Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Dialekt - Mundart: Definitionsprobleme 3
2.1 Das linguistische Kriterium. 5
2.2 Das Kriterium des Verwendungsbereiches 6
2.3 Das Kriterium der Sprachbenutzer 6
2.4 Das Kriterium der sprachgeschichtlichen Entstehung 6
2.5 Das Kriterium der räumlichen Erstreckung. 7
2.6 Das Kriterium der kommunikativen Reichweite. 7
2.7 Zusammenfassung 8
3. Das soziolinguistische Interesse. 9
3.1 Diachrone Entwicklung unter soziolinguistischem Aspekt 9
3.2 Dialektologie im Sowjetstaat 11
3.3 Das Sprachmodell der Junggrammatiker 12
3.4 Wiener und Zürcher Schule. 13
3.5 Württemberger und Marburger Schule 14
4. Vorläufiges Fazit: Dialektologie und Soziolinguistik. 15
4.1 Abschied von der homogenen Sprachgemeinschaft. 17
4.2 Abschied vom konsistenten Idiolekt 18
4.3 Entwicklung des Dialektes heute 18
5. Literaturverzeichnis. 21
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1. Einleitung
Die Dialektologie hat sich in den letzten Jahrzehnten von der sprachhistorischsprachgeographisch ausgerichteten „Mundartforschung“ zu einer Hauptdisziplin der aktuellen Linguistik gewandelt. Neben der intensiven Theoriediskussion wurden die traditionellen Methoden der empirischen Forschung weiter entwickelt. Sprachatlanten, Wörterbücher und Einzeldarstellungen reflektieren einen modernen Stand der corpusgebundenen Sprachforschung. Soziolinguistik und Pragmatik finden in der Dialektologie ihre Anwendungsfelder. Die Dialektologie ist innerhalb der Sprachwissenschaft ein relativ junger Zweig. Vorwiegend aus sprachhistorischen Interessen beschäftigte man sich anfangs mit Dialekten, was im 19. Jahrhundert zur Dialektologie als eigene Disziplin führte. Die Dialektologie beschäftigt sich mit Sprachvariation im Raum. Sie befasst sich einerseits mit der Analyse der Linguistik von Dialekten, d. h. ihrer Grammatik (Lautlehre, Formenlehre, Syntax) und Wortlehre (Lexikologie und Namenkunde), andererseits aber auch mit den vertikalen Differenzierungen innerhalb der Dialekte, d. h. der Abweichungen in Abhängigkeit vom individuellen Sprecher, sowie mit dem Verhältnis des Dialektes zur Hochsprache. Diese abweichenden Sprachformen wurden unter Bauern, Ungebildeten und all jenen Anderen gesucht, von denen man annahm, dass sie das „Echte“ und „Alte“ am besten bewahrt hätten. 1 Da ich meine Arbeit unter dem soziolinguistischen Gesichtpunkt betrachten möchte, werden sich mir Fragen aufstellen wie: Wann und Wie die Dialektologie Sprache als soziales Phänomen betrachtete und zusätzliche Faktoren wie gesellschaftliche Stratifikation und Bildung, Urbanität, Alter, Geschlecht oder Ethnizität in ihre Sprachbetrachtung integrierte. Bevor ich mich den soziolinguistischen Problemen widme, werde ich auf die enge Verknüpfung des Dialekts, der Mundart und der Standardsprache eingehen.
