Inhaltsverzeichnis
Abbildungs und Tabellenverzeichnis 4
Abkürzungsverzeichnis 5
1. Einleitung 7
1.1 Thematische Einführung 7
1.2 Fragestellung und Zielsetzung 8
1.3 Gang der Untersuchung 9
1.4 Forschungsstand 10
2. Grundlagen 11
2.1 Begriffsbestimmung 11
2.2 Charakterisierung der Direktinvestitionen 13
2.3 Theorien der ausländischen Direktinvestitionen 14
2.3.1 Theory of International Operations (Hymer Kindleberger) 15
2.3.2 Knickerbocker s Oligopolistic Reaction 16
2.3.3 Dunning s Eclectic Paradigm 18
3. Umfang der US-Direktinvestitionen in Großbritannien 20
3.1 Historischer Überblick 20
3.1.1 Entstehung der transatlantischen Investitionen ( 1870) 20
3.1.2 Entwicklung von 1870 1945 22
3.1.3 Entwicklung von 1945 1979 26
3.1.4 Entwicklung von 1979 bis heute 28
3.2 Regionale Differenzierung US-amerikanischer Direktinvestitionen 30
3.3 Sektorspezifische Verteilung der US-Direktinvestitionen 35
4. Motive für US-Direktinvestitionen in Großbritannien 38
4.1 Markt und absatzorientierte Motive 38
4.2 Kosten und ressourcenorientierte Motive 40
4.3 Kulturelle Faktoren 43
4.4 Flexibler Arbeitsmarkt 45
4.5 Verkehrsinfrastruktur 47
2
4.6 Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen 49
4.6.1 US-amerikanische Investitionspolitik 49
4.6.2 Britische Politik der offenen Tür 50
4.6.3 Wirtschafts Rechts und Steuersystem 52
4.7 Cross-Investments 54
5. Auswirkungen der US-Direktinvestitionen auf die britische Wirtschaft 56
5.1 Zahlungsbilanz 56
5.2 Technologie und Innovationstransfer 58
5.3 Beschäftigungseffekte und brain drain 60
5.4 Industrial Relations 62
5.5 Wettbewerbsstruktur 65
6. Schlussfolgerungen 66
Anhang 69
Tab 5: Investitionsmotive amerikanischer Unternehmen 69
Tab 6: Umfrageergebnisse der wichtigsten Beweggründe für US
amerikanische Direktinvestitionen in Großbritannien 70
Literaturverzeichnis 71
3
Abbildungs und Tabellenverzeichnis
Abb 1: Regionale Promotionsorganisationen 31
Abb 2: US-Direktinvestitionen nach Sektoren 2002 35
Abb 3: Vergleich der Betriebskosten 2006 41
Abb 4: Vergleich der F E-Kosten 2006 42
Abb 5: Kulturelle Einflussgrößen 44
Abb 6: Arbeitnehmerschutz in ausgewählten OECD-Ländern 45
Abb 7: Grenzsteuerbelastung ausgewählter EU-Staaten 54
Tab 1: Anteil amerikanischer Investitionen in Europa 1950 1970 (in ) 27
Tab 2: Jährliche Neuinvestitionen US-amerikanischer Unternehmen in den
einzelnen Regionen 2000 2005 31
Tab 3: Auswirkungen der Direktinvestitionen auf die britische
Zahlungsbilanz 57
Tab 4: Anzahl der Beschäftigten in ausländischen Tochtergesellschaften in
Großbritannien 1995 1997 61
Tab 5: Investitionsmotive amerikanischer Unternehmen 69
Tab 6: Umfrageergebnisse der wichtigsten Beweggründe für US
amerikanische Direktinvestitionen in Großbritannien 70
4
Abkürzungsverzeichnis
Abb. = Abbildung
AT = Austria
BIP = Bruttoinlandsprodukt
bspw. = beispielsweise
bzw. = beziehungsweise
ca. = circa
DE = Deutschland
d. h. = das heißt
EBS = Ebsco Host (Datenbank)
EEC = European Economic Community
EG = Europäische Gemeinschaft
ERP = European Recovery Program
et al. = et alia (und andere)
etc. = et cetera
EU = Europäische Union
evtl. = eventuell
EWG = Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
EZB = Elektronische Zeitschriftenbibliothek
FDI = Foreign Direct Investment
F&E = Forschung & Entwicklung
FR = Frankreich
Hg. = Herausgeber
HRM = Human Resource Management
IBB = Invest in Britain Bureau
i.d.R. = in der Regel
Inc. = Incorporation
IRE = Ireland
IT = Italien
JAP = Japan
Jg. = Jahrgang
JIBS = Journal of International Business Studies
k.A. = keine Angaben
5
KSt = Körperschaftsteuer
Mio.
