scheidung für, oder gegen ein Kind, eine Entscheidung für, oder gegen einen Lebenslauf (vgl. Birg, 198f).
Folgende Begriffe verwendet Birg in seiner Theorie. Biographische Elemente, nennt er Abschnitte und Phasen eines Lebenslaufes, in die dieser unterteilt werden kann. Die ge-ordnete Folge dieser Elemente nennt er biographische Sequenz. Diese kann wiederum in die Subsequenzen der Erwerbsbiographie, der Psychobiographie, der Sozialisationsbiographie, der Familienbiographie und in die Migrationsbiographie unterteilt werden. Die abstrakte Gesamtheit aller biographischen Elemente und deren mathematisch modellierbaren Sequenzen ist das biographische Universum. Die Abstrakte Menge dieser Sequenzen wird wiederum als biographischer Möglichkeitsraum bezeichnet. Alle für das Individuum handlungsrelevanten Sequenzen, beschreiben die virtuelle Biographie. Die faktische Biographie, ist der vom Individuum realisierte Lebenslauf. Birg Fragt sich dabei, wovon die Zahl der handlungsrelevanten biographischen Grundelemente abhängt, wie das Individuum seine virtuelle Biographie aus dem biographischen Universum und seine faktische Biographie aus der virtuellen selektiert, welche Folgen eine Verkleinerung oder Vergrößerung des biographischen Universums auf den Lebenslauf hat und welche Zusammenhänge zwischen den biographischen Subsequenzen besteht (vgl. Birg, 200ff).
Die Grundhypothesen lauten: Die Größe des biographischen Universums nimmt durch die zunehmende Individualisierung permanent zu. Je größer dieses biographische Universum ist, desto mehr Alternativen fallen bei einer Festlegung weg. Dadurch steigt das Risiko einer biographischen Festlegung. In Gesellschaften, die auf dem Konkurrenzprinzip basieren, ist das Risiko einer Festlegung in der Familienbiographie größer als in der Erwerbsbiographie. Dieses Risiko lässt sich, im Gegensatz zur Erwerbsbiographie, durch Partner bzw. Kinderlosigkeit vermeiden. Daraus schließt Birg, dass die Wahrscheinlichkeit demographisch relevanter Festlegungen durch Kindgeburten weiter abnimmt. Bei einem Übermaß an biographischer Freiheit wird die Entscheidung für ein Kind instrumentell zur Senkung der eigenen Unsicherheit genutzt (vgl. Birg, 203f). Durch die Entwicklungen in den Industrienationen mit Individualisierung, Spezialisierung und steigenden Frauenerwerbsquoten, stiegen die biographischen Möglichkeiten
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Arbeit zitieren:
Jens Röcher, 2008, Herwig Birg: Differentielle Reproduktion aus der Sicht der biographischen Theorie der Fertilität, München, GRIN Verlag GmbH
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