Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Gliederung. 3
A Geschichte der philosophischen Anthropologie. 3
B Die Konstitution der menschlichen Grundsituation 4
1. Praktische Sinnentwürfe: 4
2. Das kommunikative Wesen des Menschen: 5
3. Einmalige Ganzheit und Leiblichkeit: 7
4. Endlichkeit und Negativität: 9
C Werden zu sich selbst: Altern als Radikalisierung der menschlichen Grundsituation 11
D Endgültigwerden: Ethische Konsequenzen 15
Bibliografie. 17
2
Einleitung
Der zeitgenössische Philosoph Thomas Rentsch (geb. 1954) ist Professor für praktische Philosophie an der Technischen Universität Dresden. Schwerpunkte seiner Forschung und Lehre bilden neben Gebieten wie Religions-, Sprach- und Rechtsphilosophie die Ethik und die Anthropologie. Ein spezielles Arbeitsgebiet in diesem Bereich ist die philosophische Thematisierung von Alter und Tod. 1 Zu diesem Thema veröffentlichte Rentsch 1992 den Aufsatz Philosophische Anthropologie und Ethik der späten Lebenszeit 2 , in dem er Anthropologie und Ethik verbindet, um das Phänomen des Alterns zu beleuchten. So zeigt er zunächst die für ihn anthropologisch konstitutiven Grundzüge des Menschen auf und stellt im Anschluss das Altern als Radikalisierung dieser Grundsituation und die daraus folgenden ethischen Konsequenzen dar.
Die vorliegende Arbeit soll die Argumentation Rentschs nachvollziehen und erläutern.
Gliederung
Der Aufsatz gliedert sich in vier Teile: Zunächst gibt Rentsch in einer Einleitung (A) einen Überblick über die Geschichte der modernen Disziplin der philosophischen Anthropologie, um seine eigenen Überlegungen einzuordnen. Dann stellt er im zweiten Teil (B) die Konstitution der menschlichen Grundsituation dar, wobei er auf die folgenden vier Punkte eingeht: praktische Sinnentwürfe, kommunikatives Wesen des Menschen, einmalige Ganzheit und Leiblichkeit, und Endlichkeit und Negativität. Im dritten Teil (C) wird daraufhin das Altern als Radikalisierung der menschlichen Grundsituation dargestellt, indem die bisher erörterten Grundzüge des Menschen auf das Altern bezogen werden. Schließlich erläutert Rentsch im letzten Teil (D) die ethischen Konsequenzen, die sich aus seinen Überlegungen ergeben.
A Geschichte der philosophischen Anthropologie
Philosophische Anthropologie, also die Beschäftigung mit der Natur des Menschen und seiner Stellung in der Welt, ist eine moderne Disziplin die erst Mitte des 20. Jahrhunderts eigenständig wurde. Dennoch finden sich in der Geschichte der Philosophie durchweg die Beschäftigung mit dem Menschen und somit Vorläufer der modernen Anthropologie:
1 Vgl: http://www.tu-dresden.de/phfiph/prof/prakphil/rentsch.htm, Zugriff am 08.08.06 um 14 Uhr.
2 Thomas Rentsch: Philosophische Anthropologie und Ethik der späten Lebenszeit, in: Zukunft des Alterns und
gesellschaftliche Entwicklung; Hg. P. Balthes und J. Mittelstraß, Berlin/New York: 1992, S.283-304.
3
Während in der Antike die Situation des Menschen als von der natürlichen und politischen Ordnung bestimmt, und im Mittelalter stets im Bezug auf die göttliche Ordnung betrachtet wurde, begann sich mit der Renaissance langsam eine eigenständige Betrachtung des Menschen zu entwickeln. Wichtige Vorläufer der modernen philosophischen Anthropologie waren danach im 18. Jahrhundert Kant mit seiner Fragestellung „Was ist der Mensch?“, im
19. Jahrhundert Kirkegaard, Marx und Nietzsche, und zu Beginn des 20. Jahrhundert Freud, die anti-metaphysisch den Menschen und sein konkretes Handeln und Erfahren in den Mittelpunkt stellten. Hauptvertreter der philosophischen Anthropologie im 20. Jahrhundert sind Helmuth Plessner, Max Scheler und Arnold Gehlen; sie thematisieren die organische Mittellosigkeit und die Weltoffenheit des Menschen.
Thomas Rentsch skizziert diese Geschichte der philosophischen Anthropologie, um seinen eigenen Text einzuordnen: er will das menschliche Altern ins Zentrum seiner anthropologischen Überlegungen stellen und dazu zunächst die Grundsituation in der sich der Mensch befindet deutlich machen, um dann im Anschluss vor diesem Hintergrund das Altern als eine Radikalisierung der menschlichen Grundsituation darstellen. Hierbei ist ihm wichtig, Anthropologie und Ethik zu verbinden, also nicht nur die Situation des Menschen aufzuzeigen, sondern auch die sich daraus ergebenden Handlungsweisen darzustellen. Im Gegensatz zu einer universalen Ethik wie bei Kant, die ein ganzes Leben und für jeden gültig ist, will er eine Ethik der Lebensalter 3 , die der jeweiligen Situation des Menschen entspricht, entwickeln.