MNU Mrd.
No.
NL PL PRT S.
sog.
u.
u.a.
UNCTAD UNCTC UK US USA v.a.
v.H.
Vol.
z. B.
6
1. Einleitung
1.1 Thematische Einführung
Der starke Anstieg ausländischer Direktinvestitionen hat in den letzten Jahrzehn- ten einen entscheidenden Beitrag zur Globalisierung der Weltwirtschaft geleistet. 1 Insbesondere multinationale Unternehmen bevorzugen eine dauerhafte Präsenz im ausländischen Markt gegenüber den alternativen Marktbearbeitungsformen des Im- und Exports von Gütern. Obwohl das Phänomen der Auslandsinvestitionen in Großbritannien seinen Ursprung hatte, sind inzwischen die Vereinigten Staaten von Amerika zum größten Direktinvestor weltweit geworden. 2 Unter den Industrienationen gehört Großbritannien mit einem Foreign Direct In- vestment (FDI) Bestand von 817 Mrd. US $ (2005) zu den wichtigsten Ziellän- dern ausländischer Direktinvestitionen. 3 Trotz historischer Probleme mit niedri- gem Wirtschaftswachstum, hoher Arbeitslosigkeit und industrieller Dekadenz, ist Großbritannien vor allem bei den US-amerikanischen Direktinvestitionen in Eu- ropa seit Jahrzehnten Hauptempfänger und bietet erfolgreichen Unternehmen wie Ford, IBM und Citibank einen attraktiven Investitionsstandort. 4 Neben dem Weg- fall von Sprachbarrieren bestimmen wirtschaftliche Rahmenbedingungen, der fle- xible Arbeitsmarkt sowie die Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt Großbritanniens Attraktivität. Um dauerhaft von den wichtigen Kapitalzuflüssen aus den Vereinig- ten Staaten zu profitieren, hat auch Großbritannien in der Vergangenheit immer wieder Reformen unternommen, um gegen Konkurrenten aus Kontinentaleuropa seine Wettbewerbsfähigkeit zu behaupten. Die fortschreitende Globalisierung so- wie die Aufnahme neuer EU-Staaten werden auch zukünftige Anpassungen nötig machen.
Die historischen US-Investitionen wurden allerdings nicht von allen Staaten posi- tiv beurteilt. In den 60er Jahren hatte Servan-Schreiber mit seinem Buch „The American Challenge“ Aufsehen erregt und die amerikanischen Investitionen in
1 Nigel Pain, Inward Investment, Technological Change and Growth. The Impact of Multinational Corporations on the UK Economy (Basingstoke: Palgrave, 2001), S. 3. 2 UNCTAD, Country Fact Sheets. United Kingdom, URL: http://www.unctad.org/Templates/Page.asp?intItemID=3198&lang=1 [13. November 2006], S. 1.
3 Ibid.
4 UNCTAD, FDI Country profiles. United Kingdom, URL: http://www.unctad.org/Templates/Page.asp?intItemID=3198&lang=1 [05.November 2006], S. 37.
7
Europa sowie die damit verbundene ausländische Kontrolle und Überfremdung kritisiert. Großbritannien – selbst ein führender Kapitalexporteur in der Weltwirt- schaft mit multinationalen Unternehmen in verschiedenen Auslandsmärkten – hat weitaus weniger ablehnend auf die US-amerikanischen Direktinvestitionen rea- giert als Kontinentaleuropa. Ein Grund für dieses Verhalten könnte in den sog. cross-investments liegen, die die britisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen seit dem 18. Jahrhundert prägen und eine gegenseitige Abhängigkeit in Bezug auf die Investitionsströme schaffen. Zudem ist die liberale Haltung gegenüber dem freien Welthandel eine ursprünglich englische Ideologie (Adam Smith, „The Wealth of Nations“) und kommt auch heute noch in deren Einstellung zu auslän- dischen Direktinvestitionen zum Ausdruck. Trotzdem wird auch von britischer Seite die technologische Kluft, die sich durch die US-amerikanischen Direkt- investitionen ergibt, zunehmend bemängelt. 5
1.2 1.2 Fragestellung und Zielsetzung
Die Intensität der globalen US-amerikanischen Direktinvestitionen ist unumstrit- ten. Innerhalb Europas zeichnet sich jedoch Großbritannien seit mehr als einem Jahrhundert als Hauptempfänger amerikanischer Investitionen aus. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Frage formulieren, wie sich die US-amerikanischen Di- rektinvestitionen in Großbritannien entwickelt haben, und welchen Umfang sie sowohl damals als auch heute einnehmen. Eine Bestandsaufnahme der außenwirt- schaftlichen Verflechtungen soll diese Untersuchung begleiten. Im Kern der Dis- kussion steht des Weiteren die Frage, welche Argumente für die Wahl des briti- schen Standorts für US-Investoren entscheidend sind, und welche Rahmenbe- dingungen Großbritannien zum Investitionsgewinner machen. Zudem soll in die- sem Zusammenhang die Frage beantwortet werden, welche mikro- und makro- ökonomischen Auswirkungen sich durch die US-Direktinvestitionen für die briti- sche Wirtschaft ergeben.
