Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Politische Kultur nach Almond und Verba. 4
3. Politische Kultur in den neuen Bundesländern 7
3.1 Analyse im Vergleich mit den alten Bundesländern. 7
3.2 Erklärungsansätze für die bestehenden Unterschiede 10
3.2.1 Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Politische Kultur in Ostdeutschland“ 13
3.2.2 Politische Bildung in Sachsen 16
4. Schlussbetrachtung 18
Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
„Demokratie braucht Demokraten“, so hat es Friedrich Ebert einmal formuliert (Lehmann 2007: 6). Ohne Demokraten kann ein demokratisches System wohl nicht bestehen. Doch wie ist es um die Unterstützung der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung in der Bundesrepublik Deutschland bestellt? Wie stehen vor allem die Menschen in den neuen Bundesländern der nach der politischen Wende 1989 in der ehemaligen DDR etablierten politischen Ordnung gegenüber? Um diese Fragen zu diskutieren, haben sich tschechische und deutsche Studierende im Mai 2008 im tschechischen Sokolov zusammengefunden. Unter der Überschrift „Politische Kultur in der Tschechischen Republik und in den Neuen Bundesländern“ konnten sich die Hochschüler an insgesamt drei Arbeitsgruppen „Politische Kultur in Ostdeutschland“, „Politische Kultur in Tschechien“ sowie „Politische Kultur als Faktor der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“ beteiligen und gemeinsam debattieren. Im Rahmen dieser Arbeit steht die Untersuchung der politischen Kultur in Ostdeutschland im Vordergrund. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, welche politische Kultur sich seit der politischen Wende in den neuen Bundesländern etabliert hat und welche Erklärungsansätze dafür herangezogen werden könnten. Dazu gilt es in einem ersten Teil die Bedeutung des Begriffes der „Politischen Kultur“ zu klären, wozu das klassische Konzept von Almond und Verba als Grundlage dient. Im Anschluss daran soll die gegenwärtig in Ostdeutschland vorherrschende politische Kultur analysiert werden, wobei auch die Überlegungen und Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Politische Kultur in Ostdeutschland“ Berücksichtigung finden. Die empirische Politische Kulturforschung wurde durch Almond und Verba in den 1950er Jahren begründet (Höhne 2006: 22). Seither hat es eine Vielzahl von Untersuchungen zur Thematik der politischen Kultur gegeben. Allein für Ostdeutschland gibt es eine große Menge an Analyen, von denen sich viele dem Vergleich der politischen Kulturen in den alten und neuen Bundesländern widmen (ebd.: 32). Vor allem die weltpolitischen Umbrüche von 1989 haben die Politische Kultur Forschung beeinflusst und zu einer Intensivierung der Forschung in den neuen Demokratien in Ost-Mitteleuropa, aber auch in Lateinamerika, Afrika und anderswo
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geführt (Berg-Schlosser 2003: 13). Aktuelles Datenmaterial ist zudem durch die regelmäßigen Erhebungen des Eurobarometers sowie durch zahlreiche Neuerscheinungen in den letzten Jahren, vor allem in Folge der 15. Jährung der Wiedervereinigung, verfügbar.
