Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Begriffsdefinition der Prädikation 3
2.1 Drei Eigenschaften des Prädikats 4
3 Primäre und sekundäre Prädikation 5
4 Prädikation versus Attribution 8
5 Prädikation und sekundär Prädikation als linguistische Untersuchungsgegenstände 9
6 Die syntaktische Repräsentation der Prädikation 11
7 Resümee 13
Literaturverzeichnis 14
2
1 Einleitung
Das Thema, mit welchem ich mich in dieser Arbeit beschäftigen will, ist in der slawistischen Sprachwissenschaft eher wenig behandelt worden. Aufgabe dieser Arbeit ist einerseits, in einige Gebrauchsweisen von 'Prädikation' und 'sekundärer Prädikation' einzuführen in der Hoffnung, so ein Verständnis für die nachfolgenden Beiträge zu schaffen, andererseits exemplarisch anzureißen, inwiefern diese Begriffe für die moderne Linguistik von Interesse sind. Der Schwerpunkt „Sekundäre Prädikate“ ist einer der neuen Gegenstände, auf welche die sprachwissenschaftliche Forschung in der nahen Zukunft gerichtet sein soll. Nachdem in den 80-er und 90-er Jahren vor allem die theoretische Linguistik sich mit sekundären Prädikaten auseinandergesetzt hat, wurden am Anfang dieses Jahrzehnts sekundäre Prädikate besonders in der Typologie stark diskutiert. Ich werde meine Arbeit mit einer Begriffsdefinition zu Prädikate beginnen, anschließend zu der sekundären Prädikation und ihrer Klassifikation kommen.
2 Begriffsdefinition der Prädikation
Das Prädikat (die Satzaussage) ist ein Satzglied (ein Wort oder eine Wortgruppe) oder ein Gliedsatz, und kann gemeinsam mit dem Subjekt (Satzgegenstand) einen vollständigen Satz bilden. In der slavischen Sprache ist das Prädikat meist ein Verb oder ein Hilfsverb zusammen mit einem Adverb oder Adjektiv. Das Prädikat kann eine zusammenhängende Wortgruppe sein oder es kann andere Satzelemente umschließen. Prädikate stehen in Beziehung zu Ereignissen, Vorgängen, Zustände, Eigenschaften, Relationen und Arten. Daraus ergibt sich, dass die Prädikation eine Relation zwischen Prädikat und Subjekt ist. Unmittelbar verbindet sich mit dem Terminus Prädikation als Nominalisierung des Verbalbegriffs Prädizieren eine (sprech)handlungsbezogene, d.h. eine den Akt des Prädizierens meinende Lesart. Diese aktbezogene Lesung hebt darauf ab, dass es in der Technik des Sprechens (Knobloch 1994: Kap. 2) zwei grundlegend distinkte Sprechhandlungen oder (in Searlscher Terminologie) propositionale Akte gibt: das Referieren auf und das Prädizieren über eine außersprachliche Entität.
[...] The act of reference is that of identifying some entity, that is, the entity that the speaker intends to talk about. The act of predication is the act of ascribing a property to a referred-to entity. [SEARLE 1969: 25]
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Die inhaltliche Aufgabe dieser Relation besteht aus dem Prozess der Zuordnung von Eigenschaften zu Objekten bzw. Sachverhalten. 1 Inhaltlich haben Prädikate in diesem Sinne die Funktion, ihren Argumenten Eigenschaften zuzuweisen oder, bei mehrstelligen Prädikaten, Relationen zwischen ihnen zu vermitteln. Als typische Vertreter fallen einem Verben oder Adjektive ein, aber es darf nicht vergessen werden, dass auch Nomina Prädikatstatus haben, insofern sie Klassenzugehörigkeit ausdrücken. Es gibt verschiedene Prädikationsbeziehungen: die eine Handlung ausführen, einen Prozess unterliegen, sich in einem Zustand befinden, eine Eigenschaft aufweisen oder Exemplar einer Art sind.
Bsp. 1: „Ich habe dich besucht“
Im Beispiel 1 liegt die Prädikation in den kursiv markierten Verben vor, welche die Beziehung zwischen dem Subjekt und dem Objekt kennzeichnen.