Zielsetzung ist es, die US-amerikanischen Direktinvestitionen seit dem 17. Jahr- hundert zu erforschen und zugleich die heutige Situation darzustellen. Ferner ge- ben eine regionale und sektoriale Differenzierung Aufschluss über die bevorzug-
5 Jean-Jaques Servan-Schreiber, The American Challenge (London: Hamish Hamilton, 1968),
S. 58.
8
ten Standorte und Branchen US-amerikanischer Investoren. Insbesondere eine Analyse wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen und ökonomischer Investiti- onsmotive sollen die Gründe für US-amerikanische Direktinvestitionen in Groß- britannien veranschaulichen. Darauf aufbauend sollen die positiven und negativen Konsequenzen der US-amerikanischen Direktinvestitionen beurteilt werden.
1.3 1.3 Gang der Untersuchung
Der Fokus dieser Arbeit liegt – neben einem kurzen historischen Überblick – auf den US-amerikanischen Direktinvestitionen in Großbritannien seit den 50er Jah- ren.
Die vorliegende Arbeit ist insgesamt in sechs Kapitel gegliedert. Nach der thema- tischen Einführung wird im zweiten Kapitel zunächst der Begriff Direktinvestiti- on erläutert. Dabei sollen auch die verschiedenen Formen von Direktinvestitionen diskutiert werden. Zur Begründung ausländischer Direktinvestitionen werden par- tialtheoretische Erklärungsansätze von Hymer/Kindleberger, Knickerbocker und Dunning vorgestellt. Im weiteren Verlauf der Untersuchung wird immer wieder ein Kausalzusammenhang zwischen diesen Theorien und den US-amerikanischen Direktinvestitionen in Großbritannien hergestellt. Das dritte Kapitel untersucht den Umfang und die Entwicklung der US-amerikanischen Direktinvestitionen in Großbritannien. Eine regionale und sektoriale Studie der US-amerikanischen Di- rektinvestitionen gibt dabei einen Überblick über die wichtigsten Standorte und die bevorzugten Branchen für US-amerikanisches Investitionskapital. Im vierten Kapitel werden die Motive für US-amerikanische Direktinvestitionen in Großbri- tannien aufgezeigt. Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der kul- turellen Affinität beider Länder, gilt es insbesondere die kosten- und marktorien- tierten Motive sowie den flexiblen Arbeitsmarkt am Standort Großbritannien her- auszuarbeiten. Im fünften Kapitel wird auf die mikro- und makroökonomischen Auswirkungen der Direktinvestitionen im Gastgeberland Großbritannien einge- gangen. Eine aus den Ausführungen dieser Arbeit gewonnene Gesamterkenntnis rundet innerhalb der Schlussbetrachtung diese Untersuchung ab.
9
1.4 Forschungsstand
Zahlreiche Publikationen zu ausländischen Direktinvestitionen in Großbritannien verdeutlichen die Bedeutung des Standortes für internationale Investoren. Allge- meine Studien zur ausländischen Investitionstätigkeit in Großbritannien liegen von Stopford/Turner 6 , Young/Hood/Hamill 7 und Bailey/Harte/Sugden 8 vor. Diese konzentrieren sich jedoch auf globale Investoren und sind nicht spezifisch auf das Themengebiet der US-amerikanischen Direktinvestitionen ausgerichtet. Zur Entwicklung der US-amerikanischen Direktinvestitionen in Großbritannien liefern Wilkins 9 und Dunning 10 umfangreiche Angaben. Generell ist John H. Dun- ning 11 einer der wichtigsten Autoren im Bereich der ausländischen Direktinvesti- tionen. In seinem Werk „American Investment in British Manufacturing Industry“ gibt er einen Überblick über die US-amerikanischen Direktinvestitionen im pro- duzierenden Gewerbe in den 50er Jahren. Seine zweite Ausgabe aus dem Jahr 1998 analysiert allerdings erneut die veralteten Daten von 1955 und bietet – mit Ausnahme des letzten Kapitels – leider keine neuen und aktuellen Erkenntnisse zum amerikanischen Investitionsverhalten in Großbritannien.
