Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 3
2.1. Der Abenteurer 3
2.1.1. Der Begriff „ Abenteurer“ 4
2.1.2. Giacomo Girolomo Casanova 5
2.2. Die Wiener Jahrhundertwende, ihre Autoren und Casanova 8
2.2.1. Das Interesse an Casanovas Figur 8
2.2.2. Casanova bei Hugo von Hofmannsthal 9
2.2.3. Schnitzlers Werke über Casanova 10
2.3. Analyse des Werkes 10
2.3.1. Casanova als erotischer Abenteurer 10
2.3.2. Reisen, Bekanntschaften und Venedig 13
2.3.3. Spielen und Verspielen des Lebens 14
2.3.3.1. Die Glücksspiele - Sieg und Niederlage 14
2.3.3.2. Spiel mit dem Alter 15
2.3.4. Das Duell 16
3. Schlussbemerkung 18
Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
„Ein typischer Casanova!“ - Diese Aussage trifft heutzutage auf Männer zu, die als hemmungslose Schürzenjäger bezeichnet werden. Hinter diesem Namen steckt eine reale, eigenartige Person, ein Mann, der als einer der größten Liebhaber und Abenteurer des 18. Jahrhunderts gilt. Das Ziel dieser Arbeit ist, die vielseitige Casanova - Figur zu untersuchen. Der Abenteurer mit all seinen Schwächen und Stärken, Siegen und Niederlagen. Zur Basis für die Untersuchung wird Arthur Schnitzlers Novelle „Casanovas Heimfahrt“ genommen. Als erstes wird der Begriff „Abenteurer“ erläutert. Dann werden einige Fakten und Zitate aus Casanovas Autobiographie - „Historie de ma vie“ - genannt, in der sich sein abenteuerlicher Charakter zeigt. Im Kapitel 2.2. wird das Interesse an Casanovas Figur um die Jahrhundertwende betrachtet. Hier werden die Casanova -Werke der beiden Autoren: Hofmannsthal und Schnitzler genannt, die in ihrer Thematik ganz unterschiedlich sind. Danach wird zur eigentlichen Analyse des Werkes übergegangen. Die folgenden Aspekte werden im Kapitel 2.3. betrachtet: Casanova als erotischer Abenteurer - Reisen, Bekanntschaften und Venedig - Spielen und Verspielen des Lebens - Das Duell. Anhand einer ganzen Reihe von Beispielen aus dem Text wird die komplexe Figur des Abenteurers untersucht.
2. Hauptteil
2.1. Der Abenteurer
„ Den Freuden meiner Sinne galt mein Leben lang mein Hauptstreben; etwas Wichtigeres gab es für mich niemals: Da ich mich für das andere Geschlecht geboren fühlte, habe ich es stets geliebt und habe alles darangesetzt, seine Liebe zu gewinnen. Ich liebte auch mit Hingabe eine gute Tafel, und überhaupt leidenschaftlich alles, was meine Neugier erregte(...)“ 1
Das sind Wörter eines der berühmtesten Abenteurer aller Zeiten - Casanova.
1 G. Casanova zitiert nach Kleßmann, Eckart: Ein Fest der Sinne. Casanova und sein Zeitalter. S. 33
3
2.1.1. Der Begriff „ Abenteurer“
In den Gedanken, die er sich über sein Leben macht, steckt die Lebensphilosophie des Abenteurers überhaupt: Suche nach dem vollkommenen Genuss. In der Encyclopedie wird erläutert, dass der Begriff „ Aventurier“ einen Menschen ohne Charakter und ohne festen Wohnsitz bezeichne, der sich nach Laune in gleich welche Händel und Affären hineinmische und dem man unter keinen Umständen trauen dürfe. 2 Er gibt sich fast stets als Aristokrat aus, wobei er sich klangvolle Phantasietitel zulegt. Edward Reichel definiert den Abenteurer als eigene Erscheinungsform des „ ancien regime“ - die spätaristokratische „ Epoche des Übergangs, des historischen Paradigmenwechsels in den Strukturen des Staates, der Wirtschaft und der gesamten Kultur“ sei Bedingung seiner Karriere gewesen. 3 Das Abenteuer ist vielleicht der Versuch sich die Vielheit in der Natur, in den Kulturen, in den Menschen zurückzuerobern; das geht selten ohne Gewalt und Verlust. So ist das Abenteuer immer auch ein wenig Leben gegen die Zeit. Es ist die Begegnung mit allem Möglichen und allem Vorstellbaren, ein wenig darüber hinaus, und natürlich auch mit dem Wunder. Der Abenteurer verbindet durch seine Person und seinen Weg verschiedene Wirklichkeiten mitenander.“Er ist der Mensch, der nicht will, dass bloß mit ihm geschehe, er will selbst geschehen“ 4 : seine Abenteuer sind das Gegenteil des Erduldens von Schicksal, er kämpft mit dem Schicksal, fordert es heraus. In diesem Kampf bewegt sich der Abenteurer ständig zwischen Göttern und Dämonen, wobei er gelegentlich selber etwas Göttliches oder etwas Dämonisches annimmt.
