Folgende Forschungsstudie soll einen kurzen Einblick in das Leben und Wirken der historisch bekannten und geschichtlich interessanten Menschen des ehemaligen Rittergeschlecht der Herren von Tierberg erlauben. Die Herren von Tierberg die höchstwahrscheinlich dem alten alemmanischen Lautlinger (heute Stadtteil von Albstadt/Schwäbische Alb) Ortsadel entsprungen waren, hatten auf drei strategisch günstigen Bergen welche ihren Stammsitz das damalige kleine Dorf Lautlingen im Tal der Eyach umgaben, Burgen erbaut, die zu dem Zweck dienten ihren Besitz gegen äußere Feinde zu verteidigen. Die Herren von Tierberg wirkten von etwa 1216 bis ins Jahr 1550. Danach starb die Familie langsam aus. Jens-Florian Ebert, Albstadt-Lautlingen im März 2003
Inhaltsverzeichnis:
1. Der Tierberg
2. Die Ursprünge des Lautlinger Ortsadels
3. Die Herren von Tierberg, Ursprung, Bedeutung und Wirken im Mittelalter
4. Hugo von Tierberg und die Anfänge der Herren von Tierberg
5. Konrad der Ältere und Konrad der Jüngere von Tierberg
6. Gründung der Franziskanerinnenklause Margrethausen
7. Johann von Wilden-Tierberg, Begründer der Villinger-Linie derer von Tierberg
8. Der wirtschaftliche Niedergang der Herren von Tierberg
9. Die Herren von Tierberg in württembergischen Kriegsdiensten
10. Aussterben der Stammlinie und der Besitzwechsel an die Herren von Wilden-Tierberg
11. Hans-Konrad und Hans-Rudolf von Wilden-Tierberg
12. Lautlingen erhält vom deutschen Kaiser endlich das Hochgericht
13. Das Ende der Herrschaft der Herren von Tierberg
14. Die drei Burgen der Herren von Tierberg
15. Literatur und Quellenverzeichnis
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1. Der Tierberg
Unter den Bergen der sogenannten Zollernalb zeichnet sich unter anderem das Massiv des Tierbergs augenfällig in das Landschaftsbild hinein. In breiter Lagerung über dem Eyachtal bei Albstadt-Lautlingen wächst er mit seinen eindrucksvollen Kalkmauern bis zu 981,8 Metern über die Meereshöhe empor. Auf diesem Massiv liegt das heute von dem durch die Bundesstraße 463 durchzogene Eyachtal her gut sichtbare Hofgut Tierberg. In alter Zeit stand dieser Gutshof nicht an der jetzigen Stelle im Schutz der oberen Bergkuppe, sondern weiter nördlich ganz vorne am Rand des unteren Plateaus. Diese frühere Lage war bedingt durch die Nähe der damaligen Wehrburg „Alten-Tierberg“, die auf einem Ausläufer der unteren Bergtafel saß. Vom Berg hatte die Burg den Namen (Tier = Rotwild) erhalten, ebenso das Rittergeschlecht der Herren von Tierberg, das einst in dieser Burg sowie zwei weiteren Tochterburgen gewohnt hatte. Die Familie der Herren von Tierberg ist höchstwahrscheinlich aus dem Ortsadel von Lautlingen erwachsen.
