2
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. EINORDNUNG DES WERKES IN DEN LITERATURHISTORISCHEN RAHMEN 4
2.1. KEIN AVENTIUREROMAN DER ARTUSEPIK 4
3. INTENTION DES WERKES 5
3.1. STÄNDEKRITIK 5
3.1.1. Kritik an der Geistlichkeit/Der Bischof als Negativbild 6
4. DIE BEDEUTUNG DER EINGANGSEPISODE 6
5. EIGENSCHAFTEN DES HELDEN 7
5.1. AMIS WISHEIT 7
5.2. DAS GEGENSÄTZLICHE VERSTÄNDNIS VON „MILDE“ 8
6. DIE KONFRONTATION ZWISCHEN PFAFFE UND BISCHOF. 10
6.1. DAS FEHLVERHALTEN DES BISCHOFS 10
6.2. DAS FRAGE-ANTWORT-SPIEL ZWISCHEN BISCHOF UND PFAFFE 11
6.3. DIE UNTERWEISUNG DES ESELS 13
6.4. DER BISCHOF ALS NEBENFIGUR 15
7. KOMIK 17
8. SATIRE UND PARODIE 18
8.1. STÄNDESATIRE 18
8.2. PARODIE DES ARTURISCHEN AVENTIURE-EPOS 18
8.3. PARODIE DER LEGENDE 19
9 SCHLUSS 21
3
1.Einleitung
Des Strickers „Pfaffe Amis“ wurde im Laufe der Literaturgeschichte sehr unterschiedlich und widersprüchlich interpretiert. Diese Widersprüchlichkeit scheint im Text angelegt zu sein. So verhält es sich auch mit der Eingangsepisode des Schwankes. Die erste Schwankgeschichte spielt vor allem hinsichtlich der Charaktereigenschaften der Hauptfigur eine wichtige Rolle. Mit dem Pfaffen Amis hat der Dichter eine besonders facettenreiche Figur erschaffen, deren Qualitäten vom betrügerischen Schelm bis zum Quasi-Legendenheld reichen. Seine Charakteristik wird schon im Prolog widersprüchlich angelegt: Einerseits ist er der erste Mensch, der Lug und Trug in die Welt brachte, andererseits ist er ein gelehriger Geistlicher, der das Gebot der Freigebigkeit nie missachtet hat. Im Folgenden werde ich mich vor allen Dingen mit der vieldiskutierten „wisheit“ des Helden und seinem Verständnis von Freigebigkeit beziehungsweise „milde“ auseinandersetzen. Außerdem gehe ich näher auf die Bedeutung der Eingangsgeschichte hinsichtlich der restlichen Erzählung ein und beleuchte die Konfrontation zwischen Amis und dem Bischof.
Der Dichter rechnet in seinem Werk mit den Schwächen und Lastern der damaligen mittelalterlichen Gesellschaft ab, indem er schon bekannte literarische Mittel der Artusepik aufgreift und die dadurch vertretenen Werte und Normen ins Gegenteil verkehrt. Er stellt die Sittenlosigkeit und Unmoral der Menschen in einem satirisch-parodistischen Licht dar und schafft so ein komisches und unterhaltsames Werk. In der folgenden Ausarbeitung werde ich die Intention des Dichters und die damit verbundene Gesellschaftskritik näher beleuchten. Abschließend werde ich die komischen Elemente innerhalb der ersten Episode erarbeiten und den satirischen beziehungsweise parodistischen Charakter des „Pfaffen Amis“ herausstellen.
4
2.Einordnung des Werkes in den literaturhistorischen Rahmen
„Der Pfaffe Amis“ ist der erste deutsche Schelmenroman. Dieses Werk des Strickers zeichnet sich zum einen durch die Handlungsweise, der sich der Protagonist bedient: Lug und Trug, zum anderen durch die „Verabsolutierung der materiellen Bedeutung von ‚guot‘“ 1 aus, die auf einer Verkehrung der Werte gründet.
Das Neue an dieser Literatur ist, dass sich die vom gesellschaftlichen Chaos bedrohte Welt nur durch die Rückbesinnung auf die Vernunft und Klugheit des Menschen retten lässt. Denn der Stricker sieht laster- und sündhaftes Verhalten als Zuwiderhandlung gegen die gottgegebene Vernunft.
