Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Gøsta Esping-Andersen: ein Typologisierungsschema von Wohlfahrtsstaaten 4
3. Die USA: Paradebeispiel eines liberalen Wohlfahrtsstaates? 7
4. Die amerikanische Gesundheitspolitik als Teil der sozialen Sicherungsprogramme 8
5. Die Alterssicherung: Rentenpolitik im Land der unbegrenzten Möglichkeiten 11
6. Quellen- / Literaturverzeichnis 15
2
1. Einführung
Seit Gøsta Esping-Andersen 1990 das Buch The Three Worlds of Welfare Capitalism veröffentlichte, wurde sein hierin dargestelltes Typologisierungsschema von Wohlfahrtsstaaten oft und stark diskutiert. Trotz weitreichender Kritik, gilt es als eines der bedeutendsten Typologisierungen in der vergleichenden Sozialstaatsforschung. In seiner Untersuchung teilt er Wohlfahrtsstaaten in drei Gruppen ein: liberal, konservativ-korporatitisch und sozialdemokratisch.
Bei der Betrachtung der USA in der vergleichenden Wohlfahrtsstaatforschung, stellt man fest, dass der amerikanische Sozialstaat gegenüber anderen westlichen Demokratien in der Regel als Ausnahme und Nachzügler gilt, als sogenannter ‚welfare state leggard’. Dieser Begriff richtet sich nach Einführung und Umfang sozialpolitischer Programme und wird besonders im direkten Vergleich von national einheitlichen Sozialversicherungssystemen für die Bereiche Alter, Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit deutlich. 1
Im Folgenden soll an Hand aktueller Tendenzen und Entwicklungen überprüft werden, ob sich die USA als klassisches Paradebeispiel für einen liberalen Wohlfahrtsstaat nach Gøsta Esping-Andersen, weiterhin hier einordnen lassen, oder ob nicht in den vergangen Jahren eine Verschiebung zum konservativen Wohlfahrtsstaat stattgefunden hat. Im Zuge dessen liefert der theoretische Teil der Arbeit eine Einführung in das Typologisierungsschema von Esping-Andersen, zeichnet die Entwicklung des amerikanischen sozialen Sicherungssystems nach und stellt die Kernpunkte der Reformversuche der Clinton-und Bush-Administration dar.
Anschließend sollen die Bereiche Gesundheitspolitik und Altersicherung auf den Grad ihrer Dekommodifizierung hin untersucht werden und an Hand dessen in das Schema von Esping-Andersen eingeordnet werden. Als abschließende Frage soll erörtert werden, ob die USA weiterhin in Esping-Andersens Typologisierung als liberaler Wohlfahrtstaat gelten oder auf Grund konservativer Tendenzen eher letzterem zuzuordnen sind.
Bei der Bearbeitung des Themas, stellt man fest, dass die existierende Literatur vorwiegend aus den Bereichen der Wirtschaftswissenschaften oder der Soziologie stammt. Auf Grund der geringen Literaturdichte, insbesondere in Hinblick auf aktuelle Veröffentlichungen und
1 Vgl. Murswieck, Axel: Gesellschaft, in: Lösche, Peter / Loeffelholz, Dietrich v. (Hg.) Länderbericht USA, 4.
Auflage, Bonn, 2004, S. 649
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Zahlen, wurde der Artikel „Gesellschaft: Sozialpolitik - der amerikanische Weg“ von Axel Murswieck bzw. allgemein zum Thema „Sozialpolitik“ von Nico A. Siegel verwendet. Bei der Erarbeitung Gøsta Esping-Andersens Typologisierungsschema von Wohlfahrtsstaaten wurde grundlegend sein Werk „The Three Worlds of Welfare Capitalism“ gebraucht, wobei hauptsächlich die deutsche Übersetzung „Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus: Zur politischen Ökonomie des Wohlfahrtsstaates“ in Stephan Lessenichs und Illona Ostners „Welten des Wohlfahrtskapitalismus: Der Sizialstaat in vergleichender Perspektive“ als Quelle diente.
Bei der Neueinschätzung der Studie Esping-Andersens diente die Neubearbeitung „Welfarestate decommodification in 18 OECD countries: a replication and revision” von Lyle Scruggs und James Allan; hierbei kam auch der Artikel „Social Policy“ von Alex Waddan in „Developments in American Politics“ von Gillian Peele und anderen zum Einsatz.. Grundsätzlich war es allgemein schwierig, an angemessene aktuelle Artikel, Aufsätze oder anderweitige Literatur zu kommen, da zahlreiche Grundlagenwerke gar nicht oder nicht mehr geführt werden. Ein tieferes Eindringen in die Materie im Rahmen einer Grundkursarbeit ist auf Grund der Masse an zu berücksichtigenden Details nur begrenzt möglich gewesen, da die Sozialpolitik ein stark Fächer und Disziplinen übergreifendes Feld ist, bei dem unzählige Aspekte mit einfließen und so eine eindeutige Einordnung erschweren.
