Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Der Nährboden der Pop Art in Großbritannien 5
1.1 Gesellschaft 5
1.2 Kunst 5
1.3 Massenmedien. 10
1.4 Zeitschriften und Cartoons aus den USA. 10
2. Die Künstler und Kunstkollektive 10
2.1. Eduardo Paolozzi. 10
2.2 Independent Group. 12
2.3 Richard Hamilton 14
2.4 David Hockney. 16
2.5. Peter Blake 19
2.6 Peter Phillips 21
3. Die Künstler in späteren Jahren 22
4. Resümee. 24
5. Superstar der amerikanischen Pop Art - Andy Warhol und die Entwicklung 25
6. Andy Warhol - Kurzbiographie. 27
7. Die Kunst von Andy Warhol 31
7.1. Die Filme. 33
7.2 Die Technik 33
7.3. Harlot. 34
8. Marilyn Monroe 36
8.1 Marilyn, Liz und Jackie und die Bilder des Todes. 37
8.2. Die „Desaster Serie“ - Die Kehrseite des „American Way of Life“ 38
9. Ein neuen Weg zu einer neuen Technik 41
9.1 Siebdruck. 41
10. „Factory“ - Ausdruck für eine neue Herangehensweise an die Kunst 42
11. Roy Lichtenstein. 43
11.1. Kurzbiographie. 43
11.2 Zu den Bildthemen 44
12. Verfahrensweise 47
13. Ausstellungen. 49
14. Schlussbetrachtung 49
15. Literaturverzeichnis. 50
2
Einleitung
Im Rückblick wird die Kunstrichtung Pop Art vorrangig mit ihren bekanntesten Vertretern, wie z.B. Andy Warhol oder Roy Lichtenstein, assoziiert. Doch es gab auch schon Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre, also vor dem Auftreten dieser großen USamerikanischen Künstler, deren Werke auch heute noch im öffentlichen Bewusstsein eine große Rolle spielen, eine weitere bedeutende Entwicklung in diese Richtung, die sich jedoch in Großbritannien vollzog. Dazu muss die Situation Großbritanniens nach dem Kriege ebenso erklärt werden, wie die Einflüsse auf Kunst und Gesellschaft, die zu der Zeit wichtig waren. Es werden auch die wichtigsten Unterschiede in der Erscheinung zwischen der amerikanischen und der britischen Pop Art, die sich aus den jeweiligen Gegebenheiten der Länder ergab, angesprochen werden.
Pop Art definiert sich durch die „Verwendung von schon existierenden Bildern aus den Massenmedien und gewöhnlicher Gegenstände aus dem Umfeld der Alltagskultur mit künstlerischer Intention.“ 1 Ein Teil dieser Elemente ist auch schon Jahrzehnte zuvor in der gesellschaftskritischen dadaistischen Kunst verwendet worden. Doch zur Zeit der Pop Art, also von Ende der 1950er und in den 1960er Jahren, wurde durch die Integration der „popular images“ die Faszination, die die bunte Welt der Waren hielt, ausdrückte. Moderne Konsumartikel wurden, ebenso wie in den Vereinigten Staaten, einer immer breiter werdenden Masse zugänglich. Mit der Pop Art geschah es jedoch nicht nur, dass Alltagsgegenstände in die Kunst integriert wurden, auch die Kunst selbst wurde zum Alltagsgegenstand. Sie führte zu einer Demokratisierung der Kunst, die nun auch für größere Teile der Bevölkerung interessant und zugänglich wurde.
Die Vorliegende Untersuchung beschäftigt sich im wesentlichen mit die Anfänge der britischen und amerikanischen Pop Art, als auch ihre Hauptvertreter, Eduardo Paolozzi, Richard Hamilton, David Hockney, Peter Blake, Peter Phillips, Andy Warhol und Roy Lichtenstein, und anhand ihrer Werke beleuchtet werden, die sich auf provokante Weise von der vorherrschenden Stilrichtung der Abstrakten Expressionismus unterscheidet. Diese neue Kunst, niemand so recht einen Namen zu geben vermochte, bezeichnete der Kunstkritiker Lawrence Alloway schließlich als Pop Art.
