Inhaltsverzeichnis Seite
Einf ührung 3
1. Das House of Commons in London 5
1.1. Speaker. 8
1.2. Clerks at the Table 9
1.3. Serjeant-at-Arms 12
1.4. Parlamentsdiener. 15
1.5. Zusammenfassung und Ausblick 16
2. Das Parlament von Singapur 17
3. Das Parlament von Victoria in Melbourne, Australien 21
4. Fazit 27
2
Einführung
„The dress worn by parliamentary officials is indicative of Parliament’s attachment to
tradition and its reluctance to change its habits and customs.“ 1
Mit seiner eindrucksvollen historischen Kontinuität, gilt das englische Regierungssystem der parlamentarisch kontrollierten Herrschaftsausübung als die älteste parlamentarische Demokratie. Der Bundesrepublik Deutschland wurde mit dem Grundgesetz ein „strikt parlamentarisches Regierungssystem nach dem ‚englischen Modell’ verfassungsrechtlich statuiert.“ 2 Im Hinblick auf ihren Formenschatz, unterscheiden sich beide Systeme jedoch deutlich. So ist der Deutsche Bundestag nicht reich an Symbolen oder an vordergründig zur Schau gestellten Traditionen. 3 Vielmehr wurde es fast schon selbst zur Tradition, eine zurückgenommen Bildsprache als Markenzeichen des bundesdeutschen Parlamentes zu definieren. Nur so ist es auch erklärbar, dass sich ein Kleidungsstück, nämlich der Frack der Saaldiener „als ein herausragendes Erkennungsmerkmal“ 4 des Deutschen Bundestages etablieren konnte und damit „einen Hauch von Zeremoniell“ 5 zu vermitteln vermag. Diese „bewusst, ja demonstrativ getroffene Entscheidung, […] staatliche Repräsentation […] auf Transparenz, Offenheit und Zurückhaltung“ 6 zu beschränken, bedeutet im Rückblick jedoch kein Bekenntnis zu einem Mindeststandard unabänderbarer Schlichtheit. So hat sich zwar der Frack als „treffendes Symbol für den Bundestag“ 7 entwickelt, ist aber gleichzeitig im Laufe der letzten Dekaden pragmati-
1 Norman Wilding und Philip Laundy, An Encyclopaedia of Parliament, 4. Aufl., New York 1971, S. 219.
2 Wolfgang Zeh, Parlamentarismus - Historische Wurzeln - Moderne Entfaltung, Heidelberg/Hamburg 1978, S. 28.
3 Vgl. Jürgen Hartmann, Staatszeremoniell, Köln 2000, S. 185 ff.; Josef Isensee, Staatsrepräsentation und Verfassungspatriotismus. Ist die Republik der Deutschen zu Verbalismus verurteilt?, in: Jörg-Dieter Gauger und Justin Stagl (Hrsg.), Staatsrepräsentation (= Schriften zur Kultursoziologie, Bd. 12), S. 226 f.
4 Michael F. Feldkamp und Dirk Kunze, Mit Frack im Parlament. Ein Beitrag zur parlamentarischen Kultur und politischen Symbolik im Deutschen Bundestag, Berlin 2009, S. 4.
5 Jürgen Hartmann, Staatszeremoniell, a.a.O., S. 188
6 Norbert Lammert, Grußwort, in: Michael F. Feldkamp und Dirk Kunze, Mit Frack im Parlament, a.a.O., S 3.
7 So Wolfgang Zeh, der damalige Direktor beim Deutschen Bundestag, in seiner Rede zur Eröffnung einer Ausstellung zum 50-Jährigen Jubiläum der Einführung des ersten Fracks für die Saaldiener des Deutschen Bundestages am 7. November 20005. Vgl. Diener der Saaldiener. Der Frack des Parlamentsassistenzdienstes wird 50 Jahre alt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08. November 2005.