Die regionale Differenzierung US-amerikanischer Direktinvestitionen wurde mit Hilfe einer empirischen Befragung der Regional Development Agencies durchge- führt. 12 Während einige regionale Investitionsbüros sich sehr kooperativ zeigten (z.B. Wales, North East, London), machten andere Promotionsorganisationen auch nach mehreren Anfragen keine Angaben zu dem Umfang der US- amerikanischen Direktinvestitionen in ihrer Region (z.B. South East, Yorkshire, East Midlands). Für die sektorspezifische Verteilung US-amerikanischen Inves-
6 John M. Stopford/Louis Turner, Britain and the Multinationals (Chichester: John Wiley & Sons, 1985).
7 Stephen Young/Neil Hood/James Hamill, Foreign Multinationals and the British Economy (New York: Croom Helm, 1988).
8 David Bailey/George Harte/Roger Sugden, Making Transnationals Accountable. A Significant Step for Britain (London: Routledge, 1994).
9 Mira Wilkins, The Emergence of Multinational Enterprise. American Business Abroad from the Colonial Era to 1914 (Cambridge: Harvard University Press, 1970); Mira Wilkins, The Maturing of Multinational Enterprise. American Business Abroad from 1914 to 1970 (Cambridge: Harvard University Press, 1974).
10 John H. Dunning, American Investment in British Manufacturing Industry (London: George Al- len & Unwin, 1958).
11 John H. Dunning, The Role of American Investment in the British Economy (London: PEP, 1969); John H. Dunning, U.S. Industry in Britain (London: Wilton House Publications, 1976). 12 Das nationale Invest in Britain Bureau konnte keine Angaben zu den US-amerikanischen Di- rektinvestitionen in den einzelnen Regionen machen.
10
titionskapitals in Großbritannien konnten Daten der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) 13 herangezogen werden.
Über die Motivationen amerikanischer Unternehmen in Großbritannien zu inves- tieren, existieren wenige aktuelle und öffentlich zugängliche Studien. Wichtige Angaben zum flexiblen Arbeitsmarkt liefern Döhrn et al. 14 , Pull 15 und Heery/Salomon 16 . Informationen zur Kostenstruktur und zur kulturellen Affinität zwischen Großbritannien und den USA finden sich in Internetquellen von UK Trade & Invest und British American Business Inc.
Bezüglich der Auswirkungen von Multinationalen Unternehmen auf die britische Wirtschaft erweisen sich die Abhandlungen von Steuer et al. 17 sowie von Pain 18 als hilfreich.
2. Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmung
Angloamerikanische Studien befassen sich schon seit der Jahrhundertwende mit dem Phänomen der privaten Direkt- bzw. Auslandsinvestitionen. Hobson er- läutert in seinem Buch „The Export of Capital” aus dem Jahr 1914: „…foreign in- vestments consist of that part (…) of a country and its inhabitants, situated abroad, from which its owners expect to derive an income“. 19 Neben dem Er- tragsmotiv wurde die ursprüngliche Definition ausländischer Direktinvestitionen zwischenzeitlich um das Macht- bzw. Kontrollmotiv ergänzt. 20 Eine ausländische Direktinvestition soll neben dem antizipierten Gewinn auch Kontrolle über den Unternehmensprozess ermöglichen. Heute zählen folgende langfristigen Wirt- schaftsverbindungen zum Begriff des FDI:
13 UNCTAD, „FDI stocks in the host economy, by industry and geographical origin, 2002”, FDI Country Profiles: United Kingdom, URL: http://www.unctad.org/Templates/Page.asp?intItemID= 3198&lang=1 [05. November 2006], S. 17.
14 Roland Döhrn/Phil Raines/Ross Brown/Markus Scheuer, Arbeitsmarktflexibilität und Direktin- vestitionen. Feldstudien in Deutschland und Großbritannien (Essen: RWI, 2000), S. 71. 15 Kerstin Pull, „Managerial Flexibility and the comparative attractiveness of the UK as a business location”, in: European Business Journal, Vol. 15, No. 3 (2nd quarter, 2003), [EBS]. 16 Edmund Heery/John Salmon (Hg.), The Insecure Workforce (London: Routledge, 2000). 17 Max D. Steuer/Peter Abell/John Gennard/Morris Perlman/Raymond Rees/Barry Scott/Ken Wal- lis, The impact of foreign direct investment on the United Kingdom, Department of Trade and In- dustry (London: HMSO, 1974).
18 Pain, Inward Investment.
19 Charles K. Hobson, The Export of Capital (London: Constable and Company, 1914), S. 1. 20 Stephen H. Hymer, The International Operations of National Firms. A Study of Direct Foreign Investment (Cambridge, M.A.: MIT Press, 1976), S. 1.
