Früher war „Lernen“ ein Thema, das man den Lehrern in Schulen überließ. Mittlerweile ist es ein Problem für die gesamte Gesellschaft geworden. Mit dem, was man früher „eingetrichtert“ bekam, kann man die Probleme einer komplizierten technischen Zivilisation, in der sich die Lebensumstände -und aufgaben schnell ändern, heutzutage nicht mehr lösen. Mit diesen Problemen, wie man den Lehrbetrieb ändern könnte, beschäftigten und beschäftigen sich heute noch viele Psychologen. Reformpläne und Schulmodelle, wie die Vorschläge von Ivan Illich in Mexico, die Schule von Barbiana oder die Summerhill-Schule von Alexander S. Neill wurden, bzw. werden diskutiert. Wir werden uns im folgenden eingehend mit der Summerhill-Schule von Alexander S. Neill beschäftigen. Alexander S. Neill wurde im Jahre 1883 in Forfax, Schottland, als Sohn einer armen Familie geboren. Neills Vater unterrichtete in Forfax und wies seinem Sohn den Weg in die Lehrerausbildung. Der später - sehr umstrittene - Pädagoge machte seinen Abschluß in Englisch an der Universität von Edinburgh. Nach seiner erfolgreichen Absolvierung verbrachte er zwei Jahre an der King Alfred Schule in Hampstead. Im Jahre 1921 gründete er mit anderen Lehrern eine internationale Schule in Hellerau, später zog diese Schule nach Sonntagberg in Österreich. Als Neill nach England zurückkehrte, führte er diese Schule auf einem Berg, der Summerhill genannt wurde, in Regis Lyme weiter. Dieser Name wurde beibehalten als die Schule nach Leiston, Suffolk, umzog. . Neill hielt Vorlesungen in Süd Afrika, Skandinavien, in den USA und in England. Dafür erhielt er Ehrungen von den Universitäten Exeter und Newcastle. Neill sagte von sich aus, daß er nicht von Pädagogen beeinflußt wurde, sondern von Psychologen wie Freud, Reich und Homer Lane. Von vielen Pädagogen wird Neill noch immer als Genie bezeichnet. Neill war verheiratet und hatte eine Tochter. Im Jahre 1973 starb Alexander S. Neill. Summerhill wurde 1921 gegründet und das oberste Prinzip dieser Vorführschule, die als Beispiel begann, war das Recht der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Summerhill entstand direkt während der damals neuen psychologisch, analytischen Bewegung. Die Schüler traten durchschnittlich im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren in die Schule ein und verließen das Institut im ungefähren Alter von sechzehn. Oft kamen die Kinder auch aus dem nahegelegenen Ausland, denn es waren grundsätzlich jegliche Religionen, Rassen oder Charaktere willkommen. Neill war überzeugt, dass Kinder, die
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lernen, selber zu entscheiden, keine Vorurteile gegenüber anderen Rassen haben. In England besuchten zumeist Problemkinder („The difficult child is the child who is unhappy“, S. 15; Alexander S. Neill, Summerhill, Middlesex 1962), die er durch Analyse zu heilen versuchte.
Neills Idee war, dass die Schule den Kindern angepaßt werden muß und nicht umgekehrt. Wie bereits erwähnt, besaßen die Schüler die Freiheit, selber über den Besuch des Unterrichtes zu entscheiden. Nur die Lehrer besaßen einen Stundenplan. Die Schüler durften, wenn nötig, Tage, Wochen oder Jahre dem Unterricht fernbleiben und statt dessen spielen. Teilweise gab es Schüler, die bis zu drei Jahren die Schule nicht besuchten. Die Schüler benötigten diese Zeit, um sich von den Zwängen der allgemeinen Schulen loszueisen. Grundsätzlich wurden die Schüler nie bestraft, da der Pädagoge Neill seinen Schülern keinerlei Gehorsam abverlangte. Neills Grundsatz war: „School leaves emotions alone and Education should produce children who are at once individuals and community persons, and self-government without doubt does this“ (S.11). Für Neill waren seine Schüler von Geburt an unschuldig. Waren sie als Problemkinder aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, versuchte er sie zu heilen. „I cannot believe that evil is inborn, that there is original sin“ (S. 12). Die Schüler übernachteten in Summerhill, dort bewohnten sie auch ihre eigenen Zimmer, welche sie nie aufräumen mußten, wenn sie es nicht für notwendig hielten. Kein Lehrer überprüfte die Sauberkeit ihrer Kleidung und demzufolge auch nicht die hygienischen Verhältnisse, in denen die Schüler lebten. Von vielen Kritikern wurde Summerhill als „Go-asyou-please school“ bezeichnet.
