Gliederung
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1. Einleitung: Problem der Vielfalt und Heterogenität in der Schuleingangsphase
1.
1.
2. Ontogenese der Sprache und ausgewählter Entwicklungsbereich
2.
2.
3. Darstellung der Beobachtungsphase
3.
3.1 Ausführungen zum Kind
3.1
3.2 Ausführungen zu den Beobachtungsbedingungen
3.3 Untersuchungsprotokolle
3.3
3.3
4. Zusammenfassende Ergebniskommentierung
4.
4.
5. Schlussfolgerungen für die individuelle Förderung
5.
5.1 Inhalte der Förderung/ Thematische Schwerpunkte
5.2 Empfehlungen für die Förderform
5.3 Empfehlungen für die Fördermethodik
5.3.1 Strategie und Interventionsmethodik
5.3.2 Spezifische Förderdidaktik
5.3.2.1 Sprachförderung
5.3.2.2. Förderung der Wahrnehmung
1. Einleitung
1.1. Heterogenität und Vielfalt bei Schulanfängern
Heterogenität der Schulanfänger - Herausforderung für die Schule
Seit einigen Jahren erfährt das Thema Heterogenität der Schulanfänger in der Pädagogik wachsende Beachtung. Es gibt eine Fülle von Kriterien in denen sich Kinder und Jugendliche unterscheiden. Schulstrukturell bedeutsame Differenzierungskriterien sind sozialer Status, Wohnort, Geschlecht, Religion, Lebensalter, Eignung, Einstellung und Interesse, besondere Bedürfnisse, Rasse, Staatsangehörigkeit und Sprache. Daneben existieren weitere individuelle Unterschiede in Bezug auf die kognitiven Grundfertigkeiten, Intelligenz, kognitive Stile, Leistungsängstlichkeit oder Leistungsmotivation, um nur einige zu nennen. 1
Trotz all dieser Verschiedenheiten setzt der Großteil unseres Schulsystems auf Gleichheit und versucht „gleichaltrigen Schülerinnen und Schülern gleiche Inhalte und Ziele mit gleichen Methoden beizubringen und sie mittels gleicher Tests an einem gleichen Bewertungsmaßstab zu überprüfen.“ 2 Ein Versuch der wachsenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler beizukommen ist die „Pädagogik der Vielfalt“. Sie „beschäftigt sich mit Interkultureller Erziehung und Koedukation sowie
mit der gemeinsamen Erziehung und Bildung von Menschen mit und ohne Behinderung.“
3
In der Integrativen Pädagogik geht es nicht um Gleichmacherei, sondern darum Gemeinsames zu schaffen und Unterschiede zuzulassen und zu akzeptieren. So können die Schülerinnen und Schüler im Gemeinsamen Unterricht Gemeinsamkeit und Vielfalt kennen und schätzen lernen. Allerdings gestaltet sich die Umsetzung dieser Pädagogik angesichts der strukturell bedingten Ressourcenknappheit der Grundschulen recht schwierig.
Im Folgenden soll ein differenziertes Bild des Phänomens der Vielfalt gegeben werden. Heterogenität wird dabei im Zusammenhang mit sozio‐kulturellen, kognitiven, geschlechtsspezifischen und kulturell‐religiösen Unterschieden beleuchtet.
Die Biografie eines Kindes wird stark von seinem sozio‐kulturellen Umfeld geprägt. Leider wird sozio‐ kulturelle Benachteiligung in der Schule nicht ausgeglichen, sondern eher noch verfestigt. Studien belegen, dass Kinder aus sozio‐ökonomisch schwachen Schichten in höheren Bildungsabschlüssen
1 Vgl. Rachkochkine, Anatolie. Vorlesung „Grundlagen des Lehrens und Lernens“ Einheit 12.
2 I. Demmer‐Dieckmann, B. Struck (Hrsg.). Gemeinsamkeit und Vielfalt‐ Pädagogik und Didaktik einer Schule ohne Aussonderung. S. 13.
