Vorwort 5
Einleitung 7
1. SPRACHVERGLEICH TÜRKISCH DEUTSCH 9
1.1 Segmentalia 9
1.1.1 Vokale 9
1.1.2 Vokalharmonie 11
1.1.3 Diphthonge 12
1.1.4 Konsonanten 13
1.1.4.1 Plosive 14
1.1.4.2 Nasallaute 15
1.1.4.3 Vibranten 16
1.1.4.4 Frikative 16
1.1.4.5 Laterallaute 18
1.1.4.6 Hauchlaute 18
1.1.5 Silbenstruktur 19
1.1.6 Phonem-Graphem Beziehungen 20
1.2 Suprasegmentalia 21
1.2.1 Akzentuierung 21
1.2.1.1 Wortakzentuierung 21
1.2.1.2 Satzakzentuierung 23
1.2.2 Rhythmus 24
1.2.3 Melodie 25
1.3 Zu erwartende Aussprachefehler im Deutschen 27
1.3.1 Vokale 27
1.3.2 Konsonanten 27
1.3.3 Silbenstruktur 28
1.3.4 Akzentuierung 28
1.3.5 Rhythmus 28
1.3.6 Melodie 29
2
1.4 Zusammenfassung 29
2. EMPIRISCHER TEIL 30
2.1 Untersuchungsziele 30
2.2 Versuchsaufbau 31
2.3 Versuchspersonen 32
2.3.1 Türkische Sprecher 32
2.3.1.1 Türkische Sprecher in Deutschland 32
2.3.1.2 Türkische Sprecher in der Türkei 33
2.4 Muttersprachliche Hörer 35
2.5 Untersuchungsmaterial 35
2.6 Verwendete Fragebögen 36
2.7 Auswertung der Fragebögen 38
2.7.1 Sprecher in Deutschland 38
2.7.2 Sprecher in der Türkei 40
2.8 Phonetische Fehleranalysen 43
2.8.1 Phonetische Fehleranalyse der türkischen Sprecher in Deuts chland 43
2.8.1.1 Segmentalia 43
2.8.1.1.1 Vokale 43
2.8.1.1.2 Konsonanten 46
2.8.1.2 Suprasegmentalia 48
2.8.1.2.1 Wortakzentuierung 49
2.8.1.2.2 Satzakzentuierung 50
2.8.1.2.3 Melodie 51
2.8.2 Phonetische Fehleranalyse der türki schen Sprecher in der Türkei 53
2.8.2.1 Segmentalia 53
2.8.2.1.1 Vokale 53
2.8.2.1.2 Konsonanten 58
2.8.2.2 Suprasegmentalia 63
3
2.8.2.2.1 Wortakzentuierung 64
2.8.2.2.2 Satzakzentuierung 57
2.8.2.2.3 Melodie 69
2.9 Zusammenfassung und Methodenreflexion 70
3. SCHLUSSFOLGERUNG UND DIDAKTISCHE VORSCHLÄG E 72
3.1 Vergleich der phonetischen Fehleranalysen 72
3.1.1 Segmentaler Bereich 72
3.1.1.1 Vokale 73
3.1.1.2 Konsonanten 74
3.1.2 Suprasegmentaler Bereich 76
3.1.2.1 Wortakzentuierung 76
3.1.2.2 Satzakzentuierung 76
3.1.2.3 Melodie 76
3.2 Didaktische Vorschläge 78
4. LITERATURVERZEICHNIS 85
5. ANHANG 94
6. ÜBERSICHT ÜBER DIE VERWENDETE
TRANSKRIPTIONSZEICHEN 110
4
Vorwort
Mein Interesse an der Phonetik begann mit einem Seminar an meiner Heimatuniversität in Ankara: „Phonetik der deutschen Sprache“. Im Austausch mit türkischen Studenten und ihren unterschiedlichen Deutschkenntnissen wuchs meine Neu gierde, was schließlich zur empirischen Untersuchung meiner Magisterarbeit führte.