2. Dialekt - Mundart: Definitionsprobleme
Bei der eingangs erwähnten Fülle an dialektologischen Untersuchungen und Handbüchern dürfte man erwarten, dass Definitionen des Begriffs Mundart oder Dialekt reichlich zur Verfügung stehen. Auffällige ist jedoch eine Zurückhaltung in der Formulierung und Abgrenzung des Gegenstands. Man könnte annehmen, dass den Fachleuten die Begriffe Dialekt und Mundart so klar sind, dass sie eine genaue Definition für überflüssig und sinnlos halten. Das dem nicht so ist werde ich im folgenden Abschnitt aufzeigen. So sehr die Begriffsdefinition im Argen liegen mag, so klar und eindeutig steht es um die Wortbedeutung
1 Ammon, U., Dittmar, N., Mattheier, K. J. (Hrsg.), Soziolinguistik. Ein internationales Handbuch zur
Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft. Berlin, New York 1988; 2005, 2006
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und Wortgeschichte von Dialekt und Mundart. Die Dialekte (von griech. dialegomai: „miteinander reden“) gehören zu den nicht standardisierten Sprachvarietäten, wie die Umgangssprachen und die Regionalsprachen. Der Begriff „Dialekt“ wurde von Philipp von Zesen durch den Ausdruck Mundart eingedeutscht. 2 Von der Vorgeschichte her ist Mundart also die gelehrt deutsche Entsprechung für das Fremdwort Dialekt. Da Dialekt auch von den Dialektsprechern für die eigene Sprache gebraucht wird, ergibt sich der seltsame Fall, dass das Fremdwort volkstümlich ist, das eingedeutschte Wort jedoch ein Kunstwort und ein Ausdruck der Fachwissenschaft geblieben ist. (Löffler 2003: 2) So klar jedenfalls die Wortgeschichte von Dialekt und Mundart zu sein scheint, so aussichtslos erscheint eine endgültige Klärung des Definitionsbegriffs, zumal es neben dem synonymen Gebrauch von Dialekt und Mundart offensichtlich auch eine differenzierte Verwendungsweise gibt. Heute besteht die Tendenz, den Terminus Dialekt und Dialektologie für das Objekt und die Forschungsdisziplin der strukturell ausgerichteten Linguistik zu reservieren, während Mundart und Mundartenforschung eher für das untere Sprachleben und die traditionell sprachwissenschaftliche Forschungsrichtung gebraucht wird. Allen Definitionsversuchen gemeinsam ist die relative Unselbstständigkeit dieser zu behandelnden Begriffen. Eine Bestimmung wird nur auf dem Hintergrund des Gegenstücks - der Hochsprache, der Schriftsprache - versucht. Jan Goossens definiert Mundart/Dialekt vor dem "Hintergrund des Gegenstückes, der Hochsprache, Schriftsprache etc." als "eine polare Größe" : Zwischen der ausgeprägtesten Mundart und der Schriftsprache findet man eine Anzahl unterschiedlicher Dialektniveaus, die bei Bedarf auch während eines Gesprächs gewechselt werden können (sog. 'Code-shifting') und mit der regionalen Umgangssprache gewissermaßen eine Teilmenge bilden. "Dialekt ist also der als Ausdrucksweise der Sprachgemeinschaft eines Ortes zu betrachtende, auf lokale Verwendung zielende Komplex von Sprechweisen, bei dem zur Aufhebung der Differenzen zum hochsprachlichen System, im Vergleich zu den anderen am gleichen Ort vorkommenden Sprechweisen dieser Sprachgemeinschaft, eine maximale Anzahl von Regeln notwendig ist." Dabei versteht man "unter Mundart die Ausdrucksweise mit der stärksten regionalen Färbung, unter 'hochdeutscher Umgangssprache' die mit der geringsten regionalen Färbung". Die beiden Pole Dialekt und Einheitssprache lassen sich einerseits "als Ganzheiten strukturell vergleichen. Zum anderen können Einzeleinheiten gegeneinander gehalten werden", die durch die Häufigkeit ihres Gebrauchs jeweils eher der Hochsprache oder der Mundart zugeordnet werden können. 3 Dialekt steht also immer in einer komplementären Beziehung zu einer genauso schwer zu definierenden Bezugsgröße, meist
2 Löffler, Heinrich. 2003. Dialektologie Eine Einführung. Narr Studienbücher. Tübingen
3 Goossens, Jan. 1977. Deutsche Dialektologie. Göschern. Berlin
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der übergeordneten Hochsprache. (Löffler 2003: 3) Die eben genannten Kriterien zur Definitionsbestimmung werde ich nun fortführend deutlich machen.
