Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Theorien des Bevölkerungswachstums 2
2.1. Die Theorie von Malthus 2
2.2. Die “Wohlstandstheorie“ 3
2.3. Die Theorie der “generativen Struktur“ 4
3. Demographischer Wandel 5
3.1. Die Zukunft der Weltbevölkerung 6
3.2. Entwicklung in China 8
3.3. Entwicklung in Indien 12
3.4. Vergleich beider Länder 16
4. Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme 18
4.1. Auswirkungen in China 19
4.2. Auswirkungen in Indien 21
5. Zusammenfassung 24
Literaturverzeichnis. 26
II
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Bevölkerungstheorie von Malthus
Abb. 2: Prozentuale Altersverteilung in Asien und Europa (2005 und 2050)
Abb. 3: Altersaufbau nach Altersgruppen in Prozent für China (2005 und 2050)
Abb. 4: Altersaufbau nach Altersgruppen in Prozent für Indien (2005 und 2050)
Abb. 5: Die TFR von Indien und China (1950 bis 2050)
Abb. 6: Prozentualer Bevölkerungsanteil der 15 bis 59-Jährigen (1950 bis 2050)
III
Abkürzungsverzeichnis
bzgl. bezüglich
Mio. Millionen
Mrd. Milliarden
TFR Total Fertility Rate (Zusammengefasste Geburtenziffer)
vsl. voraussichtlich
IV
1. Einleitung
Heute schon gilt, „Zwei von fünf Menschen auf diesem Planeten sind entweder Chinese oder Inder.“ 1 China hat als erstes Land im Jahr 1981 die Mrd. Grenze überschritten und Indien folgte im Jahr 2000. 2 In Indien und China leben 2,4 Mrd. Menschen, dass sind rund 574 Mio. mehr als die übrigen 13 der 15 bevölkerungsreichsten Länder der Welt zusammengenommen. 3 Der Rangfolge nach ist China auf Platz 1, Indien wird jedoch Prognosen zufolge diese Führungsposition im Jahr 2025 übernehmen. 4 Dabei spielt der demographische Wandel eine entscheidende Rolle. Verschiedene bevölkerungspolitische Maßnahmen führten zu unterschiedlichen Ausgangspositionen bzgl. der Bevölkerungsstrukturen und deren zukünftiger Entwicklung. Der demographische Wandel eines Landes kann für ein Bevölkerungswachstum oder einen -rückgang entscheidend sein. Konsequenzen eines Bevölkerungswachstums können zu wirtschaftlichen Veränderungen, Nahrungsmittelknappheit, Wassermangel, Klimaveränderungen, politischen Konflikten, Krankheit, Umweltverschmutzung, Armut und vielem mehr führen. 5
Armut spielt in beiden Ländern trotz hohen Wachstumsraten immer noch eine große Rolle. Rund 1,3 der 2,4 Mrd. Menschen verdienen pro Tag weniger als 2 US-Dollar. 6 Soziale Sicherungssysteme können Armut verringern oder bekämpfen. 7 In dieser Seminararbeit soll der Auslöser des demographischen Wandels in China und Indien sowie die zukünftige Entwicklung und deren Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme gezeigt werden.
Im folgenden Kapitel werden verschiedene Theorien des Bevölkerungswachstums vorgestellt. In Kapitel 3 wird nach einer kurzen Abgrenzung der Begriffe “Demographie“ und “demographischer Wandel“, die wahrscheinliche Entwicklung der Weltbevölkerung aufgezeigt, bei der Asien eine wichtige Rolle spielen wird. Daran anschließend wird die Entstehung und Entwicklung des demographischen Wandels in beiden Ländern betrachtet und miteinander verglichen. Im 4. Kapitel folgen zunächst die allgemeinen Auswir-
1 Ihlau,Olaf (2006): S. 141.
2 Vgl. UN Population Database (2008).
3 Vgl. Swiaczny, Frank (2005): S. 13.
4 Vgl. Gückel, Bernhard (2007): S. 34.
5 Vgl. Hauser, Jürg (1982): S. 20.
6 Vgl. Bardhan, Pranab (2005).
7 Vgl. Loewe, Markus (2004): S. 33.
1
kungen des demographischen Wandels auf die sozialen Sicherungssysteme und daran anschließend die Auswirkungen in China sowie Indien. Abschließend werden in Kapitel 5 die Resultate zusammengefasst.
2. Theorien des Bevölkerungswachstums
In den folgenden Unterkapiteln geht es um verschiedene Theorien des Bevölkerungswachstums. Im ersten Unterkapitel wird die Theorie von Malthus dargestellt. Im Folgenden Kapitel die “Wohlstandstheorie“ von Brentano und abschließend die Theorie Mackenroths. Diese drei Theorien zeigen eine über die Jahre veränderte und weiterentwickelte Denkweise der Bevölkerungsforscher auf.
