Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Reziprozität und sozialer Tausch 4
2.1 Der Begriff Reziprozität nach Alvin W Gouldner und Christian Stegbauer 4
2.2 Reziprozität und sozialer Austausch in Arbeitsbeziehungen nach Stephan
Voswinkel und Peter M Blau 9
3 Fazit 16
4 Literaturverzeichnis 18
4.1 Literatur 18
4.2 Internet 18
2
1 Einleitung
Reziprozität und sozialer Tausch als Formen der Gegenseitigkeit und Kommunikati- on sind wichtige Bestandteile und ständige Begleiter in unserer Gesellschaft. Dabei geht es um das gegenseitige Geben und Nehmen von Leistungen, die unterschiedli- che Zwecke erfüllen können und auch eine Vielzahl verschiedener Ziele verfolgen. Speziell im Arbeitsleben werden Reziprozität und Tausch eine wichtige Funktion bei- gemessen, da Arbeit ein Hauptbestandteil des menschlichen Lebens ist und einen Großteil der menschlichen Lebenswelt ausmacht. Austauschbeziehungen im Arbeits- leben bilden die Grundlage für soziale Beziehungsgefüge, haben Einfluss auf die individuelle Identitätsentwicklung und helfen bei der Integration in ein Unternehmen. Neben diesen wichtigen Funktionen sind aber auch negative Folgen zu verzeichnen. Besonders in Arbeitsbeziehungen ist feststellbar, dass Macht und Autorität sowie das Prinzip der Überlegenheit und Unterordnung bestimmenden Charakter für soziale Beziehungen haben.
Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt darin, die Funktionsweise des sozialen Tauschs und die Rolle von Reziprozität in Arbeitsbeziehungen näher zu erläutern. Dabei dienen Texte von auserwählten Soziologen als Grundlage für die Definierung der Begriffe Reziprozität und sozialer Tausch. Verdeutlicht wird der Zusammenhang von Reziprozität und sozialem Tausch anhand von Textbeispielen über die Anerken- nung sowie Konsultation unter Kollegen.
Diese Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zu Beginn werden die Hauptbegriffe Rezipro- zität und sozialer Tausch anhand unterschiedlicher wissenschaftlicher Auffassungen definiert. Anschließend wird das Prinzip der Reziprozität und sozialer Tausch in Ar- beitsbeziehungen mit Hilfe zweier Beispieltexte verdeutlicht und im Fazit folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
2 Reziprozität und sozialer Tausch
2.1 Der Begriff Reziprozität nach Alvin W. Gouldner und Christian Stegbauer
Allgemein heißt Reziprozität „Wechselseitigkeit“ (Wahrig-Burfeind 2004, S.847) oder „Gegenseitigkeit“ und stellt das Grundprinzip menschlichen Handelns dar (Wikipe- dia). Reziprozität bildet die Grundlage von Interaktionsprozessen und diese wieder- um sind mit Austauschprozessen verbunden (GAIS – IDS Mannheim). Das Hauptmerkmal von Reziprozität ist das gegenseitige Erbringen von Leistungen, wo- bei es jedoch Unterschiede bei der Art sowie dem Zeitpunkt hinsichtlich der Erwide- rung der Gegenleistung gibt. Es werden verschiedene Formen von Reziprozität unterschieden, die anhand der Standpunkte von Alvin W. Gouldner und Christian Stegbauer dargestellt und mit den Beispielen der Arbeitsbeziehungen anhand der Auffassungen von Stephan Voswinkel und Peter M. Blau konkretisiert werden sollen.
