II
Inhaltsverzeichnis...........................................................................................................II
Abkürzungsverzeichnis.................................................................................................III
1. Einleitung und Fragestellung 1
2. Die Zerschlagung der Gewerkschaften
2.1.Der Tag der Nationalen Arbeit 2
2.2.Gewerkschaften marxistisches Feindbild 3
2.3.Der 2 Mai 1933........................................................................................................4
2.4.„Die Situation nach dem 2 Mai 5
3. Die Deutsche Arbeitsfront
3.1.Die Person Robert Ley 6
3.2.Der organisatorische Aufbau der DAF
3.2.1. Provisorischer Charakter der Organisation 7
3.2.1.1.Die Treuhänder der Arbeit 10
3.2.1.2.Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit 11
3.2.2. Die neue DAF von der Pseudogewerkschaft zur
nationalsozialistischen Massenorganisation 12
4. Die Betriebsarbeit der DAF
4.1.Berufserziehung......................................................................................................14
4.2.RBWK und Leistungskampf der deutschen Betriebe 16
4.3.Die Schönheit der Arbeit 17
5. Die Finanzierung der DAF 19
6. Resümee 20
Anhang..........................................................................................................................IV
Literatur........................................................................................................................VI
III
Abkürzungen
AOG Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit
ASdA Amt Schönheit der Arbeit
DAF Deutsche Arbeitsfront
DINTA Deutsches Institut für nationalsozialistische technische
Arbeitsschulung
Gestapo Geheime Staatspolizei
HJ Hitlerjugend
KdF Kraft durch Freude
NSBO Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation
NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
NSG Nationalsozialistische Gemeinschaft
RBWK Reichsberufswettkampf
ROL Reichsorganisationsleitung
TdA Treuhänder der Arbeit
1
1. Einleitung und Fragestellung
Nach Übernahme der Regierungsgewalt durch das nationalsozialistische Regime am 30. Januar 1933, wurden kürzester Zeit sämtliche Strukturen aufgebrochen, die tragende Säulen der Weimarer Demokratie waren.
Die vorliegende Arbeit will – um Bezug auf den Titel zu nehmen – die Deutsche Ar- beitsfront als ein wesentliches Element nationalsozialistischer Wirtschafts- und Ideolo- giepolitik in Wesen, Aufgaben und Strukturen vorstellen. Die DAF hat im Laufe ihrer Existenz die eigene Gestalt mehrfach in solch gravierender Form geändert, dass es sich als außerordentlich schwierig gestaltet, die Organisationsstruktur an sich festzuhalten und daraus wirkliche Ziele abzuleiten. Dennoch sollen in der vorliegenden Arbeit Indi- katoren herausgestellt werden, die zweifelsfrei belegen, dass stets die Bildung einer Volksgemeinschaft Kernelement des eigenen Handelns war. Hinsichtlich ihres Anspru- ches der organisatorischen Erfassung aller Deutschen, diente sie einzig und allein dem Zwecke der Bildung „kriegsfähigen Humankapitals“. Natürlich hatte sie maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung nationalsozialistischer Sozialpolitik, doch galt fortwährend der „Primat der ideologischen Schulung“.
Um die Voraussetzungen für die DAF nachzeichnen zu können, soll der einfüh- rende Komplex der vorliegenden Arbeit die Zerschlagung der freien Gewerkschaften näher beleuchten. Als „Sammelbecken“ marxistischen Gedankenguts diffamiert, sah man nur im Ausschalten der alten Gewerkschaftsstrukturen die Möglichkeit die eigenen Ziele zu realisieren. Im zweiten Teil wird dann die unklare, in NS-Kreisen sprach man auch von der flexiblen, Struktur der Arbeitsfront, mit ihren – bis zum AOG (Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit – unklaren Kompetenzen dargelegt. Der abschließende Teil widmet sich dann explizit Bereichen der Betriebspolitik und zeigt Mittel und Wege der ideologischen Prägung des Nachwuchses auf, wobei der Wettkampfgedanke als ein zentrales Element der DAF ausgestaltet wurde.
