INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG. 1
2. THEORIE 2
2.1. Sozialkapitaldefinitionen. 2
2.2. Theoretische Verortung der Arbeit. 5
2.3. Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft. 5
2.4. Empirische Befunde 8
3. DATEN, METHODEN, ANALYSE 13
3.1. Daten 13
3.2. Deskriptive Statistiken der Variablen 14
3.3. Design und Methoden 16
3.4. Modellannahmen der Strukturgleichungsmodelle 18
3.5. Konzeptionalisierung und Operationalisierung von Vertrauen und
Vereinsmitgliedschaft 19
3.6. Analyse und Ergebnisse 21
3.7. Zusammenfassung der Ergebnisse 30
4. SCHLUSS 31
LITERATUR 32
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Befragte im Panel nach Jahren 15
Verhältnis von Vereinsmitgliedern, Nichtmitgliedern und Angabenlosen nach Jahren 15
Verteilung der Vertrauenswerte nach Jahren 15
Verhältnis von Vertrauenden, Nichtvertrauenden und Angabenlosen nach Jahren 15
Unterschied im Vertrauen von Vereinsmitgliedern und Nichtvereinsmitgliedern 16
Modell 1, Grundmodell. 22
Modell 1, Ergebnisse 23
Modell 2.1, Modell mit Korrelationen über Zeit 26
Modell 2.2, Modell mit Korrelationen zwischen Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft 26
Modell 2.3: nur Befragt die seit 2002 dem Panel angehören werden zur Schätzung genutzt. 28
Modell 3, ohne Restriktion der Regressionsgewichte zwischen den Variablen 29
Modell 3, ohne Restriktion der Regressionsgewichte zwischen den Variablen - unstandardisiert 29
Modell 3, ohne Restriktionen zwischen den Variablen, Befragte von 2002 30
1. Einleitung
Die reziproke Beziehung zwischen Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft, die aus der putnam’schen Konzeption von Sozialkapital 1 erwächst, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Konkret soll geklärt werden, ob ein Kausalzusammenhang zwischen Vertrauen 2 und Vereinsmitgliedschaft festgestellt werden kann und wenn ja, ob dieser reziprok ist. Trotz der großen Rezeption die Putnams Sozialkapitalkonzeption gerade im politikwissenschaftlichem Bereich erfährt, wurde eine der grundlegenden Annahmen, nämlich dass Vertrauen zur Mitgliedschaft in Vereinen führt und dieses wiederum zu Vertrauen, nur wenig getestet. Lediglich die Arbeiten von Brehm und Rahn (1997), Claibourn und Martin (2000) sowie Bekkers (2007) gehen explizit der Frage nach ob ein reziproker Zusammenhang besteht. Dabei scheint der Zusammenhang auf den ersten Blick augenscheinlich. Menschen die in Vereinen sind haben fast immer einen höheren Vertrauenswert und Menschen die vertrauen sind überproportional oft in Vereinen. Diese Feststellungen wurden in zahlreichen Studien durch die Analyse von hauptsächlich Querschnittsdaten immer wieder bestätigt. Aber die häufigen Bestätigungen täuschen darüber hinweg, dass die zumeist verwendeten Daten und Methoden, Querschnittsdaten und einfache Regressionsmodelle, wenig geeignet sind, fundierte Aussagen über das Vorliegen eines kausalen Zusammenhanges und dessen Richtung zu gewinnen.
