Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Der Monotheismus als politische Theologie 4
3. Historische Befunde des politischen Monotheismus 7
4. Der Monotheismus als Quelle von Gewalt und Intoleranz 10
5. Schluss. 14
6. Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Die monotheistischen Religionen, welche im Sinne der Religionssoziologie ein universell allgegenwärtiges Sinngebungssystem unseres alltäglichen Lebens darstellen, sind tief im Unterbewusstsein der Gesellschaft in normativer Form verwurzelt. Seit ihrer israelitischen Entstehungsgeschichte prägen sie die Menschheitsgeschichte, indem sie dem historischen Individuum zeitlebens Liebe und Hass vermitteln.
Die gesellschaftlichen Vulgäransichten über die abrahamitischen Religionen sind gekennzeichnet von einer Ambivalenz des Guten und Bösen, die ihnen durch immanente und transzendentale Konstrukte der verschiedenen Religionsrichtungen dargeboten werden. Dieser Umstand einer abstrakten Modellierung und Vereinfachung über die richtige und falsche menschliche Daseinsform und die Reduktion der Welt auf eine wahrhaftige transzendentale Einheit kann in den Köpfen der Gläubigen schnell ein vorgefertigtes Feindbild von Menschen und Gedanken schaffen, deren Konsequenzen schlagartig in Gewalt und Intoleranz ausarten könnten. Die moderne Gegenwart bezeugt durch alltägliche Ereignisse religiöser Widerstände gegen das Fremde, die man politisch unter dem Ausdruck eines Fundamentalismus und Terrorismus umschreibt, eine Welt in der Religion und Politik wetteifern und zusammenspielen.
Im Hintergrund der Annahme einer Korrelation zwischen Heil und Herrschaft (Assmann, 200) ist es die Absicht dieser Arbeit, die politischen Züge des Monotheismus und seine inhärente wie auch konsequente Neigung zur Intoleranz und Gewalt zu bestimmen. Um das spannungsvolle Verhältnis zwischen Monotheismus und Gewalt zu beleuchten, wird zunächst der Monotheismus als Form einer politischen Theologie theoretisch und begrifflich erfasst, um sich schrittweise der tatsächlichen Problematik anzunähern; die monotheistische Revolution als mögliche Ursache von verstärkter Gewalt in der Welt. Religionsgeschichtliche Befunde in einem weiteren Abschnitt der Arbeit sollten den genauen geschichtlichen
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Hintergrund zwischen Gottesbild und Macht aufdecken, um eine bessere Verständnisgrundlage für den Wandel dieser Beziehung darzulegen. Zum Schluss wird in der Arbeit eine kritische Diskussion über den faktischen Zusammenhang zwischen Gewalt und Monotheismus geführt.
2. Der Monotheismus als politische Theologie
Der Monotheismus ist eine neuzeitliche Begrifflichkeit, die es seit dem 17. und 18. Jahrhundert gibt und bezeichnet eine Religion mit nur einer allumfassenden universellen Gottheit (Assmann, 2003, S.49 ff.). Diese Religionsform ist kein gleichartig erfassbarer Terminus, denn es gibt verschiedenste Formen des Monotheismus, so zum Beispiel den Theismus, Deismus und Pantheismus, die je für sich eigene Persönlichkeitsformen und irdische Gottesvorstellungen mit dem Überirdischen verbinden. In dieser Arbeit wird jedoch die theistische Begriffsdefinition des Göttlichen verwendet und angenommen, da sie in erster Linie unserem „gewöhnlichen“ Gottverständnis und in der Regel dem der abrahamitischen Religionen entspricht. Die Religionen Judentum, Christentum und Islam anerkennen einen einzigen personalen Gott, der allwissend und allmächtig ist. Er hat die Welt erschaffen und greift nach seinem Willen in sie ein.
