1 Einleitung 2
2 Methodologische Vorgehensweise: Prozess- und Figurationstheorie 3
3 Theorie der Zivilisation im Abendland 4
3.1 Psychogenese und Zivilisierung des Verhaltens. 5
3.2 Soziogenese und der Staatsbildungsprozess 7
3.2.1 Feudale Anarchie und zentrifugale Kräfte 7
3.2.2 Königliches Monopol und Zentralisierungsprozesse 9
4 Perspektiven und Schlusswort 13
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1 Einleitung
Die Anfänge staatstheoretischer Texte lassen bis auf die Antike der abendländischen Kultur zurückblicken und heute noch ist der Staat in seiner Genealogie ein noch nicht ganzheitlich erfasstes soziales Phänomen. Stets wird der evolutionäre oder revolutionäre Werdegang und Wandel gesellschaftlicher wie auch staatlicher Strukturen in neuen wissenschaftlichen Konzepten und Modellen aufgezeichnet.
Nach der historischen und territorialen Fundierung der Nationalstaaten im Okzident kommt es zu einem Höhepunkt an zivilisatorischen Theorien über den Staat, in denen versucht wird den Zivilisationsprozess und die Entstehung des Staates den theoretischen Denkern und Laien begreiflich zu machen. Spencer, Marx, Weber, Durkheim, Elias und viele weitere Staatsdenker liefern bedeutende fundierte Werke, um die Entstehung, den Ursprung und die Wirkungsprinzipien des Staates zu beleuchten. Hierbei ist es in erster Linie aufgrund der Komplexität und der Vielfältigkeit des Forschungsbereichs angebracht eine interdisziplinäre Vorgehensweise bei der hermeneutisch-eklektischen Wissensgewinnung zu vollziehen. Oft werden empirisch-historische Zusammenhänge und Sachverhalte auf synthetische Weise mit metatheoretischem Wissen aus der Soziologie, Wirtschaft, Politik und den Naturwissenschaften verknüpft.
Ein bedeutender soziologischer Vertreter einer empirisch-theoretischen Methode der Sozialforschung war Norbert Elias, der in seinem Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“ versucht hat ein integratives Konzept für den Zivilisations- und Staatsbildungsprozess zu liefern. Hierbei stützt sich Elias sowohl auf geschichtliche Fakten als auch auf konstruktive Zusammenhänge der evolutionären Staatsentwicklung. In dieser Arbeit geht es um die Genese des neuzeitlichen Staates bei Norbert Elias 1 vom Feudalismus bis zum Absolutismus und seine wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnisse. Zunächst wird Elias` methodologischer Ansatz der Erkenntnisgewinnung durch die Prozess-und Figurationstheorie untersucht und in einem weiteren Schritt darauf aufbauend auf die psycho- und soziogenetischen Konzepte seiner Zivilisierungstheorie eingegangen. Hierbei wird das theoretische Schwergewicht auf die Staatsbildungstheorie gelegt. Mit einem Ausblick auf die Perspektiven seiner Staatstheorie und einem Schlusswort sollte die Arbeit schliesslich abgerundet werden.
1 Norbert Elias, deutsch-jüdischer Soziologe, geb. 22.06.1897 in Breslau, gest. 01.08.1990 in Amsterdam
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2 Methodologische Vorgehensweise: Prozess- und Figurationstheorie
Norbert Elias hat durch seine Studie „über den Prozess der Zivilisation“ das Geschichtsverständnis wie auch die soziologische Theorie des 20. Jahrhunderts revolutioniert. Bis dahin hat man den Zivilisationsprozess entweder aus einer individualistischrationalistischen (Adam Smith, Max Weber, George Herbert Mead und weitere) oder einer strukturalistisch-ideologischen (Karl Marx, Claude Lévi-Strauss, Max Horkheimer und viele weitere) Sichtweise gedeutet (Baumgart und Eichener, S.101 ff., Voss, 1990, zit. in Oesterdiekhoff, 2000, S. 24). Elias versteht den Geschichtsablauf und die Soziogenese des Staates aufgrund abstrakter Prinzipien, in denen das menschliche Subjekt aus unterschiedlichsten Gruppenformationen durch seine Handlungen und Entscheidungen in einen langfristigen gesellschaftlichen Entwicklungsprozess einwirkt. Hierbei untersucht er den gesellschaftlichen Prozess nach bestimmten Mustern und Regelmässigkeiten. Figuration und Prozesse sind dabei zentrale Begriffe seiner menschenwissenschaftlichen Theorie. Die Grundlinien dieser Prozess- und Figurationstheorie hat Elias in seinem Werk über den Zivilisationsprozess entwickelt.
