Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
S 4
1) Einleitung
S 5
2) Moralvorstellungen
S 6
2.1 Philosophische Ansätze
S 6
2.2 Religiöse Ansätze
S 9
3) Auf dem Weg zu einem „guten“ Menschen S 1 2
3.1 Wie ist der Mensch von Natur aus?
S 1 2
3.1.1 Das Gewissen
S 1 8
3.2 Wegbeschreibungen zu einem „guten“ Menschen S 2 0
3.2.1 Religiöse Wegbeschreibungen
S 2 0
2
3.2.2 Erziehung zur Moral S . 3 8
3.2.2.1 Strategien der Moralerziehung S . 4 3
3.2.3 Pädagogische Ansätze zur Erziehung des Menschen S . 4 4
3.2.3.1 Bildungskonzept nach Hentig S . 4 4
3.2.3.2 Gundzüge der Menschenerziehung nach Fröbel S . 4 9 3.2.3.3 Moderne Zeiten S . 5 4
3.2.3.4 Das Konzept des lebenslangen Lernens S . 5 8
3.2.3.5 Das Konzept des rücksichtsvollen Handelns S . 5 9 3.2.3.6 Zusammenfassende Sichtweise aus der Pädagogik S . 6 1
3. 3 Welches Ziel wird in Aussicht gestellt ? / Warum soll
man „gut“ sein ? S . 6 4
3.3.1 Verheißungen aus der Religion S . 6 4
3.3.2 Die Ziele der Moralerziehung S . 7 7
4) Zusammenfassung
S . 8 0
5) Literaturverzeichnis
S . 8 5
3
Vorwort:
Mein langjährig - persönliches Interesse an religiös - philosophischen Fragestellungen hat mich dazu veranlasst, diese Diplomarbeit einer entsprechenden Thematik zu widmen.
Da ich selbst in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen bin, wurde ich bereits früh mit den biblischen Prinzipien vertraut gemacht. Dies führte dazu, dass ich mich nach und nach im Alltag darauf konzentrierte, der Frage nachzugehen, welchen Stellenwert sittlich -moralische Grundsätze in meinem Leben einnehmen. Das Gewissen spielte dabei eine große Rolle, welches mir neben der biblischen Lehre dabei half, das „Gute“ vom „Bösen“ zu unterscheiden. Nach dem Entschluß, ein „guter“ Mensch werden zu wollen, erkannte ich, dass dies einen pädagogischen Prozeß darstellt und nicht ein Vorgang ist, der von heute auf morgen geschieht. Daraus entwickelte sich unter anderem das Thema für meine Diplomarbeit. In diesem Zusammenhang möchte ich vor allem meinem Betreuer Herrn Univ.-Prof. Dr. Werner Lenz danken, der mir die wissenschaftliche Bearbeitung dieses Themas ermöglicht hat und mich durch zahlreiche Literaturhinweise unterstütze. Weiters bin ich meinen Freunden für die Begleitung, Ermutigung und Literaturbereitstellung im Verlauf meiner Arbeit sehr dankbar.
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1) Einleitung:
Das eigentliche Erkenntnisinteresse der vorliegenden Forschungsarbeit liegt darin, unterschiedliche Wege zu einem „guten“ Menschen darzustellen und dabei auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu achten, speziell auch in Bezug auf die pädagogischen Konzepte. Die Frage „Warum soll man sittlich ‘gut’ sein“ stellen sich, denke ich, sehr viele Menschen zu irgendeinem Zeitpunkt im Leben und gerade deshalb ist für mich die Relevanz des Themas für die Praxis stets vorhanden. Menschen sind auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, wissen nicht woran sie glauben sollen und sehnen sich nach einem erfüllten Dasein. Allzu schwer gestaltet sich für den einen oder anderen die Wahl, den für sich richtigen Weg zu finden. Meine Diplomarbeit kann dabei eine gewisse Hilfestellung und Richtlinie sein, indem ich versuche, die wesentlichen Konzepte einzelner Lehren bzw. Anschauungsweisen mit ihren jeweiligen Zielen zu analysieren. Die langfristigen Ziele sind wohl auch ein entscheidendes Kriterium dafür, welchen Weg eine Person einschlägt, da es sich hierbei um Zukunftsaussichten handelt, die über den Tod hinaus reichen. Als methodische Vorgangsweise wird man somit in dieser Arbeit keinen empirischen Teil vorfinden, sondern eine sachliche Bearbeitung der entsprechenden Literatur in Verbindung mit meinen persönlichen Erfahrungen zu den einzelnen Bereichen.