3
schen Erfordernissen einer modernen Parlamentsverwaltung gewichen. 8 Es scheint fast so, dass inhaltliche Arbeit und Effizienz, mit Blick auf Kosten-Nutzen Kalküle, vordergründig symbolische Tätigkeiten in den Hintergrund drängten. Die Feststellung, dass eine scheinbar äußerliche Parlamentskultur zu „mehr oder weniger Anerkennung der parlamentarischen Demokratie“ 9 beiträgt, wirft jedoch die Frage auf, wie diese Entwicklung zu bewerten ist. Eine erste historiographische Auseinandersetzung zu Stilfragen, Symbolik, Zeremoniell des Deutschen Bundestages und der Würde des bundesdeutschen Parlaments der Nachkriegszeit liegt zwischenzeitlich vor. 10 Leider ist daraus nicht ableitbar, ob die bundesdeutsche Entwicklung eine Ausnahme ist, oder sich im Einklang mit evtl. internationalen Entwicklungen der Parlamentskultur befindet. Dies soll der Ausgangspunkt der folgenden Betrachtung sein.
Ein Blick über die Grenzen gibt zunächst Anlass zur Vermutung, dass z.B. der angelsächsische Parlamentsablauf seine Würdigung als parlamentarische Institution auch durch seine kleidersprachliche Ausdrucksweise bekundet. So gehen im britischen House of Commons Mitarbeiter in Frack, Perücke und Umhang, einige ausgestattet mit goldenen Plaketten und Schwert, mit großer Selbstverständlichkeit ihrer Arbeit nach. Auch die in spezieller Zeremonie ins Plenum getragene Mace 11 passt nicht nur in die feudale Architektonik des Parlaments in London, sondern vermittelt den Eindruck einer Tradition, die, in der Atmosphäre des House of Westminster, abwegig erscheint, in Frage gestellt zu werden. Begründet durch den Kolonialismus, war das Westminster Modell aber nicht nur politisch-inhaltliches, sondern auch visuelles Muster einer parlamentarischen Ordnung. Noch heute weisen weltweit zahlreiche Parlamente, Elemente des ehemaligen
8 Trotz eines erheblichen Anstiegs protokollarischer Einsätze der Saaldiener, ist die Verwendung des Fracks zurückgegangen. Dies liegt zunächst an der Tatsache, dass der Personalbestand der Saaldiener größtenteils aus Frauen besteht. Nur noch ca. 30% der Saaldiener sind männlich und tragen somit einen Frack. Ihre weiblichen Kolleginnen greifen auf einen schnitttechnisch üblichen Damenblazer mit knielangem Rock zurück. Hinzu kommt, dass noch bis einschließlich 2002 auch die Delegationen des Deutschen Bundestages bei internationalen parlamentarischen Versammlungen (WEU PV, PV Europarat, etc.) bundesweit und im Ausland betreut wurden. Diese Tätigkeit ist zwischenzeitlich fast komplett eingestellt worden. Vgl. hierzu: Verwaltung des Deutschen Bundestages, Referat ZT 4 - Logistik, Leistungsbilanzen 2002 - 2006.
9 Suzanne S. Schüttemeyer, Editorial, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 37 (2006), S. 460., Vgl. auch: Andreas Dörner, Parlament, politische Kultur und symbolische Form. Zur Semantik des Deutschen Bundestages im Berliner Reichstag, in: Heinrich Oberreuter, Uwe Kranenpohl und Martin Sebaldt (Hrsg.), Der Deutsche Bundestag im Wandel. Ergebnisse neuerer Parlamentarismusforschung, 2. Aufl., Wiesbaden 2002, S. 241ff.
10 Vgl. Michael F. Feldkamp und Dirk Kunze, Mit Frack im Parlament, a.a.O.
11 Englisch für „Keule oder Streitkolben“. Die Mace ist eine antike Hiebwaffe, ähnlich einem "Morgenstern". Sie wurde aus der antiken Keule entwickelt und im Mittelalter als Waffe der Reiterei eingesetzt. Im 16. Jahrhundert kam diese Waffe jedoch allmählich außer Gebrauch. Besonders herausgearbeitete Modelle wurden forthin als Statussymbole weiterverwendet. Siehe auch Ausführungen dazu in Kapitel 1.3.