3 Ebd.
unterrepräsentiert sind. 4 Da die kognitive Entwicklung der Kinder stark von sozio‐kulturellen Bedingungen abhängig ist, trifft man in Grundschulklassen mit hoher Altershomogenität auf unterschiedlich entwickelte Leistungsniveaus und damit auf eine Vielfalt von kognitiven Strukturen. 5 Dieser Sachverhalt muss im Unterricht stets Berücksichtigung finden.
In unserem koedukativen Bildungssystem erzielen Mädchen prozentual deutlich höhere Bildungsabschlüsse als Jungen. 6 Beruflich nutzen sie diesen Vorteil allerdings zu wenig. Diese Tatsache wirft die Frage auf, ob Ursachen dafür in der Erziehung der Grundschule zu suchen sind. Zahlreiche Studien haben belegt, dass Mädchen im gemeinsamen Unterricht zwar nicht dümmer, aber auch nicht selbstbewusster, stärker und leistungsfähiger werden, weil sie häufig auf die traditionelle Rolle verwiesen werden, die ihnen Angepasstheit, Fügsamkeit und Bescheidenheit auferlegt. „Diese schulischen Bedingungen haben Auswirkungen auf Dimensionen der Persönlichkeit, die mit dem Selbstbild, dem Selbstwertgefühl, dem Bewusstsein eigener Stärke und dem Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit sowie mit der Interessenrichtung und der Lebensorientierung zu tun haben.“ 7 Die Geschlechtsrollenstereotype, die der Frau Zweitrangigkeit und dem Mann Überlegenheit zuschreiben, führen langfristig zu Selbstwertproblemen bei Mädchen und bei Jungen zu verstärktem Druck und Stress. Pädagogischer Auftrag ist also nicht eine Bestärkung der Kinder in ihren spezifischen Stereotypen, sondern man sollte ihnen Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung
auch außerhalb der geschlechtsspezifischen Normen geben. 8
In den letzten Jahren hat die Vielfalt der Migranten außerordentlich zugenommen. Die Kinder mit Migrationshintergrund bringen unterschiedliche kulturelle und religiöse Erfahrungen, Lebensformen und Werte, Widerstände, Verunsicherungen und Konflikte mit in die Klassengemeinschaft. Aber sie stellen gleichzeitig eine vielfältige menschliche und kulturelle Bereicherung dar. 9 Da diese Schülerpopulation zum Großteil suboptimale Lernvoraussetzungen mitbringt, wird die kulturelle Heterogenität leider vorwiegend als Problem und nicht als Chance artikuliert. 10
Um der zunehmenden Heterogenität im Unterricht gerecht zu werden, ist eine schulische Differenzierung unumgänglich. Die Darbietung und Bearbeitung der Lerninhalte muss an den Lernenden angepasst werden. Desweiteren werden die Lernenden nach bestimmten Kriterien in Lerngruppen eingeteilt. So werden Ansprüche in fachlicher, institutioneller und gesellschaftlicher
4 Vgl. I. Demmer‐Dieckmann, B. Struck (Hrsg.). Gemeinsamkeit und Vielfalt‐ Pädagogik und Didaktik einer Schule ohne Aussonderung.
