Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Semantische Prototypentheorie 3
2.1 Die Standardversion der Prototypentheorie 4
2.2 Die Basisebene 6
2.3 Familienähnlichkeit nach Wittgenstein. 8
3 Kritik an der Standardversion 10
4 Erweiterte Version der Prototypentheorie. 11
5 Resümee 13
6 Literaturverzeichnis. 14
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1 Einleitung
Es ist schwer vorstellbar, wie unser Verhalten in unserer Umgebung sowohl in physischer als auch in sozialer und intellektueller Hinsicht aussähe ohne die Existenz von Kategorien . Dem Menschen wird die kognitive Fähigkeit zur Kategorisierung zugesprochen. Ohne diese mentale und zumeist unbewusste Fähigkeit, mithilfe derer wir unser Denken durch Kategorien organisieren, wäre das menschliche Gedächtnis stark überfordert, da es jede Information einzeln und damit unübersichtlich speichern würde. In diesem Zusammenhang stellen sich grundlegende Fragen: Nach welchem Prinzip erfolgt die Kategorisierung? Nach welchen Kriterien wird eine Sache einer Kategorie zugeordnet? Eine Antwort zu dieser Problematik bietet bereits die klassische Kategorisierungstheorie nach Aristoteles. Der Schwerpunkt dieser Arbeit richtet sich jedoch vornehmlich auf die Untersuchung der Prototypensemantik, die ab den 1970er Jahren mit der Entwicklung der Prototypentheorie den Ausgangspunkt für den kognitiven Paradigmenwechsel in der Linguistik darstellte. Im Rahmen dieser Arbeit können nicht alle Erkenntnisse, Überlegungen und kritischen Betrachtungen zur Prototypensemantik beachtet werden, dennoch soll mit der Darstellung der wesentlichen Grundaussagen zur Prototypentheorie ein Einblick in dieses Themengebiet gegeben werden.
2 Semantische Prototypentheorie
Im Zuge der kognitiven Wende genießt die Prototypensemantik starke Popularität: die Abkehr von streng definierte Kategorien zugunsten flexiblerer, prototypisch organisierten Konzepte findet in vielen Bereichen der Linguistik Anwendung. Die Prototypensemantik verspricht die Überwindung der Defizite der traditionellen Wortsemantik. Der Begriff des Prototyps tritt zunehmend in Disziplinen in Erscheinung, die die Grenzen der lexikalischen Semantik weit überschreiten. Sie findet Anwendung in Textlinguistik, der Syntax, der Morphologie und sogar der Phonologie. Die Prototypentheorie ist die Theorie der sprachlichen Bedeutungen, insbesondere der Wortbedeutungen, welche die Existenz von Prototypen zum zentralen Gegenstand macht. In der Prototypensemantik werden Einheiten unserer Erfahrungswelt in Taxonomien (griech.: taxis ´Ordnung`, nomia ´Verwaltung´) klassifiziert. Es handelt sich hier um die Lehre der Methoden zur Bildung von Klassen unter dem Aspekt der Ähnlichkeitsbeziehungen zwischen den zu ordnenden Begriffen. Ein wesentliches Gebiet der Prototypensemantik ist die Erforschung von Kategorisierungsprozessen, also der mentalen Verarbeitung von Informationen. Da es unterschiedliche Versionen der Theorie gibt (Standardversion nach Rosch, Familienähnlichkeit von Wittgenstein) kann der Begriff des Prototyps zwischen „bestes Exemplar einer Kategorie“ und bester Gebrauch eines Wortes
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variieren. Die Prototypentheorie ist in ihrer Standardversion kein Wundermittel, sie löst nicht alle Probleme, die in der klassischen Bedeutungstheorie von Aristoteles auftreten, und sie trifft selbst wiederum auf unüberwindliche Hindernisse. Sie bringt jedoch drei neue Elemente ein, die für jede lexikalische Semantik von fundamentaler Bedeutung sind: 1. Die Reintegration der Eigenschaften der Wortbedeutung. 2. sie beweist die Existenz einer inneren Organisation der einzelnen Kategorien, deren Relevanz für die Semantik sich durch verschiedene Vernetzungsphänomenen zeigt. 3. Sie bietet eine interkategorielle Hierarchie. 1 Ich werde in meiner Arbeit vor allem auf die Standardversion mit ihren Ausläufern wie die Familienähnlichkeit und der Basisebene eingehen. Einerseits gibt es
Definitionsschwankungen innerhalb der Standardversion, andererseits wird mittels des Begriffs der Familienähnlichkeit der Übergang zur erweiterten Version vollzogen, die letzten Endes zu einer vielschichtigen Betrachtungsweise des Prototypen führt.