1 Brauer David E. 2001, S. 16
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Sie entwickelte sich zunächst in England, ihre typische Ausprägung fand sie jedoch in „Amerika - Pop Art - ist Amerika!“ behauptete nicht nur der amerikanische Pop-Künstler Robert Indiana.
Allgemein spiegelte diese „Kunst von der Straße“ das Lebensgefühl einer jungen Künstlergeneration wider, die sich der umgebenden urbanen Umwelt nicht länger verschließen wollte. Als Chronisten einer neue Zeit griffen die Künstler in ihren Bildern, Collagen oder Objekten in einer einfach anmutenden, unmittelbaren Bildsprache signifikante Erkennungszeichen der Konsum - und Medienwelt auf, wobei sie vor allem der Techniken der Werbung bedienten.
Pop Art ist ein vielschichtiges Phänomen, das sich einer einzigen und eindeutigen Definition entzieht. Aus diesem Grund ist es Ziel und Absicht der vorliegenden Arbeit, anhand eines detaillierten Vergleiches, die Gemeinsamkeit sowie auch die Unterschiede in den Werken der Pop Künstler explizit darzustellen, um dadurch das Wesentliche dieser Kunstrichtung herauszustellen und damit das Pop Art Phänomen einzukreisen. Im ersten Teil der Untersuchung sollen die verschiedenen Aspekte dieser Kunstrichtung herausgestellt werden, da die Pop Art nicht nur ein typisch anglo- amerikanisches Phänomen ist, sondern die unterschiedlichen Verhältnisse in den Ländern der westlichen Welt ebenfalls unterschiedlichen Pop Art Auswirkungen hervorbrachten.
Im zweiten Teil dieser Arbeit erfolgt dann anhand einer Untersuchung der wichtigsten Werke ausgewählten Künstler eine Analyse im Hinblick auf die im ersten Teil der vorliegenden Arbeit herausgestellten Charakteristika der Pop Art.
Letztlich stellt sich die Frage, wie die Pop Art aus heutiger Sicht gesehen wird: Ist diese Kunst heutzutage eine anerkannte Kunstrichtung?
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1. Der Nährboden der Pop Art in Großbritannien
1.1 Gesellschaft
In Großbritannien war die Situation der Menschen vor Beginn der Pop Art - Bewegung noch stark von den Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges bestimmt. Die Bevölkerung lebte selbst Jahre nach dem Krieg weiter mit großen Einschränkungen. David Brauer beschreibt eine kulturell karge Landschaft, über der noch eine „Dunsthaube der Düsterkeit“ 2 hing. Besonders die jungen Briten orientierten sich daher an den Entwicklungen, die sie aus der Ferne in den USA beobachten konnten. Zeichen des amerikanischen Wohlstandes, die schillernde Welt des Konsums und atemberaubenden technologischen Fortschritts wurden nach der langen Periode der ehrenhaften Enthaltsamkeit besonders von den jungen Leuten aufgesogen, wie von einem Schwamm. 3 , 4 , 5
1.2 Kunst
In den Nachkriegsjahren gab es auch in der Kunst keine waghalsigen Experimente. Die britischen Künstler hielten sich eher traditionell und konservativ. Damals gab es in England lediglich zwei Künstler, die auch internationale Aufmerksamkeit auf sich zogen: Henry Moore und Francis Bacon. 6 Der Abstrakte Expressionismus, der nach dem Krieg aus den USA nach Europa kam, hatte auch hier eine große Wirkung. Er bedeutete eine Abkehr vom gegenständlichen Kunstverständnis des Faschismus und versteifte sich nicht auf eine festgelegte Interpretation, sondern stand für individuelle Deutungen offen. Es gab jedoch im Vereinigten Königreich keine herausragenden Künstler, die man dem Abstrakten Expressionismus zuordnen könnte. Einflussreiche Vertreter dieser Stilrichtung, wie die amerikanischen Künstler Gorky Pollock oder de Kooning hatten die Figur in bildhaftes Zeichnen aufgelöst, ihre Bilder enthielten so keine erkennbare Darstellung. Abläufe,
2 Beauer David E, 2001, S.17.
3 Die Reden von Winston Churchill während des Krieges zu der Wirklichkeit der Rationierungen für das Wohl
der gesamten Nation hatten starken Effekt auf die britischen Menschen und inspirierten sie trotz ihres Notstand
zum Zusammenhalt.http://www.ibiblio.org/pha/timeline/411112bwp.html,
4 Essensrationierung und Einschränkungen der Konsumtätigkeit der Briten, die während des Krieges eingeführt
worden waren, wurden noch bis etwa 1954, oft in verschärfter Form, weitergeführt
Vgl. dazu: Ina Zweiniger-Bargielowska: Austerity in Britain. Rationing, Controls, and Consumption 1939-1955.