Für ihre Unterstützung möchte ich mich in erster Linie bei meiner Gutachterin Frau Prof. Dr. Kain Aguado bedanken. Auch Frau Prof. Dr. Ursula Hirschfeld (Universität Halle/Saale) gilt mein Dank für ihre hilfsbereite Betreuung.
Außerdem möchte ich mich bei allen türkischen Sprechern und den unvoreingenommenen Zuhörern, die an dieser Untersuchung teilgenommen haben, und zuletzt bei meinen Eltern bedanken.
5
Einleitung
In der Türkei ist Deutsch nach Englisch die zweite Fremdsprache. Die Schüler beginnen bereits in der 7. Klasse Deutsch zu lernen. Es gibt auch sehr viele Kurse für Studenten und Erwachsene und meistens werden sie von Personen unterschiedlicher Fächer belegt. Durch die intensive Vermittlung der Grammatik werden jedoch Aussprache und Phonetik nicht ausreichend durchgenommen. So besteht die Gefahr, dass die Schüler manche Laute im Deutschen gar nicht aussprechen können. Auch während des Studiums an der Universität in der Abteilun g Deutsch als Fremdsprache auf Lehramt fehlen die Seminare für Phonetik und Aussprache.
In dieser Masterarbeit wird versucht, eine Fehleranalyse der Aussprache türkischer Sprecher im Deutschen darzustellen.
Die Arbeit besteht aus drei Teilen:
Zunächst wird eine kontrastiv-phonetische Analyse der Sprachen Türkisch und Deutsch vorgenommen. Diese Analyse verläuft auf zwei Ebenen: der Segmentalia und der Suprasegmentalia, wobei auf die zu erwartenden Aussprachefehler der türkischen Sprecher eingegangen wird.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Versuchsaufbau und den Ergebnissen der empirischen Untersuchung.
Es behandelt die Ausspracheprobleme zweier Gruppen:
der Türken, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind.
der Türken, die in der Türk ei geboren und aufgewachsen sind.
In der Fehleranalyse werden Aufnahmen mit unterschiedlichem Sprachstand auf segmentale und suprasegmentale Ebene untersucht. Die Ergebnisse werden dargestellt und auch mit den zu erwarteten Fehlern, die im ersten Kapitel geschrieben wird, verglichen.
7
Im dritten Teil erfolgt die Zusammenfassung der empirischen Untersuchung und die Ergebnisse der beiden Gruppen werden in segmentale und suprasegmentale Ebene gegenüber gestellt. Einige Überlegungen zur Didaktik der Phonetik f ür türkische Sprecher werden kurz angedeutet.
Die CD mit den Aufnahmen der 14 türkischen Sprecher liegen der Arbeit bei.
8
1. Sprachvergleich Türkisch -Deutsch
Die türkische Sprache gehört zur altaischen Sprachegruppe und wird in der Türkei, der Türkischen Republik Nordzypern, Aserbaidschan, im Iran, Irak, auf Rhodos und der Balkanhalbinsel gesprochen. Türkisch gilt zudem als Staatsprache in der Türkei sowie im Kosovo und in Mazedonien.
1.1 Segmentalia
1.1.1 Vokale
Im Türkischen gibt es acht Vokale: /a/, /e/, /i/, //, /o/, /ø/, /u/, /y/. Die Vokale, die sich in beiden Sprachen unte rscheiden, sind im Türkischen / und im Deutschen //.
Die türkischen Vokale werden alle gleich wie im Deutschen ausgesprochen. Ausnahmen tauchen in Fremdwörtern aus dem Arab ischen und dem Persischen auf. Auch Doppelvokale oder Vokalkombinationen gibt es im Türkischen nicht. Nach Ergin (1998: 105) unterscheiden sich die Vokale in dreierlei Hinsicht. Unter dieser Einteilung sind sie frei kombinierbar:
- Lippenstellung: breit und gerundet
- Grade der Mundöffnung: eng und breit (hell und dunkel)
- Zungenstellung: höchste Hebung vorn oder hinten im Mund
Tabelle 1: Vokale des Türkischen (Rollfs 2003:7)
9
Der Vokal /e/ wird offen und kurz ausgespr ochen wie bei Kätzchen. Es existiert kein [ə] Laut im Türkischen.