4
British Empire auf oder erscheinen optisch auf den ersten Blick sogar als „Kopie“ eines Londoner Originales. 12
Im Folgenden sollen nun beispielhafte Beobachtungen zur Entwicklung der Parlamentskultur an drei verschiedenen Parlamenten des Commonwealth of Nations 13 aufgezeigt werden. Das Parlament der Republik Singapur, das australische Parlament des Bundesstaates Victoria in Melbourne und das House of Commons in London blicken freilich auf eine unterschiedlich lange Entstehungsgeschichte zurück aber weisen dennoch identische bzw. identisch anmutende Merkmale britisch-parlamentarischer Herkunft auf. In diesen Parlamenten im speziellen und im Westminster System generell, gibt es allerdings eine schier unüberschaubare Menge parlamentarischer Symbole und Formen. Somit soll es nachfolgend darum gehen, möglichst auf zentrale und deutliche Merkmale einzugehen, welche anhand aktueller Entwicklungen im Vergleich dargestellt werden können. 14 Dabei wird sich zeigen, dass sich an allen drei Parlamenten eine vornehmlich nüchterne Herangehensweise bei der Umsetzung von Kleidungsvorschriften entwickelt hat. Denn wie auch in Deutschland, manifestiert sich der Spagat zwischen Modernisierung und Traditionsbewusstsein, vestimentär an einer deutlich gelockerten parlamentarischen Kleiderordnung. Im Unterschied zu Deutschland existieren jedoch an den o. g. Parlamenten noch eine Vielzahl anderer materieller Details, welche die symbolische Akzentuierung der Würde einer parlamentarischen Institution unterstreichen.
1. Das House of Commons in London
Im Palace of Westminster sticht, neben der typischen Verwendung der Farben „Grün“ und „Rot“ 15 , zunächst die Anwendung einer prunkvollen Kleiderordnung heraus. Wäh-
12 So ist z.B. das übliche „Gegenüber-Sitzarrangement“ von Regierung und Opposition der Parlamente in Indien, Südafrika und Australien durch verbindende Sitzreihen in einen länglichen Halbkreis ab-gewandelt, während sich Ober- und Unterhaus weiterhin optisch eindeutig durch die Verwendung der Farben „Rot“ und „Grün“ unterscheiden. In Kanada und Singapur entspricht dagegen sowohl Farbgebung als auch Sitzanordnung einem exakten Abbild des Londoner Parlaments.
13 Das „Commonwealth of Nations“ kann heute als Nachfolger des „British Empire“ gesehen werden. Es wurde 1926, als Reaktion des Vereinigten Königreichs auf die Autonomiebestrebungen seiner Dominions, gegründet. Als ein Bund von derzeit 53 unabhängigen Staaten, haben alle Mitglieder die gleichen Rechte, sind einander nicht untergeordnet aber verbunden durch die Treue zur britischen Krone.
14 Vgl. den als „kleines Ritual“ bezeichneten Symbolisierungsbereich bei: Werner J. Patzelt, Parlamente und ihre Symbolik. Aufriß eines Forschungsfeldes, in: Ders. (Hrsg.), Parlamente und ihre Symbolik. Programm und Beispiele institutioneller Analyse, Wiesbaden 2001, S. 56 ff.
15 Während die Farbe „Rot“ des britischen House of Lords relativ sicher auf ihre traditionelle Verwendung als königliche Farbe zurückzuführen ist, fällt eine eindeutige Klärung hinsichtlich der Verwendung von „Grün“ im House of Commons schwerer. Sicher ist jedoch, dass beide Farben über ihre Jahrhunderte lange Verwendung zum eindeutigen Symbol klarer Unterscheidung der zwei Häuser
5
