II
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS........................................................................................................ II
1. EINLEITUNG. 1
1.1. PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT 1
1.2. AUFBAU DER ARBEIT 1
2. WISSENSCHAFT UND THEORIE. 2
2.1. WISSENSCHAFT UND IHRE AUFGABE 2
2.2. THEORIEN ALS GEGENSTAND WISSENSCHAFTLICHEN ERKENNTNISSTREBENS 3
2.2.1. Gegenstand und Bedeutung von Theorien 3
2.2.2. Erklärende und gestaltende Theorien. 4
2.2.3. Aussagenweite von Theorien 5
3. ZIELSYSTEME VON WISSENSCHAFTLERN UND MANAGERN. 6
3.1. ZIELE DER UNTERNEHMENSPRAXIS 6
3.2. ZIELE DER WISSENSCHAFT 8
3.3. „RIGOUR“ UND „RELEVANCE“, PROBLEM UND LÖSUNG DER DIVERGENZ. 9
4. REICHWEITE BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHER THEORIEN. 11
4.1. DISKUSSION ÜBER DIE KRITISCHE UND UTOPISCHE WISSENSCHAFTSFUNKTION. 12
4.2. BETRIEBSWIRTSCHAFTLEHRE ALS ANGEWANDTE ODER REINE WISSENSCHAFT 12
4.3. DISKUSSION ÜBER DIE ERFOLGSFAKTORENFORSCHUNG 13
4.4. DISKUSSION ÜBER DAS WIRKENS VON WISSENSCHAFTLERN. 14
5. FAZIT. 15
6. LITERATURVERZEICHNIS 17
Einleitung 1
1. EINLEITUNG
1.1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
"Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie." Dieser Ausdruck suggeriert, dass theoretische Einsichten helfen, oder helfen sollen, sich in einer komplexen Welt zu orientieren und dass sie Anhaltspunkte geben, wie erstrebte Resultate am besten erreicht werden können. Ganz so einfach ist das Verhältnis zwischen anwendungsorientierter Forschung und Praxis aber nicht. Die betriebswirtschaftliche Forschung sieht sich in jüngerer Zeit einem verstärkten Rechtfertigungsdruck ausgesetzt, da sie sich von der Praxis weit entfernt hat. Auch viele Wissenschaftler bemängeln die einseitige Ausrichtung der Wissenschaft für die Wissenschaft (vgl. Nicolai und Kieser, 2002). Liefert die betriebswirtschaftliche Forschung relevante Erkenntnisse? Erfordert eine anwendungsorientierte Forschung Kompromisse zu Lasten der wissenschaftlichen Stringenz? Was macht Forschung praxisrelevant?
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der aktuellen Diskussion verschiedener Wissenschaftler über die praxisnahe Aussagekraft von wissenschaftlichen Theorien auseinander. Es wird der Versuch einer Erörterung bezüglich der Frage durchgeführt, ob die betriebswirtschaftliche Forschung in der Lage ist, relevante Erkenntnisse für die Praxis zu liefern oder ob der Kritik stattgegeben werden muss, dass die Wissenschaft sich zunehmend von der Praxis entfernt. Hierfür sollen grundsätzliche Begriffe erläutert und Zielsysteme von Praxis und Wissenschaft aufgezeigt werden.
1.2. Aufbau der Arbeit
Abschnitt zwei beschäftigt sich mit der Frage, was Wissenschaft ist und welche Aufgabe ihr zugrunde liegt. Hierfür soll u.a. der Begriff „Theorie“ sowie deren Aussageweite erläutert werden.
Im dritten Abschnitt soll dargestellt werden, welche Ziele Unternehmen (Praxis) und welche Ziele Wissenschaftler mit ihrem jeweiligen Wirken beabsichtigen und inwieweit diese einer Divergenz unterliegen. Darüber hinaus sollen die Anforderungen an Theorien, seitens der Praxis und der Wissenschaft aufgezeigt werden. Hierfür werden die Begriffe „Rigour“ und „Relevance“ einer Gegenüberstellung unterzogen.
Abschnitt vier beschäftigt sich detailliert mit der Diskussion über die Aussagekraft von wissenschaftlichen Theorien und deren Relevanz zur Unterstützung der Unternehmenspraxis. Hierzu werden neben der Funktion der Betriebswirtschaftslehre u.a. auch die Erfolgsfaktoren- forschung und das Wirken von Wissenschaftlern einer kritischen Analyse unterzogen.
Wissenschaft und Theorie 2
Abschnitt fünf wird mit einem Fazit zum Thema „Wissenschaftliche Theoriebildung und ihre Relevanz zur Unterstützung betriebswirtschaftlicher Erntscheidungen“ die vorliegende Arbeit abschließen.