Laut Assmann (2003) ist nicht die Einheit Gottes für die monotheistischen Religionen entscheidend, sondern die Negation „anderer“ Götter . Diese begriffliche Erfassung des Monotheismus, die ihn erst in Abhängigkeit und in Abgrenzung zum Polytheismus, dem Glauben an mehrere Götter, verständlich macht, ist historisch bedingt, da sich die Ursprünge des ersten historischen Monotheismus in der Monolatrie finden. Eben dieser geschichtliche Übergang vom Glauben an viele Götter zum Glaube an einen einzigen Gott stellt scheinbar einen geschichtlichen Umbruch dar, dessen Konsequenzen bis heute noch wirken, da die abrahamitischen Religionen Weltreligionen sind, die das religiöse Denken vieler Menschen auf der Erde prägen. Die folgenreiche Abgrenzung der monotheistischen Religionen vom Polytheismus beruht nach Assmann (2003, S.12 f.) auf der Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Religion, die er mit dem Ausdruck der „mosaischen Unterscheidung“ bezeichnet. Zu der genaueren politischen und religiösen Bedeutung der mosaischen Unterscheidung werde ich in einem anderen Teil der Arbeit zu sprechen kommen. Erheblich für die Untersuchung eines politischen Monotheismus ist im Rahmen des bereits Gesagten die Frage, inwieweit die Entstehung der
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monotheistischen Religionen das erstmalige Aufkommen einer politischen Theologie begründen.
Die Deutung der Religion, nicht nur als anthropologische Grundbedingung menschlichen Daseins (Assmann, 2005, S.241 ff.), 1 sondern auch als eine Reflexion über Wahr und Falsch, lässt nach Assmann eine politische Theologie entstehen. Dieser Gedankenschritt findet seinen Ausgangspunkt in der Überlegung, dass das Wesen des Politischen sich durch die Unterscheidung zwischen Freund und Feind bestimmt und so normative Urteile ermöglicht. Eben diese metaphysische Abgrenzung vollzog sich durch die mosaische Unterscheidung in Ägypten, indem man zwischen dem wahren Gott und den falschen Göttern differenziert hat. Ähnlich lassen sich Eric Voegelins Überlegungen in seinem umfassenden Werk „Ordnung und Geschichte“ umschreiben, wo die reflexive Rationalisierung einer Welt sich durch den Übergang vom Mythos zur Differenzierung kennzeichnen lässt. Im antiken Griechenland wurde zur Zeit der mosaischen Unterscheidung das politisch säkulare Denken aufgrund einer differenzierten Weltsicht erfunden und zur gleichen Zeit entstand in Israel durch die spezifische Bestimmung des richtigen und falschen Glauben eine politische Theologie. Die monotheistische Revolution hatte durch ihre differenzierte Abgrenzungen und Ausgrenzungen den Vorstellung, Gott als Gesetzgeber und eine Beziehung zwischen Politik und Monotheismus beziehungsweise zwischen Heil und Herrschaft hergestellt. Jene reflexiven Religionen, also die monotheistischen, sind nach Assmann sekundäre Religionen, die auf undenkbare Weise umgestaltend in die politische Ordnung eingreifen. Politische Theologie ist jedoch keine spezielle Eigenheit des Monotheismus beziehungsweise der sekundären Religionen, sondern auch die primären also die polytheistischen können politisch ideologisiert werden. Im Grunde genommen unterscheidet man zwischen drei Formen politischer Theologie (Assmann, 2005, S.240 f.); der Dualismus, die Theokratie und die Repräsentation. Beachtlich ist die historische Tatsache, dass der politisierte Monotheismus in der Regel die erstgenannten zwei Formen der politischen Theologien begründet. Wobei nicht in Vergessenheit geraten sollte, dass der Monotheismus stets der Begründung des politischen Absolutismus diente und so auch eine Beziehung zwischen göttlicher und politischer Herrschaft schuf (Geffre & Jossua, 1985, S.2). Der Dualismus, also
1 Die Zitate von Jan Assmann aus dem Jahre 2005 stammen aus dem Skript „Monotheismus und seine
kulturellen, politischen und sozialen Konsequenzen“.
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Arbeit zitieren:
Bachelor Kemal Kocak, 2005, Monotheismus und politische Gewalt, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Suburbanisierung in Deutschland: Ursachen, Entwicklung und Folgen
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Hausarbeit, 23 Seiten
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