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2) Moralvorstellungen
2.1 Philosophische Ansätze:
Da innerhalb der Philosophie eine Vielzahl von Moralvorstellungen existieren, werde ich mich in diesem Kapitel auf einige ausgewählte Sichtweisen beschränken, die meiner Meinung nach die
Unterschiedlichkeit der Ansätze auch in Anbetracht der gesamten Philosophie ausreichend wieder spiegeln:
Wenn im philosophischen Sinn von Wert gesprochen wird, ist damit „ein von den Menschen gefühlsmäßig als übergeordnet Anerkanntes, zu dem man sich anschauend, anerkennend, verehrend, strebend verhalten kann“ (Menzer, zit. n. Schischkoff 1991, S. 776) gemeint. Der Wertbegriff wird aber andererseits auch mit Handlungen in Verbindung gebracht und er kann somit auch dasjenige bezeichnen, „was positiv oder negativ das Streben der Menschen leitet oder leiten sollte“ (Hübli/Lübcke 1991, S. 614f.)
„Die Vielheit der menschlichen Bedürfnisse und Gefühlsweisen erklärt die Verschiedenartigkeit der Wertung: was dem einen von hohem Wert ist, besitzt für den anderen geringen oder gar keinen Wert“ (Schischkoff 1991, S. 776).
Bereits im Altertum findet man diesen Begriff, allerdings unter anderen Bezeichnungen: man sprach damals vom Guten, von der Gutheit, vom Liebenswerten, der Glückseligkeit, der Tugend und der Tüchtigkeit, dem Brauchbaren und Nützlichen, dem Angenehmen, dem Stark- und Überlegensein, dem Verständig- und Weisesein und anderen Formulierungen. (vgl. März 1963, S. 15ff.)
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Für Sokrates hat nur das sittlich Gute einen Wert. Er sieht seine Aufgabe darin, die sogenannten Trugbilder, den Subjektivismus, Relativismus und die hedonistische Ansichten der Sophisten zu überwinden. Er vertritt die Absolutheit der Werte. Wissen ist das Gute; der Wissende ist weise, der Weise ist gut. (vgl. Störig 1993, S. 153)
Aristoteles war bestrebt, das Wesen des Guten neu zu begründen: Er bezeichnet jenes als Tugend, was wir als Wert bezeichnen würden. Tugend ist die beständige Gerichtetheit des Willens auf das Sittlich -Gute. Sie ist selbst sittlich gut und ein ethischer Wert. (vgl. Schischkoff 1991, S. 737)
Unter dem Einfluß des Absolutismus verengte sich das Verständnis von Tugend. Daraus folgte, dass als soziale Tugend fast nur der Gehorsam gegenüber der Autorität und ihren Befehlen angesehen wurde. Der moralische Begriff verkam schließlich zu den „bürgerlichen Tugenden“ Pünktlichkeit, Sparsamkeit und Fleiß; er wurde auf individualistische und gesetzliche Definitionen verengt. (vgl. Wickert 1995, S. 32ff.)