2. WISSENSCHAFT UND THEORIE
2.1. Wissenschaft und ihre Aufgabe
Wissenschaft wurde erstmals im Wissenschaftsverständnis der klassischen griechischen Philosophie von Sokrates, Platon und Aristoteles im Sinne von rational begründetem Wissen begriffen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde kaum zwischen Philosophie und Wissenschaft, z.B. zwischen Naturphilosophie und naturwissenschaftlicher Physik, unterschieden. Seit dem 19. Jahrhundert hat eine Ablösung des begründungsorientierten Wissenschaftsbegriffs durch ein an methodische Normen und an der Beherrschung empirischer Daten orientiertes Wissenschaftsverständnis stattgefunden. Ein einheitlich logisch zusammenhängendes System der Wissenschaft gibt es trotz verschiedener Entwürfe zu einer Einheitswissenschaft 1 nicht (vgl. Der Brockhaus, 2002-2006).
Wissenschaft kann im weiteren Sinn als eine Forderung aufgefasst werden. Es handelt sich hierbei um die Forderung, dass (1) Erkenntnis und nicht bloß der Ausdruck von Gefühlen oder die Befriedigung von Gemütszuständen usw. angestrebt wird, dass (2) die Erkenntnis kein vereinzeltes Wissen sein darf, sondern systematischen Charakter hat, dass heißt einen Beschreibungs- und/oder Begründungscharakter darstellen muss, und dass (3) in methodisch kontrollierter Weise zu den Erkenntnisansprüchen gelangt werden muss. Unter Wissenschaft wird demnach in der Regel ein systematisches Wissen und darüber hinaus methodisch gewonnenes Wissen verstanden (vgl. Wohlgenannt, 1969, S. 26-32). Ziel der Wissenschaft ist also Erkenntnisgewinn. Die getroffenen Aussagen sollen dabei mit der Realität übereinstimmen, Beziehungen zwischen Konstrukten der Realität aufzeigen und erklären sowie für jeden hinreichend Sachkundigen in prinzipiell allen Einzelheiten nachvollziehbar und überprüfbar sein (vgl. Wolf, 2003, S. 3). Für das so erlangte Wissen wird allgemeine Gültigkeit beansprucht, die bis zu einer möglichen Widerlegung auch weithin akzeptiert wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sich aus den Aussagen über die Realität eine Theorie formulieren lässt, aus der sich in der Gesamtdarstellung logisch und nicht redundante Handlungsanweisungen ableiten lassen und deren praktische Anwendung oder Umsetzung zu Ergebnissen führt, die ebenfalls aus diesem Wissen logisch ableitbar sind und deswegen prognostiziert
1 Die Einheitswissenschaft bezeichnete ein Programm und Ziel der Arbeit des Wiener Kreises als eine Vereini-
gung von Empirismus und Logik. Diese Einheitswissenschaft sollte ein Gesamtsystem der in einer physikali-
schen Einheitssprache formulierten einzelwissenschaftlichen Aussagen, Hypothesen, Theorien u. a. bilden.
Wissenschaft und Theorie 3
werden können. In diesem Fall handelt es sich um angewandte Wissenschaft (z.B. Betriebswirtschaft). Demgegenüber steht die Auffassung einer sog. reinen Wissenschaft, die lediglich durch die Erlangung von Wissen, ohne praktische Zwecke, deutlich wird (vgl. Raffée, 1974, S. 15-16). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass aus Wissenschaft und ihrem methodisch kontrollierten Vorgehen Theorien resultieren, welche die Realität annähernd wiedergeben sollen. Die Aufgabe der Wissenschaft besteht somit in der Theoriebildung, Aufdeckung von Fehlern und Missständen und deren Korrekturanregung sowie Erarbeitung neuer Ziele und Handlungsempfehlungen.
