Einleitung
Die Erdölexportierenden Länder der OPEC haben vor 1960 versucht ihre Umsätze und Gewinne durch das vermehrte Fördern von Erdöl zu maximieren. Dies führte zu einem Überschuss auf dem Rohstoffmarkt, der einen Preisverfall zur Folge hatte. Ein weiteres Problem vieler Erdölfexportierender Länder bestand darin, dass das Erdöl durch ausländische Firmen gefördert wurden, die nur geringe Steuern und Abgaben (royalties) an jeweilige Länder gezahlt haben. Dies führte zu einer Verstaatlichung der Ölquellen bzw. der Erdölförderung. Dies ist jedoch unabhängig von der Gründung der OPEC geschehen und ist daher nicht weiter Gegenstand dieser Ausarbeitung. Das selbsterklärte Ziel der OPEC besteht darin, den Ölpreis „stabil“ zu halten. Dies soll durch eine Regulierung der Fördermenge für Rohöl aller OPEC Mitglieder erfolgen. Somit wird die Last der „geringeren Fördermenge“ und den damit verbundenen geringeren Umsätzen zum einen auf mehrere Schultern verteilt. Zum anderen kann nur in Zusammenarbeit mehrerer Erdölfördernder Länder das Angebot auf dem Weltmarkt signifikant gesenkt werden. Man darf sagen, dass die OPEC mit diesem Modell über die vergangenen Jahrzehnte großen Erfolg hatte, sieht man vom Ölpreiseinbruch von 1998 ab. Das Konzept der OPEC erscheint jedoch Lückenhaft, betrachtet man die zugeteilten Fördermengen sowie die realen Fördermengen. Während OPEC Mitgliedsstaaten mit relativ großem Fördervolumen sich relativ genau an die auferlegten Förderquoten halten, ist bei kleinen Förderern 1 zu beobachten, dass sie prozentual gesehen, ihre Quoten deutlich überschreiten.
Ziel der vorliegenden Ausarbeitung ist es, anhand der „Theorie des kollektiven Handelns“ nach Mancur Olson zu erklären warum kleine Förderländer prozentual gesehen, die Förderquote stärker überschreiten, als dies bei großen Förderländern zu beobachten ist.
1 Mit „großen“ oder „kleinen“ Förderstaaten ist hier ausschließlich die Menge des geförderten Rohöls
gemeint. „Klein“ und „groß“ bezieht sich weder auf die Anzahl der Einwohner des Landes, noch auf die
Flächenmäßige Größe.
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Die Ausarbeitung besteht aus drei Hauptteilen. Zunächst wird die OPEC mit ihrer Zielsetzung und Geschichte vorgestellt. Gefolgt davon findet sich eine Einführung in Olsons Theorie „Die Logik des kollektiven Handelns“ und der für diese Theorie spezifischen Begrifflichkeiten.
Im dritten Teil der Ausarbeitung wird die oben gestellte Ausgangsfrage genauer betrachtet und anhand von Olsons Theorie diskutiert. Abschließend soll nicht nur beantwortet sein, nach welcher Maxime die OPEC Mitgliedsstaaten handeln, sondern auch ob und in wieweit die vorgestellte Theorie Olsons als Erklärungssatz dienen kann.
Darmstadt, im September 2008
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OPEC
Die Entstehung der OPEC
Bevor die OPEC (Organisation of the Petroleum Exporting Countries/ Organisation der Erdöl exportierender Länder) gegründet wurde, befanden sich die meisten der Erdölfördernden Ländern in sehr schlechter Ausgangslage. Viele Länder, die Erdölvorkommen besaßen förderten das Rohöl nicht selbst. Stattdessen förderten und exportierten Unternehmen wie Exxon, Shell, Mobil, Texaco, Chevron, BP, Gulf das Erdöl in die westlichen Industrienationen. Dabei beteiligten die Förderunternehmen die Regierungen, die zugleich Besitzer der Ölquellen waren, nur geringfügig an den hohen Umsätzen, die erzielt wurden. Diese Abgaben (royalties) an die Ölfördernden Staaten sollten weiter gekürzt werden. Zum anderen wurde in den 1950er Jahren, vor Gründung der OPEC versucht die Umsätze zu steigern indem immer mehr Öl gefördert wurde. Dies führte jedoch zu einem Angebotsüberhang, was die Preise dauerhaft niedrig hielt.
Die Emanzipierung der späteren Länder erfolgte in zwei Schritten. Zum einen wurde die Ölförderung verstaatlicht. Zum anderen wurde die durch die Gründung der OPEC der Versuch vorgenommen, die Preise stabil zu halten und dies auf einem Niveau das angemessen schien. Diese Maßnahmen sorgten für erhebliche Gewinnrückgänge der „großen Sieben“ 2 und einen Machtverlust des Westens in der arabischen Welt.
