, dass die damit ausgezeichneten Soldaten die torques nicht in der ‚barbarischen’ Weise um den Hals trugen, sondern sie auf ihren Panzern auf Höhe der Schlüsselbeine befestigten (s. Abb.3). Des Weiteren ist,
79 Dionysius Halikarnasensis: Antiquitates Romanae: XX,36,4 - 37,3. und Plinius: Historiae Naturalis. XXII,4
80 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 79f.
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im Gegensatz zu den verschiedenen coronae, keine einheitliche, standardisierte Ausgestaltung der torques festzustellen. Ebenso wenig standardisiert war das zur Herstellung der torques verwendete Material, bei dem es sich wahlweise um Bronze, Silber und Gold handeln konnte. 81
III.f. PHALERAE
Eine durchaus ähnliche Genese ist bei der Verwendung der phalerae (s. Abb.12) als militärische Auszeichnung festzustellen. Ursprünglich wurden sie, bevor sie Aufnahme in den Fundus römischer Ehrenzeichen fanden, als Abdeckungen der Riemenverteiler beim Pferdegeschirr verwendet. Ebenso wie bei den torques waren die für den Erhalt der phalerae notwendigen Bedingungen nicht klar umrissen und sie konnten somit aus ganz unterschiedlichen Gründen vergeben werden. In der Kaiserzeit wurden sie häufig in Kombination mit anderen Auszeichnungen vergeben, wobei es sich bei den Ausgezeichneten meist um Mannschaftsränge handelte.
Die flachen, tellerartigen und einer Medaille ähnlichen phalerae unterschieden sich in der Materialwahl, der Ausarbeitung und der Motivik. Häufig anzutreffende Motive auf den aus Edelmetall oder Glas hergestellten phalerae sind u.a. Rosettenmuster sowie anthropomorphe oder mythische Figuren. Sieben bis neun phalerae wurden von einem ledernen Gehänge zusammengehalten, dass über dem Panzer, auf der Brust getragen wurde (s. Abb. 13). 82
III.g. Zusammenfassung
Bei den hier exemplarisch angeführten Dekorationen handelt es sich keineswegs um alle bekannten militärischen Auszeichnungen des römischen Militärs. Kurz Erwähnung fanden an dieser Stelle bereits die donativa, auf die hier näher einzugehen, den vorgegebenen Rahmen gesprengt hätte. Selbiges gilt für die hier nicht erörterten dona militaria, zu denen u.a. die corona navalis/rostrata und aurea sowie hasta pura, corniculum, clipeus, patella und armillae zählen. Die hier erwähnten sechs dona militaria geben, mit Hilfe verschiedener Quellengattungen, jedoch einen guten Eindruck von der Vielfältigkeit der Auszeichnungen um derer sich Militärangehörige verdient machen konnten. Bisweilen waren die für den Erhalt einer Auszeichnung notwendigen Bedingungen, wie im Falle der corona civica, exakt umrissen. In anderen Fällen, so bei den torques und phalerae, ist bekannt, dass keine festgelegten Bedingungen zum Erhalt der Auszeichnungen existierten und sie aus ganz verschiedenen Gründen vergeben werden konnten. Wurden während der republikanischen Zeit Auszeichnungen unabhängig vom Rang vergeben und damit mit dem somit in erster Linie der Verdienst des Betreffenden geehrt, ist mit Beginn der Kaiserzeit eine
81 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 86f.
82 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 92f.
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Tendenz zu verzeichnen, die bestimmte Auszeichnungen, wie die torques, nur einem bestimmten
Klientel zugestand. Zudem ist zu vermerken, dass seit der ersten Hälfte des 2. Jhr. n. Chr.
Auszeichnungen viel freizügiger miteinander kombiniert wurden, als in der Zeit davor. 83
83 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 1 1981 London.S. 55.
20
V. Bibliographie:
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28
• Merlin, Alfred (Hrsg.); L’Annee Epigraphique - Revue des Publications Épigraphique. Paris
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• Plinius: Historiae Naturalis. in: Leberecht Strack, Max Ernst Dentrich (Hrsg.): Caius Plinius Secundus: Naturgeschichte. 1968 Darmstadt.
• Plutarch: The Roman Questions.in: Babbit, Frank Cole: Plutarch’s Moralia. Bd.V., 3 1962 Cambridge.
• Polybios: Historiae.in: Paton, William R.: The Histories. 1979 Cambridge.
• Tacitus: Historien. in: Borst, Joseph: Tacitus: Historien. 1 1959 München.
• Titus Livius: Ab urbe condita. in: Hillen, Hans Jürgen (Hrsg.): Titus Livius: Römische Geschichte. 1987 Darmstadt.
• Vegetius: De Re Militari. in: Lipowsky, Felix Joseph: Des Flavius Vegetius Renatus fünf Bücher über Kriegswissenschaft und Kriegskunst der Römer. 1 1827 Sulzbach.