Das <ı>, bzw. [] wird mit ungerundeten und geschlossenen Lippen ausgesprochen wie s (Wärme).
bei dem Wort ısı
Im Vergleich dazu die Tabelle 2 : Die V okale des Deutschen (Hakkarainen 1995:23)
hoch
mitte
tief
In den beiden Tabellen 1 und 2 kann man die Vokale der beiden Sprachen vergleich en und die Unterschiede in diesem Bereich feststellen. Die wichtigste Differenz, ist die Zungenhebung im Deutschen in drei verschiedenen Graden und die Existenz der Quantität der Vokale (kurz-lang).
Die Einteilung der Vokale nach drei verschiedenen Krit erien ist eine allgemein anerkannte Betrachtungsweise und wurde als erstes vom Germanisten C.F. Hellwag 1781 (Ergin 1998: 10) mit einem Dreieck zum Ausdruck gebracht.
10
Im 20. Jahrhundert haben auch unterschiedliche Wissenschaftler Schemata zu Vokalen des Türkischen entwickelt. Einer der wichtig sten ist Jean Deny (Ergin 1998:11) . Er entwarf einen Würfel, in dem er versuchte, die Beziehung der türkischen Vokale untereinander darzustellen. (s. Anhang 1)
1.1.2 Vokalharmonie
Die Vokalharmonie ist eine der wicht igsten Strukturen der türkischen Sprache. Sie beeinflusst die Aussprache der Konsonanten und auch die Silbenstruktur des Türkischen. Im Türkischen gibt es zwei Arten von Vokalharmonie. Diese werden in Grammatiken mal als „kleine und große Vokalharmonie“ be zeichnet, mal als „weite und enge Vokalharmonie“.
Nach Rollfs (2003:2) bewirkt die Vokalharmonie bzw. Vokalassimilation, dass in einem Wort und auch in den Suffixen entweder nur enge (helle) Vokale / e/, /i/, //, /y/ oder nur dunkle Vokale /a/, //, /o/, /u/ vorkommen können. (s. Tabelle 3)
Tabelle 3: Die Vokalharmonie im Türkischen mit Graphemen (Rollfs 2003:3)
Bei der kleinen Vokalharmonie ist der Vokal der Suffixe /e/ oder /a/. Wenn die letzte Silbe des Stammwortes einen Vokal der hellen Reihe (s. Tabelle 1) enthält, nim mt das Suffix den hellen Vokal /e/ an. Das Suffix nimmt den dunklen Vokal /a/ an, wenn die letzte Silbe des Stammwortes ein Vokal der dunklen Reihe ist.
11
z.B.: adam (Mann) adam-lar (die Männer)
ev ( Haus) ev-den ( vom Haus)
Die Agglutination der Suffixe bei der großen Vokalharmonie ist nicht nur von der hellen oder dunklen Qualität des Vokals des Stammwortes abhängig, sondern auch v on den „breiten“ und „gerundeten“ Eigenschaften der Vokale. (s. Tabelle 1)
Auf einen breiten /a/ Vokal im Stammwort folgt im Suffix ein breiter Vokal //. Auf einen runden Vokal /o/ im Stammwort folgt im Suffix ein runder Vokal /u/.
Das Possessivsuffix der 1. Person Plural, beispielsweise, ist dann vierfach realisierbar: „-m z“,: -mız, -müz, -mız, -muz.
adam-lar-ımız (unsere Männer) ev-ler-imiz (unsere Häuser)
z.B.
