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Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Moritz der Gelehrte 4
2.1 Erziehung und Bildung 4
2.2 Politik 5
3. Schloss Kassel 7
3.1 Baugeschichte 7
3.2 Innenausstattung und Kunst 9
4. Hofkultur 11
4.1 Das Leben am Hof des Landgrafen 11
4.2 Beispiele der Kasseler Hofkultur - Theater und Musik 19
4.3 Beispiele der Kasseler Hofkultur - die Hofschule 20
5. Schluss 22
6. Literaturverzeichnis 24
6.1 Primärliteratur 24
6.2 Sekundärliteratur 24
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1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit einem kalvinistischen Hof. Als Beispiel hierfür dient der Hof Moritz von Hessen in Kassel. Da seine Regierungszeit immerhin 35 Jahre betrug und ein neuzeitlicher Hof eine recht komplexe Struktur aufweist, kann eine allumfassende Beschreibung seines Hofes in dieser Arbeit nicht erfolgen. In der Hausarbeit wird es daher um die Frage gehen, in wie weit der Hof in Kassel eine Hofkultur besaß. In der Regel wird eine ausgeprägte Hofkultur eher mit katholischen Höfen in Verbindung gebracht. Um diese Frage beantworten zu können, ist es notwendig einige Teilbereiche eines „typischen Hofes“ in Kassel zu suchen und zu beschreiben.
Im ersten Teil der Hausarbeit wird es um Moritz den Gelehrten 1 und sein näheres Umfeld gehen. Dieser Abschnitt wird sich unterteilen in eine kurze Skizzierung seiner Jugend und Bildung, sowie seiner Politik. Dieser Teil ist notwendig, um sich ein Bild über den Herrscher machen zu können und um das Wesen seines Hofes später zu deuten. Eventuell stehen seine außenpolitischen Kontakte und Verwandtschaftsbeziehungen in einem direkten Zusammenhang mit der Fragestellung.
Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Residenz in Kassel, dem Schloss. Denn ein Hof lässt sich nur verstehen, wenn man sich den dazu gehörenden Rahmen vor Augen führen kann. Das ist in diesem Fall das Schloss mit seinen Nebengebäuden. Untergliedert in Baugeschichte und Ausstattung, soll in diesem Punkt das Bild des Herrschers und seines Handlungsrahmens weiter vervollständigt werden.
Der erste und zweite Teil der Hausarbeit bilden somit die Vorraussetzungen für den Hauptteil, der sich danach anschließt. In diesem geht es um den eigentlichen Hof. Zunächst soll der Versuch erfolgen den Kasseler Hof und das Hofleben allgemein darzustellen. Hierbei sollen vor allem die Feste, die Freizeitmöglichkeiten und die Hofordnung im Mittelpunkt stehen. Unumgänglich ist in diesem Zusammenhang die Frage, warum der Landgraf einen solchen Hof führte. Durch was zeichnete sich die Residenz in Kassel aus? Was wollte Moritz von Hessen damit bezwecken? An dieser Stelle wird auf seine dynastische Selbstdarstellung einzugehen sein, um dann, wie bereits erwähnt, auf einige Teilbereiche zu sprechen zu kommen - gemeint sind hiermit die Hofkapelle und das Theater in Kassel, sowie die Hofschule.
Zum Schluss werden die Ergebnisse der Arbeit in einem Resümee noch einmal direkt herausgearbeitet und zusammengetragen.
1 Diesen Beinamen erhielt er später.
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2. Moritz der Gelehrte
Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, der später den Beinamen „der Gelehrte“ erhielt, wurde im Jahre 1572 geboren und verstarb 1632 im Alter von 60 Jahren, fünf Jahre nachdem ihn die Landstände 1627 zur Abdankung zwangen. Seit 1592 - kurz nach dem Tod seines Vater Wilhelm IV - regierte er in Kassel. Im darauf folgenden Jahr heiratete Moritz von Hessen-Kassel Agnes von Solms-Laubach. Nach ihrem Tod im Jahre 1602 ehelichte er ein Jahr später Juliane von Nassau-Dillenburg. 2
2.1 Erziehung und Bildung
Im Hinblick auf die Hofführung, die Moritz von Hessen in Kassel pflegte, scheint ein Rückblick in die Zeit seiner Erziehung und Jugend unumgänglich. Die engen Kontakte seines Vaters Wilhelm IV zu Frankreich, bzw. zu den Hugenotten, waren bezeichnend für das Klima, in welchem der junge Fürst aufwuchs. 3 Wilhelm der IV, der seine Erziehung im reformierten Straßburg genoss, wurde rasch davon überzeugt, dass die Grundlage für die Leitung eines Staatswesens eine umfassende Bildung war. Er entschloss sich, seinen Sohn Moritz in diesem Sinne am eigenen Hofe selbst zu unterrichten. Die Bildung, und nicht die Jagd etwa, hatte obersten Stellenwert.
