Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Evangelisch-Theologische Fakultät
Proseminar: Einführung in die wissenschaftliche Arbeit am Alten Testament
Sommersemester 2007
Proseminararbeit
Exegese von Gen. 21, 22-34
vorgelegt von Vera Bongert
2-Fach Bachelor
evangelische Religionslehre
2. Fachsemester
Tag der Einreichung:
24.08.2007
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Inhaltsverzeichnis
Vergleich
der
Übersetzungen
Seite 3
Literarkritik
Seite 4
Redaktionskritik
Seite 7
Formgeschichte
Seite 10
Gliederung
Seite 10
Gattung
Seite 11
Formale
Merkmale
einer
Sage Seite
11
Untergattungen der Sage
Seite 12
Sitz
im
Leben
Seite
13
Traditionsgeschichte
Seite 14
Theologische Auswertung
Seite 17
Literaturverzeichnis
Seite 18
Anhang
Seite 19
3
Vergleich der Übersetzungen
Im Folgenden werde ich die Übersetzungen von Gen. 21, 22-34 des Seebass Kommentars, der
Züricher Bibel und der Luther Bibel vergleichen.
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In V24 heißt es in der Züricher Übersetzung ,,Ich schwöre.", in der lutherischen ,,Ich will
schwören." und in Seebass Übersetzung ,,Ja, ich werde schwören.". In der Züricher
Übersetzung ist der Schwur bereits enthalten. Er ist gegenwärtig ausgesprochen worden. Das
,,will" und noch mehr das ,,werde" verschieben den Schwur auf einen Zeitpunkt außerhalb des
Textes. Allen drei Übersetzungen ist jedoch inhaltlich gleich, dass Abraham dem Schwur
zusagt.
In V27 werden die Begriffe ,,Bund" (Züricher Bibel, Luther Bibel) und ,,Verpflichtung"
(Seebass Übersetzung) genutzt. In den Überschriften der Übersetzung von Seebass und der
Züricher Bibel wurde für die selbe Handlung bereits das Wort ,,Vertrag" gebraucht. In einem
Vertrag geht es um Selbstverpflichtung auf beiden Seiten der Vertragspartner. Bei einer
Verpflichtung geht es um eine Leistung die geschuldet wird. Ein Bund ist eine vertragliche
Vereinbarung. Mit dem Begriff Bund wird allerdings teilweise auch eine freundschaftliche
Verbindung der Beteiligten assoziiert. Im Ganzen sagen die Begriffe jedoch etwas sehr
Ähnliches aus.
In V31 unterscheidet sich die Schreibweise des Ortes. In der Luther Bibel wird er
,,Beerscheba", in der Übersetzung von Seebass und der Züricher Bibel dagegen ,,Beerseba"
geschrieben. Einen weiteren Unterschied in der Schreibweise findet man in V22. Abimelechs
Feldhauptmann wird an dieser Stelle in den Übersetzungen der Züricher und der Luther Bibel
,,Pichol" in der Übersetzung des Seebass Kommentars allerdings ,,Pikol" geschrieben.
In V33 ruft Abraham zu Gott. In den Übersetzungen der Züricher und der Luther Bibel heißt
es ,,den Namen des Herrn, des ewigen Gottes". In Seebass Übersetzung steht dagegen ,,den
Namen ,,Jahwe El Olam" ", das heißt ,,Gott der Welt". Seebass hat demnach den Beinamen
Jahwes nicht ins Deutsche übersetzt.
Insgesamt sind keine schwerwiegenden Unterschiede zu finden, die zu verschiedenen
Aussagen der Übersetzungen führen. Die Übersetzungen sind sich sehr ähnlich. Die oben
aufgeführten Unterschiede haben kaum Relevanz, da es sich meist nur um unterschiedliche
Schreibweisen oder verschiedene Begriffe mit ähnlicher Bedeutung handelt.
Ich werde für meine Exegese die Übersetzung der Züricher Bibel verwenden, da diese mir aus
dem Umgang im Semester am vertrautesten ist.
1
Sieh Anhang S. 21f.
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Literarkritik
Der Text weist viele Uneinheitlichkeiten und sprachliche Unebenheiten auf. Zudem scheint
die Erzählung nicht ohne Weiteres in ihren literarischen Zusammenhang zu passen, da vor
V22 fehlt die Notiz, dass Abraham von Gerar nach Beerseba gezogen ist.
Nach V24 kommt es sowohl auf inhaltlicher, als auch auf sprachlicher Ebene zu einem Bruch.
Inhaltlich erscheint es widersprüchlich, dass Abraham Abimelech einen Vorwurf macht,
obwohl er ihm zuvor geschworen hat. Hätte Abraham Einwände gehabt, hätte er sie vor dem
Schwur geäußert und nicht danach. Weiter erkennt man den Bruch daran, dass es sich
plötzlich um einen vorher nicht erwähnten Brunnen handelt. Auf sprachlicher Ebene findet
ein Wechsel von wörtlicher zu indirekter Rede statt, der den inhaltlichen Bruch noch
unterstreicht.
Vor und nach V27 kommt es ebenfalls zu inhaltlichen Brüchen. Nach V26 macht ein
Geschenk Abrahams keinen Sinn. Weiter erscheint es widersprüchlich, dass Abraham,
nachdem er Abimelech bereits Tiere geschenkt hat, weitere sieben Lämmer beiseite stellt.
V27a ist eine Doppelung zu V28-30. Beide Male wird die Gabe von Tieren beschrieben.
