Einleitung
Die Doha Runde ist eine der wichtigsten Möglichkeiten globale Reformen auf allen Gebieten, wie z.B. wirtschaftlicher Entwicklung, Gesundheitswesen, Umweltschutz, Handelsregeln durchzuführen. Zwar gibt es auch eine beträchtliche Anzahl anderer internationaler Abkommen, wie z.B. das Kyoto Protokoll zur Reduzierung von Treibhausgasen. Diese Abkommen und Konferenzen sind jedoch häufig thematisch viel stärker fokussiert als die Doha Development Agenda und stellen keine dermaßen außergewöhnliche und seltene Chance Einflussnahme auf globale Verhandlungen dar. Der Fortgang der DDA ist jedoch sehr schleppend und zögerlich. Ausgehend von den vielen unterschiedlichen Interessenslagen der Teilnehmerstaaten, stand die Frage, nach welchen Maximen und Handlungsweisen die einzelnen Akteure handeln.
Ziel der Doha Runde ist es, Problemen der Entwicklungsländer auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken. Dies soll auch und insbesondere durch die Liberalisierung des Handels erfolgen. Die Industriestaaten machen relativ wenige Zugeständnisse um Entwicklungsländer in dieser Hinsicht zu stärken und für eine bessere Chancengleichheit zu sorgen. Auf Basis von M. Olson „Die Logik des kollektiven Handelns“ stellen wir die These auf: „Alle Akteure der Doha Development Agenda handeln ausschließlich nach der Maximierung ihres individuellen (nationalen) Nutzens.“
Exemplarisch soll anhand des Rationalismus, insbesondere unter Berücksichtigung der „Logik des Kollektiven Handelns“ nach Mancur Olson, das Akteursverhalten beschrieben werden. Daher teilt sich die vorliegende Arbeit in drei wesentliche Teile. Zunächst soll die hier verwendete Ausprägung des Rationalismus vorgestellt werden. Davon ausgehend werden die wesentlichen Handlungsmaximen extrahiert und das zu erwartende Akteursverhalten, aus rationalistischer Sicht beschrieben.
Im folgenden Teil werden die Inhalte und der Fortgang der DDA beschrieben. Aufgrund der Vielschichtigkeit können nur exemplarisch Teilaspekte ausgewählt und dargestellt werden. Auf entsprechende, weiterführende Literatur wird an den entsprechenden Stellen verwiesen.
Im abschließenden Teil wird überprüft, ob und in wiefern das prognostizierte Akteursverhalten tatsächlich zu beobachten war. An dieser Stelle wird auch
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entsprechende Kritik an der Verwendung des Rationalismus zur Analyse der DDA
eingebracht und diskutiert. Ziel ist es hierbei die Schwächen, als auch die Stärken in
der Betrachtung der DDA anhand des Rationalismus herauszustellen.
Darmstadt, im August 2008
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Rational Choice Theory nach Mancur Olson
Einführung
Mancur Olson legte 1965 mit „Die Logik des kollektiven Handelns“ eine detaillierte Theorie vor, anhand der das Akteursverhalten 1 in Interessensgruppen vorhersagbar und nachvollziehbar gemacht werden sollte. Bezeichnend für seine Theorie ist, dass entsprechende Parameter für die Effizienz einer Akteursgruppe genau benannt werden.
Entstehung und Ziel einer Interessensgruppe
Zunächst wird für das Zustandekommen einer Interessensgruppe das Fehlen eines Kollektivgutes vorausgesetzt. Wird das Mangelempfinden von mehreren Akteuren geteilt, organisieren sich mehrere Akteure, mit dem Ziel dieses gut als Kollektivgut bereitzustellen. Dabei kann es sich zum einen um ein allgemeines Kollektivgut handeln. Ein allgemeines Kollektivgut, kommt zu Gute, auch jenen, die nicht in entsprechender Interessensgruppe organisiert sind.
