Gliederung
1 Einleitung 3
2 politisch rechtliche Entwicklungen des Völker und Naturschutzes im Untersuchungsgebiet 4
2.1 Brasilien 5
2.2 Peru 7
3 Fallbeispiel Nationalpark Alto Purús 10
3.1 Nutzungskonflikte 12
3. 2 Konzeptkritik 14
4 Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
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1 Einleitung
Die Verschriftlichung des Referats Zwischen Naturparks und indianischen Freiräumen - Entwicklungen in der brasilianisch-peruanischen Grenzregion beschäftigt sich grundsätzlich mit dem Problem der konkurrierenden Landnutzungskonzepte Naturschutz vs. Völkerschutz vor dem Hintergrund der letzten Rückzugsgebiete indigener z.T. in Isolation lebender nicht- kontaktierter Völker.
Mehr als 60 indigene Völker des Amazonas leben heute nach wie vor in weitgehender Isolation (RUMMENHÖLLER 2002:251). Sie sind in kleinen Gruppen organisiert und betätigen sich hauptsächlich der Jagd- und Sammelwirtschaft, so dass sie aus der Luft kaum auszumachen sind (RUMMENHÖLLER 2008:15). Der bedeutendste zusammenhängende Lebensraum nicht-kontaktierter Ethnien erstreckt sich entlang der peruanisch-brasilianischen Grenze und konzentriert sich dabei hauptsächlich auf schlecht zugängliche Flussoberläufe (RUMMENHÖLLER 2008:14).
Der Fortbestand der Isolation hängt von externen und internen Faktoren ab (RUMMENHÖLLER 2008:14). Externe Faktoren beziehen sich dabei auf die „räumlichen Freizügigkeiten“ die den Völkern zugestanden werden, interne auf die Fähigkeit „sich immer wieder auf veränderte Lebensbedingungen und externe Bedrohungen einzustellen“ (RUMMENHÖLLER 2008:14). Durch die rasch voranschreitende Abholzung und Besiedlung, welche zu den externen Faktoren gehören, werden die Rückzugsgebiete dieser isoliert lebenden Indigenen zunehmend knapper (RUMMENHÖLLER 2002:251). Bei Aufgabe der Isolation, Kontakt mit Holzfällern oder durch forcierte Kontaktaufnahme von Seiten fundamentalistischer Missionare (vgl. RUMMENHÖLLER 2008:19-20) kann es zur Infizierung der isolierten Indigenen mit westlichen Krankheiten wie Windpocken, Masern oder Grippe und somit zum „Massensterben“ kommen, dem im Worst-Case-Szenario ganze Stämme zum Opfer fallen können (RUMMENHÖLLER 2002:251). „Bei der Eingliederung in die Nationalgesellschaft können indigene Völker [zudem] leicht Opfer von Diskriminierung, Aggressionen und Ausbeutung werden, die in extremen Fällen auch zu Prostitution und Bettelei führen“ (zit. RUMMENHÖLLER 2008:14).
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2 politisch-rechtliche Entwicklungen des Völker- und Naturschutzes im
Untersuchungsgebiet
Bis zum Ende des 19.Jh. blieb Amazonien eine von Nationalstaaten und -Bürgern weitgehende unberührte Landschaft, in der viele noch nicht kontaktierte indigene Volksgruppen ungestört von äußeren Einflüssen lebten. Mit dem Kautschukboom kam es zur rasanten Erschließung und Besiedlung des Gebietes durch Brasilianer, Peruaner, Europäer und US-Amerikaner. Damit einher gingen Nutzungskonflikte, die zunehmende Umweltzerstörung, sowie die gewaltsame Verdrängung und Vertreibung der indianischen Völker an die unwegsamen Flussoberläufe (RUMMENHÖLLER 2002:252). Wer nicht fliehen konnte wurde umgebracht oder als rechtloser Sklave in der Kautschukwirtschaft eingesetzt (RUMMENHÖLLER 2002:252-253). Um 1918 zum Ende des Kautschukbooms verließen viele „Nicht-Indianer“ die Region (RUMMENHÖLLER 2002:253), so dass sich den verbliebenen Indigenen optimale Bedingungen für eine Neubesiedlung der, von den Zuwanderern weitgehend verschont gebliebenen, Areale boten (RUMMENHÖLLER 2002:253).
Trotzdem wurden die indigenen Völker Amazoniens immer wieder durch Holzfäller, Missionare und Zuwanderer bedroht, so dass Maßnahmen auf politischer Ebene erforderlich wurden, um dass Ausmaß der unwiderruflichen Zerstörung einzugrenzen.
Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit den politisch-rechtlichen Entwicklungen bzgl. des Völker- und Naturschutzes im Grenzgebiet der Nationalstaaten Brasilien und Peru.
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2.1 Brasilien
In Brasilien kam es bereits 1910 zur Gründung der Indianerschutzbehörde SPI (Serviço de Proteção ao Índio), deren nachfolge Organisation seit1988 die FUNAI (Fundação Nacional do Índio) ist (nach FUNAI 2008).
In den 70er und 80er Jahren des 20.Jh. wurde die Wiederausbreitung der Indigenen durch die staatliche Demarkierung von „Terras Indígenas“ (TI) unterstützt (RUMMENHÖLLER 2002:253). So entstanden entlang der peruanischen Grenze sieben TI`s mit einer Gesamtfläche von 1.140.993 ha und in unmittelbarer Nähe weitere sechs TI`s mit 628.191 ha (RUMMENHÖLLER 2002:253). Drei großflächige ebenfalls an der peruanischen Grenze befindliche Naturschutzgebiete sollen zudem das Vordringen von Holzfällern erschweren (RUMMENHÖLLER 2002:253).
Mit der Ablösung der SPI durch die FUNAI kam es, als Resultat negativer Erfahrungen in der Vergangenheit, auch zu einem Wechsel der politischen Sichtweise hinsichtlich der Kontaktierung isolierter Völker, von Kontakt in jedem Fall zu Kontakt ausschließlich im Notfall, sowie zur Erstellung von Maßnahmenkatalogen für den Fall des Kontaktes, um Epidemien und Kulturschock vorzubeugen (RUMMENHÖLLER 2002:254). Weiterhin wurden drei TI`s ausschließlich zum Schutz isoliert lebender Indianer ausgewiesen (RUMMENHÖLLER 2002:254).
Die bis zum Mai 2006 ausgewiesenen TI`s im Grenzgebiet Brasiliens zu Peru (Departamentos Acre und Amazonia) sind in Abbildung 1 und 2 dargestellt.
Allgemein lässt sich aussagen, dass es in Brasilien bei der Ausweisung von Schutzgebieten zu einer Bevorzugung von Indianerschutzgebieten gegenüber Naturschutzgebieten kommt (RUMMENHÖLLER 2008:15).
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Paul Jörg Koch, 2008, Zwischen Naturparks und indianischen Freiräumen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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