Zunächst beschreibt Alvin W. Gouldner Reziprozität als „The manner in which the concept of recipocity is implicated in funtional theory is explored, establing a reanaly- sis of the concepts of „survival“and „exploitation“. (Gouldner 1960, S.161) Seiner Meinung nach besteht Reziprozität also aus dem Konzept „Überleben“ und „Ausnut- zung“, was heißt, dass eine Handlung zum Wohle eines anderen und nicht eigennüt- zig ausgeführt wird. Reziprozität stellt für ihn eine Wechselbeziehung dar, die zwischenmenschlich und unter dem Einsatz bestimmter Regeln, der sogenannten Reziprozitätsnorm, erfolgt. Das Prinzip der Wechselseitigkeit nach Gouldner besteht im gegenseitigen Nehmen und Geben beider Tauschpartner mit dem Ergebnis, dass sie nach erfolgtem Tausch befriedigt sind (Wikibooks). Gouldner stellt zwei Grund- forderungen an die Reziprozitätnorm: „People should help those who helped them, and people should not injure those who have helped them“. (Gouldner 1960, S.171) Übersetzt heißt das, dass man, erstens, denen helfen soll, die einem auch schon einmal geholfen haben, und zweitens, dass man diesen auch nicht schaden soll. Nach Gouldner wird die Norm der Reziprozität demzufolge begriffen als ein in allen Wertsystemen existierender Maßstab, der sich mit seinen hauptsächlichen Kompo- nenten als Verhaltensvorschrift von Interaktionen wiederfindet: „Generically, the norm of recipocity may be conceived of as a dimension to be found in all value systems and, in particular, as one among a number of "principal components" universally pre- sent in moral codes“. (Ebd., S.171)
Gouldner betont, dass die Reziprozitätsnorm einzelne Personen zusammenführen und Relationen hauptsächlich mit denen herstellen kann, die in der Lage sind, sich auszutauschen: „The norm may lead individuals to establish relations only or primari- ly with those who can reciprocate…“ (Gouldner 1960, S.178) Er weist aber auch dar- auf hin, dass es Vernachlässigungen der Notwendigkeiten bei denen verursachen kann, die nicht in der Lage sind, sich auf diese Weise auszutauschen: “…thus indu- cing neglect of the needs of those unable to do so“. (Ebd., S.178) Speziell spricht er hierbei von Kindern, älteren sowie körperlich und geistig behinderten Menschen und er weist daraufhin, dass sich auf Grund dessen unterschiedliche normative Orientie- rungen bei den Interaktionen entwickeln können.
Auch Christian Stegbauer, wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Gesell- schaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt, setzt sich mit dem Begriff Reziprozität auseinander. Er hat eine gegensätzliche Ansicht des Reziprozitätsbegrif- fes zu Alvin Gouldner. Stegbauer begründet seine Auffassung von Reziprozität an einer Vielzahl von Arten des sozialen Tauschs, bei der eine Handlung zum Wohle eines anderen, aber auch eigennützig ausgeführt wird. Er unterscheidet zwischen den zwei Reziprozitätsformen direkte und indirekte Reziprozität. Die direkte Rezipro- zität, auch echte Reziprozität genannt, bezieht sich auf direkte Beziehungen, wobei die Anzahl der beteiligten Personen nicht bedeutsam ist (Stegbauer 2002, S.35). Bei diesem Tauschverhältnis geht es um die Erbringung von gegenseitigen Leistungen, die ungefähr gleichwertig sind. Im Gegensatz dazu steht die generalisierte Reziprozi- tät, wobei er unterscheidet zwischen der Generalisierung über einen längeren Zeit- raum und der Generalisierung über eine bestimmte Gruppe, der man sich zugehörig fühlt (Stegbauer 2002, S.79) Zuerst erklärt Stegbauer seine Ansicht direkter Reziprozität anhand verschiedener Tausch- und Interaktionsformen, geht dabei auf legale sowie nicht legitime Reziprozi- tätsformen ein.
Eine erste einfache und wenig beziehungsstiftende Art direkter Reziprozität ist der Warentausch Geld gegen Ware beziehungsweise Ware gegen Geld. Dieser Akt des Tauschhandels beginnt mit einer Eröffnungsgabe, die Gabe wird angenommen und schließlich erfolgt eine Gegengabe (Wikipedia). Der Tausch ist nach gegenseitiger Erbringung der jeweiligen Leistung abgeschlossen und Ansprüche an die Tausch-
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Livia Nestler, 2007, Markt und Tausch I, München, GRIN Verlag GmbH
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