11
• Errichtung von 100%-igen Tochtergesellschaften, Zweigniederlassungen oder Betriebsstätten (Greenfield Investment)
• Kauf von lokalen Unternehmen (Akquisition/Brownfield Investment) oder kooperative Beteiligung an Partnerunternehmen (Joint Venture)
• Erweiterung bestehender Unternehmen durch Kapital- und Sacheinlagen 21
Von den Direktinvestitionen zu differenzieren sind die sog. Portfolioinvestitionen. Bei dieser Art von Investition wird bspw. ein Anteil an Wertpapieren oder Aktien erworben, der jedoch zu keinem wirtschaftlichen Einfluss auf die Geschäftstätig- keit führt oder zur Kontrolle über die Vermögensgegenstände des Unternehmens berechtigt. 22 Bis zum Zweiten Weltkrieg waren Portfolioinvestitionen die domi- nierende Form investiver Engagements. 23 Bei Portfolioinvestitionen sind somit Rendite- und Risikomotive ausschlaggebend, während bei Direktinvestitionen ei- ne langfristige Übertragung von Humankapital, Know-how und Produktionsfakto- ren im Vordergrund steht. 24 Bei ausländischen Direktinvestitionen wird in Groß- britannien eine Beteiligungsquote von mind. 20% gefordert, meist liegt der Anteil jedoch bei 50%. 25 In Verbindung mit FDI spricht man auch von Multinationalen Unternehmen (MNU), die in mindestens zwei Ländern tätig sind und Kontrolle sowie Koordina- tion der Wertschöpfungskette durch grenzüberschreitende Internalisierung beibe- halten. 26 Die Direktinvestition eines MNU kann dabei eine Gateway-Position ein- nehmen, durch den ein Integrationsraum, wie z.B. die EU, bedient werden soll. In Kapital 4.1 wird dieses Phänomen näher erläutert.
21 Michael Brech/Margaret Sharp, Inward Investment: Policy Options for the United Kingdom. The Royal Institute of International Affairs (London: Routledge & Kegan Paul, 1984), S. 26; Elmar Wider, Internationalisierungsstrategien australischer Unternehmen. Eine empirische Ana- lyse ihres Investitionsverhaltens in Europa (Frankfurt am Main: Peter Lang, 2002), S. 47. 22 Brech/Sharp, Inward Investment, S. 3; Annette Kersch, Wechselkursrisiken, internationaler Handel und Direktinvestitionen (Hamburg: Verlag Weltarchiv, 1987), S. 89-90.
23 Robert Z. Aliber, „A Theory of Direct Foreign Investment“, in: Charles P. Kindleberger (Hg.), The International Corporation (Cambridge: M:I.T. Press, 1970), S. 17.
24 Fischer, Direktinvestitionen, S. 31.
25 Brech/Sharp, Inward Investment, S. 3.
26 Antje Hagen, Deutsche Direktinvestitionen in Großbritannien. 1871-1918 (Jena: Universität Dissertation, 1997), S. 25.
12
2.2 Charakterisierung der Direktinvestitionen
Additive und substitutive Direktinvestitionen
Direktinvestitionen werden entsprechend ihrer Wirkung im Empfängerland als additive oder substitutive Direktinvestitionen charakterisiert. Additive Direktin- vestitionen haben den positiven Effekt eines erhöhten Investitionsvolumens im Gastgeberland, während substitutive Direktinvestitionen lokale Unternehmen vom Markt verdrängen.
Die Gründung einer ausländischen Tochtergesellschaft wird meist mit einer addi- tiven Wirkung im Empfängerland in Verbindung gebracht indem sie zu den ein- heimischen Investitionen hinzutreten, während eine Akquisition oder ein Joint Venture einen Substitutionseffekt vermuten lassen. Bei genauerer Betrachtung führen jedoch auch ausländische Tochtergesellschaften durch die Finanzierung am internationalen Kapitalmarkt zur Verdrängung lokaler Unternehmen, deren Zu- gang zum weltweiten Geldmarkt meist restriktiver ist. Zudem können qualifizierte Arbeitskräfte von der ausländischen Konkurrenz durch höhere Gehälter und inter- nationale Firmenreputation abgeworben werden. Übernahmen und Joint Ventures müssen jedoch nicht unbedingt eine substitutive Wirkung haben. Erfolgt eine Reinvestition der Gewinne im Gastgeberland, kann es durch Ausweitung der Di- rektinvestitionsprojekte zu Nachfragesteigerungen im Inland und damit zu einer höheren Produktion kommen. 27 Zudem kann ein nicht mehr wettbewerbfähiges, lokales Unternehmen von einem Joint Venture oder einer Akquisition mit einem ausländischen Investor profitieren und evtl. wieder zu Marktmacht gelangen. Neben den substitutiven und additiven Wirkungen von Direktinvestitionen kann es aber auch zu komplementären, heimischen Investitionen kommen. Die auslän- dische Konkurrenz regt dabei die lokalen Unternehmen im Empfängerland an und erfüllt eine Art Katalysatorfunktion. 28
Horizontale, vertikale und konglomerate Direktinvestitionen
Bei horizontalen und vertikalen Direktinvestitionen steht die Eingliederung in den internationalen Unternehmensprozess im Vordergrund. Bei horizontalem FDI werden Güter im Empfängerland produziert, die im Geberland auf der gleichen
27 Monika Plum, Auswirkungen von Direktinvestitionen in Empfängerländern (Bergisch Gladbach:
Josef Eul Verlag, 1995), S. 9-12.