2. Die Ursprünge des Lautlinger Ortsadels
Die Wurzeln des Lautlinger Ortsadels reichen bis in die erste Siedlungszeit hinaus, als die Alemannen um 260 n. Chr. den Limes überrannten und das ganze römische Land zwischen Oberrhein, Bodensee und Iller eroberten. Die Besiedlung nach der Eroberung des Landes erfolgte sippenweise. Das Oberhaupt der alemannischen Sippe eines gewissen Lutilo welche sich hier im Eyachtal ansiedelten gab der neuen Siedlung schließlich ihren späteren heutigen Namen: Lautlingen. Der Sippenführer hatte als Edelster nach alemannischen Recht besondere Vorrechte, die ihn über seine ganze Sippe hinaushoben. Aus diesem Sippen-Edlen entwickelte sich im Laufe der Zeit der Ortsadel, der in Lautlingen im 11. Jahrhundert zum erstenmal urkundlich erwähnt wurde. Zum ersten Mal wurden Ende des 11. Jahrhunderts genauer am 29. März 1094 Glieder des Lautlinger Ortsadels genannt. Es waren dies die Brüder Erbo und Gerunc de Lutelingen (Herren von Lautlingen), die als „liberi milites“ (freie Ritter) bei Gütererwerbungen des Klosters St. Georgen im Schwarzwald als Zeugen auftraten. Ob die Brüder Erbo und Gerunc de Lutelingen wirklich von dem bereits erwähnten alemannischen Sippenführer Lutilo abstammten, kann jedoch nicht mit Sicherheit geklärt werden. Im Jahr 1140 tauchte in den Urkunden als einer wahrscheinlich der letzten seiner Sippe ein gewisser Burkhard de Lutelingen auf. Es bleibt hierbei noch zu erwähnen dass bereits schon diese „liberi milites“ auf den Höhen des Tierberges nämlich auf dem Vogelfelsen im Langen Tal eine „Burg“ erbaut hatten, bei welcher es sich wahrscheinlich um einen Holzbau handelte.
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3. Die Herren von Tierberg, Ursprung, Bedeutung und Wirken im Mittelalter
Ob die dann ab dem Jahr 1216 plötzlich auftretenden Herren von Tierberg tatsächlich vom Geschlecht der „de Lutelingen“ abstammten ist ungewiss. Da sehr spärliche Urkunden aus dem frühen Mittelalter vorhanden sind, konnte ein gesicherter Stammbaum nicht erarbeitet werden. Auf jeden Fall müssen sie dem Lautlinger Ortsadel entsprungen sein. Sie nannten sich als sie schließlich auf den südwestlich von Lautlingen liegenden Tierberg zogen, und dort noch im 12. Jahrhundert die Burg Tierberg, in Folge Alten-Tierberg genannt, erbauten „Herren von Tierberg“. Die Edlen von Tierberg führten in ihrem Wappen eine auf drei Bergspitzen stehende Hirschkuh, die später als Wappenbild von der Gemeinde Albstadt-Lautlingen übernommen wurde. Die Familie der Herren von Tierberg vermehrte sich sehr rasch, so dass ihr Stammsitz die Burg Alten- Tierberg auf dem Tierberg nicht mehr ausreichte und auf dem gegenüberliegenden heutigen Ochsenberg eine neue Burg, der neue oder sogenannte Wilden-Tierberg, mit einer Vorburg in der halben Höhe des Eyachtales gegen Margrethausen, und eine dritte Burg am Heersberg gebaut werden musste, deren Stelle zwar nachzuweisen ist, deren Name aber nicht mehr erhalten geblieben ist. Wie einen Sicherungsring legten sich die drei erwähnten Burgen um die Ortschaften Lautlingen und Margrethausen. Diese strategisch wichtigen Punkte rund um Lautlingen und Margrethausen mit Burgen zu besetzen, zeigt uns heute, wie gut die Herren von Tierberg es verstanden ihren Stammsitz verteidigten. Aus dem Geschlecht der Herren Tierberg kamen einige Männer von größerer Bedeutung hervor, Kriegsleute - die sich in der Heimat wie auch im Ausland verdient machten, wie auch Kirchenleute. Ihr Stammsitz blieb nach ihrem Aussterben jedoch in Verwandtschaftskreisen und fiel letztendlich nachdem es eine Zeitlang die Herren von Westerstetten in ihrem Besitz hatten den Schenken von Stauffenberg zu. Die Herren von Tierberg waren freie Ritter und standen vielfältig in den Diensten anderer Fürstenhäuser - so treffen wir sie in der Folgezeit in den Diensten der Herzöge von Österreich, den Grafen von Hohenberg und Zollern (Die Grafen von Zollern, deren Zustimmung sie bei Güterveräußerungen und Güterkäufen einholten, nannten sie ihre Herren) , den Fürstenberger und zuletzt auch den Herzögen von Württemberg. Der Besitz des Rittergeschlechts in der Zollernalb war nicht unbedeutend. Der Stammsitz war das damalige Dorf Lautlingen nebst Margrethausen, (Letzteres eine jüngere Siedlung der Urgemeinde Lautlingen laut Pfarrer Albert Pfeffer). Außerdem besaßen die Tierberger eine Zeitlang die damaligen Dörfer Tieringen (von 1385 bis 1418), Hossingen, Messsteten und Frohnstetten; ferner einzelne Höfe und Güter in Ebingen, wo sie im Jahr 1382 den Kirchensatz erworben hatten, dann in
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Zillhausen, Dürrwangen, Engstlatt, Truchtelfingen, Sontheim, Zepfenhan, Nusplingen, Denkingen und anderen Orten.