Das Dritte Reich gilt als der am besten erforschte Bereich deutscher Geschichte und weist somit eine Fülle von Literatur auf, welche man im Rahmen dieser Arbeit ein- fach nicht zu nutzen im Stande sein kann. Eine Vielzahl von Autoren widmet sich zwar der Hauptthematik, scheint dann realiter aber nicht spezifisch genug zu sein. Daher soll an dieser Stelle Bezug auf das Werk Matthias Freses genommen werden, der die Be-
2
triebspolitik des Dritten Reiches explizit zum Untersuchungsgegenstand seiner Arbeit machte. Nicht zuletzt bedingt durch den sehr treffenden Titel des Buches lieferte der Autor wesentliche Inspirationen für die vorliegende Arbeit.
2. Die Zerschlagung der Gewerkschaften
Der 1. Mai war in Europa traditionell der „Tag der Arbeit“. Seit 1890 fanden jährlich Demonstrationen der Arbeiterbewegung zur Verbesserung der eigenen Lage statt. Die Forderungen lauteten damals unter anderem Verbesserung des Arbeitsschutzes und
Verkürzung der Arbeitszeit – man kämpfte für den 8-Stunden-Tag. 1 Man beging dieses
Datum als „Festtag der Arbeiter aller Länder, an dem die Arbeiter die Gemeinsamkeit
ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden sollen“ 2 Es entstand nach und nach
eine ausgeprägte Festkultur mit Demonstrationscharakter. Maifestzeitungen, Maipost- karten, Maiflugblättern und die Symbole der Arbeiter: Fahnen, Blüten und Bänder säumten jährlich das allgemeine Straßenbild.
Jedoch war der 1. Mai, mit Ausnahme des Jahres 1919 nach wie vor ein ge- wöhnlicher Arbeitstag, d.h. es war kein nationaler Feiertag – bis das neu installierte NS Regime am 4. April 1933 öffentlich ankündigte, den 1. Mai zum „Tag der nationalen
Arbeit“ zu machen, also zum bezahlten Nationalfeiertag. 3 Es sollte so etwas sein wie
der erste Versuch, die nationale Arbeiterschaft für das Regime zu gewinnen. Nicht nur in Berlin, sondern im gesamten Reich sollte der Tag der „Nationalen Arbeit“ feierlich begangen werden. Das gesamte öffentliche Leben sollte auf diesen Tag eingestellt wer- den. Der 1. Mai war nicht mehr ein Kampftag der Arbeiterbewegung, sondern ein Feier- tag mit nationalsozialistischer Prägung. Das offizielle Abzeichen zum 1. Mai zeigte das Emblem der NSBO, ein Zahnrad; Faust und Hammer mit Hakenkreuz, über einem Schild mit der Aufschrift „Tag der nationalen Arbeit. 1. Mai 1933“. Das Zahnrad –
Symbol der Inszenierung des Marsches in Berlin: 4 Die Massen, welche sich auf ein
zentrales Feld zu bewegen – dem Tempelhofer Feld in Berlin, scheinen, aus der Vogel-
1 Wiegold-Bovermann/Scheibe, Zerschlagung, S. 143-146.
2 Zit.: Lauber, 1. Mai, S. 13.
3 Smelser, Ley, S. 125f.
4 Heuel, ideologische Integration, S. 117.
3
perspektive gesehen, ein riesiges Zahnrad zu bilden. Das Endziel der „Volksgemein- schaft“ scheint sich bereits im Marsch zum 1. Mai erfüllt zu haben.
Reichspropagandaminister Goebbels sah in der pompösen Zelebrierung des Maifeierta- ges die Möglichkeit, der nationalen Arbeiterschaft zu imponieren und für das Regime zu gewinnen. Denn aus Sicht der nationalsozialistischen Führung waren die Gewerkschaf- ten der Inbegriff des marxistischen Klassenkampfes. Jedoch lehnte Reichspropaganda- minister Goebbels eine sofortige Auflösung der freien Gewerkschaften ab, weil er eine Auflehnung gegen das Regime befürchtete. 5 Vielmehr sollte die Strategie verfolgt wer-
den, durch Festivitäten wie dem 1. Mai die Arbeiter den Gewerkschaftsorganisationen allmählich zu entfremden.