In der Geschichte des Abenteurers beginnt alles ganz fröhlich, ganz synchron: da ist er Bote, Späher, Avantgardist einer Kultur. Er ist es, der das Feuer bringt, der das Wild entdeckt, den neuen Weg und das neue Land. Doch es endet in trauriger, ein bißchen schäbiger Einsamkeit, als „ eine Falte im Gewand der Geschichte, in der sich ein wenig Schmutz angesammelt hat.“ 5 Die Geschichte des Abenteurers in unseren Mythologien ist die seines Niedergangs, seiner Verzweiflung. In der mittelalterlichen Dichtung wird er (der Abenteurer) als höfischritterliches Ideal verstanden. Dann, mit der Stauferzeit, geht die hohe Zeit dieses Rittertums, „ das im Abenteuer sein Schicksal wie seine Möglichkeit zur Bewährung sah“, zu Ende. 6 Im
2 Art. ‹ Aventurier › in: Encyclopedie
3 Reichel, Edward: Zwischen Boudoir und Schalchtfeld. In: Wolfgang Adam ( Hrsg.): Das achtzehnte
Jahrhundert. Facetten einer Epoche. S. 155
4 Seeßlen, G./Fritze,Ch./Weil,Cl.:Der Abenteurer auf der Suche nach sich selbst. In: Seeßlen/Roloff (Hrsg.): Der
Abenteurer. S.15
5 Seeßlen / Fritze / Weil, S.13
6 Welzig, Werner: Das Abenteuer im höfischen Epos. In: (ders.): Beispielhafte Figuren. S.97
4
15. und 16. Jahrhundert findet das Wort Abeneteurer weite Verbreitung. „ Das besondere Schicksal, das sich in der höfischen „ aventuire“ für den Ritter verbarg, wird zum Risiko, dem sich einer aussetzt.“ 7 Die Wandlung, die der Begriff seit dem Hochmittelalter durchgemacht hat, bezeichnet Werner Welzig als „ Verniedlichung und Profanierung“. 8 Was kurios und nicht alltäglich ist, gilt jetzt als Abenteuer. Zauberer, Narren, Phantasten und Gauner werden jetzt Abenteurer genannt. Später, im 17. Jahrhundert wird der Begriff völlig anders verstanden
- es ist die Zeit der religiösen Deutung des Abenteurers. Ein solches religiös gesehenes Bild vom Mensch sprach der Picaro Grimmelshausen an. „ Der lange Strom des Abenteurertums ist nicht versiegt, aber das 17. Jahrhundert hat ihn in ein neues Bett gezwängt.“ 9 In „ein neues Bett“ hat ihn auch das 18.Jahrhundert gezwängt. Es ist die Zeit des faszinierenden, " bösen", des zumindest amoralischen Abenteurer. Männer, wie Giacomo Casanova oder Joseph Balsamo, genannt Cagliostro, konnten sich auch solcher Taten rühmen, in denen Betrug, Verstellung und Intrige ihren Platz hatten.Der Abenteurer zu dieser Zeit lässt alle geographischen, sozialen, moralischen Grenzen hinter sich, er lebt nicht ein, sondern Hunderte von Leben an ebenso vielen Orten. Er ist kein Mensch, der darauf wartet eines Tages für seinen Eifer belohnt zu werden, sondern er greift die Chance des Augenblicks um zu gewinnen. Seine Karrieren sind keine des Verdienstes, sondern werden mit Glück und Wagemut, mit Neugier und List gemacht. 10 Er wird geprägt von seiner Ungebundenheit und Bindungsscheu, seiner Bereitschaft zu Risiko und völlig zweckfreiem Handeln, symbolisiert in seiner Spiellust. Seine Existenz ist unberechenbar und seine „ besten Freunden“ sind das Glück und der Zufall, auf die er tagtäglich angewiesen ist. Die Niederlagen auf seinem Weg empfindet er nie anders als vorübergehend, weil er an sich selbst glaubt und nach dem Motto lebt: der Mensch bestimmt selbst sein Glück. 11
2.1.2. Giacomo Girolomo Casanova