rend sich der Deutsche Bundestag ausnahmslos auf die Gestaltung eines eher schlicht gestalteten Fracks bzw. Frackkostüms für die Saaldiener beschränkt, ist in beiden Häusern des britischen Parlaments eine mannigfaltige Kleiderordnung evident: Sowohl der Präsident und die Vizepräsidenten des Unterhauses (Speaker und Deputy Speaker) der Serjeant-at-Arms, die Verwaltungsleitung und Mitarbeiter der Plenardienste (Clerks at the Table) und die Saaldiener (Doorkeeper und Badge-Messenger) haben entsprechend ihrer beruflichen Position, unterschiedliche Kleidung zu tragen. Dabei werden aber nicht nur unterschiedliche Kleidungsstücke, sondern auch zusätzliche Details, wie Perücken (Wigs), verwendet. Diese visuellen Besonderheiten werden weiterhin dadurch aufgewertet, dass sich einige Tätigkeiten des Parlamentsalltages ausschließlich mit der Durchführung von Ritualen beschäftigen. Dazu gehört sowohl die Prozession des Speaker, welche jedem Plenarbeginn vorausgeht, als auch die feierliche Platzierung und Entfernung der Mace bei Beginn bzw. Vertagung einer Plenarsitzung. Die im Palace of Westminster zum Einsatz kommende Kleidung wird allgemein als Court Dress 16 bezeichnet und hat sich u. a. aus bei Gericht getragenen Kleidungsstücken entwickelt. 17 Die Verwendung der, auch an deutschen Gerichten bekannten, „Roben“ hängt mit dem Verständnis des englischen Begriffes Court zusammen, welcher sowohl „Gericht“ als auch als „Hof“ bedeuten kann. So wurden beide Häuser des Parlamentes als High Court of Parliament in beiden Bedeutungen verstanden: Zum einem als juristische Instanz 18 und zum anderen als „Königshof“, als Teil der Umgebung des britischen Monarchen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, waren Unterschiede in der Kleidung zwischen Abgeordneten und Bediensteten des Parlaments kaum auszumachen. Eine Abweichung stellte sich erst ein, als es dem Geschmack der Zeit entsprach, anstatt
des britischen Parlamentes wurde. Vgl. hierzu: House of Commons, House of Commons Green, (= House of Commons Information Office, Factsheet G10), London 2003.
16 Englisch für „das Hofkleid“. Vgl. Duden-Oxford Englisch-Deutsch, online 06.04.2007.
17 Es ist davon auszugehen, dass das Parlament erst im 17. Jahrhundert die Roben von Anwälten übernahm und bis heute trägt. Zu diesem Zeitpunkt waren die schwarzen Roben der bei höheren Gerichten zugelassenen Anwälte (barristers) bereits fest etabliert. Vgl. John
Sainty, Robes of a Clerk in the House of Lords, unveröff. Aufzeichnungen, Bestand Parliamentary Archives Ref.No. BOOK/3163, London 2004, S. 1 und 2; Zur Geschichte der Gerichtskleidung vgl. W. N. Hargreaves-Mawdsley, A History of legal dress in Europe until the end of the eighteenth century, Oxford 1963, S. 46 ff.
18 Das House of Lords ist traditionell nicht nur Teil der Legislative, sondern auch der Judikative. Die Funktion als z.B. oberstes Berufungsgericht sollte mit dem „Constitutional Reform Act 2005” jedoch aufgehoben werden. Der dritte Teil dieses Gesetzes, würde die judikative Funktion vom House of Lords auf eine neue Institution - den Supreme Court of the United Kingdom - übertragen. Aber auch wenn dieses Gesetz bereits am 24.03.2005 die königliche Zustimmung erhielt, wurde es noch nicht umgesetzt. Vgl. hierzu u. a.: Department for Constitutional Affairs, Constitutional Reform Bill, in: http://www.dca.gov.uk/legist/constreform.htm, online 06.04.2007.
6
der üblichen knee breeches 19 , Hosen in „normaler“ Länge zu tragen. Im formalen Rechtswesen wurden die Reiterhosen jedoch beibehalten und entwickelten sich somit zur traditionellen Bekleidungsform und charakteristischen Uniform. 20 Das Court Dress, ist demnach eine formalisierte und zwischenzeitlich altmodisch anmutende Version gewöhnlicher Alltagskleidung.