1.1.3. Diphthonge
In der deutschen Sprache gibt es drei Diphthonge. Diese sind / a/, /au/, /o/. Becker (1998:117) nennt zwei Kriterien zur Aufteilu ng der Diphthonge. Diese sind die Artikulationsbewegung und die Veränderung der Schallfülle. Durch diese Einteilung ergeben sich fallende und steigende Diphthonge, die durch die Veränderung der Schallfülle unterschieden werden. Bei fallenden Diphthongen ni mmt die Druckstärke ab, d.h. der zweite Diphthon gteil ist unsilbisch, wie in [a u] und [a i]. Diphthonge mit zunehmender Druckstärke wie [i], [u] heißen steigende Diphthonge (Becker 1998:117f). Durch das Kriterium entstehen im Deutschen die Opposition öf fnende vs. schließende Diphthonge. Im Duden 6 (Aussprachewörterbuch 2000:12) werden die Diphthonge mit den IPA-Zeichen /a i/, /a u/, / y/ dargestellt, welche auch in der phonetischen Fehleranalyse dieser Arbeit verwendet werden.
12
Im Gegensatz zum Deutsc hen existieren im Türkischen keine Diphthonge. Nur in manchen Fremdwörtern kann man Vokalkombinationen sehen.
Um bei der Agglutination der Wörter die Vokale zu trennen, benutzt man einen „Bindelaut“ (Rollfs 2003:7). Es handelt sich dabei entweder um ein < y>, ein wie bei
zB. maaş (der Lohn)
[ma:ş].
1.1.4 Konsonanten
Im Türkischen gibt es insgesamt 21 Konsonanten. Es existieren drei Konsonantenphoneme [ç, ş, ğ], die im Deutschen nicht vorhanden sind. Außer den Konsonanten [ğ] [] bereiten die anderen stimmlosen Frikative kein Problem bei
der Artikulation. Diese Konsonanten entsp rechen im Deutschen [ç] [ş] [].
Einige Eigenschaften der türkischen Konsonanten (Ergin 1998: 110): Im Türkischen fängt kein Wort mit den Konsonanten
Am Anfang und Ende der Wörter befinden sich keine Konsonanten - kombinationen.
13
Tabelle 4: Die Konsonanten im Türkischen (Rollfs 2003: 10)
1.1.4.1 Plosive
Gegenüber dem Deutschen herrscht bei der Entstehung der stimmlosen Plosive [p] im Türkischen ein relativ niedriger intraoraler Luftdruck vor. Das Deutsche [p] würde sich nur in betonten Positionen mit dem Türkisc hen vergleichen lassen wie bei Post. Die gleichen Unterschiede sind auch für das stimmhafte Plosiv [b] gültig. Im Deutschen wird [b] energischer und intensiver artikuliert als im Türkischen (Özen 1984: 55).
Wie in
Ball bal [bal] (D) [bal] (der Honig)
Die Artikulation der Laute [t] und [d] sind in beiden Sprachen fast gleichwertig. In beiden Sprachen wird [d] im Auslaut zu [t], doch bei manchen Wörtern und nach Endungen wird im Türkischen der ursprüngliche Auslaut au f [d] artikuliert wie in
Mehmet (Name)
Mehmet’in [mhmdin] (Mehmet’s)
14
Man nimmt an, dass diese Phoneme im Türkischen in zwei lautlichen Varianten artikuliert werden. Die Palatalisierung in einsilbigen Wörtern bei [k] und [g] wird durch den vor- oder nachtretenden Vokal der hellen Reihe [e, i, ö, ü] beeinflusst (Özen 1984: 58).
z.B. gök [c h ] (der Himmel)
Außer bei Ausnahmen können die stimmlosen Plosive nicht nach stimmlosen Konsonanten <ç, f, h, k, p, s, ş, t> auftreten. Die Häufigkeit einer Endung des Wortes mit einem stimmhaften Verschlusslaut ist sehr gering. Bei so einer Position verändert sich die Bedeutung des Wortes (Demircan 1979: 43). z.B. haç [hat] (das Kreuz) hac [had] (die Wohlfahrt)
Die stimmlosen Plosive in Endposition verändern sich in der Artikulation und auch in der Orthographie zu stimmhaften Phonemen < b, c, d, g/ğ>.