28 Ibid, S. 11-12.
13
Wertschöpfungsstufe hergestellt werden. 29 Für außereuropäische Unternehmen spielt dabei die Reduzierung von Transportkosten und die Kundennähe eine ent- scheidende Rolle. Horizontale Direktinvestitionen werden somit aufgrund von Absatzmotiven durchgeführt. 30 Bei vertikalen Direktinvestitionen werden im Empfängerland Güter produziert, die mit Hinblick auf das Geberland auf vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungs- stufen stehen. 31 Hier können Faktorkostenvorteile die Entscheidung zur Verlage- rung des Produktionsstandortes beeinflussen. 32 Dunning hat festgestellt, dass US- Tochtergesellschaften v.a. in den Sektoren zu finden sind, in denen horizontale und vertikale Integration am Besten möglich ist. Dies ist z.B. in der Automobil-, Computer- und Elektroindustrie der Fall. 33 Besteht kein Kausalzusammenhang zwischen der Herstellung im Empfänger- und im Geberland spricht man von konglomeraten bzw. diversifizierenden Direktin- vestitionen zur Markterschließung bzw. zur strategischen Positionierung gegen- über Wettbewerbern. 34
2.3 Theorien der ausländischen Direktinvestitionen
Zur Begründung ausländischer Direktinvestitionen gibt es eine Vielzahl an parti- altheoretischen Analysen. 35 Diese Theorien sind aus zwei Gründen wichtig: Zum einen tragen sie zum Verständnis der weltwirtschaftlichen Prozesse bei, zum an- deren beeinflussen sie ausländische Regierungen und Unternehmen in ihren In- vestitionsentscheidungen. 36 Im Folgenden sollen drei Theorien, die auch im wei- teren Verlauf der Untersuchung von Relevanz sind, vorgestellt werden.
29 Charles W.L. Hill, International Business. Competing in the Global Marketplace (Boston: McGraw-Hill, 2003), S. 212.
30 Mareike Köller, „Unterschiedliche Formen von Direktinvestitionen in Irland – Eine theoriege- stütze Analyse“, CEGE- Discussion Paper. No. 58, Georg-August-Universität Göttingen, 2006, URL: http://www.cege.wiso.uni-goettingen.de/Dokumente/58_Koeller.pdf [02. November 2006], S. 1-5.
31 Stephen H. Hymer, The multinational corporation. A radical approach (Cambridge: Cambridge University Press, 1979), S. 176.
32 Aliber, „Theory of Foreign Investment“, S. 20.
33 John H. Dunning, U.S. Industry, S. 111.
34 John H. Dunning, Multinational Enterprises and the Global Economy (Wokingham: Addison- Wesley, 1993), S. 60-61.
35 Für einen Überblick bzgl. der Direktinvestitionstheorien siehe z.B. Hill, International Business; Peter J. Buckley/Michael Z. Brooke, International Business Studies. An Overview (Oxford: Black- well Publishers, 1992).