B Die Konstitution der menschlichen Grundsituation
1. Praktische Sinnentwürfe:
Das menschliche Dasein wird maßgeblich durch das Handeln der Menschen bestimmt. Dabei ereignen sich alle Handlungen innerhalb eines bestimmten Sinnhorizontes, das heißt allen Handlungen liegt eine Vorstellung von ihrem Sinn und Zweck zugrunde. Dieser praktische Sinnentwurf ist in der Regel nicht nur dem Handelnden selbst bewusst, sondern auch von anderen Menschen nachvollziehbar. Schon Aristoteles stellte fest, dass beim menschlichen Handeln die praktischen Sinnentwürfe Ketten bilden, da bestimmte Dinge getan werden, um andere zu erreichen, welche wiederum angestrebt werden, um weitere Ziele zu erreichen usw. Diese Handlungsketten zielen auf Endziele hin, die Rentsch Erfüllungsgestalten nennt. Dabei sind einzelne Sinnentwürfe nicht isoliert, sondern mit anderen vernetzt: kleinere, temporäre
3 Rentsch, S. 286.
4
Entwürfe können im Rahmen eines größeren Entwurfes stehen, beispielsweise dem der Lebenserhaltung, des Verwirklichens von Lebenszielen oder ähnlichem. Ohne praktische Sinnentwürfe wären instrumentelle Handlungen sinnlos, da sie nicht ihrer selbst Willen ausgeübt werden, sondern immer Mittel zum Zweck, also zum erreichen bestimmter Ziele (=Erfüllungsgestalten) sind. Dabei gibt es auch Sinnentwürfe, die gleichzeitig bereits Erfüllungsgestalten sind, zum Beispiel genussvolles Essen, Freundschaft und Liebe, Kunst und Musik oder Religion. Denn diese Dinge werden sowohl ihrer selbst Willen , als auch im Hinblick auf ein größeres Ziel betrieben.
Als zentralen Aspekt der menschlichen Sinnentwürfe betont Rentsch die Untrennbarkeit von Entwurf und Erfüllung: man kann sich keine Sinnentwürfe machen, ohne mögliche Erfüllungsgestalten vor Augen zu haben. Alle Handlungen geschehen also im Wissen um die angestrebten Ziele und um Formen des Gelingens oder Misslingens einer bestimmten Handlungs- oder Lebensweise. Das Gelingen wird so zum Maßstab für alle Handlungen, was unumgänglich auch das Wissen um Verfehlung und Enttäuschung mit sich bringt. „Dass der Mensch selbst als Sinnentwurf existiert und das praktische Vorwissen möglicher Erfüllungsgestalten für ihn orientierungskonstitutiv ist, das ist auch die Voraussetzung von Entfremdung und Entbehrung.“ 4
In der Antike wurde diese Grundneigung des Menschen, Ziele zu entwerfen und zu verfolgen, in der Idee, alle Menschen strebten nach dem Glück, dem höchsten Gut oder der Glückseligkeit, ausgedrückt. In der christlichen Auslegung dieser Idee wurde dann das Gute, das zu erstreben sei, mit Gott gleichgesetzt. An dieser traditionellen Auslegung übt Rentsch Kritik, da die Vorstellung eines höchsten Gutes seiner Meinung nach impliziert, dass es eine hierarchische Gliederung der Sinnentwürfe gibt. Nach Rentsch sind Sinnentwürfe jedoch nicht hierarchisch gestuft, sondern verflochten, und es gibt nicht nur eine, sondern viele Formen des gelungenen Lebens. So argumentiert er, das Gute sei komplex und bestehe nicht in einer, sondern vielen möglichen Erfüllungsgestalten. Diese Feststellung ist grundlegend für seine weiteren Ausführungen: „Es gilt zu fragen, welches die altersspezifischen Erfüllungsgestalten des Lebens sind.“ 5
2. Das kommunikative Wesen des Menschen:
Die Erfüllungsgestalten, die beim menschlichen Handeln mit Hilfe von praktischen Sinnentwürfen verfolgt werden, haben stets einen kommunikativen Charakter: Das Handeln wird durch die Position des Menschen in der Gemeinschaft mit anderen sowohl geprägt als
4 Rentsch, S.288.
5 Ebd., S.289.
5
Arbeit zitieren:
Nina Herkommer, 2006, Untersuchung der Argumentation Thomas Rentschs in "Philosophische Anthropologie und Philosophie der späten Lebenszeit", München, GRIN Verlag GmbH
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