V27b und V32a sind ebenfalls eine Dublette. In diesen Versen wird zwei mal von einem
Bundesschluss berichtet.
Zudem wird der Name Beerseba auf zwei verschiedene Weisen erklärt, als Schwurbrunnen,
V31b und als Siebenbrunnen, V31a.
Eine weitere Auffälligkeit ist der Wechsel der Gottesbezeichnungen. In V22,23 steht die
Bezeichnung ,,Gott", wogegen in V33 ,,Herr" beziehungsweise ,,Jahwe" genutzt wird.
Ein inhaltlicher Widerspruch zu V32 befindet sich in V34, in welchem Abraham sich im
Philisterland befindet. In V32 war Beerseba allerdings nicht zum Philisterland gezählt
worden.
Aufgrund dieser Beobachtungen lässt sich eine Grundschicht annehmen, der folgende Verse
zugeordnet werden können: V22-24, 27.
Eine Begründung dafür ist der Bruch in der
Erzählstruktur zwischen V24 und V25. V27 folgt als unmittelbare Konsequenz nach V24, da
es damals üblich war bei Bundesschließungen Geschenke zu geben.
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Doch auch zwischen den V25-26, 28-30 gibt es inhaltliche Zusammenhänge. In diesen Versen
wird über Brunnen gesprochen, die in der Grundschicht jedoch nicht erwähnt werden. Daraus
2
Vgl. Gunkel, H., Genesis, S. 235.
5
kann man schließen, dass auch diese Verse einen Erzählzusammenhang bilden. Die Erzählung
enthält also noch eine zweite Schicht.
3
Die Namenserklärung von Beerseba, als Schwurbrunnen, V31b, kann man als Anknüpfung an
die Grundschicht
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sehen, da Abraham in V24 schwört.
5
V31a kann der zweiten Schicht
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zugeordnet werden, da der Vers in Anknüpfung an V30 Beerseba als Siebenbrunnen erklärt.
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Aufgrund der unterschiedlichen Namensätiologien kann V31 keine Einheit sein, die einer
Schicht zugeordnet werden kann.
V32a ist eine Doppelung zu V27b. Abermals wird von einem Bundesschluss berichtet. Daraus
kann man schließen, dass V32a zur Schicht B gehören muss.
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Dagegen spricht jedoch, dass
der Inhalt von Schicht B sich nicht auf einen Bund, sondern auf einen Brunnenstreit bezieht.
Abrahams Erwerb der Brunnenregion hat nichts mit einem Bundesschluss gemeinsam. Man
könnte V32a auch als eine Wiederaufnahme von V27b betrachten und somit Schicht A
zuordnen
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, was m. E. nach unwahrscheinlich ist. In der ursprünglichen Grundschicht A wäre
eine solche Wiederaufnahme nicht nötig gewesen. Es handelt sich demnach um eine
nachträgliche Glättung der gesamten Erzählung. V32 kann also als nachträglicher
redaktioneller Zusatz betrachtet werden, der auf den Einfluss von Gen. 26 zurück geht.
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In V33 wird Beerseba zu einem Heiligtum. Dieser Inhalt fügt sich an Schicht B an, in der
Beerseba, als Siebenbrunnen erklärt wird. Die Heiligkeit der Zahl sieben
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und der Erwerb der
Brunnenregion, für den Abraham Gott danken wird, machen diesen Zusammenhang deutlich.
Westermann sieht dagegen in V33 einen Bestandteil eines Itinerars. Da
Brunnenstreiterzählungen unterwegs spielen, beinhalten diese Itinerare.
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Diese ,,dienten
ursprünglich der Information über Weg und Dauer einer Reiseroute"
13
. Die Annahme, dass
V33 Teil eines Itinerars ist, ist m. E. wenig plausibel, da die Aussage des Verses das
Gotteslob und die Heiligtumsstiftung sind und nicht Informationen über eine Reiseroute.
V34 wird häufig als redaktioneller Abschluss bezeichnet.
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Dies wird mit dem Widerspruch
zu V32b begründet, in dem Beerseba nicht zum Philisterland gehört. Dagegen könnte man
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Über die Zuordnung dieser Verse auf zwei Schichten herrscht auch in der literarkritischen Forschung
weitgehend Übereinstimmung, zum Beispiel Gunkel, v. Rad, Westermann und Blum.
4
Im weiteren Schicht A genannt.
5
Dies sehen unter anderem Gunkel und v. Rad so. Vgl. Gunkel, H., Genesis, S. 233, Rad v., G., ATD, S. 187.
6
Im weiteren Schicht B genannt.
7
Westermann ist im Gegensatz zu Gunkel und v. Rad, die V31b Schicht A zuordnen, ebenfalls dieser Ansicht.
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Dies ist die Folgerung von Gunkel und v. Rad. Vgl. Gunkel, H., Genesis, S. 233, Rad v., G., ATD, S. 187.
9
Vgl. Westermann, C., BK, S. 427.
10
Vgl. Seebass, H., Genesis/2. Vätergeschichte 1, S. 195.
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Genauere Erläuterungen hierzu finden sich in der Traditionsgeschichte, S. 14.
12
Vgl. Westermann, C., Die Urgeschichte; Abraham, S. 230.
13
Kaiser, O., Einleitung in das Alte Testament, S. 63.
14
Dieser Ansicht sind Gunkel, Westermann und v. Rad. Vgl. Gunkel, H., Genesis, S. 236, Westermann, C., BK,
S. 428, Rad v., G., ATD, S. 188.
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