Gliederung
1. Einleitung 3
2. Zwei Perspektiven: Mögliche Gründe für die enge Verbundenheit der USA zu Israel 5
2.1 Geostrategische Bedeutung Israels für die USA 5
2.2 Innenpolitische Voraussetzungen in den USA 9
3. Konklusion 14
Anmerkungen /Quellenangaben 18
2
1. Einleitung
Bei der Beschäftigung mit der US-amerikanischen Außenpolitik nach dem zweiten Weltkrieg stößt man unweigerlich auf das Thema Israel. Nach dem Ende des Krieges 1945 hat die USA ihren Einfluss im Nahen Osten Stück für Stück ausweiten und die hegemoniale Kontrolle über das Gebiet von den Mandatsmächten Frankreich und dem britischen Empire übernehmen können. Seit dem wird auf amerikanischer wie auf israelischer Seite stets die Special Relationship, die besondere Beziehung beider Staaten zueinander, hervorgehoben. Am 14 Mai 2008 als Präsident George W. Bush zu den Feierlichkeiten des sechzigsten Gründungstages Israels in Jerusalem eine Rede hielt, nannte er die USA „den ältesten und besten Freund Israels“. 1 Diese Freundschaft äußert sich von amerikanischer Seite durch jahrlange wirtschaftliche, militärische und diplomatische Unterstützung Israels. Die direkte Auslandshilfe beträgt heute durchschnittlich drei Milliarden Dollar pro Jahr und macht Israel damit zum meistgefördertesten Land der Welt. 2 Die USA haben die Wirtschaft Israels subventioniert und stark gemacht. Die jährlichen Militärhilfen verschafften Israel eine Vormachtstellung im Nahen Osten und die diplomatischen Bemühungen Washingtons schützten das Land vor negativen Folgen des eigenen oder ausländischen Handelns. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser engen Beziehung und versucht die möglichen Gründe dafür zu finden. Aus der Sicht Israels ist es verständlich, dass ein solch großzügigen Partner mit offenen Armen empfangen wird. Die interessante Frage ist also, was treibt die USA dazu den Staat Israel scheinbar uneingeschränkt zu unterstützen? Bevor ich eine Antwort auf diese Frage finde, betrachte ich den Gegenstand von unterschiedlichen Seiten. Dabei helfen mir zwei bekannte Großtheorien der Internationalen Beziehungen.
Der (neo)realistische Ansatz, formuliert insbesondere von Kenneth Waltz, 3 folgt der Analyse des globalen Systems, dessen Bedingungen entsprechend der Machtverteilung für die internationale Politik entscheidend sind. Durch die anarchische Struktur des internationalen Systems müssen sich Staaten vor Übergriffen anderer Staaten schützen und ständig versuchen im Wettlauf um Macht und Einfluss mitzuhalten. Hier ist also herauszustellen, welche geostrategischen Interessen die USA in und um Israel verfolgen.
1 Ein Auszug der Rede ist unter folgender Internetadresse zu sehen: www.youtube.com/watch?v=O2XB-
1XOHCI Stand 14.05.2008
2 Mearsheimer in der Domumentation De Israël Lobby, Rundfunkanstalt VPRO 2007,
http://www.youtube.com/watch?v=ukv85nc-VOA
3 Waltz Theory of international Politics, Random House USA Inc New York 1979
3
Eine zweite Sichtweise ist die der liberalen Denkschule, welche das Handeln von Staaten auf internationaler Ebene weniger von den Bedingungen des globalen Systems als von den innerstaatlichen Voraussetzungen abhängig macht. 4 Zentrale Akteure sind Individuen und soziale Gruppen, die sich organisieren, um ihre Interessen durchzusetzen. Staaten repräsentieren eine bestimmte Interessenformation der Gesellschaft und richten ihre Handlungen danach. Ich werde die amerikanische Bindung zu Israel also durch die „liberale Linse“ betrachten und analysieren, welchen Einfluss der innerstaatliche Willensbildungsprozess auf diese hat.