36 Buckley/Brooke, International Busines, S. 12.
14
2.3.1 Theory of International Operations (Hymer/Kindleberger)
In dieser Theorie wird davon ausgegangen, dass ausländische Direktinvestitionen gegenüber inländischen Unternehmen gewissen Wettbewerbsnachteilen unterlie- gen. 37 Solche Nachteile können z.B. die höheren Informations- und Kommunika- tionskosten aufgrund der Entfernung zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft, unterschiedliche rechtliche und politische Rahmenbedingungen, oder aber auch potentielle oder tatsächliche Diskriminierung von Seiten der Regierung oder der Konsumenten des Gastlandes sein (z.B. „Buy British“). 38 Um diese Nachteile zu kompensieren, müssen gewisse firmenspezifische bzw. monopolistische Vorteile (z.B. Know-how, economies of scale, Technologien, etc.) des MNU vorliegen, die eine ausländische Direktinvestition rechtfertigen. 39 Unter der Voraussetzung der Transferierbarkeit dieser firmenspezifischen Vorteile innerhalb des Unternehmens wird ein MNU ein direktes Investitionsengagement wählen. 40 Häufig ist dabei die Marktunvollkommenheit 41 des Ziellandes ausschlaggebend für diese Entschei- dung. 42 Zum einen besteht für das ausländische Unternehmen aufgrund der Reali- sierbarkeit der monopolistischen Vorteile die Möglichkeit Monopolgewinne im ausländischen Markt zu erzielen. 43 Zum anderen können aufgrund der Marktun- vollkommenheit und der damit verbundenen Gefahr der Imitation, die firmenspe- zifischen Wettbewerbsvorteile nicht durch Lizenzen an lokale Unternehmen ver- geben werden. Ausländische Direktinvestitionen sind folglich ein Ergebnis dieser Theorie. 44
37 Hymer, International Operations, S. 34.
38 Ibid.
39 Buckley/Brooke, International Business, S. 56; Charles P. Kindleberger, American Business Abroad. Six Lectures on Direct Investment (New Haven: Yale University Press, 1969), S. 11-12. 40 Unter der Bedingung, dass die firmenspezifischen Wettbewerbsvorteile durch lokale Unterneh- men nicht kopiert werden können; Buckley/Brooke, International Business, S. 57. 41 Nach Kindleberger gehören zu den Ursachen der Marktunvollkommenheit folgende Determi- nanten: 1. Unvollkommene Faktor- und Gütermärkte geben international operierenden Unter- nehmen mit ihrem überlegenen Know-how einen Vorteil gegenüber heimischen Konkurrenten;
2. Die Möglichkeit zur Nutzung von economies of scale and scope ist bei global operierenden Un- ternehmen deutlich größer als bei lokalen Unternehmen; 3. Tarifäre und nicht-tarifäre Handels- hemmnisse sollten eigentlich nationale Unternehmen schützen (infant-industry), bewegen auslän- dische Unternehmen jedoch zur Durchführung von Direktinvestitionen; Charles P. Kindleberger, American Business Abroad. Six Lectures on Direct Investment (New Haven: Yale University Press, 1969), S. 14-25.
42 Hymer, International Operations, S. 25.
43 John H. Dunning, Multinational Enterprises and the Global Economy (Wokingham: Addison- Wesley, 1993), S. 70.
44 Buckley/Brooke, International Business, S. 57.
15
Die Bedeutung firmenspezifischer Vorteile bei ausländischen Direktinvestitionen wird empirisch bestätigt, so dass Hymers Hypothese oft als Basis für die Entwick- lung von Direktinvestitionstheorien verwendet wird (z.B. Dunning). 45 Allerdings vernachlässigt Hymer die Möglichkeit zur Realisierung der monopolis- tischen Vorteile durch alternative Marktbearbeitungsformen, wie z.B. den Export. Die Gründe für die Vornahme einer ausländischen Direktinvestition werden in Hymer’s Theory of International Operations folglich nicht hinreichend geklärt. Zudem wird in einer globalen Weltwirtschaft der Hymer/Kindleberger Ansatz als nicht mehr zeitgemäß erachtet. Multinationale Unternehmen können heutzutage länderspezifische Marktbedingungen vorhersehen und sich ihnen anpassen, ohne bei Markteintritt Wettbewerbsnachteilen zu unterliegen. 46
2.3.2 Knickerbocker’s Oligopolistic Reaction
Ausländische Direktinvestitionen sind in dieser Theorie auf eine oligopolistische Wettbewerbsstruktur im Heimatland zurückzuführen. 47 Knickerbocker stellte in seiner Studie im Zeitraum von 1948-1967 eine zeitliche, geographische und bran- chenspezifische Agglomeration an US-amerikanischen Direktinvestitionen in Eu- ropa fest. 48 Er folgerte aus diesem Ergebnis ein Parallelverhalten bzw. eine Imita- tion an Auslandsinvestitionen defensiver Art (Bandwagon-Effekt 49 ) um Marktan- teilsverluste und einer Schwächung der eigenen Unternehmensposition zu verhin- dern. 50 Die Gefährdung des unternehmerischen Erfolges durch Konkurrenten kann
45 Fischer, Direktinvestitionen, S. 162.
46 Peter J. Buckley, „A Critical View of Theories of the Multinational Enterprise”, in: Peter J. Buckley/Mark Casson, The Economic Theory of the Multinational Enterprise (Basingstoke: Mac- Millan Press, 1985), S. 4.