Konsequenterweise werden in der vorliegenden Arbeit für den Test der Beziehung Paneldaten verwendet um der zeitlichen Abfolge von Grund und Ursache gerecht werden zu können. Eine weitere Konsequenz ist die Verwendung von Strukturgleichungsmodellen um ein Schätzmodell an der Hand zu haben das der angenommenen Reziprozität der Beziehung gerecht werden kann und gleichzeitig in der Lage ist, die gegenseitigen Effekte zu schätzen. Die Ergebnisse der Modelle sind dabei ernüchternd. Zwar kann die Annahme der Reziprozität nicht zurückgewiesen werden, aber die Effekte zeigen sich nicht in allen Jahren signifikant, was an der allgemeinen Aussagekraft der putnam’schen Idee zweifeln lässt. Der Aufbau der Arbeit ist dergestalt, dass den einleitenden Worten im zweiten Teil, dem Theorieteil, verschiedene Literaturüberblicke folgen. Diese dienen der Verschaffung eines allgemeinen Überblickes über verschiedene Sozialkapitalkonzeptionen sowie der Verortung
1 Konvention 1: Auf den Begriff Sozialkapital wird im weiteren Verlauf, wenn möglich, verzichtet werden da
die mangelnde Trennschärfe des Begriffs zumeist mehr zur Verwirrung als zur Erhellung beiträgt. Siehe dazu die
Abschnitte 2.1. und 2.2. des Theorieteils.
2 Konvention 2: Soweit Vertrauen im Text nicht weiter definiert wird, Handel es sich um allgemeines Vertrauen.
Zum Verständnis von Vertrauen in dieser Arbeit siehe Abschnitt 3.5..
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der vorliegenden Arbeit in einem größeren theoretischen Rahmen, dem Überblick über empirische Studien zum Thema und der Erläuterung der Mechanismen die zur Reziprozität zwischen Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft führen sollen. Daran schließt sich der empirisch-methodische Teil der Arbeit an, in welchem die Überlegungen zur Methodenwahl und die Analyse des Zusammenhanges selbst den Hauptplatz einnehmen. Zu guter letzt folgen die Schlussbetrachtungen, welche die Arbeit kritisch beurteilen, die Ergebnisse und deren mögliche Konsequenzen zusammenzufassen und einen Ausblick auf noch zu klärende Fragen geben.
2. Theorie
Der Theorieteil der Arbeit ist dreigeteilt. Zunächst wird mittels der Vorstellung verschiedener Sozialkapitaldefinitionen eine theoretische Verortung der Arbeit in einem größeren theoretischen Rahmen vorgenommen. Daran anschließend werden die Mechanismen dargestellt, nach welchen Vereinsmitgliedschaften und Vertrauen theoretisch zusammenhängen, um dann im dritten Teil verschiedene empirische Studien und deren Ergebnisse vorzustellen, welche einen Überblick über den Stand der Forschung bieten.
2.1. Sozialkapitaldefinitionen 3
Loury (1977) war neben Jacobs (1961) einer der ersten, der den Begriff des Sozialkapitals verwendet hat. Er benutzte ihn um zu verdeutlichen, dass unterschiedliche soziale Umfelder, wie Familie oder Freundeskreis, unterschiedliche Chancen auf den Erwerb von Humankapital bereitstellen. Damit übte er Kritik an der bis dahin üblichen Schätzung des Einkommens über Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie. Sozialkapital, ist bei Loury die Möglichkeit Humankapital zu erwerben und die Faktoren die dies begünstigen (Beispiele: gebildetes Elternhaus, Elternhaus das sich Nachhilfelehrer leisten kann, wissensdurstige Freunde).