2.1 Das linguistische Kriterium
Das naheliegendste Kriterium zur Abgrenzung von Dialekt und Sprache, nämlich das streng linguistische, wurde erst in jüngster Zeit systematisch angewandet. Dialekt ist danach ein Subsystem S´ zu einem übergreifenden Sprachsystem S. Die Abweichungen dieser beiden Systeme darf auf allen grammatischen Ebenen nur so weit gehen, dass die gegenseitige Verstehbarkeit gewahrt bleibt. Dialekt wäre demnach also eine Variante des Sprachsystems mit ungestörter Verstehbarkeit. (Löffler 2003: 3). F.B. Agard hat versucht die Stärke der Abweichungen der Verstehbarkeit zu untersuchen. Seine Grundlage beruht darauf, dass er im morphologischen Bereich nur ganz bestimmte Systemabweichungen zulässt. Werden diese Abweichungen überschritten, handelt es sich nicht mehr um zwei Dialekte, sondern um zwei verschiedene Sprachen. Es wird aber nicht verlangt, dass jeder Dialekt einer Sprache gegenüber der Hochsprache diese nahe Systemverwandtschaft hat. 4 So können Dialekt A und B zum Sprachsystem S durch eine Systemnähe gehören, ohne direkt miteinander verwandt zu sein. Labov dagegen vertritt die Meinung, dass ein Dialekt D mit dem übergeordneten Sprachsystem S gemeinsame Tiefenstrukturen auf phonologischer, morphologischer, semantischer und syntaktischer Ebene hat und er unterscheidet sich lediglich in der Art und Zahl der Transformationsregeln, die zu dialektal abweichenden Oberflächenstruktur führen. 5 Zur linguistischen Abgrenzung von Dialekt aus der Hochsprache gehört auch die so genannte Defizit-Hypothese, die besagt, dass die Dialekte auf fast allen grammatischen Ebenen eine mangelhafte Ausstattung gegenüber der übergeordneten Kultursprache hätten. Die Unterschiede möchte ich nun nachfolgend gegenüberstellen. Linguistisch betrachtet hat der Dialekt im Vergleich zur Hochsprache eine dürftige Besetzung aller grammatischen Ebenen: Es fehlen ganze Kategorien wie z. B. das Präteritum der Verben, ein reduzierter Wortschatz, wenig syntaktische Pläne, wenige Möglichkeiten der logischen Strukturierung. Hochsprache dagegen hat eine optimale Besetzung der grammatischen Ebenen, es besitzt ein maximales Inventar aller grammatischen Kategorien z. B. Plusquamperfekt, Futur II, maximaler Wortschatz, syntaktische Vielfalt und alle Möglichkeiten der logischen Verknüpfung. (Löffler 2003: 5) Man muss jedoch sagen, dass die grammatischen und kommunikativen Möglichkeiten grundsätzlich gleich angelegt sind. Der Auffallende Unterschied liegt vielmehr
4 Agard, Frederick B. 1970. Language and Dialect: Some tentative postulates. In: Linguistics 65. S. 5-24
5 Labov, William. 1971. Das Studium der Sprache im sozialen Kontext. In Aspekte der Soziolinguistik. Hrsg.
von Wolfgang Klein und Dieter Wunderlich. Frankfurt a. M. S. 111-194
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in der Besetzung und der Häufigkeit der Verwendung bestimmter grammatischer Möglichkeiten. 6
2.2 Das Kriterium des Verwendungsbereiches
Wie ich schon vorher erwähnte, lässt sich Dialekt von der Hochsprache auch durch die verschiedenen Verwendungsbereiche ausgrenzen. Die Verwendung erstreckt sich dabei auf: familiär-intimen Bereichen, örtlichen Bereich bzw. Arbeitsplatz und im mündlichen Sprechen für Dialekte. Dagegen im öffentlichen Betrieb, überörtlichen Bereich, mündliche und schriftliche Rede, Literatur, Kunst, Wissenschaft, feierliche Anlässe, Gottesdienst und Schulen die Hochsprache zur Verwendung kommt. Natürlich kann die Hochsprache alle Bereiche des Dialekts auch abdecken, ansonsten wäre die Hochsprache kein „Dach“ über dem Dialekt. Es soll aber eine kleine Abgrenzungshilfe darstellen, um die verschiedenen Fassetten des Dialektes zu zeigen.
2.3 Das Kriterium der Sprachbenutzer
In diesem Kapitel möchte ich kurz den Personenkreis von Dialekten und Hochsprachen einteilen. Dabei wird erkenntlich das der soziale Status in der Gesellschaft eine mehr oder wenig wichtige Rolle spielt. Die Unterschichten mit Arbeitern, Bauern und Handwerker mit einer eher geringen Schulausbildung weisen zumeist eine dialektale Sprachnorm auf. Mittel-und Oberschicht dagegen tendieren zur Hochsprache. Dieses Kriterium erweist sich aber auch als sehr schwammig, da man den Dialekt auch nicht als Bauern- bzw. Arbeitersprache benennen kann. Auch hier gilt ein sowohl als auch Definition. (Löffler 2003: 6)
2.4 Das Kriterium der sprachgeschichtlichen Entstehung
Beim Werdegang einer Kultursprache, d. h. ihrer Entstehung als Einheits- oder Kompromissform unter mehreren Teilsprachen, wird oft von Dialekten gesprochen. So ist die Hochsprache eine Vereinigungsform von zeitlich vorgelagerten Dialekten als Verkehrs- oder Kultursprache mit einer Aufwertungsstufe eines Einzeldialekts zur einheitssprachlichen Norm. Dialekte werden hingegen als zeitliche Vorstufen der Hochsprache gesehen und die Mundart als eine zeitlich nachgeordnete Ableitungsstufe z. B. gesunkene Kultursprache oder Jargon.
6 Lyons, John. 1989. Einführung in die moderne Linguistik. München
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Arbeit zitieren:
René Smickt, 2007, Dialektologie und Soziolinguistik, München, GRIN Verlag GmbH
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