Beispiele: [p] [t]
Das
[]: kazak [kazak] kazağım [kazam] (der Pullover/mein Pullover)
[k]
[k]
1.1.4.2 Nasallaute
Nach Özen (1984:72) unterscheidet sich das Türkische [n] vom Deutschen erstens durch den schwachen Verschluss bei der Bildung und zweitens durch eine stärkere Nasalisierung des vorhergehenden Vokals.
wird nicht so weit hinten gebildet wie im Deutschen. Der Verschluss wird auch weniger energisch artikuliert als im Deutschen. Die Kombination
15
existiert in der türkischen Sprache ebenfalls wie in renk (die Farbe) oder engel (das Hindernis).
Aber diese werden als ein
1.1.4.3 Vibranten (Liquide)
Zwischen dem Türkischen und dem Deutschen [r] bestehen Unterschiede hinsichtlich der Artikulation als auch des auditiven Eindruck (Rollfs 2003:9).
Beim [r] kommt es durch die schwache Lage der Zunge zu keinem Rollen. Ein anderes Merkmal bei der Artikulation des [r] im Türkisch wird auch von „hellen“ oder „dunklen“ Vokalen beeinflusst. Bei eine m „hellen“ Vokal wird es als apikal -alveolar, bei einem „dunklen“ neigt es zu einer Artikulation mit dorsal -präpalatal.
z.B. fark
[fark] (der Unterschied)
1.1.4.4 Frikative
Die stimmhaften [z], [v], [ ] und die stimmlosen [s], [f], [] Frikative können in allen drei Positionen vorkommen. Die Artikulation der stimmhaften Frikative in Endposition beginnt stimmhaft, endet aber stimmlos (Rollfs 2003: 9). Beim Türkischen [f] und [v] werden die oberen Schneidezähne nur sehr wenig berührt und die Zunge ist gegen den harten Gaumen gerichtet. Im Vergleich zum Deutschen gibt es kein starkes Reibegeräusch.
[v] veli (Elternteil), evli (verheiratet), ev (das Haus) [f] fark (der Unterschied), kâfi (genügend), Kaf (Name eines Berges)
Charakteristisch für die türkischen Frikative [s] und [z] ist der leichte Kontakt der Zungenspitze zu den oberen Schneidezähnen. Der Konsonant [z] im Deutschen wie bei
16
[tse:n] ist dem Türkischen fremd. Die Artikulation des türki schen [z] hat mehr Ähnlichkeit mit dem Deutschen [s] am Silbenanfang (Rollfs 2003:9).
Seele
Die Artikulation des Konsonanten [
]
im Türkischen unterscheidet sich in der Lippenaktivität, der Annährungsfläche und der Stellung der Zungenspitze. Das türkische [] wird in der Umgebung der runden (weiten) Vokale
[] ist nur in Lehnwortschatz und in Fremdwörtern zu finden. Bei der Artikulation türkischer Wörter wird der Vokal [ ] oft durch [d] ersetzt.
z.B. jandarma
[andarma] (der Gendarm)
Nejdet
Wie die meisten Konsona nten des Türkischen wird auch [j] von den Vokalen beeinflusst. Bei hinteren Vokalen verschiebt sich die Artikulationsstelle weiter nach hinten. Die anderen Vokale bewirken, dass der [j] weiter vorne gebildet wird. Der Konsonant passt sich dem Vokal an.
Yön
[jœn] (die Richtung)
[jnI] (neu)
Ein Konsonant, der im Deutschen nicht existiert, ist das <ğ> bzw. [ ] im Türkischen. „Dieser Laut – in der Transkription durch den Buchstaben [ ] bezeichnet – wird zwar
durch schriftliche Überlieferungen bestätigt, ist jedoch in der gegenwärtigen
Literatursprache aus dem Gebrauch gekommen (…)“ (Sevortjan 1955: 27f).