Von verschiedenen namhaften Gelehrten und Wissenschaftlern, überwiegend aus dem calvinistischen Milieu, wurde der Prinz unterrichtet. Castigliones Schriften über den Hofmann 4 schienen die Grundrichtung vorzugeben. 5 Besonders die sprezzatura, die Rhetorik und Körperbeherrschung, hatten es ihm angetan. Seiner Erziehung durch den Vater folgte ein Studium an der Universität Marburg, in welchem das ausgeprägte Interesse für die Wissenschaften, insbesondere die Alchemie, weiter verstärkt wurde. Die daraus resultierende aufwendige Hofhaltung des Landgrafen nach seinem Studium diente auch dazu, den Hofadel möglichst intensiv bilden zu können. An dieser Stelle könnte die These aufgestellt werden, der Hof in Kassel ähnelte, zumindest was die Möglichkeiten der Weiterbildung anbelangte, einer Universität. Doch nicht nur der Hofadel, sondern auch der Niedere Adel sollte eine
2 Löwenstein, Uta: Hofstaat und Landesherrschaft unter Landgraf Moritz von Hessen, in: Borggrefe, Heiner (Hg.): Moritz der Gelehrte. Ein Renaissancefürst in Europa, Eurasburg 1997, S. 34.
3 Borggrefe, Heiner: Moritz der Gelehrte. Höfische Erziehung und fürstliches Weltbild um 1600, in: Borggrefe, Heiner (Hg.): Moritz der Gelehrte. Ein Renaissancefürst in Europa, Eurasburg 1997, S. 13.
4 Il cortegiano.
5 Ebd., S. 14f.
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Bildung genießen, die näher betrachtet eher einer Umerziehung gleichkam. 6 Eine große Rolle spielte die 1595 gegründete Ritterschule, das Collegium Mauritianum. Nicht das Kriegswesen, sondern höfisches Verhalten und Bildung standen hier im Mittelpunkt. Auf die Hofschulen soll jedoch an anderer Stelle genauer eingegangen werden. Der Landgraf selbst war bekannt dafür, sieben Sprachen sprechen zu können. Außerdem war er ein begnadeter Architekt, Erfinder, Dichter und Musiker. Nicht umsonst bekam er den Beinamen der Gelehrte. 7
2.2 Politik
Nach dem Tod Phillips von Hessen 1567 wurde die Landgrafschaft Hessen auf seine vier Söhne aufgeteilt. Es entstanden die Grafschaften Hessen-Rheinfels, Hessen-Darmstadt, Hessen- Marburg und Hessen- Kassel. Letztere erbte Wilhelm IV, der Vater von Moritz von Hessen. 1583 ging jedoch fast ganz Hessen-Rheinfels nach dem Tod des kinderlosen Phillips d. J. an Wilhelm. Als dieser 1592 starb, erbte Moritz eine stabile, ökonomisch recht gut dastehende Grafschaft. 8
1604 starb auch die Linie Ludwigs von Hessen- Marburg aus. Die Grafschaft wurde zu gleichen Teilen an Moritz von Hessen und seinen Cousin Landgraf Ludwig V von Hessen-Darmstadt vergeben. Wohl wissend, dass sich Hessen-Kassel dem Kalvinismus zu nähern begann- Moritz von Hessen trat 1605 zum Kalvinismus über- sorgte Landgraf Georg in seinem Testament dafür, dass der Bekenntnisstand in seiner Grafschaft auch nach seinem Tode nicht geändert werden dürfe. 9 Dies stand jedoch im Gegensatz zu den Grundsätzen des Augsburger Religionsfriedens, der besagte, dass der Landesfürst das Recht hat, einen Bekenntniswechsel auch bei seinen Untertanen durchzusetzen. 10 Moritz von Hessen-Kassel, der sich dieser Tatsache bewusst war, führte umgehend den Kalvinismus auch in den ehemaligen Gebieten seines Onkels ein und stieß auf erheblichen Widerstand, der sowohl von Seiten des Adels, als auch von der Universität Marburg ausging. 11