Nach Elias lassen soziologische Theorien zumeist das Problem des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft ungelöst. Es besteht bei der soziologischen Theoriebildung und der Menschenwissenschaften überhaupt hindurch die Gefahr, dass man entweder von einem gesellschaftslosen Individuum ausgeht oder ein System, kurzum eine menschliche Gesellschaft postuliert, „die gleichsam jenseits der einzelnen Menschen, jenseits der Individuen existiert“ (Elias 1986, zit. in Elias, S. 101). Kraft der menschlichen Interdependenzen in der Gesellschaft und der sozialen Unordnung hat das Zusammenleben immer eine bestimmte Gestalt, was der Begriff Figuration zum Ausdruck bringt. Individuum und Gesellschaft sind nicht zwei getrennt existierende Objekte, sondern verschiedene, aber unabtrennbare Ebenen des menschlichen Universums (Elias 2006, S. 171 ff.). Unter Figuration versteht Elias kurzum das sich wandelnde Muster, das Menschen miteinander bilden und im Zentrum der wechselnden Figurationsprozesses steht ein fluktuierendes Spannungsgleichgewicht, das Hin- und Her einer Machtbalance. Macht ist eine Struktureigentümlichkeit aller menschlicher Beziehungen. Figurationen stellen daher ein dynamisches soziales Netzwerk von untereinander abhängigen Individuen dar, welche das soziale Zusammensein von Individuen in spezifischen Konstellationen und das Geflecht der Angewiesenheit von Menschen aufeinander betonen (Elias, 1998, S. 70). Konsequent haben sich Analysen sozialer Prozesse auf Menschen zu beziehen und die affektiven, sozialen, ökonomischen und räumlichen Interdependenzen zu berücksichtigen.
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Zudem haben sich nach Elias menschenwissenschaftliche Analysen auf Prozesse zu beziehen, da Figurationen stets dynamische Prozesse sind (Baumgart und Eichener, S. 119). Figurationen sind keine statischen Gebilde sondern Interaktionsgeflechte, die sich in einem ständigen Wandel befinden aber dennoch gewisse Strukturen und Regelmässigkeiten aufweisen. Für Elias sind soziologische Theorien, welche den gesellschaftlichen Prozess statisch denken und den Wandel als eine Abfolge von stabilen Zuständen betrachten nicht realitätsgetreu. Vielmehr sieht Elias (zit. in Elias, S. 104) den Verflechtungsvorgang als einen kontinuierlichen evolutionären Prozess an. Aus der Abfolge von Akten und individuellen Handlungen ergibt sich ein Verflechtungsprozess, der die beteiligten Individuen zwingt, in einer Weise zu handeln, in der sie ohne die vorangegangenen Interaktionen nicht handeln würden. Dennoch besitzen die Individuen einen gewissen autonomen Handlungsspielraum, sodass sie wandelbar bleiben. Elias drückt das wie folgt aus: „Wie das individuelle Sprechen aus einer bereits vorhandenen gesellschaftsspezifischen Sprache hervorgeht, so wachsen auch alle anderen individuellen Handlungen aus schon im Gang befindlichen sozialen Prozessen heraus“(1986, zit. in Elias, S. 109). Der Figurations- und Prozesssoziologie wird implizit eine universale soziologische Erklärungskompetenz zugeschrieben: „Es gibt keinen sozialen Sachverhalt, der nicht zumindest auch oder sogar vorrangig zivilisationstheoretisch erklärt werden könnte“ (Oesterdiekhoff, S. 24).
Im ersten und vor allem im zweiten Band seines Werkes „Über den Prozess der Zivilisation“ hat Norbert Elias zahlreiche Figurationen und Prozesse aufgewiesen, die für die okzidentale Zivilisation entscheidende Bedeutung hatten, so das Gesetz der zentrifugalen Feudalisierung, die Konkurrenzfiguration, den Monopolmechanismus und den Königsmechanismus.
3 Theorie der Zivilisation im Abendland
Da die Leistungsfähigkeit und der methodologische Ansatz einer menschenwissenschaftlichen Theorie in erster Linie vom Menschenbild des Theoretikers abhängen, ist es von grundlegender Bedeutung das Menschenbild von Elias zu betrachten. Im Gegensatz zu individualistischen („homo clausus“) und sozialistischen Theorien hat Elias aufgrund der Figuration von interdependenten Individuen den Begriff des „homo aperti“ geschaffen (Elias, 2006, S. 165). Da Menschen von Natur aus, dann durch gesellschaftliches Lernen und durch Sozialisierung voneinander gegenseitig abhängig sind, kommen Menschen nur in Pluralitäten vor. Kennzeichnend ist vor allem, dass die Menschen wandelbar sind und im Gegensatz zu den Tieren vieles erst erlernen müssen, wobei die menschliche Psyche stets das Produkt
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Arbeit zitieren:
Bachelor Kemal Kocak, 2008, Norbert Elias und der Prozess der Zivilisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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