2.1.Kein Aventiureroman der Artusepik
Wer beim „Pfaffen Amis“ mit einem Artusritter rechnet, der die feudalhöfischen Ideale anstrebt, der wird enttäuscht. Selbst wenn der Prolog zunächst die hochhöfischen Idealvorstellungen anpreist, so entwickelt sich die Erzählung im Verlauf der Handlung gerade gegensätzlich zur Aventiuredichtung. „[Der] ‚Amis‘ [ist] eine besondere Form der Auseinandersetzung mit der Artusepik, er ist die parodistische, ironisch-satirische Aufhebung dieser Darstellungsform feudalhöfischer Ideale und feudaler Ideologie.“ 2 Der Schwank bildet sozusagen eine Parodie auf das arturische Aventiure-Epos. So strebt der Held im Gegensatz zum Aventiureritter keinesfalls Ruhm und Ehre an, sondern er ist ein armer, den unteren Volksschichten angehöriger Kleriker, der schelmisch und betrügerisch anderen Leuten das Geld abnimmt. Dabei verlässt er sich nicht wie ein Ritter auf seine Kampfeskunst, sondern einerseits auf seinen umfassenden Verstand, andererseits rechnet er mit der Kurzsichtigkeit und Dummheit seiner Opfer. So steht beispielsweise in der Eingangsepisode die Unvollkommenheit des Bischofs der Vollkommenheit des Artus entgegen. Zudem spielt sich die Handlung nicht wie für andere Dichtungen der damaligen Zeit üblich auf einem erhöhten Niveau im Kreise des Hochadels ab, sondern der Stricker wählt im „Pfaffen Amis“ seine Figuren aus dem Milieu der gesellschaftlichen Realität. In der Erzählung gibt es Vertreter fast jeden Standes.
1 Ragotzky, Hedda: Gattungserneuerung und Laienunterweisung in Texten des Strickers, Tübingen 1981, S. 142.
2 Spiewok, Wolfgang: Parodie und Satire im „Pfaff Amis“ des Stricker. In: Parodie und Satire in der Literatur des Mittelalters, Greifswald 1989, S. 8.
5
3.Intention des Werkes
Natürlich war die Absicht des Dichters in erster Linie, die Menschen mit seinem Werk zu unterhalten und zu belustigen. Doch über dies hinaus, so ist sich die neuere Forschung weitgehend einig, kritisiert der Stricker den moralischen Zustand seiner damaligen Gesellschaft. „Der Pfaffe Amis“ ist eine Hymne auf die Wiedererrichtung der Ordnung durch „gevüege kündekeit“. Die grundlegende Intention des Schwankes ist der Sieg der Klugheit über die Dummheit. Der Stricker propagiert in seinem Werk die Herstellung der gesellschaftlichen Moral und ordnungssichernder Tugenden durch Klugheit und Vernunft, indem er Menschen mit Laster wie mangelnde Einsicht und Torheit vorführen lässt.
3.1.Ständekritik
Der Dichter richtet in seinem Werk das Augenmerk nicht nur auf die Hauptfigur, sondern auch vor allem auf die Gesellschaft. Er schafft eine für die Realität äußerst repräsentative, feudale mittelalterliche Ständegesellschaft. Es werden in den verschiedenen Episoden nach und nach Vertreter fast jeden Standes des mittelalterlichen sozialen Milieus von dem Pfaffen vorgeführt. Mit diesem unhöfischen Werk rechnet der Dichter mit den Schwächen der damaligen Gesellschaft ab. Früher oder später müssen sich selbst Könige und hohe Geistliche ihre Blöße aufgrund ihrer eigenen Torheit und des großen Intellekts von Amis geben. Spiewok resümiert das Verhältnis von Held und Opfer folgendermaßen:
Die Opfer des listigen Schelmes sind gewinnsüchtige, eitle, von dumpfen Wunderglauben befangene Einfaltspinsel, die sich dem intelligenten Meisterschelm an Stärke, Macht und gesellschaftlichem Rang oft weit überlegen wissen bzw. ihn gar an Witz zu übertreffen glauben, die aber der geistigen, mühelos ganze Ketten raffinierter Anschläge produzierenden Überlegenheit ihres Gegenspielers hoffnungslos unterliegen. 3
Um seine Opfer hinters Licht zu führen, macht sich der Pfaffe die standestypischen Eigenarten wie uneingestandene gesellschaftliche Wünsche und falsche religiöse Vorstellungen zunutze. Die gesellschaftlichen Missstände in allen Klassen werden in der Erzählung angesprochen und die Diskrepanz zwischen Schein und Realität aufgedeckt. In der ersten Episode wird sogleich ein Bischof von Amis zum Narren gehalten, der ihm seine große „milde“ (V.50) 4 neidet.
3 Spiewok: Parodie und Satire, S. 8.
4 Versangaben in Klammern zitiert nach: Der Stricker: Der Pfaffe Amis. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch,
Stuttgart 1994.