Im Mittelalter war allein der Begriff „Gut“ üblich. Damit war das Ding als Wertträger gemeint. Für Augustinus ist beispielsweise Gott das höchste Gut. In ihm sind Sein und Wert in höchster Vollendung eins. Gott lässt in seiner allumfassenden Liebe alle sein Geschöpfe an seiner Vollkommenheit teilhaben. Der Mensch kann durch seine Liebe den ganzen Wertkosmos ergreifen. (vgl. Augustinus, 9, zit. n. März 1963, S. 17)
Thomas von Aquin verankert das Gute im Sein. Die Transzendentalien - das Gute, das Eine, das Wahre und das Schöne sind mit dem Sein vertauschbar. Sie sind Seinsbestimmungen und folgen notwendig aus dem Wesen des Seins. Je vollkommener ein Seiendes diese besitzt,
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desto mehr hat es Anteil am Sein. Gott bildet die Krone in seiner Individualität und Personalität, als das höchste Gut, als die Wahrheit an sich und als die außerordentliche Schönheit. (vgl. Lippitz 1998, S. 11)
Erst in der Neuzeit setzte sich der Begriff „Wert“ mit dem Begründer der Wertlehre Hermann Lotze durch. Er trennt zwischen Sein und Wert. Mit seiner Differenzierung begründete er die Grundgedanken allgemeiner Wertlehren, in denen nun eben eine Abgrenzung des Begriffs Wert von den traditionellen ethischen Begriffen des Guten als Idee und des Guten als Wertobjekt sowie eine Differenzierung zwischen dem Wert als Eigenschaft von Realien und dem Wert als idealer Geltungseinheit erfolgte. Werte waren für ihn objektive Geltungen. (vgl. Speck 1980, S. 70f.) Die moderne philosophische Wertlehre unterscheidet eine Rangordnung der Wertklassen. An unterster Stelle stehen
hedonistische bzw. nützliche Werte. Darüber befinden sich die biologischen Selbstwerte (edel - unedel), die ästhetischen Selbstwerte (schön - häßlich) und die personalen Selbstwerte (sittlich - unsittlich; gut - böse) auf. An die Spitze wird schließlich der religiöse Wert des Heiligen gestellt. Grundsätzlich muss man sagen, dass der Zugang zu den Werten nicht über den Verstand, sondern über das Emotionaledas intuitive Wertfühlen hergestellt wird. Der stärkste Einfluß dieser Richtung war etwa zwischen 1890 und 1930 bemerkbar. Danach tendierte man wieder stärker in Richtung „Seinsdenken“; Die
Seinslehre hält Werte nicht mehr für unzurückführbare ursprüngliche Gegebenheiten und bezeichnet damit auch ihre Geltung als abgeleitet. (vgl. Müller/Halder 1988, S. 343f.)
In der Ethik sind Werte meist als normative Begriffe, unter denen die subjektiven Wertentscheidungen des Menschen zum Teil stattfinden, von Bedeutung. Das Werten setzt sich aus einer Reihe von Elementen
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zusammen: Wertsicht, Werteinsicht, Wertpluralismus, Wertkritik und Wertentscheidung. Der Mensch weist dabei einem Sachverhalt, einer Person, einer Handlung einen bestimmten, von ihm gewünschten Sinn zu: ein Sachverhalt soll zum Beispiel wahr, eine Person aufrichtig (wahrhaftig), eine Handlung gerecht sein. Das Werten wird von der Person allgemein als wünschbar erlebt. Werten ist also abgeleitet von einem moralischen Gefühl, Werte sehen zu wollen, dann zu sehen, sich von ihnen ansprechen und sich dann von ihnen im Handeln leiten zu lassen. Die einzelnen Werte in ihrer Gestalt als Ideen und als offene normative Sammelbegriffe sind allgemein verbindliche formale Wertansprüche an die Einzelperson: sie sollen für alle Menschen zu jeder Zeit und auch an jedem Ort gelten. Wertinterpretationen,entscheidungen und -verwirklichungen sind dagegen zeitgebunden, situationsgebunden, subjektiv und emotionsgebunden. (vgl. Löwisch 1995, S.36ff.)
Es hängt schließlich viel davon ab, wie die ontische Konstellation von Werten bestimmt wird. Je nachdem, wie Werte aufgefasst und interpretiert werden, kann von der Möglichkeit eines Wertewandels gesprochen werden oder nicht. (vgl. Weinke 1990, S. 11f.)