New York 2000.
5 Brauer David E, 2001, S.17
6 Finch, 2001, S. 21
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Spannungen, Ballungen bestimmen in erster Linie den Bildinhalt. Die Werke der Abstrakten Expressionisten lassen sich als Psychogramme interpretieren, die den individuellen Zustand ihres Schöpfers reflektieren.
Diese non-figurativen, abstrakten Bilder eröffneten dem Betrachter ein breites Spektrum an Interpretationsmöglichkeiten. Die aufkommende neue Richtung der Pop Art forderte nun eine „Kunst ohne Chiffrierung“.
Die Pop Künstler suchen in bewusster Abgrenzung zum Abstrakten Expressionismus die Auseinandersetzung mit der sie umgebenden Umwelt. Rolf Gunter Dienst charakterisiert ein wesentliches Merkmal der Pop Art:
„Der Daseinprozess äußert sich in der Kunst nicht mehr als mit subjektiv verfärbten Fakten beladene Bildschiffre, sondern er erobert das Bild mit einer einfachen, oftmals sogar banalen Sprache, deren Bilder innerhalb der Umwelt fest verankert sind. Die Ikonographie des Außen tritt unverändert ins Bild.“
Die Pop Art verschreibt sich damit eine moderne Großstadtkultur, aus der sie gleichzeitig hervorgeht. Da die Darstellung der Alltagswelt ein zentrales Thema dieser Kunstrichtung ist, finden Objekte aus der Konsumwelt, alltägliche Gebrauchsgegenstände aus Supermärkten, der Werbung wie auch der Straßenreklame Eingang in die Kunst. Diese bekannte Äußerung enthält zwei wesentliche Aussagen zur Pop Art: 1. Kunst soll nicht mehr elitär sein. Durch ihren hohen Wieder erkennungswert ist die Pop Art als eine direkte Bildsprache nun jedermann zugänglich.
2. Die Wahl des Objektes ist beliebig: Kühlschränke oder Picknicktaschen eignet sich als Bildvorlage genauso gut wie Comichefte oder Herrenhosen.
Auch Robert Rauchenbergs Statement: „Ein Paar Socken ist als Material für ein Bild nicht weniger geeignet als Holz, Nägel, Terpentin, Ölfarbe und Stoff“.
Der Künstler wertet nicht, er stellt die Objekte daher auch nicht in einen bewusst zurück, Pop Art - ganz im Gegensatz zum Abstrakten Expressionismus - basiert auf einer ungekünstelten, nüchternen Sachlichkeit und Direktheit.