Die OPEC (Organisation of the Petroleum Exporting Countries/ Organisation der Erdöl exportierender Länder) wurde von den Regierungen der Staaten Iran, Irak, Kuwait, Saudi Arabien und Venezuela am 14. September 1960 in Bagdad /Irak gegründet. Die OPEC vergrößerte sich durch die Aufnahme neuer Erdölexportierender Länder: 1961 Katar, 1962 Indonesien und Libyen, 1967 Abu Dhabi, 1969 Algerien, 1971 Nigeria, und 1973 Gabun, sowie die Mitgliedschaft von Ecuador zwischen 1973 und 1993. 3 4
Das erste Mal rückte die OPEC 1973 in das Rampenlicht der Öffentlichkeit, als sie beschloss, die westlichen Industrienationen aufgrund des israelisch- arabischen Krieges (Jom-Kippur-Krieg) mit einem Ölembargo zu belegen.
Im Ministerial Monitoring Comitee, das viertel jährlich tagt, berät die OPEC über die langfristigen Förderquoten, die dann von der Konferenz beschlossen werden Das höchste Gremium der OPEC ist die halbjährlich tagende Konferenz der Erdölminister der Mitgliedstaaten. Hierbei werden Beschlüsse über die Förderpolitik
2 Förderunternehmen: Exxon, Shell, Mobil, Texaco, Chevron, BP, Gulf
3 Vgl. http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WVTBE
4 Siehe auch: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Kuwait.html
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gefasst. Heute hat die OPEC im Wesentlichen zwei Ziele. Zum einen die Rohölpreise stabil zu halten zum anderen strebt sie auch eine Gewinnmaximierung der Erdölfördernden Staaten an. 5
Der Gouvaneursrat hat die Aufgabe einen Jahresplan zur Budgetierung zu erstellen, es kann als das oberste Managementorgan bezeichnet werden.
Die OPEC in den 1970er Jahren
Als Israel im Herbst 1973 den Jom-Kippur-Krieg führte, verhängte die OPEC ein Embargo gegen die USA und Niederlande aufgrund ihrer Israelfreundlichen Haltung. Andere westliche Industrienationen erhielten nur noch ein stark verringertes Kontingent an Erdöl. Das Öl wurde als wirtschaftliche und politische Waffe gegen den Westen eingesetzt. Dies war der OPEC zu diesem Zeitpunkt ein leichtes, da etwa 85 % des geförderten Erdöls aus den OPEC- Staaten kam. Das Embargo hatte massive volkswirtschaftliche Auswirkungen auf die Industrienationen. Auch die psychologische Komponente der Abhängigkeit vom Öl, wie auch die Abhängigkeit von der arabischen Welt brachte zugleich die Forschung nach alternativen Energien in Gang sowie Bemühungen um das erschließen eigener Ölvorkommen.
Zwar kam es 1974 wieder zu einer politischen Entspannung, worauf hin auch die Embargos gelöst wurden. Die Ölpreise sind danach jedoch drastisch gestiegen. So stiegen die Exportausgaben der BRD für Öl von 1973 auf 1974 um 17 Mrd. DM. Die gestiegenen Rohölpreise führten zu einem Umsatzrückgang von 24 % in der Automobil und Zuliefererbranche herbei.
Die zweite Ölkrise von 1979 / 80, ist ebenfalls durch das Drosseln der Erdölfördermenge seitens der OPEC bedingt. Dies geschah zum Zeitpunkt als die russischen Ölquellen ihre Produktionsplateaus erreicht hatten.
Durch die Erschließung neuer Ölfelder in der Nordsee und in Russland wurde das faktische Monopol der OPEC gebrochen. Dennoch ist die OPEC auch heute noch in der Lage über die Fördermenge ihrer Nationen zu entscheiden und somit Preisregulierungen vorzunehmen.
5 Vgl. http://www.bpb.de/wissen/G0PWYY,0,0,OPEC.html
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Die OPEC in den 1990er Jahren
Die Mitgliedsstaaten der OPEC verfügen über einen Großteil der Erdölreserven verbrauchen davon aber nur einen verhältnismäßig geringen Teil. Sie sind dadurch also in der Lage, eine große Menge Rohöl zu exportieren. Die OPEC stellt ein Kartell dar, das einen großen, wenn auch nicht den alleinigen Einfluss auf die Bildung des Ölpreises hat. Diese Regulierungen des Ölpreises werden durch das Variieren der Fördermengen getroffen. Die OPEC hat dabei im Wesentlichen drei Probleme: Zum einen ist hier der Wirtschaftsabschwung zu nennen der seit einigen Jahren anhält. Durch den wirtschaftlichen Abschwung ist die Bereitschaft der Privaten Haushalte sowie der Staatskonsum zurückgegangen. Durch den geringeren Verbrauch bedingt, ist auch der Bedarf an Rohöl seitens der Industrie zurückgegangen, was einen direkten Einfluss auf den Rohölpreis und natürlich auch die Verkaufsmenge der OPEC hat. Ein weiteres Problem der OPEC in den 90er Jahren waren die hohen Lagerbestände an Öl, die ungewollt den Ölpreis drücken. Durch die Ölförderung von nicht OPEC Staaten, wie z.B. Russland, USA, Mexiko oder Norwegen entstand ein weiterer Machtverlust. Die faktische Preiskontrolle über den Ölpreis auf dem Weltmarkt war weggebrochen. Kriege, wie sie gegen den Irak geführt wurden, können kurzfristig starke Schwankungen an den Terminbörsen begünstigen, die die OPEC nicht ausgleichen kann. Diese Schwankungen entstehen durch Spekulationen von Brokern die auf schnelle militärische Erfolge sowie einen gesteigerten Verbrauch der Industrienationen in Kriegszeiten setzen. Dies verdeutlicht auch, dass Rohöl nicht nur ein Rohstoff, sondern auch ein Spekulationsgut ist.