2.2 Religiöse Ansätze
Auch in diesem Kapitel werde ich mich bei der Beschreibung von moralischen Standpunkten auf einige mir wichtige Religionen beschränken, da ein Miteinbeziehen der gesamten Religionsauswahl wohl den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde:
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Die Bibel spricht eindeutig davon, was als „böse“ anzusehen ist, nämlich Dinge, die vom Inneren des Menschen (aus dem Herzen) herauskommen:
Unzucht,Diebstahl,Mord,Ehebruch,Habgier,Bosheit,Arglist,Ausschweif ung,Missgunst, Lästerung, Hochmut und Unvernunft. (vgl. Deutsche Bibelgesellschaft 1999, S. 51,NT)
„Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und machen den Menschen unrein.“ (ebd. S. 51,NT)
Erweitert wird diese Auflistung beispielsweise im Galaterbrief . Hier erwähnt der Apostel Paulus Handlungen wie Unreinheit,
Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. (vgl. ebd. S. 219,NT)
Im Gegenzug dazu gibt es nun lt. Definition der Bibel auch sogenannte „gute“ Dinge, die allerdings Gott selbst geschaffen hat und nichts davon ist in irgendeiner Form verwerflich. (vgl. Deutsche Bibelgesellschaft 1999, S.241,NT) Die Rede ist von Eigenschaften wie Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit. (vgl. ebd. S. 219,NT) Der Kolosserbrief gibt ebenfalls Auskunft zu diesem Bereich und erwähnt zusätzlich herzliches Erbarmen, Demut, gegenseitiges Ertragen und die Vergebung. (vgl. ebd. S. 232,NT)
Ähnliche Darstellungen von „gut“ und „böse“ findet man auch in anderen Religionen: Der Dalai Lama meint, es gäbe bestimmte Handlungen die per Definition nach als negativ einzustufen sind. (vgl. Dalai Lama 2000, S. 39) Konkret spricht er Gewaltverbrechen wie Mord und Vergewaltigung, Abhängigkeit von Alkohol und Drogen, die erhöhte Scheidungsrate und deren Auswirkungen auf die Kinder sowie die gestiegene Selbstmordrate. (vgl. ebd., S. 25f.) Ihm zufolge werden Eigenschaften wie Gier, Überheblichkeit, Ehrgeiz und derartige Dinge
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als „schlecht“ bezeichnet. (vgl. ebd., S.108) Er meint damit jene Dinge, die sich von den elementaren menschlichen Empfindungen abkoppeln und ein unermeßlich großes Zerstörungspotential in sich tragen. (vgl. ebd., S. 85) Solche Menschen führen seiner Auffassung nach ein eigensüchtiges Leben, ohne ein Interesse am Wohl anderer zu haben. (vgl. ebd., S. 101) An einer anderen Stelle verbindet der Dalai Lama (2000) die negativen Empfindungen mit der Bezeichnung „selbstsüchtige Interessen“ (vgl. Dalai Lama 2000, S. 131) Alle großen Religionen bzw. die Mehrheit der humanistischen Philosophen schließen sich seiner Meinung nach ebenfalls dieser Definition von negativen Eigenschaften an. (vgl. ebd., S. 164f.) Auf der anderen Seite ist langfristiges Glück seiner Beschreibung nach an das Interesse anderer gebunden (vgl. ebd., S. 63) und äußert sich in folgenden Verhaltensweisen: Liebe, Mitgefühl, Geduld, Toleranz, Vergebung, Zufriedenheit u. Verantwortungsgefühl. (vgl. ebd., S. 31f.) Die Liebe steht nicht grundlos an erster Stelle, da sie die wichtigste positive (elementar - menschliche bzw. geistige) Eigenschaft ist. (vgl. ebd., S. 114) Es sind also aus buddhistischer Sicht, die heilsamen Taten, die etwas Positives bewirken. (vgl. Günther 1999, S. 123) Grundsätzlich sei allerdings in diesem Zusammenhang angeführt, dass der Dalai Lama die Haltung vertritt, dass es keine einheitliche Vorstellung der Menschen darüber gibt, was als „gut“ oder „schlecht“ angesehen wird. (vgl. ebd., S. 36f.)