Das ist auch das Motto von Giacomo Girolomo Casanova, dessen Name zu einem „Phantasma“ wird, nachdem seine umfangreiche Autobiographie „ Historie de ma vie“ 1822 erschienen ist. 12
7 Welzig, Werner: Der Wandel des Abenteurertums. In: (ders.): Beispielhafte Figuren. S.100
8 Welzig, S. 101
9 Welzig, S.113
10 Rossbach, Sabine Kleine-: Einleitung. In: Abenteurer als Helden der Literatur. S. 12
11 Kleßmann, Eckart: Ein Fest der Sinne. S. 31-32
12 Dane, Gesa: „ Im Spiegel der Luft“. S. 61
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Man kann sagen, dass dieser Giacomo Casanova - „Venezianer“ was er seinem Namen stets hinzufügte - einer der größten Reisenden des 18. Jahrhunderts war. Zuerst reiste er aus Neugier, später in diplomatischer Mission, zuletzt auf der Suche nach einer festen Stelle. Wahrscheinlich ist, dass er viele Reisen auch als Spion verschiedener Regierungen unternahm. Für Casanova war Reisen Voraussetzung und Folge seiner Existenz als Abenteurer, Glückspieler, Liebhaber und Literat. Dieses Leben wurde lange Zeit durch monatliche Überweisungen seiner venezianischen Mäzenin gesichert ( die zwanzig Jahre ältere Marquise d`Ufre). Casanova wurde auch von anderen mächtigen Leuten protegiert, wie z. B. von zwei Außenministern Frankreichs, dem Kardinal de Bernis, dem Duc de Choiseuli, dem Kardinal Aquaviva, dem Botschafter Spaniens in Vatikan, dem Senator Bragadin. Dank all dieser Bekantschaften wurde er zu einem reichen Mann, der aber das angehäufte Vermögen unbekümmert wieder ausgab. 13 Während vernünftige, reiche Leute die ungeheuren Kosten scheuten, die ein eigener Reisewagen verursachte, schreckte Casanova nicht nur davor nicht zurück, sondern kaufte sich immer wieder neue-bis es schließlich vierzig waren. Und so wurde der unvernünftige Venezianer zum ersten großen Privatwagenfahrer, den die Reisegeschichte kennt. 14 „ Seine Reisen führten ihn nicht nur quer durch Europa, sondern auch durch alle Höhen und Tiefen der Gesellschaft. Er war an Fürstenhöfen so gut anzutreffen wie in Häusern wohlhabender Patrizier, in Klöstern oder Bordellen.“ 15 Hier und da verbrachte er auch Tage oder Monate in Gefängnissen. Glanzpunkt seiner Autobiographie ist die Beschreibung von der Flucht aus den Bleikammern von Venedig ( eines der damals sichersten Gefängnisse der Welt). Casanova wurde wegen Glücksspiels, Freimaurertums und unmoralischen Lebenswandels verhaftet und verbrachte im „ Piombi“ anderthalb Jahre, bis ihm die tollkühne Flucht gelang. Sie machte ihn im ganzen Europa berühmt. Nach der Flucht ist er aus seiner Heimatstadt - Venedig - verwiesen worden. Gleiches geschah ihm auch in Paris, in Barcelona, in Madrid, in Wien, in Warschau. Grund zu seinen Ausweisungen waren Spielschulden oder Ehrenhändel, manchmal auch Liebesaffären mit Ehefrauen hochgestellter Männer.
13 Glaser, Horst Albert: „ Le beau moment de partir.“ In (ders.): Abenteurer als Helden der Literatur. S. 174
14 Hartmut, Günther: Einleitung. In: Casanovas Reisen. S. 7-8
15 Glaser, Horst Albert: „ Le beau moment de partir“. S. 178
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Arbeit zitieren:
Mihaylova Kristina, 2007, Glanz und Elend des Abenteurers, München, GRIN Verlag GmbH
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