2.1 Die Standardversion der Prototypentheorie
Die von Kleiber so genannte Standardversion der Prototypensemantik entspricht der von Eleanor Rosch Anfang und Mitte der 1970er Jahre in den USA entwickelten kognitionspsychologischen Prototypentheorie, die sich vornehmlich zwei Fragestellungen widmet: Welche innere Struktur weisen die Kategorien auf? Welche Beziehungen gehen die Kategorien untereinander ein? Da die Kategorisierung durch diese Fragen zum einen unter horizontalem und zum anderen unter vertikalem Aspekt betracht wird, sollen beide Ebenen nachfolgend behandelt werden. Die Prototypentheorie wurde als Reaktion auf die Merkmalstheorie entwickelt. Sie versucht der Tatsache Rechnung zu tragen, dass unseres konzeptuelles System an vielen Stellen nicht aus klar abgegrenzten, präzisen Grenzen besteht. Kategoriensysteme sollen nach Rosch: bei geringer kognitiver Anstrengung ein Maximum an Informationen bieten und der Weltstruktur möglichst gut angepasst sein. Nun können Kategorien, wenn sie diese Forderungen genügen, nur selten klare Grenzen haben. Manche Individuen lassen sich als ´untypische` Vertreter eines bestimmten Konzepts nur schwer zuordnen, andere als ´typische´ Vertreter bestimmen:
„In short, prototypes appear to be just those members of a category that most reflect redundancy structure of category as a whole“(Rosch: 1978:37)
1 Kleiber, G. 1993: Prototypensemantik. Eine Einführung. Übers. von M. Schreiber. Tübingen 1993 [Original: La sémantique du prototype. Catégories et sens lexical. Paris 1990].
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Die Prototypentheorie nimmt deshalb an, Kategorien ließen sich nicht durch notwenige und hinreichende Bedingungen (Kleiber: NHB), sondern durch Prototypen bestimmen. In der Standardversion wird als Prototyp nur dann als bestes Exemplar einer Kategorie anerkannt, wenn er hierfür am häufigsten genannt wurde. Eine hohe Frequenz ist hier dafür ausschlaggebend. In Versuchen wurde es nur anerkennt, wenn 75% der Personen den selben Prototypen nannten. Prototypen sind abstrakte, ideale Repräsentanten eines Konzeptes, die eine Reihe von Merkmalen (Stereotypen) aufweisen. Der Informationsreichtum eines Konzepts wird also durch vorgegebene bzw. ableitbare Eigenschaftsbündel maximiert. So können wir nach Auffassung der Prototypentheorie das mittlere der drei folgenden Objekte am leichtesten als Tasse identifizieren:
Das Individuen-Kriterium spielt also eine große Rolle. Diese neue Konzeption stützt sich auf folgende Thesen:
1. Eine Kategorie hat eine prototypische innere Struktur
2. Der Repräsentativitätsgrad eines Exemplars entspricht dem Grad seiner Zugehörigkeit zur Kategorie
3. Die Grenzen zw. den Kategorien bzw. Begriffen sind unscharf 4. Vertreter einer Kategorie verfügen nicht über Eigenschaften, die allen Vertretern gemeinsam sind - durch Familienähnlichkeit zusammengehalten
5. Die Zugehörigkeit einer Kategorie ergibt sich aus dem Grad der Ähnlichkeit mit dem Prototypen
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Arbeit zitieren:
René Smickt, 2007, Semantische Prototypentheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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