Beispiel: Die Interessensgruppe „Sichere Strasse“ setzt sich aus mehreren beunruhigten Bürgern zusammen. Sie sorgen für die Bereitstellung des Kollektivgutes „Straßensicherheit“, indem an unübersichtlichen Kreuzungen Warnschilder angebracht werden. Alle Straßenverkehrsteilnehmer profitieren somit vom Kollektivgut „Straßensicherheit“.
Alternativ kann ein Kollektivgut nur für jene bereitgestellt werden, die an der Bereitstellung des Kollektivgutes beteiligt sind. Dann handelt es sich um ein exklusives Kollektivgut
1 Im Folgenden kann Akteur für ein Individuum stehen, beispielsweise einen Lehrer, der an seiner Schule ein bestimmtes Kollektivgute (z.B. Verschönerung des Schulhofes) erlangen möchte. Zudem kann ein Akteur, insbesondere im Kontext der später erwähnten Doha-Runde, für einen Staat, eine NGO oder ein Unternehmen stehen. Das hier verwendete „Akteur“ schließt als neutrale form die weibliche, als auch die männliche Form mit ein.
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Beispiel: Die Anwohner der „Exklusiv-Wohnanlage“ verbessern die Beleuchtung der
Wege innerhalb der Wohnanlage. Hierbei kommen nur die Anwohner (Bereitsteller des Kollektivgutes) in den Nutzen des Kollektivgutes
Das Bestehen einer Interessensgruppe ist somit Zweckgebunden. Ist das Kollektivgut bereitgestellt, fällt das gemeinsame Ziel und somit der Grund für das Bestehen der Interessensgruppe weg, sodass sich diese auflöst.
Faktoren für die Effizienz einer Interessensgruppe
Olson stellt bestimmte Parameter, wie die Größe der Akteursgruppe, in der Gruppe gegebene selektive und kollektive Anreize als wesentlich für die Fähigkeit der Bereitstellung eines Kollektivgutes heraus. Grundlage für die Entscheidung eines Akteurs ist ein individuelles Kosten-Nutzen Kalkül, anhand dessen die einzelnen Akteure entscheiden ob und in welchem Maße sie in die Erlangung des Kollektivgutes investieren. Je größer die selektiven Anreize sind und je mehr ein Akteur vom erlangen des Kollektivgutes profitiert, umso größer werden seine Investitionen in die Bereitstellung des Kollektivgutes sein. Im Gegenzug dazu heißt es, je geringer die selektiven Anreize und umso geringer der Mehrwert für einen Akteur, umso geringer sind dessen Investitionen. Das von Olson beschriebene Trittbrettfahrerproblem (free-rider problem) beschreibt genau jene Problematik.
Olsons Theorie folgend sind kleine Gruppen handlungsfähiger als große, weil eine Abstimmung unter den Akteuren über die Ziele einen geringeren Organisationsaufwand bedingt, der zugleich geringere finanzielle Kosten bedeutet. Olson geht davon aus, dass sich in kleinen Interessensgruppen die einzelnen Akteure persönlich kennen. Dadurch entsteht ein sozialer Druck die entsprechenden Investitionen (Zeit, Know How, monetäre Ressourcen) vorzunehmen. Ihre Mitglieder sind bei nicht Erbringung leichter zu sanktionieren sowie leichter durch selektive Anreize anzuspornen.
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Kosten und Nutzen
Die Begriffe von Kosten und Nutzen können je nach Kontext unterschiedlichen Inhalt haben. Nachfolgend soll eine Auflistung möglicher Kosten und Nutzen gemacht werden um die Verwendung der Begriffe, in diesem Kontext zu verdeutlichen.
Kosten:
• Finanzielle Ressourcen
• Zeitlicher Aufwand
• Mitgliedsgebühren der Interessensgruppe
• Koordinationsaufwand für Gruppenorganisation o Abstimmen über Zeit und Ort der Treffen o Abstellen von Mitarbeitern/Ressourcen o Kosten für Tagungsräume, Anreise etc.