Auch die Verwendung von Perücken hat ihren Ursprung im Rechtswesen. Aus welchen Gründen die zwei Varianten der Richter- und Anwaltsperücke 21 im britischen Parlament eingeführt wurden, steht jedoch nicht zweifelsfrei fest. Angenommen wird, dass zu einer Zeit, in der Perücken dem modischen Geschmack entsprachen, dieses Detail genutzt wurde, um eine ranghöhere berufliche Position zu visualisieren. Dabei half es, dass der erste amtlich dokumentierte Clerk of the Parliaments 22 ein Richter war, somit eine Perücke als angemessen betrachtet wurde und seitdem ohne Änderung verwendet wird. 23
Festzuhalten ist, dass die parlamentarische Dienstkleiderordnung Großbritanniens das Produkt eines sich wandelnden Zeitstiles und Ausdruck eines Distinktionsverhaltens ihrer Träger ist. Seit ca. 200 Jahren ist sie in der heute erfahrbaren Form beständig geblieben. Somit liegt die Vermutung nahe, dass diese lange Tradition zu einer inzwischen unabänderlichen Bestandsrationalität geführt hat. Um dies beurteilen zu können, sollen nun aktuelle Entwicklungen genauer betrachtet werden. Im Zentrum stehen dabei die sichtbarsten Funktionen und Elemente des Parlaments, deren Tätigkeiten sowohl zeremoniellen als auch parlamentarisch-praktischen Charakter haben. Es sind dies vorrangig der Präsident (Speaker), leitende Mitarbeiter der Parlamentsverwaltung (Clerks und Serjeant-at-Arms), die Parlamentsdiener (Doorkeeper, Badge-Messenger) und die sie miteinander verbindenden zeremoniellen Handlungen.
19 Englisch für „Kniebundhosen“ oder „Reiterhosen“ - ein maximal knielanges Kleidungsstück. Vgl. Duden-Oxford Englisch-Deutsch, online 06.04.2007; Vgl. auch: Peter Thorne, Official Dress worn in the House of Commons, (= House of Commons Library Document, No. 4), London 1960, Abb. 30 und 31.
20 Vgl. Peter Thorne, Ceremonial and the Mace in the House of Commons, (= House of Commons Library Document, No. 11), London 1980, S. 49.
21 Erkennbares Unterscheidungsmerkmal ist die Länge des Perückenhaares. Während die Haarlänge des anwaltlichen Bob wig noch oberhalb des Nackens endet, reicht der für den Speaker vorgesehene Full-bottomed wig bis weit in den Brustkorbbereich. Generell liegt dieser Unterscheidung die Theorie der Altersweisheit zu Grunde: Je länger das Perückenhaar, desto höher die Autorität dessen, der sie trägt. Vgl. Thomas Woodcock, Legal Habbits. A brief sartorial history of Wig, Robe and Gown, London 2003.
22 Der Clerk of the Parliaments ist im britischen Oberhaus das Pendant zum Clerk of the House of Commons im britischen Unterhaus. Es ist die Amtsbezeichnung des Verwaltungsleiters und somit ranghöchsten Verwaltungsmitarbeiters.
7
1.1. Speaker
Ursprünglich ein Agent des Monarchen zur Übermittlung der Auffassungen des Unterhauses, ist der Speaker heute Sprecher, Repräsentant, Präsident und damit die höchste Autorität des Unterhauses. 24 Seine politische Stellung an der Spitze des Unterhauses und als primärer Ansprechpartner des Monarchen, verbunden mit der Aufgabe die Traditionen des Unterhauses zu bewahren, schlägt sich auch in einer speziellen Dienstkleidung nieder. Grundsätzlich wird zwischen „besonderen Ereignissen“ und „normalen Sitzungstagen“ unterschieden, wenn es darum geht, eine anlassgerechte Kleidung zu tragen. Bei feierlichen Akten, an denen der Monarch zugegen ist, trägt der Speaker eine goldverzierte Staatsrobe, einen besonderen Hut und weiße Handschuhe über dem schwarzen Court Dress. Zur Sitzungsleitung der Debatten wird die Staatsrobe gegen eine, eher nüchtern wirkende, einheitlich schwarze Robe ausgetauscht und auf Hut und Handschuhe verzichtet. Zu allen Anlässen wird zusätzlich eine, bis weit in den Brust-korb reichende, lange Perücke getragen. 25 Ein Blick in die Praxis zeigt, dass es durch den Verzicht auf Perücke und Handschuhe, in den letzten Jahren eine sichtbare Veränderung gegeben hat. Dabei kam, neben dem Aspekt des unbequemen Tragens, vor allem die Wahl eines weiblichen Speaker dieser Entwicklung zur Hilfe. Als Betty Boothroyd 26 1992 zur Madam Speaker gewählt wurde, gehörte nicht nur die Besetzung dieses Postens durch männliche Mitglieder der Regierungsfraktion der Vergangenheit an, sondern auch die Verwendung einer Perücke als Dienstkleidung des Speaker. 27 Die Ablehnung der Perücke schien vor dem Hintergrund und mit Rücksicht auf ihr eigenes „Silberhaar“ allerdings nachvollziehbar. 28 Mit der Ankündigung ihres Rücktritts am 12. Juli 2000 und der damit anstehenden Entscheidung über einen neuen Speaker, erwartete die briti-
23 Vgl. Peter Henderson, Uniforms of Clerks at the Table, unveröff. Verwaltungsschreiben, Bestand Parliamentary Archives Ref.No. HL/PO/CP/1/15/11, 1. November 1966, Punkt 2 ii.