4. Hugo von Tierberg und die Anfänge der Herren von Tierberg
Der erste aus der Familie des alteingesessenen Lautlinger Ortsadels, der sich „von Tierberg“ (de Thierberg) nannte und von dem die Geschichte berichtete, war Hugo von Tierberg (etwa um 1190 geboren). Dieser gewisse Hugo von Tierberg erhielt am 25. Juli 1216 von Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194-1250) den ehrenwerten Auftrag, einen Streit zwischen dem Kloster Salem und den Söhnen des Heinrichs Herr von Randeck zu untersuchen und zu schlichten (Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 2,341 ff.). Die Blütezeit des Geschlechtes der Herren von Tierberg fällt weit in das 13. und 14. Jahrhundert zurück. Aus der Ritterfamilie derer von Tierberg gingen bedeutende Männer hervor: So zum Beispiel die beiden Landmeister des Deutschen Ordens in Preußen, Konrad der Ältere und Konrad der Jüngere. Die bis ins Jahr 1928 übliche Annahme, dass die beiden Deutschordensmeister dem Hohenlohischen Dienstmannengeschlecht der Herren von Tierberg bei Steinkirchen (Etwa 10 Kilometer südöstlich von Künzelsau) angehörten, erwies sich laut Untersuchungen des Lautlinger Pfarrers Albert Pfeffer (1873-1937) als nicht richtig. Denn gerade der Vorname „Konrad“ (oder auch die frühere Schreibweise „Conrad“) so Albert Pfeffer war bei der Familie der Herren von Tierberg auf der Zollernalb durch drei Jahrhunderte sehr verbreitet. Er findet sich zehnmal in drei Jahrhunderten (!), während ihn die andere Familie bei Steinkirchen niemals führte!
Während des 13. Jahrhunderts stellte das Rittergeschlecht derer von Tierberg auch einen bedeutenden geistlichen Vertreter, nämlich einen gewissen Wolfrad von Tierberg, welcher von 1252 bis 1290 dem benachbarten Augustinerchorherrenstift Beuron im Donautal als Probst vorstand. Unter Wolfrad von Tierbergs Regierung übernahm Graf Friedrich V. „der Erlauchte“ von Zollern (1289 verstorben) im Jahr 1253 die Schirmvogtei über das Kloster Beuron, welche bisher den Grafen von Nellenburg zugestanden hatte. Wolfrad von Tierberg war einer der hervorragendsten Vorsteher des Klosters. Mit Eifer und Klugheit war er auf die Vermehrung des Klosterbesitzes bedacht. Wolfrads Bruder war Konrad von Tierberg (geboren um 1220), welcher im Jahr 1255 in den Urkunden als Rektor vom Berg Gammertingen (rector Monte Gammertingen) auftaucht. Dieser Konrad von Tierberg erhielt am 25. Januar 1255 von Graf Friedrich V. „der Erlauchte“ von Zollern, die Pfarrei Balingen verliehen. Graf Friedrich V. „der Erlauchte“ von Zollern und Konrad von Tierberg waren eng
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Jens-Florian Ebert, 2003, Die Herren von Tierberg Albstadt-Lautlingens altes Rittergeschlecht, München, GRIN Verlag GmbH
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