Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 2
1. TEXT. 3
1.1. Der Matthäustext 3
1.1.1 Übersetzung und Gliederung des Matthäustextes 3
1.1.2 Erläuterung der Gliederung des Matthäustextes 5
1.2 Der Lukastext 6
1.2.1 Übersetzung und Gliederung des Lukastextes 6
1.2.2 Erläuterung der Gliederung des Lukastextes 7
2. LITERARKRITIK 8
2.1 Abgrenzung von Tradition und Redaktion 9
2.1.1 Abgrenzung von Tradition und Redaktion beim Matthäustext. 9
2.1.2 Abgrenzung von Tradition und Redaktion beim Lukastext. 11
2.2 Rekonstruktion der Q-Überlieferung. 12
3. INTERPRETATION 12
3.1. Interpretation des Matthäustextes 13
3.2 Interpretation des Lukastextes 15
4. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN 16
4.1. Skopos des Textes. 16
4.2 Bedeutung der Texte 17
5. LITERATURVERZEICHNIS. 19
Bibel , Apokryphen: 19
Hilfsmittel (Wörterbücher, Grammatiken): 19
Kommentare : 19
1. Text
1.1. Der Matthäustext
1.1.1 Übersetzung und Gliederung des Matthäustextes
1 Und Jesus antwortete und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sagte 1 :
2 Die Königsherrschaft des Himmels gleicht 2 einem königlichen Menschen 3 , der 4 für seinen Sohn eine Hochzeitsfeier 5 veranstaltet. 3 Und er sandte seine Beamten 6 aus, die Eingeladenen zur Hochzeitsfeier zu rufen, und sie wollten nicht kommen. 4 Abermals sandte er andere Beamte aus und sagte: Sagt den Eingeladenen: Seht meine Mahlzeit ist bereitet, meine Stiere und das Mastvieh sind geschlachtet und alles ist bereit; kommt zur Hochzeitsfeier. 5 Sie aber gingen unbekümmert weg 7 , der eine 8 auf seinen eigenen Acker, der andere zu seinem Geschäft; 6 nachdem aber die anderen seine Beamten ergriffen hatten, misshandelten und töteten sie sie. 7 Der König aber zürnte und er sandte 9 seine Heere und ließ jene Mörder vernichten und ihre Stadt in Brand setzen.
1 Nach einem finiten Verb wie „antwortete“ wird die direkte Rede in LXX gewöhnlich mit λέγων eingeleitet; so auch im NT, wie hier nach ἀποκριθείς ... εἶπεν. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 420 1 .
2 „Ὡμοιώθη ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν“ - die β. τ. οὐρ. gleicht. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 1150.
Für dauernd gültige Aussagen kann der Aorist das nicht vorhandene perfektive Präsens ersetzen. In diesem Fall bedeutet ὡμοιώθη das selbe wie ὅμοιός ἐστιν. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 333 6 .
3 Adjektivierung von Substantiva durch ἄνθρωπος. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 242.
4 Im NT werden ὅς und ὅστις nicht mehr klar unterschieden. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 293 11 .
5 Bei Festnamen steht im Griechischen häufig der Plural für den deutschen Singular. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 141 7 .
6 ∆οῦλος meint hier die, nach orientalischem Brauch üblichen, Beamten eines Königs. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 413.
7 Ἀμελήσαντες ἀπῆλθον - sie gingen unbekümmert weg. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 87.
8 Ὁς μὲν ... ὁς δέ steht hier anstelle von ὁ μὲν ... ὁ δέ. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 293 11 .
9 Πέμπω ist hier mit einem anderen Verb verbunden, das den Zweck der Sendung angibt. Das mit πέμπω verbundene Wort nimmt hier die Stelle des finiten Verbs
3
8 Dann sagte 10 er seinen Beamten: Das Hochzeitsfest ist zwar bereit, die Eingeladenen aber waren nicht würdig; 9 geht also bis an die Ausmündungen 11 der Straßen und ruft so viele, wie ihr findet 12 , zur Hochzeitsfeier. 10 Und nachdem jene Beamte auf die Straßen hinaus gegangen waren, versammelten sie alle, die sie fanden, Böse und Gute; und das Hochzeitsfest wurde erfüllt von zum Mahle Gelagerten 13 .