Bei Coleman, der sich auf Loury beruft (Coleman 1990:300, 1991:398), erfährt der Begriff eine Wandlung. Sozialkapital, ist hier im Wesentlichen als der Nutzen definiert, der aus sozialen Beziehungen erwächst. Zusätzlich erweitert Coleman (1990) den Begriff um
3 Vergleiche zu diesem Abschnitt vor allem: Haug (1997)
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allgemeine Normen und Strukturen, welche auch auf Meso- oder Makroebene angesiedelt sein können. Solche Makrostrukturen, allgemeinverbindliche Normen und gesellschaftliche Strukturen, können das Gefüge sozialer Beziehungen auf individueller Ebene beeinflussen. Sozialkapital ist, mit diesen Erweiterungen versehen, all das was individuelles Handeln erleichtert. Normen können Standards für Interaktionen definieren und so Transaktionskosten senken. Strukturen können das Knüpfen von Beziehungen erleichtern oder die Art der Beziehungen beeinflussen. Die individuellen Beziehungen wiederum geben die Möglichkeit, fremdes Humankapital für sich in Anspruch zu nehmen. Auch Vertrauen spielt bei Coleman eine Rolle. Vertrauen ermöglicht den Einsatz fremden Humankapitals auf Kredit, um es zu einem späteren Zeitpunkt in gleicher oder anderer Art zurückzuzahlen. Erst das Vorhandensein von Vertrauen macht die gewinnbringende Nutzung der sozialen Netzwerke möglich, da es das Problem der möglichen Ausnutzung des vorgeleisteten Kapitals überwindet (auch allgemeinverbindliche Normen können diesen Zweck übernehmen). Bourdieu (1983) entwickelte den Begriff unabhängig von Coleman und Loury und verschärft in seiner Konzeption den Gedanken der sozialen Beziehungen als Ressource. Um Sozialkapital aufzubauen oder es zu erhalten, müssen analog zu anderen Kapitalarten Investitionen getätigt werden. In erster Linie geschieht dies durch Zeit, was dem Verzicht auf ökonomisches Kapital entspricht. Ökonomisches Kapital ist bei Bourdieu die Grundlage aller Kapitalarten. Dieses kann transformiert werden, beispielsweise in Sozialkapital. Die so neu entstandenen Kapitalarten können aber nicht ohne weiteres auf ökonomisches Kapital reduziert werden, wie zum Beispiel Fertigprodukte, die man kauft und anschließend wieder verkauft. Sozialkapital, das ist bei Bourdieu „die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind“, Bourdieu (1983:190f, zitiert in Haug (1997)).
Jacobs (1961) soll nach Putnam (1995:78) den Begriff des Sozialkapitals das erste Mal überhaupt benutzt haben. Für sie sind, durch angemessene Architektur und Stadtgestaltung geförderte, nachbarschaftliche Beziehungen die Quintessenz, um über soziale Kontrolle Kriminalität zu vermeiden. Mit dieser Aussage rückt sie die Förderlichkeit von sozialen Netzwerken, sprich von Sozialkapital, für das Gemeinwohl in den Vordergrund: „neighborhood networks [...] are a city's irreplaceble social capital“ (Jacobs 1961:138, 1966:89). Sozialkapital ist hier nicht in erster Linie ein Vermögen des Einzelnen, resultierend aus der Nützlichkeit seiner Netzwerken, sondern ein Vermögen der Gemeinschaft, und trägt durch die Durchsetzung von Verhaltensnormen zur Lösung von Gemeinschaftsproblemen bei.
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Putnam baut diesen bei Jacobs rudimentär vorhandenen Ansatz weiter aus, indem er ihm konkret auf die Lösung von Problemen des kollektiven Handelns fokussiert. Für Putnam ist Sozialkapital all das, was Lösungen für Kollektivgutprobleme bereitstellt. „By ‘social capital’ I mean features of social life - networks, norms and trust - that enable participants to act together more effectively to pursue shared objectives“ (Putnam 2000). Damit werden Netzwerke gleichberechtigt neben Normen und Vertrauen als Komponente von Sozialkapital gesetzt und erhalten somit, im Vergleich zu Coleman oder gar Bourdieu, eine starke Bedeutungsschwächung. Überhaupt ist Vertrauen bei Putnam eine der wichtigsten Komponenten und in seiner Konzeption eng verbunden mit den sozialen Netzwerken. Aus Vertrauen entsteht nach Putnam das soziale Netzwerk und aus sozialen Netzwerken entsteht Vertrauen.
