Inhalt
1 Leben und Wirken. 3
2 Das Buch „Abfall für alle“ 4
2.1 Allgemeines. 4
2.2 Inhalt. 5
2.3 Äußere Gestalt. 5
3 Das Schreiben des Autors 6
3.1 Autorenverständnis. 6
3.2 Textverständnis 6
3.3 Beispiele aus dem Text 8
4 Fazit. 10
5 Literaturverzeichnis. 12
2
1 Leben und Wirken
Rainald Maria Goetz wurde am 24. Mai 1954 in München als Sohn eines Chirurgen und einer Photographin geboren. Seine Schulzeit in München von 1960 bis 1974 wurde 1971/72 durch einen High-School-Aufenthalt in den USA unterbrochen.
1974 studierte er Geschichte und Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und schloss beides mit einer Promotion ab. In seinen Schriften erwähnt er außerdem ein abgebrochenes Studium der Soziologie in Berlin. 1976 begann er dann für die Süddeutsche Zeitung zu schreiben und verfasste literaturkritische und essayistische Publikationen. 1980 schloss er ein praktisches Jahr in der Nervenklinik der Universität München an, woraufhin er 1981 eine Zulassung als Arzt bekam.
Zwei Jahre später folgte sein Aufsehen erregender und provokativer Auftritt beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt, welcher ihn berühmt machte: Er schnitt sich mit einer Rasierklinge die Stirn auf, fuhr mit seiner Lesung fort und beendete diese dann schließlich blutüberströmt. Seit diesem Moment wird der Autorname Rainald Goetz bei vielen reflexartig mit dieser Aktion verknüpft. Umgekehrt schreckt der Literaturbetrieb beim Stichwort „Klagenfurt“ zusammen. 1
1983/84 hielt er sich dann ein halbes Jahr in New York auf. Die darauffolgenden Jahre bekam er viele Preise und Auszeichnungen und wurde eingeladen, die Frankfurter Poetik-Vorlesung zu halten.
Sein Netztagebuch Abfall für alle, in welchem er alle Eindrücke aktuell auf einer Website im Internet veröffentlichte, schrieb er 1998. Ein Jahr später erschien es dann in Buchform. Auch auf den Internetseiten der Illustrierten Vanity Fair verfasste Goetz einen Blog unter dem Titel Klage, welcher wie Abfall für alle in Buchform erscheinen soll. 2 Nach dieser Einführung über das Leben und Wirken von Rainald Goetz werde ich nun in meiner Arbeit so vorgehen, dass ich Allgemeines, Inhalt und die äußere Gestalt des Buches Abfall für alle erläutere. Das Schreiben des Autors werde ich durch die Aspekte Autorenverständnis, Textverständnis und anhand von Textbeispielen darlegen und schließlich mit einem Schlussfazit zum Ende kommen.
1 vgl. Gropp, Petra: Ich / Goetz / Raspe / Dichter. Medienästhetische Verkörperungsformen der Autorfigur
Rainald Goetz. In: Schriftsteller-Inszenierungen. Hrsg. von Gunter E. Grimm, Christian Schärf. Bielefeld:
Aisthesis Verlag 2008. S. 231.
2 vgl. Schulze, Holger: Das aleatorische Spiel. Erkundung und Anwendung der nichtintentionalen
Werkgenese im 20.Jahrhundert. München: Wilhelm Fink Verlag 2000. S. 320.
3
2 Das Buch „Abfall für alle“ 2.1 Allgemeines
Anfangs wird angekündigt, dass nach Beendigung der Internetfassung das Internet-Projekt auf CD-ROM erscheint. Goetz entschied sich dann aber trotzdem für das Medium „Buch“. 3 Die Buchfassung kam ein dreiviertel Jahr nach dem letzten Eintrag auf den Markt und ersetzt und modifiziert die Internetfassung. Die formale Gestalt der Tagesportionen wurde für die Ausarbeitung des Buches entscheidend verändert, indem - vermutlich aus persönlichen Gründen - der Inhalt zum Teil gekürzt oder entschärft wurde. Auf die Frage nach der Wahl des Titels antwortete Goetz:
In einem Gespräch ging es darum, für wen ich schreibe und ich habe, wie
automatisch geantwortet: für alle natürlich. Das war der erste Anknüpfungspunkt.
Außerdem ist „Abfall“ ein schönes Wort, es beginnt mit den ersten beiden
Buchstaben des Alphabets. 4
Abfall für alle demonstriert, wie Realität in und durch Literatur erzeugt wird und wie Literatur aus Realität entsteht. Der tägliche Mitleser der Internetseite kann durch die zeitliche Nähe der Einträge, die Kontexte und Erlebnisse, welche Goetz schilderte, sehr gut nachvollziehen. Er beobachtet und kommentiert seinen ganz normalen Alltag ebenso wie die politischen Bewegungen in Deutschland, indem er sie mit einer Menge Details füllt. All dies geschieht ohne den Einsatz von Bildern und Tönen. Er hat alles, was in einem Jahr täglich anfällt und geschieht, in der Form der Schrift dargestellt. 5
Für Rainald Goetz selbst ist diese Geschichte des Augenblicks ein Existenz-Experiment, in dem er alles, was er sieht, spürt und denkt, in Minuten-Notizen protokolliert und es somit der Öffentlichkeit darlegt. 6 Außerdem spricht er von „Tagebuch, / Reflexionsbaustelle, / Roman des Umbruch-Jahres 1998.“ 7
Das Tagebuch stellt zudem eine Verbindung zu seinen anderen Erzählungen Rave, Jeff Koons, Celebration und Dekonspiratione dar.
3 vgl. Schumacher, Eckhard: Jetzt, ja, noch mal. Jetzt. Rainald Goetz´ Geschichte der Gegenwart.
In: Geschichte der Gerade Eben Jetzt. Schreibweisen der Gegenwart. Frankfurt am Main:
Suhrkamp Verlag 2003. S. 114.
4 Gropp, Petra: Szenen der Schrift. Medienästhetische Reflexionen in der literarischen Avantgarde
nach 1945. Bielefeld: Transcript Verlag 2006. S.392.
5 vgl. Schumacher: Jetzt, ja, noch mal. Jetzt. S. 113.
6 vgl. Goetz, Rainald: Abfall für alle. Roman eines Jahres. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1999.
Klappentext.
7 ebd.
4
Arbeit zitieren:
Christiane Prokscha, 2008, Über Rainald Goetz: "Abfall für alle", München, GRIN Verlag GmbH
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