2. Gøsta Esping-Andersen: ein Typologisierungsschema von
Wohlfahrtsstaaten
Im Gegensatz zur Typologisierung von Wohlfahrtsstaaten nach Art der Finanzierung, nämlich der Aufteilung in Beveridge- und Bismarck-Systemen, gliedert Esping-Andersen in seinem Werk „The Three Worlds of Welfare Capitalism” die Wohlfahrtsstaaten nach dem Grad ihrer Dekommodifizierung. An Hand verschiedener Indikatoren qualitativer als auch quantitativer Art, beispielsweise den Zugangsbedingungen zum Arbeitslosengeld oder die Höhe der Altersrenten, bildete er drei Gruppen von Wohlfahrtsregime, „liberal“, „korporatistisch“ und „sozialdemokratisch“, denen er die jeweils untersuchten Staaten zuordnete. Esping-Andersen untersuchte hierbei die verschiedenen Konstellationen und Arrangements zwischen Staat, Markt und Familie.
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Wichtigste Aufgabe des Wohlfahrtsstaates sah Esping-Andersen in der Dekommodifizierung, der Abkopplung der sozialen Sicherheit vom Arbeitsmarkt bei Betrachtung der ‚Arbeit’ als eine Ware, und der daraus resultierenden Destratifizierung, der Beseitigung einzelner Schichten. So teilte er Staaten mit einem niedrigen Dokommodifizierungsniveau der Gruppe der liberalen Staaten zu und solche mit einem hohen Niveau der Gruppe der sozialdemokratischen Staaten zu. Die konservativ-korporatistischen Staaten kennzeichnet besonders ihre Sozialstatus erhaltende Einstellung gegenüber den Bürgern und gilt in Hinsicht auf ihren Dekommodifizierungsfaktor quasi als eine Mischform zwischen den beiden anderen Gruppen.
In der Gruppe der „liberalen“ Wohlfahrtsregime finden sich die Staaten, „in denen bedarfsgeprüfte Sozialfürsorge, niedrige universelle Transferleistungen und ebenso bescheidene Sozialversicherungsprogramme vorherrschen. Diese sind in erster Linie an eine Klientel schlecht bezahlter, in der Regel der Arbeiterschicht angehörender Staatsabhängiger gerichtet.“ 2 Beim liberalen Wohlfahrtsstaat handelt es sich somit um ein Modell, in dem die Reichweiten des sozialen Sicherungssystems durch „traditionelle Normen einer Arbeitsethik begrenzt worden [und] in dem die Grenzen staatlicher Wohlfahrt mit der geringen Neigung, Sozialleistungen anstelle von Arbeit einzufordern, korrespondieren. Die Zugangsregeln sind daher strikt und häufig stigmatisierender Natur, die Leistungen für gewöhnlich niedrig.“ 3 Der liberale Wohlfahrtsstaat stellt sich daher als ein Regime dar, welches nach dem Fürsorge-Prinzip lediglich die Mindestsicherung übernimmt und die staatliche Rolle mehr oder weniger auf die Verhinderung von Armut beschränkt. Daraus resultieren nach Esping-Andersen minimale dekommodifizierende Effekte, die den „Geltungsbereich sozialer Rechte [beschränkt] und eine Schichtungsordnung [errichtet], in der sich eine relative Gleichheit in der Armut bei Empfängern öffentlicher Hilfen, eine marktförmig differenzierte Wohlfahrt der Mehrzahl der Bürger und ein klassenpolitischer Dualismus zwischen beiden Gruppen miteinander verbinden.“ 4 Der liberale Wohlfahrtsstaat errichtet also ein starkes soziales Gefälle zwischen den einzelnen Teilnehmern der Gesellschaft. Durch die geringe Beteiligung seitens des Staates, welche hauptsächlich Steuerfinanziert ist, bleiben sich die Bürger vorwiegend selbst überlassen, sich um ihre soziale Absicherung zu kümmern.
2 Esping-Andersen, Gøsta: Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus: Zur politischen Ökonomie des
Wohlfahrtsstaates, in: Lessenich, Stephan / Ostner, Illona (Hg.): Welten des Wohlfahrtskapitalismus. Der
Sozialstaat in vergleichender Perspektive, Frankfurt/Main [u.a.], Campus Verlag, 1998, S. 43.
3 Lessenich, Stephan / Ostner, Illona (Hg.), Frankfurt/Main [u.a.], Campus Verlag, 1998, S. 43.
4 Ebd. 1998, S. 43.
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Arbeit zitieren:
Raimund Drost, 2008, Die amerikanische Sozialpolitik: ein Paradebeispiel für einen liberalen Wohlfahrtstaat?, München, GRIN Verlag GmbH
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