6
Christopher Finch sagt dazu: „Die Briten konnten es einfach nicht. Es fehlte ihnen die ‚Fuck You!’ - Einstellung.“ 7 Ihm zufolge waren sie eher niedergeschlagen Gemüts gewesen. Nach Jahren im Banne des Abstrakten Expressionismus gab es Ende der 1950er aber wieder neue, andere Impulse und auch das Verlangen, einen direkten Dialog mit dem Betrachter einzugehen. 8 Diese Impulse sollten in der folgenden Zeit auch das figürliche Darstellen, mit ideologiefreiem Hintergrund, wieder rehabilitieren. Es sollte sich zeigen, dass der Bruch, den Pop Art mit der abstrakten Malweise darstellt, vor allem in den Staaten so weit ging, dass auch die Referenz zu dem menschlichen Einfluss auf den Bildschaffungsprozess extrem minimal gehalten wurde. 9 Bei der britischen Pop Art waren jedoch zumeist der Pinselstrich und strukturierte Farbauftrag noch sichtbar. Der Grund für diesen Unterschied ist, dass die klare Abgrenzung von der abstrakten und expressiven Malweise bei den Briten noch nicht so ausgeprägt war. Man hatte auf den britischen Inseln aus den oben genannten Gründen nicht den gleichen Grad an Übersättigung erfahren, wie in der Neuen Welt. Außerdem kann die „reinere“ Auffassung der Pop Art der US Amerikaner auch damit verbunden sein, dass sie später - und bewusster 10 - zur Pop Art gekommen sind, während die Briten sich die Bedeutung der Populärkultur für ihre Kunst nach und nach erarbeitet hatten. Ein neues Lebensgefühl prägte die Ära der sechziger Jahre. Der revolutionäre Zeitgeist einer neuen Jugendkultur fand nicht nur Eingang in die Kunst, sondern veränderte zugleich auch maßgeblich die Welt der Musik und der Mode. Das dabei diese Bereiche nicht isoliert nebeneinander standen, sondern dass sie miteinander verwoben sind. Schilder und Comics sind interessante Subjekte. Diese Kraft eines neuen, geradezu explosiven Zeitgefühls lässt sich als Reflex auf die Veränderung einer Gesellschaft begreifen, auf die die Pop Künstler reagieren. Der Konsumboom der Nachkriegszeit, die damit einhergehende zunehmende Bedeutung der Werbung und vor allem die Allgegenwart der Massenmedien prägten und veränderten die amerikanische Gesellschaft, der „American Way Of Life“ wurde zum Leitbild der westlichen Welt. Damit veränderte sich auch grundlegend die Sichtweise des Menschen
7 Finch, 2001,S. 22
8 Büsser,2001,S.18
9 Es wird mit Airbrush und Siebdruck gearbeitet, welches den Duktus, und damit die Referenz zum Künstler,
irrelevant macht und als überholt darstellt. Später wird z.B. bei Andy Warhol selbst die Autorschaft verschleiert
und in Frage gestellt.
10 Andy Warhol: „I hate [Abstract Expressionism]. […] I’m going to start on Pop Art now.” Zitiert nach:
Krausse (1995), S. 116.
7
zur Realität. Dass diese nun nicht mehr unmittelbar erfahrbar war, sondern durch die Massenmedien gefiltert wurde, erkannte 1964 auch der Pop Künstler James Rosenquist: „Ich bin erstaunt und angeregt, ja fasziniert von der Art und Weise, wie uns Dinge aufgedrängt werden, wie dieser unsichtbare Schirm, der sich zwischen uns, unseren Geist und unsere Sinne, und die Außenwelt schiebt, vom Radio und Fernseher und von visuellen Kommunikationsformen…mit Hilfe von überlebensgroßen Dingen attackiert wird; die Wucht dieser Dinge, die uns mit derartiger Geschwindigkeit und Kraft entgegengeschleudert werden, dass die Malerei und die verschiedenen Haltungen zur Malerei und zur Kommunikation durch das malen heute sehr altmodisch erschein“. 11 Den Prozess einer zunehmenden Bedeutung der Massen auf die Gesellschaft und auf die Kunst und in diesem Prozess einer Nivellierung in der modernen Massenzivilisation verliert das Kunstwerk seine Einzigartigkeit oder dem „Verlust“ seiner Einzigartigkeit und Originalität. Das Kunstwerk verliert durch die technische Reproduzierbarkeit seine ursprüngliche traditionelle Bedeutung und Funktion als Kunstgegenstand. Damit wird es aus dem Bereich des Tradierten herausgelöst. Das Kunstwerk ist nicht mehr singuläres Ereignis, sondern Muster einer Darstellungsweise.
Die Pop Künstler setzen sich mit den Objekten der Massenkultur und Konsumartikel auseinander. Diese Auseinandersetzung wurde vielfach als Gesellschaftskritik oder als Gesellschaftsverherrlichung gedeutet. Doch die Pop Art entzieht sich einer derartigen Betrachtungsweise einer Entweder- oder- Position. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit bewusst nicht der Versuch unternommen, die Künstler oder als optimistische Vertreter der Gesellschaft zu interpretieren, wie es in diversen Aufsätzen zur Pop Art der Fall ist.