29
Philipps - Universität - Marburg 09.11.2007
b. Die Musterung:
Archäologisches Seminar WS 2007 / 2008
•
Laut Vegetius verschiedene Faktoren bei der Musterung
Veranstaltung: ‚Die Legionen Roms’
Referent: Jens Wegmann Physische Faktoren:
Psychische Faktoren:
I. System und Methodik der Rekrutierung in der kaiserzeitlichen Armee:
Charakter Moralische Einstellung
a. Einführung:
Weitere Faktoren:
•
Vermehrte Expansion Roms erforderte Veränderung der Armeestruktur Römisches
Bürgerrecht
• Militärische Präsenz im römischen Einflussbereich konnte schwerlich mit Freie Geburt
einem aus Kleinbauern bestehenden Bürgerheer gewährleistet werden Ehrenhafter
Beruf
Keine Vorstrafen
• Konsequenz war die Umstrukturierung zu einer Berufsarmee Sprachkenntnisse
• Geschah im wesentlichen durch die Heeresreformen des Marius zw. dem • Wurden alle Anforderungen erfüllt, wurde der Freiwillige als probatus -
1. und 2. Jhr. v. Chr. tauglich - eingestuft
• Anforderungen die an die Rekruten gestellt wurden waren, um der Von nun an Rekrut (lat.:tiro) Schlagkraft Willen, sehr hoch Zwischenstatus: Weder Zivilist noch Soldat! Auszahlung des einmaligen ‚Begrüßungsgeldes‘ (lat.: viaticum) an
• Überwachung der Rekrutierung von Freiwilligen erfolgte in den Rekruten
Friedenszeiten durch den Provinzstatthalter
• Zuteilung des Rekruten zu einer Einheit, bei der er unter Beobachtung
• In Krisenzeiten zusätzliche Aushebungen (lat.: dilecti) durch Beamte eine viermonatige Grundausbildung erhielt
• Potentielle Interessen konnten sich bei Rekrutierungsstellen auf ihre c. Vom Rekruten zum Soldaten:
Tauglichkeit prüfen lassen
•
Nach erfolgreich absolvierter Grundausbildung erhielt der Rekrut eine
• Rekruten mussten sich komplexem, zweistufigem System der Auswahl unterwerfen
•
Erhielt mit dem Erhalt des
signaculum
einen neuen Status;
signatus
Archäologische Quellen (Inschriften, Bildsteine, Skulpturen, selten Auszeichnen selbst erhalten) • Nach Treueschwur voll ausgebildet und nun Soldat (lat. miles)
Problem: Sowohl Schrift- wie auch Archäologische Quellen geben in den • Erhielt von nun an Sold
meisten Fällen ausschließlich Auskunft über die Gestaltung aber nicht über das System der Vergabe der Auszeichnungen. • Abhängig von den individuellen Fähigkeiten und Bildung bestand die Möglichkeit Karriere zu machen
•
Auszeichnungen entstanden aus der Notwendigkeit ein Gleichgewicht
d. Die Dienstzeit:
• Reguläre Dienstzeit (lat.: ‚sub aquila‘ - unter dem Adler) eines Legionärs betrug um 6 n. Chr. (in der Theorie) 20 Jahre b. Auszeichnungen der Römischen Armee an Hand einiger Beispiele:
CORONA OBSIDIONALIS:
•
Anschließend
5 weitere Jahre
‚sub vexillo‘
- in einem Veteranenverband
In der Theorie vom Regeldienst befreit und nur für die
•
Nach dem Dienst
‚sub vexillo‘
Heranziehung als
‚evocatus‘
(Herbeigerufener) möglich
Ging einher mit Privilegien wie höherem Sold und • Dienst in der Praetorianer Garde deutlich kürzer (16 Jahre); nebenbei
• Symbolischer Wert hingegen immens noch andere Vorzüge:
• Dienstzeit der Angehörigen der Hilfstruppen (lat.: ‚auxiliae‘) in
• Danach in der Regel Erhalt des römischen Bürgerrechts und des
II. Dona Militaria:
a. Einführung:
• Verschiedene Quellen zu den militärischen Auszeichnungen:
• Nicht spezifiziert • Gefertigt aus Eichenblättern
CORONA MURALIS (s. Abb.2): • Wurden meist in einem ledernen Gehänge mit neun phalerae vergeben; Gehänge wurde über dem Panzer getragen
• Verliehen für die Erstürmung der Mauern einer feindlichen Stadt
• phalerae eines Gehänges konnten unterschiedlich gestaltet sein
• Wurde allerdings nie an Ränge unter einem Centurio vergeben
•
Verlor demnach ihre ursprüngliche Bedeutung, da Mannschaften normalerweise die Mauern stürmten
Löwenköpfe
Vögelköpfe • Hatte die Form einer ‚runden‘ Mauer oder eines Mauerabschnittes
• Aus Bronze, Silber oder auch Gold hergestellt CORONA VALLARIS (s. Abb.3):
• Verliehen für die Erstürmung der Befestigung eines feindlichen Lager III. Literaturangaben:
• Starke Ähnlichkeit zur corona muralis lassen Verwandtschaft annehmen
• Wahrscheinlich erst ab dem 3 Jhr. n. Chr. vergeben
o Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 1 1989 Edinburgh.
• Auch verbreitet als Schmuckgegenstände oder Standessymbole verschiedener ‚barbarischer‘ Völker
•
Adaption der
torques
als militärische Auszeichnung geht vermutlich auf Beutegegenstände zurück
o Le Bohec, Y.: Die römische Armee. 1 1989 Paris. • Keine spezifizierten Anforderungen
o Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. • Konnten an Einzelne wie auch an ganze Einheiten verliehen werden
11981 London. PHALERAE (s.Abb. 5 und 6):
o Vegetius: De Re Militari. in: Lipowsky, Felix Joseph: Des Flavius
•
Ebenso wie die
torques
gehen die
phalerae
auf Gebrauchsgegenstände zurück
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Jens Wegmann, 2008, Das römische Heer der Kaiserzeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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