Inhalt
0. Einleitung 3
1. Entstehung 4
2. Film 4
2.1 Kameraführung 9
2.2 Schauplätze 10
2.3 Musik 10
2.4 Adaption 11
3. Fazit 15
4. Anhang 17
4.1 Credits 17
4.2 Quellenverzeichnis 17
1. Entstehung
Jelinek, 1946 in der Steiermark geboren, studierte Orgel am Wiener Konservatorium, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Trotz internationaler Erfolge und zahlreicher Auszeichnungen für ihr Werk ist Jelineks Arbeit in Österreich nicht anerkannt. „Die Klavierspielerin“, 1983 veröffentlicht, trägt autobiographische Züge. 1 Michael Haneke, geboren 1942, wuchs in Wien auf und versuchte sich in verschiedenen Professionen, bis er in den 70er Jahren als Bühnenregisseur debütierte. Er hat einige Fernsehfilme, sowie fünf Spielfime vor „Die Klavierspielerin” gedreht. 1 Auch Hanekes Werk ist in Österreich umstritten.
Haneke wollte das Buch schon früh adaptieren, aber Elfriede Jelinek hat sich lange gegen eine Verfilmung gewehrt, auch wegen der stark biographischen Färbung des Romans. Das Drehbuch für „Die Klavierspielerin” verfasste Haneke dann ursprünglich für einen befreundeten Schauspieler/Regisseur. Nachdem dieser die Rechte nicht genutzt hatte, wurden sie von einem Produzenten erworben, der Haneke ermunterte, erneut mit dem Material zu arbeiten. Gedreht wurde in Wien auf Deutsch und Französisch. Der jeweils fremdsprachliche Teil wurde dann für die deutsche bzw. französische Fassung synchronisiert, es gibt also zwei Halboriginalfassungen. 2
2001 wurde „Die Klavierspielerin” in Cannes im Wettbewerb aufgeführt und gewann den Grand Prix du Jury und die Prix d’Interprétation féminine und masculine.
2. Film
Exposition
Erika Kohut, Klavierprofessorin am Wiener Konservatorium, schließt die Tür auf, kommt herein und wird sogleich von ihrer Mutter befragt, warum sie erst drei Stunden nachdem ihr letzter Schüler gegangen ist, nach Hause zurückkehrt. Erika lügt, die Mutter durchsucht ihre Tasche und findet ein neues Kleid. Eine Unerhörtheit, wie soll denn jetzt die Rate für die Eigentumswohnung bezahlt werden und überhaupt, so einen Fummel kann man doch nur eine Saison lang tragen. Auf ein Streitgespräch folgt ein Handgemenge, bei dem die Mutter Haare lassen muss. Vor dem Fernseher dann - dieser „immerwährenden Verlockung” 3 , die zeitweise auch fullscreen gezeigt wird - versöhnen sich die Damen Kohut wieder und legen sich friedlich nebeneinander ins Ehebett.
Vgl. beides Grissemann, S. 220/221 1
Vgl. Haneke in: Medien und Erziehung, S. 310 2 Jelinek 1983, S. 214 3
4
Durchführung
Die siebenminütige Anfangssequenz zeigt uns in allen Facetten die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die sich lieben und hassen, schlagen und versöhnen, aber nie endgültig von einander lösen. Die Angst der Mutter, die Kontrolle über Erika zu verlieren, und abgeschoben zu werden 4 , Erikas Hass auf die dominante Mutter, die ihr statt der Kindheit nur das Klavierspielen erlaubt hat und ihr auch ein selbstständiges Erwachsenendasein versagt. Die gegenseitige Abhängigkeit wird deutlich, und dass ein Ausweg aus dieser nur mit Gewalt möglich sein kann.
Junge Männerhände, Chopin interpretierend — gefolgt von Kinderhänden: Haydn — ein junges Mädchen, das sich um Schuberts Winterreise bemüht — ein weiterer junger Mann: Beethoven — Erika aus dem Fenster schauend in der Halbtotalen. Im Off ungeduldig und freudlos immer wieder Erika, stichelnd, kritisierend, enerviert. Unterbrochen werden diese Eindrücke aus dem Alltag der Klavierlehrerin sowohl optisch als auch akustisch durch die Titel. So einfach wie gekonnt skizziert Haneke hier Erikas Alltag, zeigt ihre unterschwellige Frustation, ihr streng von der Mutter kontrolliertes Leben, das nur selten durchbrochen wird von Ereignissen wie dem Hauskonzert bei den Blonskijs. Hier wird Walter Klemmer eingeführt: jung, dynamisch, zuversichtlich, oder doch ein Blutegel, wie Mutter Kohut anmerkt? Walter ist fasziniert von Erika, es gelingt ihm aber augenscheinlich nicht, sie im Gespräch zu beeindrucken. Erst während er das Scherzo einer Schubert Sonate spielt, wird deutlich, dass Walter sehr wohl Erikas Panzer durchbrochen hat: Ihre Mundwinkel zucken zweimal merklich während seiner Interpretation, fast bahnt sich ein Lächeln an. Doch erst einmal wieder Alltag: Proben mit dem Schubert-Mädchen aus der Titelsequenz, Anna Schober. Im Anschluß ein Gespräch mit der ehrgeizigen Mutter, bevor Erika sich endlich ihrem Privatvergnügen widmen kann. Doch auch hier, beim Kammermusizieren mit zwei Kollegen läßt die Mutter sie über das Telefon nicht aus ihrer Überwachung. Zu den Klängen von Schuberts Klaviertrio in Es-Dur sieht man Erika dann einer etwas anderen Freizeitbeschäftigung fröhnen: Sie betritt einen Sexshop, offensichtlich nicht zum ersten Mal, und kommt in einer schwarzen Videokabine zur Ruhe. Was sie sucht ist nicht ausschließlich visuelle Stimulation. Tief atmet Erika den Geruch erkalteten Spermas aus einem erhärteten Papiertaschentuch ein, während sie mit kaltem Blick den Bildschirm betrachtet. Den Bildern wird ein Lied aus Schuberts Winterreise entgegengestellt. Die Musik führt uns zurück in den Alltag: Eine Probe für das nächste Schülerkonzert. Unterbrochen allerdings von Walter Klemmer, der sich für Erikas Master Class bewerben möchte, ob seiner Störung aber unhöflich des Raumes verwiesen wird. Im Vergleich zu dem engagierten Lehrer des Sängers wird Erikas Distanziertheit ihren Schülern gegenüber verdeutlicht. Während Walter dann am Konservatorium vorspielt, sieht man Erika erst in in der Halbtotalen, dann bei jedem neuen Stück etwas näher. Erika sind ihre Gefühlsregungen sichtlich unangenehm: Während der Rachmaninoff-Prélude spielt sie selbstvergessen auf dem Oberschenkel mit, schreckt dann plötzlich auf und wischt sich verlegen die Hand am
Vgl. Jelinek 1983, S. 155 4
5
Arbeit zitieren:
Caroline Poser-Zamith de Franco Carrilho, 2005, Zum Film 'Die Klavierspielerin' von Michael Haneke, München, GRIN Verlag GmbH
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