„Wir können nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden, wenn wir nicht die Gefühle und das Leid anderer berücksichtigen.“ (Dalai Lama 2000, S. 37)
Es ist also Voraussetzung, für andere ein Mitgefühl zu haben, um über „richtig“ und „falsch“ im Klaren sein zu können.
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Auch im Islam gibt es diese Unterscheidung von „gut“ und „böse“. (vgl. Schimmel 1990, S. 71) Demnach werden die „bösen“ Dinge als Sünde bezeichnet. Zu den großen Sünden gehören beispielsweise: Abgötterei, Zauberei, Mord, Veruntreuung des Eigentums der Waisen, Wucher, Fahnenflucht und die Schändung gläubiger Frauen. (vgl. ebd., S. 67)
Hier wird erneut die Gemeinsamkeit zur christlichen bzw. buddhistischen Lehre deutlich, auch wenn es um die anstrebenswerten „guten“ Taten geht (vgl. ebd., S. 67), die im Wesentlichen denen der christlichen Lehre entsprechen: „So hält sich ein Muslim beispielsweise an die Zehn Gebote des Alten und an das Gebot der Nächstenliebe des Neuen Testaments.“ (Günther 1999, S. 240)
3) Auf dem Weg zu einem „guten“ Menschen:
3.1 Wie ist der Mensch von Natur aus ?
Diese Frage stellt sich zunächst, wenn man den Weg zu einem „guten“ Menschen beschreiten möchte. Denn, wenn der Mensch von Natur aus „gut“ wäre, bestünde kein Anlass, diesen Weg einzuschlagen, da alles was erreicht werden könnte, bereits vorhanden ist. An diesem Punkt gehen die Lehren der Religionen bzw. die Meinungen verschiedenster Philosophen und Pädagogen zum Teil bedeutend auseinander. Wichtig ist allerdings, dass man sich diese Frage zu Beginn stellt, da die Sinnhaftigkeit und das Ziel meiner Ansicht nach davon abhängen.
In bestimmten christlichen Kreisen wird davon ausgegangen, dass der Mensch wenn er auf die Welt kommt, mit der Erbsünde Adams belastet
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ist. An folgenden Aussagen der Heiligen Schrift wird dies deutlich: „Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist (...) Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern geworden sind (...)“ (Deutsche Bibelgesellschaft 1999, S. 178 NT)
Mit dem „Einen“ ist nun konkret Adam gemeint, da an einer anderen Stelle im Neuen Testament dies hervorgeht, in dem es heißt, dass die Menschen durch seine (Anm. d. Verf.: Adams) Sünde nun alle sterben müssen. (vgl. ebd., S. 202) Der Römerbrief gibt für diesen Zusammenhang ebenfalls einen
entscheidenden Hinweis. Der entsprechende Abschnitt steht unter der Überschrift „Die Schuld aller vor Gott“ (ebd., S. 175) und weist im Anschluß auf eine Schlüsselstelle im Alten Testament hin (vgl. Deutsche Bibelgesellschaft 1999, S. 175) : „Da ist keiner, der Gutes tut. Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ (ebd., S. 543 AT)
Die Tatsache, dass nun alle Menschen von vornherein nichts „Gutes“ tun, sondern sich gegen Gott stellen und sündigen, war für Gott selbst bereits im Vorfeld ein Eckpunkt seiner Pläne: „Denn Gott hat sie alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.“ (ebd., S. 184 NT)
Wie nun der Ausweg aus dieser „schlechten“ Lage des Menschen beschrieben wird, darauf werde ich im nächsten Kapitel näher eingehen.