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2. Politische Kultur nach Almond und Verba
Vor den Hintergründen des Zusammenbruchs der Demokratien in Europa, dem Faschismus und den Folgen der beiden Weltkriege sowie im Hinblick auf die Entwicklungen im Nachkriegseuropa und in den Entwicklungsländern führten Gabriel Abraham Almond und Sydney Verba in den späten 1950er Jahren bis 1960 eine empirische Studie mit dem Titel „The Civic Culture“ durch (Almond/Verba 1989: V). Ziel der Studie war es, die politische Kultur funktionsfähiger Demokratien sowie die sie erhaltenden sozialen Strukturen und Prozesse zu analysieren (ebd.: 1). Dazu wurden Erhebungen in den USA, in Großbritannien, in Mexiko, Italien und der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt und umfangreich ausgewertet (ebd.: 10). Die politische Kultur einer Nation beschreiben Almond und Verba als „the particular distribution of patterns of orientation toward political objects among the members of the nation“ (Almond/Verba 1989: 13) sowie als „specifically political orientationsattitudes toward the political system and its various parts, and attitudes toward the role of the self in the system“ (ebd.: 12), also vereinfacht gesagt als die Orientierungen und Einstellungen eines Kollektives gegenüber seinem politischen System. Dabei unterscheiden sie drei verschiedene Ebenen der Einstellung, die kognitive, die affektive und die evaluative (ebd.: 13). Die kognitive Ebene beinhaltet das Wissen und die Vorstellungen zum politischen System, zu seinen Rollen, den Inhabern der Rollen sowie zu seinen Inputs und Outputs; die affektive Ebene bezieht sich auf die Gefühle gegenüber dem politischen System sowie seinen Rollen, seinem Personal und seiner Performanz, und die evaluative Ebene umfasst Beurteilungen und Meinungen über politische Objekte (ebd.: 14). Die Objekte politischer Orientierung unterteilen Almond und Verba dabei in das „general political system“, in das „self as political actor“ sowie in „input“ und „output“. Das „general political system“ steht hierbei für das System als Ganzes und beinhaltet Gefühle des Patriotismus oder der Entfremdung, Wahrnehmungen der Nation als groß oder klein beziehungsweise als stark oder schwach sowie Wahrnehmungen der politischen Ordnung als demokratisch, konstitutionell oder sozialistisch. Auf der anderen Seite steht das „self as political actor“, das Normvorstellungen zu politischen Pflichten und Gefühle der persönlichen politischen
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Kompetenz umfasst. Der „input“ steht für die Forderungen der Gesellschaft an das politische System sowie deren Umwandlung in eine maßgebende Politik, wobei vor allem Parteien, Interessengruppen und die Medien an diesem Prozess beteiligt sind; der „output“ letztlich steht für den Prozess der Um- bzw. Durchsetzung der jeweiligen Politik, dem vor allem die Bürokratien und Gerichte zugeordnet werden können (ebd.: 14 f.).
Die spezifische politische Kultur einer Gesellschaft ergibt sich nach Almond und Verba schließlich aus der Häufigkeit des Auftretens der kognitiven, affektiven und evaluativen Orientierungen gegenüber den vier Objekten „general political system“, „self as actor“, „input“ und „output“ (Almond/Verba 1989: 16). Danach lassen sich drei verschiedene Typen politischer Kultur unterscheiden: die „Parochial Political Culture“ (Kirchturms-Kultur), die „Subject-Culture“ (Untertanen-Kultur) sowie die „Participant-Culture“ (Beteiligungs-Kultur).
Die Kirchturms-Kultur sei dadurch gekennzeichnet, dass annähernd keinerlei Orientierungen gegenüber den o. g. politischen Objekten vorhanden sind. Als Beispiel dafür wurden afrikanische Stammesgesellschaften angeführt. Charakteristisch für derartige Gesellschaften sei vor allem eine geringe politische Spezialisierung sowie dass die Bevölkerung keinerlei Erwartungen gegenüber dem politischen System hätte (Almond/Verba 1989: 16 f.).
Die Untertanen-Kultur sei charakterisiert durch eine große Häufigkeit von Orientierungen gegenüber dem politischen System als Ganzem und dem Output, wohingegen nahezu keinerlei Orientierungen gegenüber dem Selbst und dem Input zu verzeichnen sind. Angehörige dieser Kultur hätten zwar ein Bewusstsein bezüglich der Herrschaftsrollen und dem Outputsystem entwickelt, stünden diesen jedoch eher passiv gegenüber, außerdem würden diese Kulturen nicht über eine differenzierte Input-Struktur verfügen (Almond/Verba 1989: 17 f.).
Die Beteiligungs-Kultur schließlich beschreiben Almond und Verba als Typ der politischen Kultur, bei dem die Mitglieder der Gesellschaft eine deutliche Orientierung gegenüber allen vier politischen Objekten zeigen, also nicht nur gegenüber dem System als Ganzem und dem Output-System, sondern auch gegenüber dem Selbst und dem
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Arbeit zitieren:
Philipp Stroehle, 2008, Politische Kultur in Ostdeutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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