2.2. Theorien als Gegenstand wissenschaftlichen Erkenntnisstrebens
2.2.1. Gegenstand und Bedeutung von Theorien
„Die Theorie ist das Netz, das wir auswerfen, um die Welt einzufangen, sie zu rationalisieren, zu erklären und zu beschreiben.“ (vgl. Popper, 1984, S. 31). Die Fähigkeit, wesentliche Be-standteile der Realität zu erkennen und damit gezielt und bewusst nebensächliche Aspekte auszublenden, kann im weiteren Sinn als die Bildung einer Theorie verstanden werden. Schanz (1988, S. 23-38) versteht unter dem Begriff Theorie „[…] das Ergebnis geistiger Tätigkeit […]“ und verweist darauf, dass Theorien auf dem Wege eines gezielten, systematisch vollzogenen Nachdenkens entstehen. Darüber hinaus nennt er in seinem Buch „Methodologie für Betriebswirte“ fünf grundlegende Aspekte einer Theorie: N Theorien als Begriffsapparat
Die Bildung einer haltbaren Theorie setzt stets das Verständnis der verwendeten Termini voraus, sodass eine Theorie immer auch eine Definition der verwendeten Begriffe darstellt. Dies gibt jedoch nur die notwendigen und nicht die hinreichenden Bedingungen wieder. Definitionen stellen lediglich eine unabdingbare Voraussetzung einer guten Theoriebildung dar - nicht mehr. N Theorien als entscheidungslogisches Modell
Werden Theorien als Modelle begriffen, so wird deutlich, dass sie ein grobes Abbild der Realität darstellen und sich ausschließlich auf die grundlegenden Merkmale und die dem jeweiligen Untersuchungsumfeld vorliegenden Zusammenhangsstrukturen der Realität beschränken. Darüber hinaus wird deutlich, dass Theorien nicht notwendigerweise das reale, wirkliche Verhalten der Akteure von Unternehmen abbilden. Dieser Aspekt einer Theorie ist jedoch nicht unbedingt negativ zu bewerten. Theorien können durchaus auch dergestalt utopisch angelegt sein, dass sie Ausprägungen von Variablen sowie Beziehungen, die zwischen Variablen bestehen, spezifizieren und sie hierdurch aufzeigen, wie diese Zu- sammenhänge im Idealfall aussehen sollten.
Wissenschaft und Theorie 4
N Theorien als Wenn-dann-Aussagen
Ein derartiges Theorieverständnis beruht auf der Ansicht, dass zahlreiche Phänomene unterschiedliche Ausprägungen bzw. Zustände aufweisen und dass bei unterschiedlichen Ausprägungen bzw. Zuständen der Phänomene unterschiedliche Konsequenzen eintreten können. Demnach ist eine Theorie stets mehr als ein singulärer Zusammenhang zwischen Variablen. Sie ist ein konsistentes Bündel von Wenn-dann-Aussagen, die so allgemein gefasst sind, dass sie sich im Idealfall in andere Untersuchungsbereiche übertragen lassen. N Theorien als Systeme nomologischer 2 Hypothesen
Entsprechend dieser Sichtweise enthalten Theorien Behauptungen über empirische Regelmäßigkeiten bzw. Konstanzen. In diesem Zusammenhang können Theorien als Immer-und-überall-Aussagen bzw. universelle Aussagen, die sowohl in der Vergangenheit, Gegenwart als auch der Zukunft ihre Gültigkeit besitzen, verstanden werden (vgl. auch Raffée, 1974, S. 30).
N Theorien als Hauptinformationsträger wissenschaftlicher Erkenntnisbemühungen Theorien lassen sich als gewonnenes Wissen verstehen und stellen somit Zusammenfügungen von auf unterschiedliche Erkenntnisfelder bezogenen, gleichlaufenden, kompatiblen Partialbefunden dar. Es sind Schnittmengen, die sich im Kreis wissenschaftlicher Einzeluntersuchungen herauskristallisieren. Hieraus ist zu folgern, dass Theorien im Vergleich zu Einzeluntersuchungen nicht quantitativ mehr, sondern vielmehr qualitativ hochwertigere Informationen liefern.
2.2.2. Erklärende und gestaltende Theorien
Schneider (1987, S. 53-80) unterscheidet zwischen erklärenden und gestaltenden Theorien. Grundlegend sind für ihn erklärende Theorien. Diese bestehen aus vier Elementen: (1) aus einer Problemstellung, (2) einem Strukturkern, der die zwischen Fragestellung und Lösungsansatz verbindenden Begriffe zu präzisieren hat, (3) einem Musterbeispiel, das die Elemente des Strukturkerns auf empirische Fragestellungen zu beziehen hat und (4) aus verallgemeinernden Hypothesen. Erklärende Theorien sind laut Schneider (1987, S. 53-80) Voraussetzung für gestaltende Theorien und damit auch für Handlungsempfehlungen. Für gestaltende Theorien gilt, dass sie ebenfalls aus vier Elementen bestehen. Laut Schneider sind diese (1) eine Problemstellung, (2) ein Strukturkern, der von Begriffserklärungen bis hin zu einer Optimumbedingung entwickelt sein muss, (3) ein Musterbeispiel, das über erfolgreiche Anwen-
2 Nomologiebezeichnet einen Ansatz, der Erklärungen vorrangig in zuvor erkannten Gesetzmäßigkeiten sucht,
im Gegensatz zu Ansätzen, die den Einzelfall untersuchen und zu interpretieren versuchen. Dabei wird von der
These ausgegangen, dass die Wirklichkeit besser erklärt und folglich auch kontrolliert werden kann, indem eine
Festlegung von gesellschaftlich gewonnenen Erkenntnissen in allgemeine Gesetze erfolgt.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Christian Diederich, 2006, Wissenschaftliche Theoriebildung und ihre Relevanz zur Unterstützung betriebswirtschaftlicher Entscheidungen, München, GRIN Verlag GmbH
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