Erwähnenswert ist in diesem Zuge, dass die Verschiedenheiten der Menschen an sich aber nicht als „negative“ Voraussetzung gewertet werden. „Die Verschiedenheiten, Eigentümlichkeiten der Menschen,
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die außerhalb des Bösen sind, sollen auch sein. Die menschliche Natur ist nur vollständig, inwiefern diese Verschiedenheiten in ihr heraustreten. Es soll sich uns im Gebiet der menschlichen Natur die ganze Mannigfaltigkeit von Erscheinungen entfalten.“ (Schleiermacher 1965, S. 26)
Es geht im Sinne Schleiermachers vor allem darum, dass dem was in der menschlichen Natur „böse“ ist, entgegengewirkt werden muss: „keine Verschiedenheit, die sich in einem einzelnen oder in der Masse, in einer Gemeinschaft findet, ist an sich etwas, dem die Erziehung entgegenwirken müßte, wenn es nicht böse ist.“ (ebd., S. 26)
Auch die Bibel stellt sich nicht gegen die Wesensunterschiede der Menschen, solange sie außerhalb des „Bösen“ liegen. „Denn nicht alles ist jedem nützlich, auch mag nicht jeder alles.“ (Deutsche Bibelgesellschaft 1999, S. 987 AT) Ein paar Kapitel weiter vorne heißt es dazu noch konkreter: „Wie alle Menschen aus der Erde und Adam aus dem Staube geschaffen sind, so hat sie doch der Herr unterschieden in seiner großen Weisheit und ihre Wege verschieden bestimmt.“ (ebd., S. 983 AT)
Eine interessante Unterscheidung zur biblischen Lehre, ist die Haltung Schleiermachers insofern, dass er eben einerseits die
Verschiedenheiten der Menschen akzeptiert, andererseits auch auf die moralischen Differenzen hinweist. Es gibt seiner Meinung nach Menschen, die bestimmte Dinge vertreten, die der Idee des „Guten“ entsprechen, andere wiederum nicht. (vgl. Schleiermacher 1965, S. 24) Er spricht dabei vom Kindesalter bzw. vom Zustand ab der Geburt des Menschen, da aufgrund seiner folgenden Aussage dieser Schluß möglich wird, indem er meint, dass erst im letzteren Fall (wenn
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jemand der Idee des „Guten“ nicht entspricht) anhand der Erziehung entgegengewirkt werden muss. (vgl. Schleiermacher 1965, S. 24) „Sobald die Beschaffenheit des Menschen so ist, daß in geistiger Beziehung eine Negation in ihm ist, so muß dem entgegengewirkt werden.“ (ebd., S. 24)
Mit dem Wort „sobald“ kommt für mich erneut die Möglichkeit zum Vorschein, ob ein Mensch nun von Geburt an „gute“ oder „böse“ Eigenschaften besitzt.
Dass ein entsprechendes Entgegenwirken notwendig ist, um das „Böse“ zu überwinden, darauf wird im nächsten Kapitel näher eingegangen.
Auch Wilhelm Geerlings (1999) schreibt in seinem Buch über Augustinus: die Erbsünde wird physisch übertragen. Sie wird durch durch die Geschlechtslust (concupiscentia carnalis) übertragen und der Mensch ist von Geburt an mit dieser Erbsünde belastet und somit nicht mehr zum Guten fähig. Kennzeichnend für die menschliche Natur ist nun die fleischliche Begierde (concupiscentia carnis), welche anzeigt, dass der Mensch von sich aus nur zum Bösen fähig ist. (vgl. Geerlings 1999, S. 85)
In diesem Punkt herrscht also völlige Übereinstimmung zwischen Augustinus und der Heiligen Schrift. Beide gehen davon aus, dass der Mensch von Natur aus „böse“ und zunächst einmal zu keiner „guten“ Tat fähig ist. Meine persönliche Erfahrung stimmt ebenfalls mit dieser
Betrachtungsweise überein, da ich mir meiner Unfähigkeit zum „Guten“ von Natur aus bewusst wurde. Es steckt -denke ich- soviel „Schlechtes“ im Kopf eines Menschen, wenn er sich nicht anderen (entgegenwirkenden) Einflüssen mehr und mehr aussetzt.
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Man kann diesen Sachverhalt denke ich recht einfach überprüfen, indem man sich selbst beobachtet, wie man in bestimmten Situationen in erster Konsequenz reagieren würde: Man wird feststellen, es sind „negative“, auf keinen Fall „vorbildliche“ Handlungen, Reaktionen bzw. Emotionen die hierbei zum Vorschein kommen. Erst durch das Bewusstwerden dieser Dinge, aufgrund des Einflusses anderer Phänomene, kommt es eventuell (genauere Beschreibung siehe folgendes Kapitel) zu einer „positiven“ Ausführung.