2.1. Die Theorie von Malthus
Thomas Robert Malthus (1766-1834) 8 veröffentlichte 1798 sein erstes Buch “An Essay on the Principle of Population“. 9 Mit diesem Werk schuf er die erste allgemeingültige Bevölkerungstheorie. 10 Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Betrachtung dieser Lehre wieder wichtiger, da die Weltbevölkerung sich innerhalb von 65 Jahren auf 3 Mrd. Menschen verdoppelt hatte. 11
“The Principle of Population“ (dt. das Bevölkerungsgesetz) basiert auf zwei Gesetzmäßigkeiten: (1) Nahrung ist für Menschen lebensnotwendig und (2) der Fortpflanzungstrieb bleibt konstant im gegenwärtigen Zustand.
Mit diesen Gesetzmäßigkeiten begründete Malthus seine These, dass die Bevölkerungszahl bei unkontrolliertem Wachstum schneller ansteigt, als das Wachstumspotential der Nahrungsmittelproduktion. Das Bevölkerungswachstum verhält sich laut Malthus wie eine geometrische (1, 2, 4, 8, 16 usw.) und das Wachstumspotential der Nahrungsmittelproduktion wie eine arithmetische Reihe (1, 2, 3, 4, 5 usw.). Die Kontrolle des Bevölkerungswachstums führt jedoch dazu, dass beide Elemente im Gleichgewicht gehalten werden. Dies erfolgt laut Malthus durch “positive“ und “vorbeugende Hemmnisse“, die immer dann eingreifen, wenn die Bevölkerungsgröße das Nahrungsangebot übersteigt (Abb. 1). Laut Malthus sind besonders die positiven Hemmnisse für die Regulierung des Bevölkerungswachstums verantwortlich 12 . Sie enthalten alle Faktoren, die zu
8 Vgl. Econlib (o.J.).
9 Vgl. Khalatbari, Parviz (1991): S. 4.
10 Vgl. Schmid, Josef (1984): S. 62.
11 Vgl. Khalatbari, Parviz (1991): S. 4 f.
12 Vgl. Costanza, Robert (2001): S. 29.
2
einem Anstieg der Sterberate führen, wie bspw. Kriege, Umweltkatastrophen, Krankheiten, Epidemien, Seuchen, Armut usw. Die vorbeugenden Hemmnisse enthalten alle Faktoren, die zur Verringerung der Geburtenzahlen führen, bspw. Homosexualität, Enthaltsamkeit vor der Ehe, Abtreibung usw. 13
Abb. 1: Bevölkerungstheorie von Malthus
Quelle: Costanza, Robert (2001): S. 30.
In der Abb. 1 wird das arithmetische Wachstumspotential der Nahrungsmittelproduktion sowie das geometrische Bevölkerungswachstum in zeitlicher Entwicklung dargestellt. Das Absinken des Bevölkerungswachstums wird wie oben dargelegt bspw. durch Kriege und Seuchen ausgelöst.
Die größten Kritikpunkte an Malthus Theorie lagen schon damals darin, dass das Bevölkerungswachstum weder empirisch noch theoretisch ausreichend begründet wurde. 14 Außerdem sind die Entwicklung der Bevölkerung sowie der Zusammenhang zw. Mensch und Umwelt viel komplexer, als Malthus sie darstellte. 15
2.2. Die “Wohlstandstheorie“
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte die Bevölkerungsentwicklung nicht mehr mit den Annahmen von Malthus erklärt werden. Die Geburtenzahlen in der westlichen Welt begannen zu sinken. Die Industrialisierung und der soziale Fortschritt könnten für diese Veränderung verantwortlich sein. 16 Dies erkannten Lujo Brentano (1844-1931) 17 und