11 Nachdem aber der König hineingegangen war um nach den zum Mahle Gelagerten zu sehen, sah er dort einen Mann, der nicht 14 in ein Hochzeitsgewand gekleidet war 15 , 12 und er sagte ihm: Freund, wie bist du hier hineingekommen, obwohl du kein Hochzeitsgewand trägst? Er aber blieb stumm. 13 Dann sagte der König den Dienern: Fesselt 16 ihn an Händen und Füßen und werft ihn in die Finsternis ganz draußen 17 hinaus; dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.
14 Denn viele 18 sind berufen, wenige aber auserwählt.
ein, während πέμπω im Partizip steht. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 1293.
10 Präsens historicum.
11 Gemeint ist die Stelle, an der die Straße die Ortsgrenze durchschneidet und in die offenen Landschaft ausmündet. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 390.
12 Ὅσος ἐάν bedeutet hier das selbe wie ὅσος ἄν. Es ist ein prospektiver Relativsatz. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 1187.
13 Ὁ ἀνακείμενος - die zum Mahle Gelagerten. Vgl. Bauer-Aland, Griechischdeutsches Wörterbuch S. 109.
14 Gewöhnlich werden Partizipien im NT mit μή verneint. Dies ist bei Matthäus die einzige Stelle, an der ein Partizip mit οὐ verneint wird. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 430 3 .
15 Das Partizip ist hier eine Ergänzung zu einem Verb des Wahrnehmens und kann daher mit einem Relativsatz übersetzt werden. εἶδεν, ἐκεῖ ἄνθρωπον οὐκ ἐνδεδύμενον = ... ὅς οὐκ ἐνδέδυτο. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 416 4 .
16 Das Partizip dient hier der Vermeidung zweier mit καί verbundener Imperative und kann daher als Imperativ übersetzt werden. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 417 1 .
17 Τὸ σκότος τὸ ἐξώτερον - die Finsternis ganz draußen. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 1513.
18 πολλοί bildet hier den Gegensatz zu ὀλίγοι. Gemeint ist also die Mehrzahl. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 245 1 .
4
1.1.2 Erläuterung der Gliederung des Matthäustextes
Die Perikope wird eingeleitet durch V1, der die nachfolgende Parabel (V2-13) mit dem vorherigen Sinnabschnitt verbindet. Der Hauptteil, die Parabel, beginnt mit einer Überschrift (V2), die den Hintergrund der beiden folgenden Abschnitte (V3-10 und V11-13) nennt und die ganze Parabel als βασιλεία-Gleichnis kennzeichnet. Der erste Abschnitt (V3-10) ist in sich geschlossen. Er beginnt mit der Einladung der Gäste und endet damit, dass das Haus voll wird. Dieser Abschnitt besitzt eine Parallele in Lk 14,15-24 19 und besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil (V3-7) ist bestimmt durch den Ruf und die Absage der Eingeladenen. Da V7 die direkte Reaktion des Königs auf das Geschehen in V6 ist, muss V7 zum ersten Teil gezählt werden, auch wenn er nicht mehr unmittelbar die Absage der zuerst Eingeladenen betrifft 20 . Der zweite Teil (V8-10) beinhaltet die Einladung neuer Gäste und das Vollwerden des Hauses. Der zweite Abschnitt (V11-13) behandelt ein neues Thema, den Ausschluss eines Mannes ohne Hochzeitsgewand vom Fest. Er hat keine Parallelstelle bei Lukas. 21 Die Einsetzung eines neuen Abschnitts ist auch daran zu erkennen, dass statt δοῦλος nun der Begriff διάκονος verwendet wird. Dennoch ist dieser Abschnitt im vorliegenden Zusammenhang nicht als eigenständige Parabel anzusehen 22 , da Matthäus die beiden Abschnitte zu einem Gleichnis fusioniert hat. V14 schließt nicht direkt an die Handlung aus V13 an und befindet sich bereits außerhalb der Parabel. Daher kann er als Kommentar des Erzählers Jesus verstanden werden. 23
19 Beide Gleichnisse erzählen von einem Gastmahl, von der Absage der ersten Gäste und der Einladung Neuer, worauf das Haus voll wird.