5 Vgl. Rehle, C.; Pius, Th.: Einführung in Grundschulpädagogisches Denken. Donauwörth. 2003. S. 56ff.
6 G. Faust‐Siehl, A. Speck Hamdan (Hrsg.). Schulanfang ohne Umwege. S. 179.
7 Vgl. Rehle, C.; Pius, Th.: Einführung in Grundschulpädagogisches Denken. Donauwörth. 2003.
8 Ebd.
9 Ebd.
10 G. Faust‐Siehl, A. Speck Hamdan (Hrsg.). Schulanfang ohne Umwege. S. 182.
Hinsicht gesichert und gleichzeitig lernorientiert aufgearbeitet. Als pädagogisch‐didaktische Konzeptionen für den Unterricht in heterogenen Gruppen wären innere Differenzierung, offener Unterricht, adaptiver Unterricht, Inclusive Education, individuelle Förderung und Personalisierung des Lernens zu nennen. 11
Verbunden mit der schulische Differenzierung findet man in Deutschland eine Vielfalt von Schulformen vor. Neben zahlreichen anderen Beweggründen resultiert diese Entwicklung aus der Überlegung, dass Schüler in homogeneren Lerngruppen besser lernen. So müsste man annehmen, dass die Schülerschaft an einer bestimmten Schulform relativ homogen ist. Betrachtet man aber zum Beispiel eine Sprachheilschule, so findet man auch hier eine Schülerschaft vor, die vermutlich mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten hat. So weisen zwar alle Schüler Sprachauffälligkeiten auf und haben in diesem Bereich Förderbedarf, jedoch sind die Störungsbilder so vielfältiger Natur, dass jeder Schüler individuell auf seine Bedürfnisse ausgerichtete Förderung benötigt. Sprachentwicklungsstörungen lassen in die Ebenen Phonetik/Phonologie, Semantik/Lexikon, Syntax/Morphologie und Pragmatik/Kommunikation gliedern. Dabei kann man von einer isolierten oder ebenenübergreifenden Symptomatik im synchronen oder asynchronen Profil sprechen. Bezogen auf die gesamte Person wäre ein synchrones Profil vorhanden, wenn alle Entwicklungsbereiche (d.h. Sprache, Wahrnehmung, Motorik, Kognition, sozio‐emotionales Verhalten) beeinträchtigt sind, wie
zum Beispiel bei einer Schwerst‐Mehrfachbehinderung. Ein asynchrones Profil würde vorliegen, wenn z.B. nur der Bereich Sprache betroffen ist. Unterscheidet man zwischen asynchronem und synchronem Profil innerhalb eines Beobachtungsbereichs (z.B. Sprache), so würde man von einem synchronen Profil sprechen, wenn alle Sprachebenen beeinträchtigt sind. Häufiger findet man jedoch ein asynchrones Profil vor, bei dem nur eine Sprachebene beeinträchtigt ist. Asynchrone Profile haben demnach Symptomcharakter und synchrone Profile haben Syndromcharakter.
2. Ontogenese der Sprache
Siehe Gruppenportfolio von Julia Stenzl, Alexandra Näke, Madleen Hoffmann, Eva Klapetz, Tara Yektaoglu und Christin Seifert.
3. Darstellung der Beobachtungsphase
3.1. Ausführungen zum Kind
Allgemeines:
11 Vgl.. Rachkochkine, Anatolie. Vorlesung „Grundlagen des Lehrens und Lernens“ Einheit 12.
Der beobachtete Schüler ist 7,6 Jahre alt und besucht die 1. Klasse einer Sprachheilschule. Er wächst als Einzelkind auf und wird vorwiegend von seiner Mutter betreut, da der Vater aus beruflichen Gründen nur am Wochenende zu Hause ist. In seiner Freizeit macht er Karate und spielt gern mit Legosteinen oder puzzelt. (entnommen aus Schulunterlagen)
Laut Aussage der Lehrerin sind die Eltern nur wenig an der Förderung ihres Sohnes interessiert. Die Kooperation zwischen Schule und Eltern gestaltet sich schwierig. Die Eltern üben nicht ausreichend mit N.N. und erkundigen sich kaum bei der Lehrerin nach Fortschritten oder Schwierigkeiten.