• Nicht zu realisierende Gewinne 2
Nutzen:
• Finanzielle Vorteile
• Zusicherung von Rechten o Vertriebsrechte o Zugang zu Märkten
Alle Akteure treffen ihre individuellen Abwägungen anhand eines Kosten-Nutzen Kalküls und entscheiden sich ob und in welcher Form sie sich, in der Bereitstellung des Kollektivgutes beteiligen. Dabei kann es auch sein, dass alle Akteure zu dem Schluss kommen, dass sie nicht in die Bereitstellung des Kollektivgutes investieren. In diesem Fall wird das Kollektivgut nicht bereitgestellt. Ändern sich die Parameter (Kosten steigen oder sinken; Nutzen ändert seine Relevanz), können die Akteure zu jedem Zeitpunkt (sofern keine Gruppeninternen Verträge, die rechtliche Lage etc. sie daran hindern) ihre Entscheidung ändern und die Investitionen reduzieren oder anheben um z.B. ein Kollektivgut schneller bereitstellen zu können.
2 Nicht zu realisierende Gewinne sind an sich keine Kosten. Werden durch veränderte oder neue Policys zu
erwartende Gewinne in nicht zu realisierende Gewinne verwandelt, tritt eine Reduzierung des Nutzwertes ein.
Dies kann als Kostenäquivalent angesehen werden.
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Prognostiziertes Akteursverhalten
Anhand der im Kapitel zuvor eingeführten Theorie des kollektiven Handelns versuchen wir das Akteursverhalten der Akteure der Doha Runde vorherzusagen. Abschließend werde ich beurteilen ob und in wieweit die Prognosen zutreffend sind und womit dies zu belegen ist. Ebenfalls werde ich aufzeigen, welche Probleme das Verwenden des Rationalismus als Theorie zur Erklärung der Entwicklung und des Akteursverhaltens der DDA aufwirft. Die Folgenden Abschnitte sind somit insbesondere als These, nicht als Aussage über den Status Quo, zu verstehen. Zunächst muss angemerkt werden, dass es sich nicht lediglich um die Bereitstellung eines Kollektivgutes geht, sondern um eine große Summe unterschiedlicher, potentieller Kollektivgüter. Dabei streben die Akteure, themenabhängig teilweise gegensätzliche Kollektivgüter an und treten somit in einen aktiven Wettstreit gegeneinander. Wie wir im nächsten Kapitel erfahren werden, gibt es zwei zentrale Interessensgruppen. Dennoch darf das Szenario nicht als eines zweier statischer Blöcke verstanden werden, sondern muss vielmehr als in Abhängigkeit von Nationalstaatlichen Interessen bestimmtes, dynamisches entstehen von Koalitionen verstanden werden. Themenabhängig kann auch ein Dissens in mehreren Ressorts vorherrschen, sodass die Akteursgruppen Themenabhängig leicht variieren. An dieser Stelle ist es sinnvoll noch einmal herauszustellen, dass die Akteure ihre individuellen Interessen Vertreten und nicht automatisch die einer statischen Interessensgruppe. Auch muss der Begriff „Interessensgruppe“ hier unter informellen Aspekten gesehen werden, da nicht für jedes Ressort in Abhängigkeit der Zielsetzung (Art/ Inhalt der Thematischen Ausrichtung des Kollektivgutes) ein formales Konstrukt generiert wird.
Olsons Theorie folgend ist das Folgende Akteursverhalten zu erwarten:
Nutzen maximierend:
Die Akteure werden ihre Ressourcen so einsetzen, dass sie neue Märkte für ihre Produkte öffnen und abzusichern. Dies bezieht sich z.B. auf Agrarprodukte, Pharmazeutische Produkte ebenso wie auf Konsumprodukte oder die Güter, die eine entsprechende Volkswirtschaft produziert.
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Daniel Brücher, 2008, Doha Development Agenda im Kontext des Rationalismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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