20 Auf Grund dieses Arguments sieht Gnilka in V7 eine Überleitung vom Abschnitt V2-6 zum Abschnitt V8-10. Vgl. Gnilka, Das Matthäusevangelium, HThK S. 234.
21 Dies wird unter 2.1.1 genauer erläutert.
22 Dieser Ansicht ist Hagner. Vgl. Hagner, Matthew, WBC S. 628. Eventuell war dies auch ursprünglich der Fall. In der hier zu bearbeitenden Perikope ist dies jedoch aus oben genannten Gründen nicht anzunehmen.
23 Vgl. Luz, Das Evangelium nach Matthäus, EKK S. 231.
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1.2 Der Lukastext
1.2.1 Übersetzung und Gliederung des Lukastextes
15 Nachdem aber einer der Tischgenossen 24 dies 25 gehört hatte, sagte er zu ihm: Selig ist der, der von der Nahrung 26 im Reich Gottes isst.
16 Er aber sagte zu ihm: Irgendein Mensch veranstaltete ein großes Gastmahl und lud viele ein. 17 Und er sandte seinen Haussklaven 27 zur Zeit des Gastmahles aus, um den Eingeladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit.
18 Und alle begannen einstimmig 28 sich zu entschuldigen. Der Erste sagte ihm: Ich habe einen Acker gekauft und ich muss 29 hinausgehen 30 und ihn sehen; ich bitte 31 dich, sieh mich als entschuldigt an 32 . 19 Und ein Anderer sagte: Ich habe fünf Joch Rinder gekauft und
24 Substantiviert bedeutet das Partizip von συνανάκειμαι Tischgenosse. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 1565.
25 Gemeint ist die Warnung vor Rangsucht und Eigennutz in Lk 14,7-14 und vor allem die Mahnung am Ende der Perikope (V12-14).
26 φαγεῖν ἄρτον ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ θεοῦ bedeutet auch „an der Seligkeit teilnehmen“, da nach einer bei Juden und Heiden verbreiteten Vorstellung die Seligkeit in Gestalt eines Mahles genossen wird. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 222.
27 Trotz der wörtlichen Übereinstimmung mit Mt 22,1-10, ist δοῦλος hier anders zu übersetzen. In diesem Zusammenhang bedeutet δοῦλος Haussklave, wogegen in Mt 22,1-10 der hohe Beamte eines Königs gemeint ist. Vgl. Weiser, δουλεύω, EWNT S. 846.
28 Nach ἀπὸ μιᾶς muss ein γνώμης, ὁπμῆς, γλώσσης oder φωνῆς ergänzt werden. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 241 9 .
29 ἀνάγκη ἐχεῖν bedeutet „gezwungen sein“, „müssen“. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 672.
30 Partizip Aorist zum Ausdruck einer mit dem übergeordneten Verb identischen Handlung.
31 Auf ἐρωτάω folgt ein Imperativ. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 632.
32 Ἔχε με παρῃτημένον - sieh mich als entschuldigt an. Vgl. Bauer-Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch S. 1246.
Mit diesem doppelten Akkusativ, bestehend aus einem äußeren Objekt με und einem Prädikatsakkusativ παρῃτημένον, bedeutet ἐχεῖν „ansehen als“. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 157 5 . Normalerweise stehen Verben des Zeigens und Überführens im NT nicht mit Partizip. Auch in dieser Konstruktion ist dies nur scheinbar der Fall, da der Prädikatsakkusativ des doppelten Akkusativs ein Partizip ist. ἔχε με παρῃτημένον bedeutet also „halte mich als einen Entschuldigten“ oder „entschuldige mich“. Vgl. Blass, Debrunner, Rehkopf, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch § 416,3.
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Vera Bongert, 2008, Exegese von Mt 22,1-14 und Lk 14,15-24, München, GRIN Verlag GmbH
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