Bei Bourdieu, Loury und Coleman konzentriert sich das Konzept auf den Einzelnen und auf den Wert der Beziehungen im ökonomischen Sinne. Dabei wird mehr oder minder angenommen, dass Sozialkapital eine Ressource tauglich zur Produktion anderer Ressourcen, Produkte oder Kapitalarten ist. Bei Putnam und Loury hingegen ist Sozialkapital eher Eigenschaft einer Gruppe, die darüber entscheidet, ob sie fähig ist, auch ohne eine externe Durchsetzungsmacht Kollektivgüter bereitzustellen. Bei Coleman zumindest kann Sozialkapital beides sein, Kollektiv- oder Individualbesitz. Auch bei Putnam ist dies möglich, nichtsdestotrotz liegt der Fokus bei Putnam zuallererst auf Gemeinschaften oder der Gesellschaft und bei Coleman zunächst auf dem Individuum. Des Weiteren sind die als relevant betrachteten Eigenschaften und Phänomene recht unterschiedlich. Für Loury und Bourdieu spielen allein die sozialen Beziehungen und deren Wert eine Rolle. Bei Coleman gibt es zudem Normen, die von Interesse sein können. Für Jacobs sind nur die Normen, implementiert durch soziale Kontrolle und durch sich flüchtiges Kennen, wichtig. Bei Putnam wiederum kommt alles zusammen. Sein Grundgedanke, Sozialkapital als Lösung für Kollektivgutprobleme zu sehen, erklärt die starke Bedeutung von Vertrauen in der politischen Sozialkapitalliteratur. Was beim Vergleich der unterschiedlichen Konzepte von Bourdieu, Loury, Coleman, Jacobs und Putnam aber auch klar wird, ist, dass zwar alle Konzeptionen etwas mit sozialen Beziehungen, mit Netzwerken zu tun haben, ansonsten aber schwer unter einen Hut zu bringen sind. Die fehlende Trennschärfe nötigt zur Erläuterung welches Verständnis von Sozialkapital dieser Arbeit zu Grunde liegt, dies ist Thema des nächsten Abschnitts.
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2.2. Theoretische Verortung der Arbeit
In diesem Abschnitt soll geklärt werden, in welchem der Theoriestränge die Arbeit zu verorten ist. Die Fragestellung nach der Beziehung zwischen Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft selbst resultiert ganz klar aus den theoretischen Überlegungen Putnams. In einem weiteren Kontext fügt sich die Arbeit aber auch an alle Arbeiten an, die sich negativ oder positiv auf Putnam beziehen. Auch die Konzeption Colemans kann als Vorbild betrachtet werden. Obwohl, die hier zu untersuchende Beziehung bei ihm nicht auftaucht, attestiert er doch verschiedenen Formen von Sozialkapital einen Nutzen für Gemeinschaften, und die Gesellschaft und wird des Öfteren auch von der politischen Sozialkapitalliteratur zitiert. Abgrenzen möchte ich die Arbeit hingegen von rein ökonomischen Konzeptionen wie beispielsweise der Bourdieus. Das Verhältnis von Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft interessiert hier nicht wegen des ihm innewohnenden ökonomischen Wertes, sondern vielmehr weil dieses Verhältnis je nachdem wie es geartet ist, zu ganz unterschiedlichen Implikationen in einer Vielzahl politischer und gesellschaftlicher Theorien führen kann.
2.3. Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft
„Social trust in complex modern settings can arise from two related sources - norms of
reciprocity and networks of civic engagement.“ (Putnam 1993:171)
„Trust lubricates cooperation. The greater the level of trust within a community, the greater
the likelyhood of cooperation. And cooperation itself breeds trust.“ (Putnam 1993:171)
Eine der Ideen über das Verhältnis von Vereinsmitgliedschaft und Vertrauen ist die Putnams, dass Vertrauen Kooperation ermöglicht und aus Kooperation Vertrauen entsteht (Putnam 1993:171) oder allgemeiner gefasst, dass je vielzähliger und intensiver die sozialen Bindungen zu anderen sind, desto größer auch das Vertrauen ist und umgekehrt (Putnam 1995:665). Wobei zugestanden werden muss, dass Putnam bei weitem nicht der erste ist, der die Idee forciert, Vertrauen entstehe aus Vereinstätigkeit. Einige andere, die diese Idee schon vor Putnam vertraten sind: Mill (1825), de Tocqueville (1835), Simmel (1903) und Almond und Verba (1963). Dennoch, Putnam ist der zumeist rezipierte, vor allem wenn es um die Reziprozität von Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft geht. Die Vermutungen, die hinter der Idee der Reziprozität von Vertrauen und Mitgliedschaft steht, ist folgende: Menschen die anderen Menschen vertrauen, sind eher bereit