Die Pop Künstler stellen die sie umgebende Wirklichkeit dar, gleich einem Spiegel. Durch die isolierte Präsentation der Objekte, die aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen worden sind, wird der Betrachter sich intensiver mit einem alltäglichen Objekt auseinandersetzen. Somit wird sein Blick für das Alltägliche verschärft. Der Prozess, der dann in dem Betrachter ausgelöst wird, sollte nicht mit der Intention des Künstlers verwechselt werden.
11 LeLuhen, 1951,S.70
8
Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, warum die Pop Art in den verschiedenen Ländern unterschiedliche künstlerische Ausprägungen hervorbrachte. Bevor auf diese Unterschiede im Folgenden kurz eingegangen wird, stellt sich die Frage nach den Vorläufern dieser Kunstrichtung. Die Pop Art ist ein eigenständiges Phänomen, wenngleich sie zweifellos von den Theorien Marcel Duchamps und Fernand Legers beeinflusst worden ist: „Die Erben der Tradition von Duchamp und Leger haben sich in zwei Richtungen geteilt, die man oberflächlich als die beiden Hauptströmungen der modernen Kunst bezeichnet kann. Das Zusammentreffen dieser beiden Strömungen in New York gegen Ende der 50er Jahre hat den Anstoß für die Pop Art gegeben. Leger, ehemals Purist, repräsentiert die saubere oder reine, klassische Strömung, während Duchamps Nachfolger - Dadaisten, Surrealisten, Assemblagisten und Neue Realisten - die schmutzige oder konglomerierte, romantische Strömung verkörpern“. 12
Generell verschließt sich die Pop Art Interpretationen, die ihr nur eine Bedeutungsebene einräumen. Da diese Kunst kein normatives Programm besaß, kein Manifest, wie beispielsweise der noveau realisme in Frankreich, ist die Pop Art von Widersprüchlichkeiten geprägt. Vor allem die amerikanischen Künstler wehrten sich sogar gegen die Etikettierung „Pop Künstler“. Das eine eindeutige Definition der Pop Art nicht gegeben werden kann, wird anhand einer knappen Darstellung des Pop Phänomens in England, Frankreich und Amerika Pop Art deutlich.
Zu der 1952 formierten „Independent Group“ des Institutes of Contemporary Arts in London gehörten neben anderen Richard Hamilton und Eduardo Paolozzi. Diese Gruppe war eine zwanglose Verbindung befreundeter Künstler, Architekten und Wissenschaftler dieses Institutes, die bis 1955 regelmäßig zusammenkamen und sich durch ihre Beschäftigung mit Maschinen, Werbung und Massenkommunikation auszeichnete. Auch organisierte man thematisch ausgerichtete Ausstellungen am Institut. „Parallel of Life and Art“, 1953 (die Analogie von Leben und Kunst) und 1955 die von Hamilton zusammengestellte „Man, Maschine and Motion“ (Mensch, Maschine und Bewegung). 13
12 Finch, 2001,S.14
13 Büsser, 2001, S.14
9
1.3 Massenmedien
Was in den 50er und 60er Jahre zunehmend wichtig im Alltag der Menschen wurde, war der Einfluss der Massenmedien. Nach der, oben beschriebenen, Zeit der Einschränkung erfreute sich die Nachkriegsbevölkerung an dem Traum vom modernen Leben. Die Auswirkungen dieser Entwicklung beschränkten sich jedoch nicht nur auf das Alltagsleben und die Freizeitgestaltung breite Bevölkerungsschichten. Auch die Intellektuellen haben sich mit diesem Thema und seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft befasst. Z.B. ist Marshall McLuhans „The mechanical Bride“, welches 1951 veröffentlicht wurde, auch von den zukünftigen Pop Art Künstlern diskutiert worden.
