Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Geschichte der Fugenelemente. 4
3. Grundlegendes über Fugenelemente 5
4. Funktionen der Fugenelemente. 10
Prosodisch-metrische Funktion 4 1 10
4.2 Öffnende Funktion des Fugen-s 10
4.3 Strukturierende Funktion des Fugen-s 11
5. Fazit und Ausblick 12
6. Literatur 13
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1. Einleitung
Im Folgenden soll einer kurzer Überblick über das Phänomen der Fugenelemente im Deutschen gegeben werden. Fugenelemente (je nach Theorie und Ansatz manchmal auch als Fugenlaute, Fugenmorpheme, Interfixe, engl. linking morphemes bezeichnet) sind Elemente, die bei Komposita (Wissen-s-lücke, Tag-e-buch) und seltener auch bei Derivaten (Mönch-s-tum, hoffnung-s-los) an den Nahtstellen ihrer Bestandteile auftreten. Diese Nahtstellen werden auch Wortfugen genannt. Sind sie nicht besetzt, spricht man auch von einer Null-Fuge (Voß/Wohlgemuth 2001: 1).
Fugenelemente sind keineswegs ein deutsches Phänomen. So treten sie beispielsweise auch im Dänischen auf: selskab-s-lokale ‚Gesellschaftslokal’, yndling-s-opskrifter ‚Lieblingsrezepte’ (Kürschner 2003: 9). Auch im Niederländischen (koning-s-dochter) und Schwedischen sind Fugenelemente gebräuchlich. Seltene Beispiele finden sich sogar im Englischen: spoke-s-man, yacht-s-man (Elshorbagy 2003: 12). Etwa ein Drittel aller deutschen Komposita weisen ein Fugenelement auf. Insbesondere in N+N-Komposita sind sie häufig anzutreffen, darum wird sich diese Arbeit auf diese nominalen Zusammenfügungen beschränken. Man unterscheidet folgende Fugenelemente (hier in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit): -(e)s, -(e)n, -e, -er, -ens (Bußmann 2002: 228). Eine Besonderheit ist das -o, welches nur in Konfixkomposita auftritt und an dieser Stelle nicht weiter verfolgt werden soll. Seltener werden auch -al, -et, -a und -i gebraucht, meist nur bei Fremd- und Lehnwörtern.
Die Folgende Tabelle zeigt, wie sich die wichtigsten Fugenelemente auf die deutschen Determinativ-N+N-Komposita verteilen:
Eine erste Feststellung, die hier gemacht werden kann, ist, dass Fugenelemente, die auf Flexionssuffixe zurückgehen, deutlich häufiger vorkommen, als solche, die aus Stammbildungssuffixen entstanden sind. Doch dazu später mehr.
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Aufgrund deren unterschiedlicher Verwendung ist nach dem jetzigen Stand der Forschung die Erstellung einer einheitlichen Systematik der Fugenelemente leider nur eingeschränkt möglich. Wie so oft in den Sprachwissenschaften bestimmen die Ausnahmen die Regel. Ein Grund aufzugeben, soll dies jedoch noch lange nicht sein.
2. Geschichte der Fugenelemente
Das Fugen-s ist ursprünglich aus einem Genitiv-Suffix entstanden. Diese Entwicklung wurde erst durch den pränominalen Genitiv möglich gemacht, der im Alt- und Mittelhochdeutschen noch häufige Verwendung fand. So wurde beispielsweise aus ahd. des tiufeles sun (des Teufels Sohn) > nhd. der Teufel-s-sohn. Das Genitiv-s ist hier zum Fugen-s ge-worden. Die Voranstellung des Genitivs ist heutzutage nur noch bei Eigennamen üblich (Simons Laden, Stuttgarts Plätze) auch wenn seine Bildung kein falsches Deutsch produziert (des Tages Licht). In einigen Redewendungen ist er jedoch auch erhalten geblieben: des Rätsels Lösung, Volkes Stimme, in Teufels Küche kommen, auf des Messers Schneide (Nübling 2006: 100).
Auch einige Komposita mit n-Fuge gehen auf den Genitiv zurück (der Nase-n Bein > das Nase-n-bein), sie ist in dieser Form jedoch nicht produktiv. Dies zeigt auch, dass solche Erstglieder nicht unbedingt einen pluralischen Hintergrund haben, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht.
Fugenelemente wie -er haben jedoch eine andere Geschichte. Schon im Althochdeutschen gab es Komposita, die mit einer Art Fugenelement gebildet wurden (2), Grimm nennt sie „compositionsvokale“ (Wegener 2005: 175), da dies mit der Wurzel allein nicht möglich war:
(2) ahd. tag-a-lōn, tag-a-sterro (‚Morgenstern’)
Wie man hier sieht, entsprechen diese Kompositionsvokale den Stammbildungssuffixen der jeweiligen a-, i-, ir- und n-Flexionssklasse. In Komposita wie Bräut-i-gam und Nacht-igal sind sie heute sogar noch erhalten. Im Laufe der Entwicklung zum Frühneuhochdeutschen traten diese Stammbildungssuffixe allmählich nicht mehr im Singular-Paradigma der
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entsprechenden Klasse auf, sondern nur noch im Plural. Da man nun ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Singular und Plural hatte, wurden sie somit schließlich als Pluralmarker interpretiert, was durch den Wegfall der ursprünglichen althochdeutschen Pluralsuffixe unterstützt wurde. Das Wort Lamm macht diese Entwicklung deutlich:
Heute heißt der Nominativ Plural Lämm-er und es ergibt sich folgende Entwicklung vom Stammbildungs- zum Pluralsuffix: -iz > -ir > -er. Parallel dazu blieben die Stammbildungssuffixe in den Komposita erhalten und machten dieselbe phonologische Entwicklung durch. Ursprünglich nur auf eine handvoll Wörter beschränkt, weitete sich das -iz auf weitere Flexionsklassen aus. So entstanden die Fugenelemente Rind-er-brust oder Kind-erbett, die durch Übereinstimmung mit dem entsprechenden Pluralsuffix laut Theorie eine Pluralbedeutung des Erstglieds suggerieren. Fugenelemente sind also nicht aus Pluralsuffixen entstanden, sondern parallel mit diesen aus Stammbildungssuffixen. Ob beide aber abgesehen vom gemeinsamen Ursprung sonst nichts miteinander zu tun haben, kann die Theorie nicht beantworten.
3. Grundlegendes über Fugenelemente
Erstglieder, die Wortbildungsprozessen unterzogen werden, lassen sich in unterschiedliche Stammformen aufteilen. Zum einen eine Flexionsstammform, an der Flexion statt findet, eine Derivationsstammform, die für Derivationsaffixe zugänglich ist und schließlich
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Johny Varsami, 2008, Fugenelemente im Deutschen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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