13 Vgl. Steinmann, Gunter (1991): S. 48 ff.
14 Vgl. Steinmann, Gunter (1991): S. 49.
15 Vgl. Costanza, Robert (2001): S. 30.
16 Vgl. Schmid, Josef (1984): S. 62 f.
17 Vgl. Ferdinand, Ursula (2003): S. 2.
3
sein Schüler Paul Mombert (1876-1938) 18 , weshalb sie im Jahr 1909/10 die “Wohl-standstheorie“ entwickelten. 19
Im Gegensatz zu Malthus aufgestellter These, dass der Fortpflanzungstrieb eine konstante Ursache des Bevölkerungswachstums ist, geht Brentano davon aus, dass es den Fortpflanzungstrieb in diesem Sinne nicht gibt. Für Brentano ist die Fertilität (Geburtenhäufigkeit) 20 eine steuerbare Größe, da Menschen ihre Kinder nicht aus Gründen der Arterhaltung zur Welt bringen. Die rückläufigen Geburtenzahlen sind laut Brentano durch die Zunahme des Wohlstandes ausgelöst worden. Die beiden wichtigsten Faktoren hierbei sind zum einen die “Kinderliebe“ und zum anderen die “Geschlechtsbedürfnisse“ der Menschen. Die Kinderliebe hat sich im Lauf der Zeit dahin gehend geändert, dass Eltern ihre Kinder besser auf die von Konkurrenz geprägte Zukunft vorbereiten wollen und somit mehr in ihre Ausbildung investieren. Der Faktor Geschlechtsbedürfnisse beschreibt den veränderten Zeugungswillen der wohlhabenderen Bevölkerung. Dabei spielt der soziale Fortschritt sowie der damit verbundene Rückgang an Eheschließungen und die veränderte Stellung der Frau in der Gesellschaft eine wichtige Rolle. Paare, die später oder gar nicht heiraten, haben in der Regel weniger oder gar keine Kinder. Frauen sind in zunehmenden Maße erwerbstätig und möchten oftmals erst einen gewissen Lebensstandart erreichen, bevor sie schwanger werden möchten. Brentano verstand somit als einer der Ersten die Fertilitätsentscheidung als eine an die soziale Struktur angepasste und rational durchdachte Entscheidung. 21
Das offensichtliche Problem der Theorie ist, dass sie den Wohlstand der Gesellschaft als einzigen Faktor für den Rückgang der Fertilität ansieht 22 , obwohl in der Realität ein steigender Wohlstand oftmals nicht zu sinkenden Geburtenzahlen führt. 23
2.3. Die Theorie der “generativen Struktur“
Gerhard Mackenroth (1903-1955) veröffentlichte 1953 sein Buch “Bevölkerungslehre“. 24 Laut Mackenroth war es notwendig, die Bevölkerungsentwicklung geschichtlich zu untersuchen, damit die Ursache für das “generative Verhalten“ von Bevölkerungs- 18 Vgl.Ferdinand, Ursula (2003): S. 2.
19 Vgl. Hill, Paul Bernhard (1995): S. 156.
20 Vgl. Berlin-Institut (o.J.).
21 Vgl. Hill, Paul Bernhard (1995): S. 156 ff.
22 Vgl. Bujard, Martin (2005): S. 6.
23 Vgl. Bolte, Karl Martin (1980): S. 30.
24 Vgl. Bolte, Karl Martin (1980): S. 31.
4
gruppen genau beschrieben werden kann. Als generatives Verhalten wird der Teil menschlichen Verhaltens aufgefasst, der die Geburtenhäufigkeit beeinflusst 25 . Dies geschieht laut Mackenroth durch drei Komponenten: (1) Das biologische Können, (2) das psychologische Wollen und (3) das soziale Dürfen.
Diese drei Komponenten sind sozusagen die Basis der “Bevölkerungsweise“, auch “generative Struktur“ genannt. Die Bevölkerungsweise beschreibt das unterschiedliche Zusammenspiel des generativen Verhaltens einer Menschengruppe. Sie besteht aus drei Elementen: (1) Dem Heiratsverhalten (Scheidungen, das Heiratsalter und die Häufigkeit von Eheschließungen). (2) Der Geburtenhäufigkeit (die Anzahl von Geburten, deren zeitlicher Abstand, welcher verantwortlich für die Altersstruktur ist und die Häufigkeit von ehelichen oder außerehelichen Kindern). (3) Der Sterblichkeit (die Anzahl der Todesfälle unterteilt nach Alter und Geschlecht innerhalb eines Jahres). 26 Mackenroth legte auch dar, dass nur homogene Bevölkerungsschichten mit diesen Elementen und Merkmalen untersucht werden können, da unterschiedliche Gruppen eine Statistik verfälschen würden. 27 Eine weitere These Mackenroths war, dass die Bevölkerungsweise im Lauf der Zeit Umprägungen unterliegt, wie bspw. dem Übergang von der vorindustriellen zur industriellen Bevölkerungsweise. 28
Mackenroth entwickelte mit seiner Theorie sozusagen eine Formel, mit der verschiedene Bevölkerungsentwicklungen untersucht und beschrieben werden können. 29 Bei modernsten Theorien ist dies ähnlich, da es keine allgemeingültige Bevölkerungstheorie für unterschiedliche Bevölkerungen gibt und es auf die jeweiligen geschichtlichen sowie regionalen Besonderheiten ankommt. 30 Der einzige Faktor, den Mackenroth gegenüber heutigen Untersuchungen vernachlässigt, ist die Migration. 31
3. Demographischer Wandel
Die Definitionen von “Demographie“ und speziell die des “demographischen Wandels“ haben fließende Übergänge.
Laut Jürg Hauser beschäftigt sich die Demographie, oder auch Bevölkerungslehre genannt, mit:
25 Vgl. Berlin-Institut (2008).
26 Vgl. Schmid, Josef (2008): S. 1 f.
27 Vgl. Bolte, Karl Martin (1980): S. 32.
28 Vgl. Hill, Paul Bernhard (1995): S. 154 f.; vgl. Schmid, Josef (2008): S. 2.
29 Vgl. Bolte, Karl Martin (1980): S. 33 f.
30 Vgl. Schmid, Josef (2008): S. 3.
31 Vgl. Schmid, Josef (1985): S. 210.
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Arbeit zitieren:
Simon Charrier, 2008, Indien und China - Die neuen Supermächte, München, GRIN Verlag GmbH
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