6 Borggrefe, 1997, S. 18.
7 Demandt, Karl E.: Geschichte des Landes Hessen, Kassel 1980, S. 245.
8 Ebd., S. 239f.
9 Ebd., S. 244.
10 Cuius regio, eius religio.
11 Menk, Gerhard; Kümmel, Birgit: Die Einführung der Zweiten Reformation und die Bilderfrage, in: Borggrefe, Heiner (Hg.): Moritz der Gelehrte. Ein Renaissancefürst in Europa, Eurasburg 1997, S. 88.
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Das Problem war, dass der Augsburger Religionsfrieden zwischen Katholiken und Protestanten geschlossen wurde und den Kalvinismus hiervon ausschloss. Dies sollte zu lang anhaltenden Auseinandersetzungen führen, im Zuge derer sich der Landgraf von Hessen-Darmstadt mehr und mehr den Macht habenden Katholiken anzunähern schien. Vor allem der Konfessionswechsel an der gesamthessischen Universität Marburg, in Folge dessen die lutherische Universität Gießen 1607 von Ludwig V von Hessen- Darmstadt gegründet wurde, stieß auf erheblichen Widerstand. 12
Außenpolitisch war der Landgraf sehr engagiert. Vor allem zu England, Frankreich, den Niederlanden 13 und Schweden pflegte er Kontakte. 14 Diese internationalen Beziehungen bedingten auch kulturelle Einflüsse, die sich in der Hofhaltung Moritz’ von Hessen widerspiegelten. Hierauf soll an anderer Stelle noch einmal eingegangen werden. Schon Moritz von Hessens Vater, Wilhelm IV, pflegte enge Kontakte besonders zu Frankreich und Heinrich IV, den er militärisch unterstützte. 15 Nach einer Unterbrechung der Beziehungen aufgrund des Konfessionswechsels des französischen Monarchen, intensivierte sich der Kontakt zu Beginn des 17. Jahrhunderts. In Folge dessen reiste der Landgraf nach Frankreich und hielt sich längere Zeit in den Schlössern rund um Paris auf. 16 Im Hinblick auf die Hofkultur Moritz von Hessen ist dies nicht ganz unbedeutend. Mit Hilfe einer europäischen Macht wollte der Landgraf eine politische Gleichstellung mit den Kurfürstentümern erreichen. 17
Landgraf Moritz von Hessen-Kassel konnte ein weitgehend absolutes Regiment führen. Als Verfassungsorgan gab es zwar die Landesständevertretung, doch hielt sich ihr Einfluss bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges in Grenzen. 18 Immer häufiger stieß Moritz von Hessen-Kassel auf den politischen Widerstand des Landadels, der sich durch die höfische Erziehung und Bildung am Hof immer mehr von diesem distanzierte. Auf das Verhältnis zwischen dem Landgrafen und dem Landadel wird an späterer Stelle noch einmal einzugehen sein, wenn es um das Selbstverständnis des Herrschers geht. Konnten zu Beginn des 17. Jahrhunderts die politischen Erfolge den Landadel teilweise ruhig stimmen, wuchs die adelige Opposition während der
12 Demandt, 1980, S. 247f..
13 Bedingt durch seine zweite Ehe.
14 Gräf, Holger Th.: Die Mauritanische Außenpolitik 1592-1627, in: Borggrefe, Heiner (Hg.): Moritz der Gelehrte. Ein Renaissancefürst in Europa, Eurasburg 1997, S. 102f.
15 Menk, Gerhard: Die Beziehungen zwischen König Heinrich IV von Frankreich und Landgraf Moritz, in: Borggrefe, Heiner (Hg.): Moritz der Gelehrte. Ein Renaissancefürst in Europa, Eurasburg 1997, S. 124.
16 Ebd., S. 125.
17 Ebd., S. 126.
18 Löwenstein, 1997, S. 36.
Arbeit zitieren:
M.A. Stefan Inderwies, 2006, Der kalvinistische Hof des Moritz von Hessen, München, GRIN Verlag GmbH
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