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in Vereinen Mitglied zu werden oder sich in diesen zu engagieren, da sie erwarten, dass Ressourcen, welche sie in diese sozialen Beziehungen investieren, durch Investitionen anderer in gleichem Maße aufgewogen werden. Vertrauende gehen damit von Reziprozitätsnormen aus. Reziprozitätsnormen und der Glaube daran, dass diese wahrscheinlicher sind als die Ausnutzung des Vertrauens, sind eine der Möglichkeiten, Dilemma-Situationen zu lösen, wie sie zum Beispiel bei der Bereitstellung von Kollektivgütern auftreten. Axelrod (1984) zeigte mit seiner Wie-Du-Mir-So-Ich-Dir-Strategie (Tit-For-Tat), dass diese neben der herkömmlichen Lösung durch eine externe Macht, so zum Beispiel Hobbes Leviathan (Hobbes 1651 (2006)), eine mögliche Lösung des Gefangenendilemmas darstellt. Durch Vertrauen wird, über den Glauben an Reziprozitätsnormen, Kooperation ermöglicht wo sie sonst nicht möglich gewesen wäre. Ist die Kooperation erfolgreich, schafft dies wiederum Vertrauen, da die Erwartungen erfüllt wurden - und mit diesem neuerlich bestätigtem Vertrauen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, wieder zu kooperieren. Das durch Kooperation produzierte Vertrauen besteht natürlich zu erst nur zwischen den Kooperationspartnern. Mit der Zeit aber, und durch weitere Kooperation, wird es sich auch auf die Allgemeinheit ausweiten und in allgemeines Vertrauen transformieren.
Wenn Vertrauen Kooperation ermöglicht und Kooperation Vertrauen generiert, warum sollten dann gerade Vereine eine so große Rolle spielen? Immerhin haben wir nicht nur in Vereinen die Möglichkeit, andere Menschen zu treffen. Wir gehen zur Arbeit und treffen Kollegen, studieren mit anderen zusammen, unterhalten uns mit der Nachbarin oder dem Bäcker an der Ecke, treffen Freunde und besuchen Familienfeiern. All dies sind auch Interaktionen mit anderen Menschen, wobei sicher ist, dass bei der einen Gelegenheit eher die Möglichkeit zur Kooperation gegeben sein wird als bei einer anderen, aber bei all den genannten Tätigkeiten scheint es zumindest nicht ausgeschlossen. Warum sollten dann gerade Vereine etwas Besonderes darstellen? Die herausragende Rolle, die Interaktionen in Vereinen zugeschrieben wird, resultiert aus ihrer flachen Struktur, die zu einer weitestgehenden Gleichrangigkeit ihrer Mitglieder führt. Anders beim Einkauf beim Bäcker, wo die Rollen klar verteilt sind: Man ist Kunde mit dem Anspruch, Brot und Brötchen zu erwerben und der Bäcker ist Chef in seinem Laden, mit dem Ziel zu verkaufen. Oder die Arbeitsstelle, wo Angestellte in Abteilungen, Vorgesetzte und Untergebene unterteilt sind. Eine Gleichrangigkeit der Interaktionspartner ist hier weniger gegeben. Des Weiteren wird erwartet, dass in Vereinen Menschen unterschiedlichster gesellschaftlicher Hintergründe aufeinander treffen, was Interaktionen zwischen Menschen ermöglicht, die sonst keinen Kontakt pflegen würden. Gerade aber von dieser Interaktion und der möglichen, daraus
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Arbeit zitieren:
Peter Meißner, 2008, Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft – Eine Panelanalyse anhand des Schweizer Haushaltpanels (2002 – 2006), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Vereine als (Re-) Produzenten sozialen Kapitals
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Peter Meißner hat den Text Vertrauen und Vereinsmitgliedschaft – Eine Panelanalyse anhand des Schweizer Haushaltpanels (2002 – 2006) veröffentlicht
Peter Meißner hat einen neuen Text hochgeladen
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