17
Dieser Standpunkt gilt au ch noch in der heutigen Standard sprache. Nach Vokalen der hinteren Reihe bewirkt der Konsonant [ ] nur eine Verlängerung des vorhergehenden Vokals und meistens ist d er Lautwert dieses Konsonanten zwischen zwei Vokalen „null“.
z.B. sağnak [sanak] (der Regen)
1.1.4.5 Laterallaute
Es gibt zwei Artikulationsarten von [l] im Türkischen.
1. Mit „hellen“ Vokalen und bei Fremdwö rtern ähnelt es dem Deutschen [l].
Manche Autoren nennen [l] dann einen „mehr palatalen Laut, der weiter vorn artikuliert wird“ (vgl. Bergsträer 1918: 251).
2. Im Auslaut und zwischen zwei „dunklen“ Vokalen wird [ł ] durch die zusätzliche
Hebung des hinteren Zungenrückens in velarisierter Form artikuliert. z.B. kolum [kłm] (mein Arm)
1.1.4.6 Hauchlaute
Der glottale Frikativ [h] wird von Özen (1984: 78) als Hauchlaut bezeichnet. Er deutet auf verschiedene Varianten: [h], [ ħ] oder [x], die in arabischen oder persischen Lehnwörtern des Osmanisch -Türkischen vorkamen.
Mit der Sprachreform wurden diese Varianten zu m türkischen [h], das vom Exspirationsdruck und Glottisverhalten abhängt. Nach Rollfs (2003:9) wird das türkische [h] ursprünglich wie im Deutschen artikuliert. Es wird ohne Ausnahme nach hinteren oder auch nach vorderen Vokalen als [ç] realisiert.
z.B. sabah
[sabaç] (der Morgen)
18
1.1.5 Silbenstruktur
Die Silbenstrukturen der beiden Sprachen werden nur durch die Einsilbler dargestellt.
Die weiteren Strukturtypen (Zweisilbler, Dreisilbler) werden weggelassen.
Ternes (1987:170) teilt die Silbe in zwe i Bestandteile. In jeder Silbe gibt es einen
obligatorischen Silbenkern der aus einem Vokal oder einer Diphthong besteht und einen
Silbenrand, der aus einem oder mehreren Konsonanten bestehen kann, die dem
Silbenkern vorausgehen oder folgen.
Die einsilbigen deutschen Wörter werden durch Ternes (1987:171) wie unten
dargestellt:
/ a /
V
du
KV /du:/ K= Konsonant
froh
KKV /fro:/
/tr/ Streu KKKV
an
VK /an/
Ball
KVK /bal/
Klang
KKVK /kla/
Strahl
KKKVK /tra:l/
Mist
VKK /mist/
Brust
KKVKK /brust/
Strand
KKKVKK /trant/
Obst
VKKK /o:pst/
Markt
KVKKK /markt/
Schwulst
KKVKKK /vulst/
Ernst
VKKKK /ernst/
Herbst
KVKKKK /herpst/
19
Im Gegensatz zur deutschen Sprache ist die Silbenstruktur im Türkischen s ehr unkompliziert. Es gibt weder Vokale noch Konsonantenhäufungen in der Silbe. Die aufeinander folgenden Konsonanten sind immer in Silben geteilt. z.B. an-ne, eş-ya, kek-lik.
Korkmaz (2003:8f) beschreibt die typische türkische Silbenstruktur:
V // (3. Person Singular „er,sie,es“) el VK // (die Hand) K= Konsonant su KV /s/ (das Wasser) baş (der Kopf) KVK /ba/ /s/ sırt (der Rücken) VKK
KVKK /kyrk/ kürk (der Pelzmantel)
Konsonantenhäufungen sind in manchen Fremdwörtern vorhanden und tauchen meistens in Begleitung von Ko nsonanten wie
Um die Aussprache dieser Wörter zu erleichtern, wird ein „Sprossvokal“ eingeschoben wie bei *pılan oder *pıratik.