Summerhill konnte nicht einfach aus dem Nichts gegründet werden, sondern es bedurfte einem Loslassen von Disziplin, Direktion, Vorschlägen, Moral und religiösen Instruktionen, denn nur der Glaube an das Gute im Kind zählte in Summerhill. Dieser Glaube zusammen mit Verständnis, Zärtlichkeit und Toleranz sollte zu einer pädagogisch wertvollen Erziehung und Ausbildung führen. Neill sagte des öfteren, dass, wenn Summerhill in der Lage sei, wertvolle Pädagogik auszuführen, er sich fragen muß, warum alle Schulen der ganzen Welt dies nicht praktizieren könnten.
Neill glaubte nicht an eine einzige, richtige Unterrichtsmethode, statt dessen war er überzeugt, dass Kinder, die lernen wollen, lernen, egal wie der fachdidaktische Unterricht im Vorfeld konzipiert wurde. Der Unterricht zielte nicht nur auf das Alter der Schüler für die jeweilige Jahrgangsstufe ab, sondern besonders auch auf das Interessengebiet der Schüler. Langweilte sich ein Schüler im Erdkundeunterricht der 8. Klasse, durfte er ohne Probleme den Mathematikunterricht der 9. Klasse besuchen. Diese selbständigen Entscheidungen wurden nicht nur begrüßt, sie wurden auch ausdrücklich von den Pädagogen gewünscht.
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Neill war sich bewußt, dass seine Schüler sehr wahrscheinlich keinen Rechtschreibekontest gewinnen würden, aber einen Kontest, der Originalität maß, würden die Schüler mit Sicherheit gewinnen. Grundsätzlich wurden keine Tests geschrieben, Neill ließ seine Schülern manchmal „nur zum Spaß“ einen Test schreiben, der u.a. wie folgt aussah: 1. „Wo sind die folgenden Dinge?“
-„Madrid, Thursday Island, gestern, Liebe, Demokratie, Haß, mein Taschenschraubenzieher (dazu gab es leider keine hilfreiche Antwort)?“ 2. „Gebe die verschiedenen Bedeutungen für die folgenden Begriffe an!“ -„Hand und Messing.“
3. „Übersetze Hamletts ´Sein-oder-nicht-Sein Rede´ in die in Summerhill gebräuchliche Sprache!“ (S. 22)
Viele Schüler, die nach Summerhill eine Universität besuchen wollten, und einen Qualifikationstest schrieben, schafften diese Prüfung nicht. In Summerhill war dies kein Grund zur akuten Besorgnis, denn „der Weg war das Ziel“ in Summerhill. Während ihres Aufenthaltes in Summerhill litten die Schüler höchst selten an Heimweh und Streitereien gehörten selten zum Tagesablauf.
Neill stellte für seine Schüler keine direkte Autorität dar, die Schüler vertrauten dem Lehrer und kamen mit ihren Problemen zu ihm. Kein Schüler mußte sich vor der Autorität „Lehrer“ fürchten, da Lehrer und Schüler grundsätzlich gleichberechtigt wurden. Neill war der Ansicht, dass Vertrauen in den Pädagogen zur Folge hatten, dass sie sich besser auf den Unterricht konzentrieren konnten und somit mehr Wissen aufnahmen („The absence of fear is the finest thing that can happen to a child“, S. 24). Kinder, die keine Ängste ausstehen müssen, haben es zunehmend leichter, mit Fremden zu sprechen und Kontakte zu knüpfen. Die gerade erwähnte Darstellung bezieht sich auch auf die Eltern-Kind Erziehung, die sehr wichtig für das spätere Leben des Kindes ist. Ein Kind kann nicht frei aufwachsen, wenn der Mutter bestimmte Dinge im Leben wichtiger sind als das Kind selber. Neill stellte sich die Frage, wie ein Kind frei aufwachsen soll, wenn es eine hysterische und unglückliche Mutter hat, die sofort zuschlägt? Somit bestimmt das Verhalten der Eltern unmittelbar das Verhalten des Kindes und werden dadurch zur Kopie der Erziehungsberechtigten. Disziplin darf den Eltern nicht über alles gehen, sonst sollten sie nicht berechtigt sein, Kinder zu erziehen. Eine Mutter weiß, was sie tun oder sagen muß, wenn sie Ruhe bewahren möchte, hingegen sollte ihr auch bewußt sein, dass die erhobene Hand die Ungezogenheit des Kindes noch nur
Arbeit zitieren:
Nicole Rümpker, 1998, Summerhill nach Alexander S. Neill, München, GRIN Verlag GmbH
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