1.4 Zeitschriften und Cartoons aus den USA
Für die sehr frühe Pop Art in Großbritannien war allerdings besonders die Zeitschriftenwerbung aus den USA mit ihrer farbenprächtigen Verheißung einer unkomplizierten besseren Welt, eine Quelle der Inspiration. Ebenso verhielt es sich mit den Cartoons, die aus den USA, wo sie eine kommerzielle Massenware waren, ihren Weg in das Großbritannien der Nachkriegszeit fanden. Martin Büsser weist besonders auf die Faszination der unkomplizierten Welt der Comic Helden, z.B. die „asexuelle“ Disneywelt und die Aufteilung der Wirkungsfelder der Superhelden in „gut“ und „böse“, hin. Interessant ist jedoch, dass nur wenige der britischen Künstler der Pop Art, die sich so fasziniert zeigten von der Konsumkultur, die aus den USA zu ihnen verlockend herüber kam, auch persönlich die Reise dorthin unternommen haben. Wahrscheinlich geschah dies aus finanziellen Gründen, da die Pop Art Künstler zumeist Vertreter aus der Arbeiterklasse waren. 14
2. Die Künstler und Kunstkollektive
2.1. Eduardo Paolozzi
Eduardo Paolozzi wurde 1923 geboren. Er wuchs, als Kind italienischer Einwanderer, in einfachen Verhältnissen in Schottland der Kriegs- und Nachkriegsjahre auf. Schon früh ging er, der in Großbritannien sehr etablierten, Tradition des Klebebildersammelns nach. Ihn faszinieren besonders Darstellungen von amerikanischen Kulturgütern und Werbungen, die
14 Finch, 2001, S.25
10
sich von seiner eigenen ärmlichen Situation geradezu exotisch abhoben. Solche Abbildungen sammelte er in großen Mengen und klebte sie in Hefte ein.
1947 reiste Paolozzi für drei Jahre nach Paris. Er immatrikulierte sich an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, die er aber dann doch nicht besuchte. Stattdessen suchte er - und bekam - Einlass, in Ateliers von Künstlern, die er bewunderte, darunter besonders Surrealisten, denn dorthin tendierten seine künstlerischen Interessen. 15 Dadaismus
Er kam in Paris allerdings auch verstärkt in Kontakt mit Dadaisten. Es war schon 1944 zu einer prägenden Begegnung mit dieser Kunstrichtung gekommen, als er eine Ausstellung mit Werken von Kurt Schwitters in dem Modern Art Gallery in London besucht hatte. 16 Dort sah er, dass Schwitters Collagen und Reliefs aus Werbematerial und Texten fertigte. Dafür hatte er Zeitungstexte, Werbeanzeigen, Embleme aus Sport, Mode und Industrie in bewusst sinnentstellender Weise neu zusammengesetzt. 17 Für Paolozzi war es zwar vor allem beeindruckend zu sehen, dass es hier die Freiheit gab, sich von der herkömmlichen Vorstellung von Kunst abzuwenden. Aber hier wird er auch schon die Verarbeitung von Referenzen zur Kultur des Alltagslebens in Collagen als wichtig erkannt haben. (Siehe dazu eine Collage von Kurt Schwitters von 1930, die den Schriftzug „Bahlsen Keksfabrik“ integriert.)
Dadaismus hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt. Sie war eine bittere Reaktion auf den Verlust der Illusion einer „heilen Welt“ und hoher Werte. 18 Sie strebte danach, die Gesellschaft und die „hohe“ Kunst durch gezielt alberne, witzige und auch wütende Arbeiten aufzurütteln. Dies stellte eine Kritik am Konsum und an der Menschheit insgesamt dar. Hierfür wurden bewusst Materialien und Gegenstände aus der profanen Welt als Gegenstände zum Transfer in die künstlerische Welt gewählt. 19 Es gibt hier keine Berührungsängste mit dem Alltäglichen. Im Gegenteil: Alltagsmüll, Werbung und die aufgeblähte Sprache der Werbung wurden als Objekte gewählt. McCarthy sagt dazu: „Dadaistische respektlose,
15 Surrealisten, die Paolozzi besuchte waren unter anderen: Arp, Brancusi, Braque, Calder, Giacometti, Léger
und Tzara. Konnertz (1984), S. 34.
16 Konnertz, 1984, S.25
17 Büsser, 2001, S. 12
18 Büsser, 2001, S. 12
19 Z.B. Marcel Duchamp, Fontaine, Objet Trouve, 1917
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2008, Vielschichtiges Phänomen der britischen und amerikanischen Pop Art, München, GRIN Verlag GmbH
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