Im Zusammenhang mit dem inneren Willensbildungsprozess, werde ich auch einen Aspekt der institutionellen Ebene berücksichtigen, der speziell für das amerikanische System von Bedeutung ist: die unterschiedlichen Rollen von Kongress und Präsident.
An dieser Stelle möchte ich zwei Hypothesen aufstellen, die es am Ende der Arbeit mit Hilfe der oben genannten theoretischen Ansätzen zu verifizieren oder möglicher Weise zu falsifizieren gilt.
1. Hypothese(geostrategisch): Israel ist ein strategisch wichtiger Partner der USA zur Sicherung der eigenen Interessen.
2. Hypothese(innenpolitisch): Der hohe Einfluss der pro-israelischen Lobby in den USA und der hohe Druck der auf die politische Führung ausgeübt wird, ist maßgeblich für die umfassenden Hilfestellungen der Vereinigten Staaten für Israel verantwortlich.
4 Moravcik Liberalism and International Relations Theory; Center for International Affairs Working Paper
Series 92-6 (Harvard University, 1992/rev. 1993)
4
2. Zwei Perspektiven: Mögliche Gründe für die enge Verbundenheit der USA zu Israel 2.1 Die Geostrategische Bedeutung Israels für die USA
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die Supermacht der Erde und sie verstehen es weltweit am besten, ihre Interessen zu vertreten. Sie verfügen über ein weitverzweigtes Netz an diplomatischen Vertretungen. Beinahe jede Nation verfügt über eine amerikanische Botschaft und ist seinerseits in Washington D.C. durch ihre Mitarbeiter vertreten. Lediglich acht Staaten verfügen über keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu den USA. 5 Wenn die Rede von „Interessen“ ist, die es zu vertreten gilt, ist damit nicht anderes als „Macht“ gemeint. Aus (neo)realistischer Sicht sind diese Begriffe als synonym zu betrachten. Die USA folgen, wie jeder andere Staat, dem Prinzip der Machtausweitung, da Macht ein Garant für Sicherheit darstellt. Je mehr Macht und Einfluss ein Staat besitzt, desto sicherer ist er vor den Machtbestrebungen anderer Akteure.
Zu der Zeit des Kalten Kriegens die durch ihre bipolare Struktur des Internationalen Systems gekennzeichnet war, mussten die eigenen „Interessen“ der USA vor allem gegen die „Interessen“ der UdSSR verteidigt werden. Die USA gingen von starken Expansionsbestrebungen der Sowjetunion und deren kommunistischer Ideologie aus. In diesem Zusammenhang ist die so genannte Domino-Theorie von Bedeutung. Sobald ein Land in kommunistische Hände fiele, würden auch die benachbarten Staaten innerhalb kurzer Zeit wie Dominosteine umfallen und sich damit der Kommunismus unkontrollierbar ausdehnen. Dem sollte durch eine konsequente Eindämmungspolitik (Containment) begegnet werden. 6 Die Containment-Politik unter Truman, wurde auch auf Israel und die anderen Staaten des Nahen Ostens übertragen und von Dwight D. Eisenhower fortgeführt. Im Zusammenhang des israelisch-arabischen Konfliktes sprach Eisenhower noch davon beide Seiten zu beachten und eine ausgeglichene Friedenspolitik zu betreiben. Schon sein Nachfolger John F. Kennedy jedoch, war der erste amerikanische Präsident, der von einer „Special Relationship“ zu Israel sprach und somit die Rolle seines Landes als unparteiischer Vermittler ein stückweit aufgab. Außerdem war es seine Regierung, die das erste US Militärhilfepacket für Israel vorstellte.
5 siehe Karte USA no diplomatic relations 2007 unter:
upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c5/USA_no_diplomatic_relations_2007.png; Stand: 02.08.2007
6 Schuster The Middle East, a point where interests of the powers converge - Ziele und Strategien der US-
Nahostpolitik 1973-1974; Seminararbeit WiSe 2005/06 Universität Leipzig; einzusehen unter:
http://www.grin.com/e-book/110514/
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Arbeit zitieren:
2008, Gründe für die enge Verbundenheit der USA zu Israel, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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