Zur Unterscheidung sei an dieser Stelle der Standpunkt des Islam angeführt. „Die erste Sünde des Menschen hat keine ansteckende Wirkung (entgegen der christlichen Erbsündenlehre), der Mensch ist von Natur gut und ändert sich erst durch Umwelteinflüsse.“ (Schimmel 1990, S. 30)
Ein markanter Gegensatz also zur biblischen Beschreibung. Das „gute“ Wesen wird im Sinne des Islam den Menschen bereits in die Wiege gelegt. Alle „bösen“ Prägungen sind das Resultat des Einflusses von außen (der Umwelt).
Annemarie Pieper (1997) meint zu dieser Thematik, dass die Überzeugung der Pädagogen darin liegt, der Mensch sei von Natur aus nicht gut, da die Erziehungsanstrengungen sonst überflüssig wären, wenn das Gute in einem angeborenen Hang zu Tugend und Moral bereits fest verankert wäre. Andererseits gehen lt. Pieper die Pädagogen auch nicht davon aus, dass die Menschen von Natur aus böse sind, da auch in diesem Falle die Erziehungsmaßnahmen nicht greifen würden, weil solche an der Determination durch ‘böse Gene’ abprallen und daher vergebens sein würden. (vgl. Pieper 1997, S. 18) Pieper zieht den Schluß insofern: „Sofern Menschen lernfähig sind und mittels pädagogischer ‘Abrichtung’ und vernünftiger Belehrung, die nicht auf Gehorsam, sondern auf Mündigkeit zielt, dazu gebracht
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werden können, ihre Verhaltensweisen an allgemein verbindlichen Regeln zu orientieren, scheint die Hypothese erlaubt, dass der Mensch von Natur aus weder gut noch böse ist, wohl aber an sich indifferente Anlagen mitbringt, die sich je nach Einfluß und Milieu zur Moral oder zur Unmoral hin entwickeln können.“ (ebd., S. 18)
Irenäus Eibl - Eibesfeldt beschreibt den Sachverhalt aus folgender Sicht und möchte damit dem Standpunkt von Konrad Lorenz entgegenwirken, der in seinem Buch „Das sogenannte Böse“ auf die angeborenen Grundlagen des Bösen hinweist:
Eibl - Eibesfeldt (1993) zeigt in dem Buch „Liebe und Haß“ auf, dass bei den Wirbeltieren mit der Evolution der individuell fürsorglichen Brutpflege die Fähigkeit zu Liebe und affiliativem Verhalten in die Welt kam und dass diese positiven sozialen Verhaltensmuster und Motivationen fest in unserem biologischen Erbe verwurzelt sind. Dieser Haltung nach sind wir Menschen von Natur aus freundlich und zur Liebe, das heißt zu persönlicher Bindung, begabt. In einem weiteren Buch („Krieg und Frieden“) beschreibt Eibl - Eibesfeldt schließlich, dass der Krieg keineswegs in unseren Genen schlummere, sondern ein Ergebnis der kulturellen Evolution sei. (vgl. Huber 1993, S. 48f.)