24 Vgl. House of Commons, Manual of procedure in the public business, 14. Aufl., London 1987, Section 22, S.14.
25 Vgl. Austin Hertslet und George A. Titman, Dress and Insignia worn at his Majesty’s Court, London 1912, S. 87; Peter Thorne, Official Dress worn in the House of Commons, a.a.O., Abb. 16.
26 Betty Boothroyd - inzwischen Baroness Boothroyd of Sandwell in the West Midlands - wurde am 29. April 1992 als erste Frau in der Geschichte des britischen Parlamentarismus zur Madame Speaker ernannt und hielt dieses Amt bis zu ihrem Rücktritt am 23. Oktober 2000 inne. Sie ist Mitglied der Labour-Partei.
27 Vgl. u. a. Peter Nonnenmacher, Der „Speaker“ im Unterhaus ist eine Madam, in: Frankfurter Rundschau vom 28. April 1992; Ein Nadelstich, in: Frankfurter Allgemeine vom 3. Juni 1992.
28 Vgl. Reiner Gatermann, Hinterbänkler wählen Madam. Ex-„Tiller Girl“ Betty Boothroyd wurde erste Speakerin des britischen Unterhauses, in: Die Welt vom 29. April 1992; Bernhard Heimrich, Knietief im Brunnen der Vergangenheit, in: Frankfurter Allgemeine vom 25. Oktober 2000.
8
Arbeit zitieren:
Dirk Kunze, 2007, Parlamentarische Traditionen zwischen Modernisierung und Traditionsbewusstsein, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zweite Moderne oder Postmoderne?
Ein Architektur–Diskurs
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Fachbuch, 77 Seiten
Karl August Lingner - Leben und Werk eines sächsischen Großindustriell...
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Forschungsarbeit, 125 Seiten
Biowäscher und Biofilter - Prinzipien der biologischen Abluftreinigung
Wissenschaftlicher Aufsatz, 25 Seiten
StaatsRache - Justizkritische Beiträge gegen die Dummheit im deutschen...
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Fachbuch, 153 Seiten
Einflüsse der Jenaer Studienzeit (1790/91) auf Novalis' Weltanscha...
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Wissenschaftlicher Aufsatz, 24 Seiten
Kanon und Wert (10 Thesen mit Kommentaren)
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Wissenschaftlicher Aufsatz, 54 Seiten
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Doktorarbeit / Dissertation, 412 Seiten
Development of a segmentation method for dermoscopic images based on c...
Informatik - Angewandte Informatik
Doktorarbeit / Dissertation, 80 Seiten
Dirk Kunze's Text Parlamentarische Traditionen zwischen Modernisierung und Traditionsbewusstsein ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Dirk Kunze hat den Text Parlamentarische Traditionen zwischen Modernisierung und Traditionsbewusstsein veröffentlicht
Dirk Kunze hat einen neuen Text hochgeladen
Christliche Traditionen zwischen Katholizität und Partikularität/ Chri...
Vorträge der sechsten Konferen...
Leo J. Koffeman
Handbuch zur Geschichte des Notariats der europäischen Traditionen
Mathias Schmoeckel, Werner Schubert
Gongora's Poetic Textual Tradition: An Analysis of Selected Variants, ...
Diane Chaffee-Sorace
"Modernisierungen" methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit
Modernisierungen methodischen ...
Brigitta Michel-Schwartze
Parlamentarische Kultur in der Weimarer Republik
Politische Kommunikation, symb...
Thomas Mergel
0 Kommentare