Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Analyse des Gedichts „Willkommen und Abschied“ von Johann
Wolfgang von Goethe. 4
2.1.Semantische Gegensätze im Gedicht. 4
2.2. Formale Aufhebung semantischer Oppositionalität. 6
3. Gegensätzlichkeit als Gestaltungsprinzip des Gedichts. 6
Literaturverzeichnis. 7
2
1 Einleitung
Das Gedicht „Willkommen und Abschied“ von Johann Wolfgang von Goethe wurde in der Epoche des Sturm und Drangs verfasst. Es wurde in mehreren Fassungen überliefert. Das Gedicht ist mit großer Wahrscheinlichkeit 1771 in einem handschriftlichen Fragment noch ohne Titel entstanden, wurde dann aber im Erstdruck im März 1775 mit dem Titel „Willkomm und Abschied“ ergänzt. Nach einer nochmaligen Umarbeitung wurde in der Werkausgabe von 1810 der Titel zu „Willkommen und Abschied“ korrigiert. 1
Goethe war in der Zeit von April 1770 bis August 1771 in Straßburg und studierte Jurisprudenz. Er wurde von seinem Freund Friedrich Leopold Weyland in die Sesenheimer Pfarrersfamilie Brion eingeführt und es entstand sehr schnell ein Liebesverhältnis mit der Tochter Friederike; dieses war aber mit der Beendigung seiner Straßburger Zeit auch vorbei. Durch einige Briefe ist Goethes Aufenthalt bei der Familie von Ende Mai bis Ende Juni 1771 sehr gut nachgewiesen. Diese Sesenheimer Liebesgeschichte ist der äußere Anlass für Goethe, das Gedicht „Willkommen und Abschied“ zu verfassen. 2 Sein Gedicht spiegelt außerdem den Beginn der Erlebnislyrik wieder. „Erst diese Kombination von authentischem Erlebnis und bewusster Formarbeit haben das Gedicht zu einem der berühmtesten Liebesgedichte der deutschen Literatur gemacht.“ 3 Außerdem kann man durch dieses Gedicht auch noch in der heutigen Zeit die Möglichkeit nutzen, dass man „das Wesen von Goethes Dichtkunst studieren kann“. 4 In meiner Arbeit werde ich so vorgehen, dass ich zuerst die semantischen Gegensätze des Gedichts erarbeite, dann auf die Form eingehe und schließlich die Gegensätzlichkeit als Gestaltungsprinzip des Gedichts erläutere.
1 Vgl. Böhm Elisabeth , Johann Wolfgang Goethe: 10 Gedichte, Stuttgart 2007 (RUB 16058), S.10.
2 ebd.
3 Jeßing Benedikt u.a. (Hgg.), Metzler Goethelexikon, Stuttgart, Weimar 1999, s.v.
Willkommen und Abschied.
4 Meyer-Krentler Eckardt, Willkommen und Abschied: Wege der Forschung, in:
Johann Wolfgang Goethe: Lyrik und Drama, hrsg.v. Bernd Hamacher und Rüdiger Nutt-Kofoth,
Darmstadt 2007, S. 34.
3
2 Analyse des Gedichts „Willkommen und Abschied“ von Johann Wolfgang von Goethe
2.1. Semantische Gegensätze im Gedicht
Der erste Gegensatz, der sofort deutlich wird ohne das gesamte Gedicht überhaupt gelesen zu haben, ist die Überschrift „Willkommen und Abschied“. Schon hier zeichnet sich ab, dass die folgenden Strophen von Gegensätzen geprägt sein müssen und dies das Prinzip des Gedichts darstellt. In der ersten Strophe des Gedichts wird der Ritt des Mannes durch die anbrechende Nacht beschrieben. Die ersten zwei Verse schildern seinen eiligen und hektischen Aufbruch mit dem Pferd, den man mit der sehnsüchtigen Liebe zu seiner Geliebten begründen kann. Die nächsten Verse sind dann wieder von Gegensätzen geprägt: In Vers 3 und 4 fühlt sich das lyrische Ich noch sicher und geborgen, beschreibt die aufkommende Dunkelheit und das Ende des Abends. Dies ändert sich jedoch in Vers 6, in welchem die Bedrohung der Nacht und seine Angst deutlich gemacht wird durch Ausdrücke wie „aufgethürmter Riese“ (V.6) 5 oder „hundert schwarzen Augen“ (V. 8).
Auch in der zweiten Strophe schildert das lyrische Ich weiterhin die Angst und den Schauer in der Dunkelheit der Nacht. Es werden immer mehr Bedrohungen und Wahrnehmungen beschrieben, zum Beispiel durch Aussagen wie „umsausten schauerlich mein Ohr“ (V. 12) oder „die Nacht schuf tausend Ungeheuer“ (V. 13). Die folgenden drei Verse stehen jedoch wieder ganz im Gegensatz dazu, denn plötzlich beschreibt der Reiter alle Wahrnehmungen, vor welchen er vorher so große Angst hatte, als harmlos und stellt seine Furcht auch als grundlos dar. Das ist deutlich in Vers 14 zu lesen: „Doch tausendfacher war mein Muth“. In der dritten Strophe wird dann das Zusammentreffen mit seiner Geliebten geschildert. Die Freude des lyrischen Ichs ist sehr groß (V. 17) und er ist glücklich über die Situation und das lang ersehnte Wiedersehen. Er beschreibt seine Frau mit Worten wie „süßer Blick“ (V. 18) oder „lieblichen Gesicht“ (V.22). Durch diese Beschreibung wird die angespannte Situation, die von Furcht geprägt war, beseitigt. Auch die Bedrohlichkeit und Angst vor der dunklen, gefährlichen Nacht
5 Vgl. Böhm Elisabeth, Johann Wolfgang Goethe: 10 Gedichte, Stuttgart 2007 (RUB 16058), S.9f.
4
Arbeit zitieren:
Christiane Prokscha, 2008, Gegensätze in Goethes "Willkommen und Abschied", München, GRIN Verlag GmbH
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