Gertrud Nunner - Winkler (1993) bezieht sich in ihrem Text „Zur moralischen Sozialisation“ auf die gegensätzlichen Menschenbilder von Hobbes bzw. Rousseau: Nach Hobbes ist der Mensch von Natur aus egoistisch und rücksichtslos, und nur der Leviathan vermag den Kampf aller gegen alle zu bändigen; Rousseau dagegen begreift den Menschen von Natur aus als gut und es ist die Gesellschaft, die ihn zu verderben droht. (vgl. Huber 1993, S. 118)
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Laut Nunner - Winkler (vgl. Huber 1993, S. 118) ist empirisch beides nachweisbar:
Das kleine Kind setzt ungebrochen und rücksichtslos egoistische Interessen auch auf Kosten anderer durch (davon zeugen bestimmte Forschungsergebnisse); zugleich aber ist es ebenso zu spontaner und selbstloser Hilfeleistung bereit und fähig (was im Kontext der Altruismusforschung hinlänglich belegt ist,(vgl. etwa Eisenberg 1982, 1986 zit. n. Huber 1993, S. 118). „Im ‘Naturzustand’ also hat das Individuum spontan sowohl egoistische wie altruistische Impulse.“ (Huber 1993, S. 118)
Ob der Mensch nun von Natur aus „gut“ oder „böse“ ist hängt laut Franz M. Wuketits (1993) davon ab, was als „gut“ bzw. „böse“ empfunden wird. (vgl. Wuketits 1993, S. 13ff.) Erst wenn man sich darüber im Klaren ist, welche grundsätzliche Moralvorstellung man vertritt, kann man lt. Wuketits sich über die angeborenen Wesensmerkmale eines Menschen ein Bild machen. Die Frage, ob der Mensch von Natur aus gut sei, ist vielleicht nur eine rhetorische Frage. In der Natur gibt es seinem Standpunkt zufolge weder „gut“ noch „böse“, allerdings erscheint aus der Sicht des Menschen manches als „gut“ oder „böse“. Die Fähigkeit des Menschen, seine eigenen Handlungen zu bewerten, ist Teil seiner Natur. (vgl. Wuketits 1993, S. 234)
3.1.1 Das Gewissen
Annemarie Pieper (1997) betrachtet das Gewissen als Instrument, welches sich meldet, wenn man gegen die moralischen Spielregeln verstößt und uns daran erinnert, dass man die Pfade des Guten
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verlassen und sich schuldig gemacht hat (Unrechtsbewußtsein). (vgl. Pieper 1997, S. 119)
„Erst wenn wir jemanden antreffen, der offenkundig ohne jedes Anzeichen von Schuld Handlungen begeht, die wir als schlecht, in schlimmen Fällen als böse zu beurteilen gewöhnt sind, stellt sich uns die Frage, was wir mit Gut und Böse eigentlich meinen. Denn nun sind wir genötigt, unsere moralischen Urteile zu begründen, wenn moralische Sanktionen und Strafen nicht bloße Willkürakte sein sollen, sondern Anspruch auf Legitimität erheben und auch gegenüber den Beschuldigten gerechtfertigt werden müssen.“ (ebd., S. 119)
Horst Seidl (1999) beschreibt es mit den Worten: „Nach traditioneller Lehre ist das Gewissen, in seiner ursprünglichen, natürlichen Form, das Bewußtsein von Gut und Böse, in bezug auf das eigene Handeln und Leben, wie auch das der anderen. Wenn heute der Begriff so unklar geworden ist, so deshalb, weil auch der Begriff des (objektiven) sittlichen Guten nicht mehr klar ist, sondern häufig von dem (subjektiv bestimmten) Begriff der Werte ersetzt wird.“ (Ellinghaus 1999, S. 95)
Auch Thomas Mohrs (2002) befasst sich mit der Problematik des Gewissens und bezieht sich dabei auf John Stuart Mill. Demnach besteht das Wesen des Gewissens in einem spezifischen moralischen Gefühl, „insoweit es uneigennützig ist und sich auf den reinen Gedanken der Pflicht, nicht auf eine ihrer besonderen Ausprägungen oder einen bloßen Begleitumstand richtet“ (Mill 1976, S. 49 zit. n. Laufhütte / Lüdeke 2002, S. 75)
„Und der ‘verpflichtende Charakter des Gewissens’ - so Mill weiterberuht auf der ‘Existenz einer Gefühlsschranke, die durchbrochen werden muss, sobald wir etwas tun wollen, was unsere Norm der Rechtmäßigkeit verletzt’, wobei er letztere als Bestandteil der Natur deklariert.“ (Mill 1976, S. 50 zit. n. Laufhütte / Lüdeke 2002, S. 75)
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Arbeit zitieren:
Dr. Norbert Heger, 2005, Auf dem Weg zu einem "guten" Menschen - Pädagogische Konzepte aus religiösen Lehren, München, GRIN Verlag GmbH
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