1.1.6 Phonem- Graphem Beziehung
Durch die Einführung der Sprach - und Schriftreform im Jahre 1928 wurde die arabische Schrift durch das dafür speziell weiter en twickelte Latein-Alphabet ersetzt. Bei der Übernahme und Anwendung des lateinischen Alphabets wurde darauf geachtet, dass ein Phonem einem Graphem entspricht. Es entstand dadurch eine Entsprechung von eins zu eins für die türkeitürkische Orthographie (Ro llfs 2003:11).
20
Das türkische Alphabet hat 29 Buchstaben davon sind acht für Vokale und 21 für Konsonanten . Die deutschen Grapheme <ä, q, β w, x> existieren im türkischen Alphabet nicht. Und umgekehrt sind die Grapheme <ç, ı, ğ, ş> und die Majuskel <İ> ein Bestandteil des türkischen Alphabets und kommen im deutschen Alphabet nicht vor. Die im Deutschen nicht existierende Grapheme <ç, ş> sind als Lautwert in der
deutschen Sprache unter /t Daneben gibt es auch einige Grapheme, die in beiden Alphabeten vorkommen, aber jeweils einen anderen Lautwert haben. z.B.
1.2 Suprasegmentalia
1.2.1 Akzentuierung
1.2.1.1 Wortakzentueriung
Nach Stock (1999:39) wird der Wortakzent im Deutschen in drei Kategorien unterschieden. Die Unterscheidung erfolgt in deutsche, fremde und zusammengesetzte Wörter.
Der Wortakzent im Deutschen ist bedeutu ngsunterscheidend. Dies ist am deutlichsten bei trennbaren und untrennbaren Verben zu sehen (Dieling/Hirschfeld 2000:102). z.B. wiederholen – wiederholen
In deutschen Wörtern herrscht die Akzentuierung des Wortstammes vor, manche Vor - und Nachsilben können den Akzent auf sich ziehen (Stock 1999:39 f). z.B. ge-heilt, bau-lich, Eselei
Die Fremdwörter im Deutschen tragen den Wortakzent in de r letzten langen Silbe den Wortakzent (Stock 1999:45). Die langen Vokale kann man durch die Schreibung ee,eu, eau, ou, ei, ie oder Vokal+Konsonant Endungen erkennen und sie haben den
21
Wortakzent. Deutsche Endungen wie –haft, -keit, -voll usw. werden in fremden Wörtern nicht akzentuiert (Stock 1999:46).
z.B.. Idee, Niveau
Die zusammengesetzten Wörter im Deutschen kann man in zwei Gruppen teilen. Bestimmte (determinative) Zusammensetzungen , in denen ein Grundwort durch ein Bestimmungswort erläutert wird. Bei diesen Wörtern liegt der Wortakzent auf dem bestimmenden Wort (Stock 1999:49).
z.B. Seebad, Schreibtisch In aneinanderreihende (kopulative) Zusammensetzungen werden gleich geordnete Wörter miteinander vereint. In diesen Komposita trägt das letzte Glied den Wortakzent (Stock 1999:50).
z.B. Sachsen-Anhalt, grüngelb
Im Vergleich zu Deutsch wird außer bei Ausnahmen im Türkischen immer die letzte Silbe akzentuiert, dabei nicht besonders melodisch, deutlich oder gespannt. Auch die Schallfülle ist gleichmäßiger als im Deutschen über ein Wort oder eine Wortgruppe verteilt (vgl. Gökçe 1985:8).
Eine bedeutungsunterscheidende Eigenschaft hat die Akzentuierung des Türkischen nicht. Nur Wortpausen kennzeichnen den Aufbau und die Beziehung eines Satzgefüges.
Die mehrsilbigen Wörter tragen oft die Akzentuierung auf der letzten Silbe. z.B. Babá (Vater), okullár (die Schulen).
Beim Suffigieren wird die Akzentuierung des Wortes immer weiter nach hinten verschoben (vgl. Cimilli 1979: 11).
z.B. çocúk çocuk-lár çocuk-lar-ımíz
22
Quote paper:
Duygu Yelegen, 2007, Untersuchungen zu Ausspracheproblemen türkischer Sprecher im Deutschen , Munich, GRIN Publishing GmbH
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