Die OPEC im 21. Jahrhundert
Im Juli 2008 hat das Barrel Rohöl seinen historischen Höchststand mit bei 145,10 US Dollar 6 erreicht. Dieser ist nur zwei Monate später wieder auf einen Preis von unter 100 US Dollar gesunken. Dies entspricht einer Verzehnfachung des Wertes seit dem Tiefpunkt im April 1998 und einer Vervierfachung des Wertes dem Wert zum Beginn des Jahrzehnts 7 . Gründe für den Preisanstieg sind gleich mehrere zu finden. Zum einen auf den wachsenden Bedarf an Rohöl einiger Schwellenländer wie Indien oder China. Diese besitzen teilweise auch selbst Erdölvorkommen, diese sind teilweise jedoch noch nicht erschlossen und können den steigenden Bedarf nicht decken. Zum
6 Alle Rohölpreise laut http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/
7 Ölpreis 1.1.2000 mit 25,42 US$/Barrel
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anderen macht sich auch der erhöhte Bedarf an Rohöl, der auch auf die Kriege in Afghanistan und Irak zurückzuführen ist bemerkbar. Der Vollständigkeit halber müssen an dieser Stelle auch Ölpreisspekulationen genannt werden, ohne die oben genannten Preisschwankungen kaum zu erklären sind.
Im Gegenzug muss jedoch auch erwähnt werden, dass in weiteren Ländern Erdöl gefunden wurde. Als Beispiel mag hier Ghana 8 oder das Schwarze Meer dienen, zum anderen auch die Arktis 9 die zu einem neuen „Wettlauf um das Öl“ scheinbar anreizt. Diese Ölfelder sind jedoch teilweise noch nicht erschlossen oder auch in Gebieten die nur sehr schwer bzw. kostenintensiv zu erschließen sind, insbesondere gilt dies für die arktischen Regionen. Da auf diesen Ölfeldern teilweise noch nicht gefördert wird, haben diese Ölfelder auch noch keinen Einfluss auf das Rohölangebot und somit auch keinen Einfluss auf den Rohölpreis. Bestenfalls kann diesen noch nicht erschlossenen Feldern ein psychologischer Effekt zugesprochen werden, dass die Ölvorräte für längere Zeit halten und der Markt somit langfristig versorgt werden kann. Zudem macht der hohe Ölpreis auch die Gewinnung von Erdöl durch die Verarbeitung von Ölsand in Kanada, die kostenintensiver ist als das Fördern von Rohöl durch Bohrtürme interessant. Auf diese Weise werden immer mehr Länder zu Ölexporteuren.
Seit dem Jahr 2007 gehört auch Ecuador 10 nach 15-jähriger Pause wieder zur OPEC. Auch Angola ist im Jahr 2007 in die OPEC eingetreten. 11
Eine Sonderstellung hat Indonesien 12 . Seit einigen Jahren sinkt der Rohölexport des Landes, da die Ölvorkommen sehr ausgeschöpft sind. 13 Der wirtschaftliche Aufschwung Indonesiens lässt den Rohölbedarf und somit die Importe steigen. Für Indonesien wird ein hoher Ölpreis auf Dauer uninteressant, da er überwiegend Nachteilig ist. Daher ist die indonesische Regierung am abwägen ob ein Ausstieg aus der OPEC erfolgen soll.
8 Vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Ghana/Aussenpolitik.html
9 Vgl. http://www.auswaertiges-
amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/InternatRecht/070822nordpol,navCtx=22060.html
10 Siehe: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Ecuador.html
11 Vergleiche: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Infoservice/suche/Suchergebnis.jsp?_page=1
12 Siehe: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Indonesien.html
13 Vgl: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,551674,00.html
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Arbeit zitieren:
Daniel Brücher, 2008, Das Verhalten der OPEC-Akteure im Kontext des Rationalismus nach Mancur Olson, München, GRIN Verlag GmbH
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Die OPEC - Geschichte, Funktionsweise und Auswirkungen auf die Erdöl ...
VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Seminararbeit, 36 Seiten
Diskussion der Eigentumsverhältnisse an Ölreserven auf dem Hintergrund...
VWL - Fallstudien, Länderstudien
Bachelorarbeit, 56 Seiten
Daniel Brücher's Text Das Verhalten der OPEC-Akteure im Kontext des Rationalismus nach Mancur Olson ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Daniel Brücher hat den Text Das Verhalten der OPEC-Akteure im Kontext des Rationalismus nach Mancur Olson veröffentlicht
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Richard D. Hacken
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