N.N. ist ein schmächtiger, kleiner Junge mit aschblondem Haar und blassem Gesicht. Während der Hospitation wurde beobachtet, dass N.N. kein Pausenbrot mit in die Schule brachte. Er hatte zwei Mal nur eine Flasche Wasser bei sich, obwohl er bis 13 Uhr in der Schule war. Außerdem entsprach er nicht der hygienischen Norm. Er hatte schmutzige Arme und Hände und auch seine Kleidung war dreckig. Diese Umstände lassen einen gewissen Grad an Neglektion vermuten.
Sprachliche Entwicklung:
N.N. fing laut Aussagen der Mutter mit 11 Monaten an zu Sprechen. Er sprach Einwortsätze, dann setzte die Entwicklung aus und erst mit 3,5 Jahren machte er wieder Fortschritte und bildete kleine
Sätze. Wegen seiner sprachlichen Entwicklungsverzögerung und Auffälligkeiten im Sozialverhalten wurden Frühfördermaßnahmen eingeleitet. Im Jahr 2005 bekam N.N. Ergotherapie, darauf folgten Logo‐ und Familientherapie. (aus Schulunterlagen)
3.2. Ausführungen zu den Beobachtungsbedingungen
Ort:
N.N. besucht die erst Klasse einer Sprachheilschule in einer Großstadt. In der Klasse sind noch 8 weitere Schüler, davon zwei Mädchen und sechs Jungen. Die Leistungen der Schüler sind abgesehen von einem stotternden Jungen eher schwach. Die Kinder bedürfen kleinschrittiger Aufgabenstellungen und häufige Ermahnungen, um konzentriert zu bleiben. Bis auf zwei Schüler kommt der Rest der Schüler aus einem eher sozial schwachen Milieu.
Lehrerin:
Die Lehrerin ist eine erfahrene Sprachheilpädagogin mittleren Alters. Sie ist äußerst resolut und streng. Einigen Schülern gegenüber zeigt sie eine eher herzliche, einfühlsame Art und Weise, überwiegend wirkt sie aber kühl und distanziert. Ihre Unterrichtsführung erfolgt zielgerichtet und sie legt großen Wert auf Disziplin. Im Unterricht darf ohne Aufforderung nicht gesprochen werden und auch allgemein weist sie die Kinder häufig zurecht. Ihre teilweise ironischen und sarkastischen
Bemerkungen werden von den Kindern oft missverstanden und sind sehr unangebracht. Dem beobachteten Schüler gegenüber legte sie eine eher negative Einstellung an den Tag. Er wurde mir für die Beobachtung empfohlen, da er ihr „Problemschüler“ sei. Ihre Erwartungshaltung ihm gegenüber war sehr gering. Sie befürchtet, dass N.N. die erste Klasse wiederholen muss und kritisiert seine schlechte Lerneinstellung. Er sei demotiviert und unaufmerksam. An einigen Stellen im Unterricht war eine unterschiedliche Behandlung verschiedener Schüler deutlich zu merken.
Zeit:
Die Beobachtungen erfolgten am 28. und am 29. 05. 08 bei 10 Unterrichtseinheiten sowie in den Pausen.
Organisationsformen:
Der Unterricht erfolgte stets frontal. Gearbeitet wurde hauptsächlich in stiller Einzelarbeit. Gruppenarbeit und selbstorganisiertes Lernen gab es nicht. Der Frontalunterricht sollte vermutlich diszipliniertes Arbeiten gewährleisten, da die Lehrerin auf diese Weise die größtmögliche Kontrolle über die Schüler hat.
Besonderheiten:
Auffällig war die gestörte Lehrer‐Schüler‐Beziehung. Beobachtet wurden die Fächer Mathe, Deutsch, Sport, Bewegungsunterricht, Musik und SMU (Sprachförderstunde mit gesamter Klasse).
3.3. Unterrichtsprotokolle
Es folgen die Beobachtungsprotokolle der einzelnen Stunden.
Arbeit zitieren:
Christin Seifert, 2008, Förderpädagogische Kennzeichnung eines Kindes in der Schuleingangsphase auf der Grundlage einer teilnehmenden Prozessbeobachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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