47 Frederick T. Knickerbocker, Oligopolistic Reaction and Multinational Enterprise (Boston: Har- vard University, 1973), S. 8.
48 Knickerbocker, Oligopolistic Reaction, S. 33 u. S. 53; Insbesondere hoch entwickelte Sektoren mit einem großen F & E-Anteil und der Möglichkeit zur Massenproduktion gaben Anlass zu US- Direktinvestitionen im Ausland; Knickerbocker, Oligopolistic Reaction, S. 14 -15 49 Dieser Nachahmereffekt bzw. Mitläufereffekte geht bereits auf Aharoni zurück, der die Direkt- investition eines Wettbewerbers als Bedrohung für die eigene Marktstellung sieht und folglich eine eigene Auslandsinvestition empfiehlt; Yair Aharoni, The Foreign Investment Decision Process (Boston: Harvard University Press, 1966), S. 66.
50 Neil Hood/Stephen Young, The Economics of Multinational Enterprise (London: Longman, 1979), S. 50; Abraham J. Hollander, The foreign location decisions of U.S. Transnational Firms (Ann Arbor: UMI, 1979), S. 36; C. Fred Bergsten/Thomas Horst/Theodore H. Moran, American Multinationals and American Interests (Washington D.C.: The Brookings Institution, 1978), S. 223.
16
nach Knickerbocker nur durch ein imitatorisches Verhalten (follow-the-leader) abgewendet werden. 51 Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg flossen amerikanische Investitionen verstärkt nach Europa, die von günstigen Lohnkosten, einem überbewerteten US- Dollar und dem antizipierten Aufschwung profitierten. 52 Erst nachdem eine wirt- schaftliche Erholung der europäischen Unternehmen Anfang der 60er Jahre zu spüren war, konnten sie auf die „amerikanische Herausforderung“ 53 mit rezipro- ken Direktinvestitionen reagieren. Diese sog. cross-investments fanden vor allem in oligopolistischen Branchen mit identischen oder ähnlichen Produktionsabsich- ten wie in Europa statt. 54 Entsprechend der nun zunehmend in umgekehrter Rich- tung verlaufenden Investitionsströme, erweiterte Graham die Hypothese von Knickerbocker und konzentrierte sich nicht nur auf die Konkurrenzsituation in den USA, sondern auch auf die Gegenmaßnahmen lokaler Unternehmen auf die ame- rikanischen Direktinvestitionen. 55 Er stellte dabei eine gegenseitige, defensive Marktbedrohung (exchange of threat) in beiden Zielländern fest, mit der eine Asymmetrie an Investitionen verhindert und ein internationales, stabiles Oligopol hergestellt werden sollte. Ein harter Preiswettbewerb sollte so verhindert und sta- bile Marktstrukturen erreicht werden. 56 Nach Graham hatte das Phänomen des ex- change of threat schon Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Ursprung, wurde je- doch durch internationale Kartellabsprachen zwischen 1920 und 1940 vorüberge- hend eingestellt. 57
Knickerbocker’s Oligopolistic Reaction ist eine der wichtigsten Theorien zur Er- klärung von FDI-Transaktionen. 58 Viele globale Industriezweige sind heute oligo- polistisch strukturiert und erfordern die Herstellung eines Gleichgewichts zur Ver- hinderung eines harten Preiskampfes. Unter Rückgriff auf die monopolistische Vorteilstheorie von Hymer/Kindleberger lassen sich die Primärinvestitionen ame- 51 Edward M. Graham, Oligopolistic Imitation and European Direct Investment in the United States (Ann Arbor: Xerox University Microfilms, 1979), S. 46-47.
52 Barber B. Conable, „The Multinational Corporation: An Untoward Concentration of Power?”, in: Lee D. Unterman/Christine W. Swent, The Future of the United States Multinational Corpora- tion (Charlottesville: University Press of Virginia, 1975), S. 4.
53 Bestseller in den 60er Jahren von Jean-Jaques Servan-Schreiber, The American Challenge (London: Hamish Hamilton, 1968).
54 Fischer, Direktinvestitionen, S. 164-165.
55 Die amerikanischen Unternehmen werden dabei als „leader“ und die europäischen Firmen als „follower“ bezeichnet; Graham, Oligopolistic Imitation, S. 46-47.
56 Ibid, S. 24; C. Bergsten/Horst/Moran, American Multinationals, S. 223.
57 Graham, Oligopolistic Imitation, S. 62.
58 Edward B. Flowers, Oligopolistic Reaction in European Direct Investment in the United States (Ann Arbor: UMI, 1975), S. 3.
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Vanessa Kopetschek, 2007, US-amerikanische Direktinvestitionen in Großbritannien, Munich, GRIN Publishing GmbH
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