6
3.1.1.Kritik an der Geistlichkeit/Der Bischof als Negativbild
Während Amis sich zunächst als positiver Vertreter seines Standes auszeichnet und in der Eingangsepisode weder Zweifel an seiner Ideologie noch an seinen theologischen Kenntnissen aufkommen lässt, ist der Bischof als Geistlicher eindeutig ein negatives Exempel. Dass er sich nicht als Vorbild für seine Mitmenschen eignet, zeigt sich in vielerlei Hinsicht. Beispielsweise neidet er seinem Lehnsmann dessen gesellschaftliches Ansehen, anstatt ihm gegenüber „guete“ (V.33) walten zu lassen und dessen „ere“ anzuerkennen. Weiterhin lässt er sich von seiner Habgier leiten und setzt sich damit ins „unreht“ (V.36), statt „diemut“ (V.35) zu zeigen. Darüber hinaus greift er zu unmoralischen Mitteln, um an den Besitz des Pfaffen zu kommen. So stellt er diesem in böser Absicht unlösbare Fragen, um sich dessen Habe zu sichern. Der Bischof verkörpert insofern nahezu alle negativen Charaktereigenschaften, welche im Prolog angesprochen werden und ist dementsprechend repräsentativ für die Umkehrung der Werte. Mit dieser kritischen Darstellung einer Bischofsfigur gibt sich der Stricker als einer der wenigen Dichter des Spätmittelalters zu erkennen, die die höfische Herrenschicht der Reichsbischöfe, welche ihre geistliche Würde und weltliche Herrschaft zu Lasten der Integrität der Kirche verschmelzen ließen, verurteilten. 5
4.Die Bedeutung der Eingangsepisode
Die Eingangsepisode des Schwankromans hebt sich deutlich von den restlichen Mären ab. Während Amis im ersten Schwank in dem seiner Berufung als Priester entsprechenden geistlichen Wirkungsbereich handelt und ihm damit seine geistigen Fähigkeiten und sein Bücherwissen unmittelbar im Streitgespräch mit dem Bischof weiterhelfen, verschiebt sich dieser Bereich in den restlichen Episoden ins Weltliche. 6
Wie schon zuvor erwähnt, verfügt der Pfaffe durchaus über die Fähigkeit der richtigen „Interpretation des Ordo [...] [und weiß sie im ersten Schwank auch] vorbildlich höfisch zu realisieren“ 7 . So kann ihn selbst sein Lehnsherr, der Bischof, nicht an der pflichtbewussten Ausübung „der milde gebot“ (V.50) hindern, denn der Pfaffe bietet ihm tapfer Widerstand. Der Protagonist wird durch die ungerechte Forderung des Geistlichen in eine Opferrolle
5 vgl. Beine, Birgit: Der Wolf in der Kutte. Geistliche in den Mären des deutschen Mittelalters, Bielefeld 1999, S. 210f..
6 vgl. Ragotzky: Gattungserneuerung, S. 154.
7 Ebd., S. 148f..
Arbeit zitieren:
Alexandra Kremsler, 2007, Der Stricker - Der Pfaffe Amis: Eine Analyse der ersten Episode: Amis und der Bischof, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
James Fenimore Cooper: The Last of the Mohicans - Eine Frontier Novel
Hausarbeit, 15 Seiten
`Triuwe-Bindungen` im Nibelungenlied
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 17 Seiten
Leseförderung in der Unterstufe der Sekundarstufe I
Zur Erschließung von Sachtexte...
Bachelorarbeit, 40 Seiten
Der Versuch einer Erklärung
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 19 Seiten
Formtypen des Schwanks am Beispiel "Ein kurtzweilig lesen" v...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 20 Seiten
Kann man durch Lesestrategien das Textverstehen fördern? Eine kritisch...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 30 Seiten
Das Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts - Ursprung, Entwicklung und Qu...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Formen und Funktionen der Komik in den Nürnberger Fastnachtspielen
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 15 Seiten
Leben nach dem Tod - Über die Ansichten von Religion und Wissenschaft,...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Seminararbeit, 28 Seiten
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 28 Seiten
"Am dritten Tage auferstanden von den Toten"
Deutung der Auferstehung als e...
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit, 21 Seiten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Ergebnisse und Diskussion der PISA- Studie zur Situation von Migranten...
Zu Migrations- und Akkulturati...
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Alexandra Kremsler hat den Text Der Stricker - Der Pfaffe Amis: Eine Analyse der ersten Episode: Amis und der Bischof veröffentlicht
Alexandra Kremsler hat einen neuen Text hochgeladen
Cours d'analyse de l'École Royale Polytechnique. I partie. Analyse alg...
Augustin-Louis Cauchy
Gunsmoke: A Complete History and Analysis of the Legendary Broadcast S...
Suzanne Barabas, Gabor Barabas
0 Kommentare