2.1 Drei Eigenschaften des Prädikats
Es hängt vom Inhalt des Prädikats und gegebenenfalls vom Inhalt weiterer Bestandteile eines Satzes ab, ob mit ihm entweder von einem Vorgang, einem Zustand oder einer Qualität berichtet werden kann und um welche Art von Vorgang, Zustand oder Qualität es sich dabei genau handelt. Diese Abhängigkeit gilt entsprechend auch für Sätze, die keine Aussagesätze sind. Veranschaulichen möchte ich diesen Zusammenhang an einigen Beispielen. Es ist offensichtlich, dass mit den Sätzen Paul is working, the machine doesn´t work allein auf Grund der Bedeutung des Prädikats von einem Vorgang bzw. von einem Zustand berichtet werden kann. Die Relevanz dieser Untersuchung für die Syntax und Morphologie von Verben zeigt sich deutlich in Sprachen, die über eine Verlaufsform (progressive Form) verfügen, deren Anwendungsbedingungen eng mit der Unterscheidung in Vorgang und Zustand zusammenhängen. Eine vergleichbare Funktion haben die sogenannten Aspektverben wie start, beginn, continue etc., mit denen von bestimmten Phasen von Prozessen berichtet werden kann. (Pafel: 22) Der Unterschied zwischen Vorgängen und Zuständen spielt auch eine Rolle beim Imperativ: Bereichere Dich! vs. Sei reich! 2 Während bei den obigen Sätzen das Subjekt keinen Einfluss drauf hat, ob von einem Vorgang oder von einem Zustand berichtet wird, können die nicht-verbalen, nicht-prädikativen Bestandteile eines Satzes entscheidend dafür sein, um was für eine Art von Vorgang oder Zustand es sich handelt. Neben der Differenzierung in Vorgang und Zustand spielt die Aufteilung in Prozesse, die auf
1 Bussmann, Hadumod. Lexikon der Sprachwissenschaft. Suttgart. Alfred Kröner Verlag.1990.
2 Pafel, Jürgen. Subjekt, Prädikat, Objekt. Frankfurt am Main. Peter Lang Verlag. 1991.
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einen Zielpunkt hinsteuern, und solche, die dies nicht tun, eine bedeutende Rolle (vgl. Aristotelische Unterscheidung von kinesis und energeia). (Pafel: 23) Sie zeigt sich unter anderem in der Aspektmorphologie – etwa beim perfektiven und imperfektiven Aspekt in den slavischen Sprachen und in der Selektion von Zeitangaben ein Jahr lang vs. in einem Jahr. 3 Neben dieser Aufteilung in verschiedene Ergebnistypen steht die wohlbekannte Aufgliederung der Bedeutung von Prädikaten in Eigenschaften (rund), Dispositionen (zerbrechlich), Relationen (oberhalb von) und Arten von Dingen.
3 Primäre und sekundäre Prädikation
Wie die Überschrift schon inhaltlich ausdrückt gibt es eine Haupt- und eine Nebenprädikation. Terminologisch findet dieser Umstand in der alternativen Bezeichnung von sekundären Prädikationen als Ko-Prädikative seinen Niederschlag. 4 Im folgenden Beispiel liegen aber nicht eine, sondern zwei Prädikationen vor:
Bsp. 2: John kicked Bill dead
Das Beispiel 2 weißt die Prädikate kick_Bill(x) und dead(x) auf. Paraphrasiert werden kann das in etwa mit 'John kicked Bill and Bill died'. Im Unterschied zu der Paraphrase, in der die Prädikationen über eine Koordination miteinander verknüpft und in zwei distinkten Teilsätzen kodiert sind, in denen z.B. die Verben in ihrer flektierten Form vertreten sind, ist das Prädikat dead(x) im Beispielsatz aber nicht in einem separaten Nebensatz sondern als Adjektiv/Partzip realisiert. Auf diesem Hintergrund sind auch die Standardbeispiele für sekundäre Prädikation gut nachzuvollziehen:
In Beispiel 3 liegen die Prädikationen ate_the_meat(the-man) und naked(the-man) vor. Man kann feststellen, dass nur die erstgenannte Prädikation durch ein flektiertes Verb ausgedrückt ist, die zweite Prädikation hingegen durch ein Adjektiv/Partizip. Die zweite Prädikation ist darüberhinaus in gewisser Weise von der ersten abhängig (The man ate the meat ist ok; *The man naked dagegen nicht). In Beispiel 3 teilen sich die Prädikate jeweils dasselbe Argument,
3 Chung, S. & Timberlake, A. Tense, aspect, and mood. In T. Shopen (Ed.), Language typology and syntactic description. Vol. III. Grammatical categories and the lexicon. Cambridge etc.: Cambridge University Press.
1985.
4 Plank, Frans. Prädikativ und Koprädikativ, Zeitschrift für Germanistische Linguistik. 13(2):154-185.1985.
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Arbeit zitieren:
René Smickt, 2007, Sekundäre Prädikation, München, GRIN Verlag GmbH
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