2.2. Gewerkschaften – marxistisches Feindbild?
„Den 1. Mai werden wir zu einer grandiosen Demonstration deutschen Volkswillens gestalten. Am 2. Mai werden dann die Gewerkschaftshäuser besetzt. Gleichschaltung auch auf diesem Gebiet. Es wird viel- leicht ein paar Tage Krach geben, aber dann gehören sie uns. Man darf hier keine Rücksicht mehr ken- nen. Wir tun dem Arbeiter nur einen Dienst, wenn wir ihn von der parasitären Führung befreien, die ihm bisher nur das Leben sauer gemacht hat. Sind die Gewerkschaften in unserer Hand, dann werden sich auch die anderen Parteien und Organisationen nicht mehr lange halten können. […] Ein Zurück gibt es nicht mehr. Man muss den Dingen nur ihren Lauf lassen. In einem Jahr wird ganz Deutschland in unse-
rer Hand sein. …“ 6
Doch hatte man sehr ambivalente Vorstellungen, was die Behandlung der Gewerkschaf- ten betraf, denn einerseits wollte man den gewerkschaftlichen Gedanken nicht völlig verwerfen, andererseits jedoch standen die Gewerkschaften stellvertretend für den mar- xistischen Klassenkampf, welchen man unter allen Umständen abschaffen wollte. Doch sah man sich in gewisser Hinsicht auch der Industrie verpflichtet, die aufgrund der fi- nanziellen Unterstützung einen maßgeblichen Anteil am Erfolg des nationalsozialisti- schen Regimes hatte. Und die Industrie wünschte das Verschwinden der Gewerkschaf- ten sehnlichst. 7 Letztlich folgte man den Stimmen der Wirtschaft und entschied sich zur
Ausschaltung der Gewerkschaften, eben aus jenen, vorwiegend ideologischen Gründen.
5 Wiegold-Bovermann/Scheibe, Zerschlagung, S. 144.
6 Goebbels, Joseph: zit. in: Smelser, Ley, S. 132.
7 Smelser, Ley, S. 122.
4
Mit dem „Gesetz über Betriebsvertretungen und wirtschaftliche Vereinigungen“ vom 4. April wurden erste Schritte eingeleitet um die frei gewählten Vertretungsorgane zu eli-
minieren. 8 Mitte April 1933 stimmte Hitler dann der endgültigen und organisatorischen
Zerschlagung der freien Gewerkschaften zu. Der „Angriff“ auf sämtliche Einrichtungen der Gewerkschaften sollte systematisch und unmittelbar nach dem Tag der Arbeit am 2. Mai 1933 erfolgen. Der Plan dazu wurde bereits in der ersten Aprilhälfte 1933 entwi- ckelt, denn unter Führung Robert Leys wurde ein so genanntes „Aktionskomitee zum Schutz der deutschen Arbeit“ ins Leben gerufen, welches die Aufgabe hatte, ein detail- liertes Programm zur Übernahme der Gewerkschaften im ganzen Reich zu erarbeiten.
2.3. Der 2. Mai 1933
Am Morgen des 2. Mai 1933 wurden in einer koordinierten Aktion im ganzen Reich unter Beteiligung von SA- und SS-Hilfspolizei und örtlicher Hoheitsträger, sowie NSBO-Funktionäre Volkshäuser, Büros, Banken und Redaktionen der freien Gewerk- schaften besetzt. Vermögen wurde konfisziert, gesamte Einrichtungen und gewerk-
schaftseigene Druckereien beschlagnahmt und Zeitungsverlage geschlossen. 9,10 Das
Schicksal der Funktionäre Julius Birk, Emil Rentmeister, Michael Rodenstock und Jo- hann Rodenstock aus Duisburg sei stellvertretend für einen Großteil der Gewerkschafts- angehörigen genannt. Zusammen mit weiteren Kollegen wurden sie verhaftet, durch die Straßen geschleppt und misshandelt. Schwere Folterspuren aufweisend, wurden ihre
Leichen einige Wochen später in einem Wald gefunden. 11 Am Abend des 2. Mai ver-
kündete Robert Ley den baldigen Zusammenschluss aller bisherigen Gewerkschaften in einer großen Arbeiterorganisation – der deutschen Arbeitsfront (DAF). Freiwillig un- terstellten sich bereits am nächsten Tag die christlichen Gewerkschaften mit ihren 1,3 Millionen Mitgliedern und die liberalen Hirsch-Dunkerschen Gewerkvereine dem Ley‘schen Aktionskomitee. Auch kapitulierte die größte Angestelltengewerkschaft der Weimarer Zeit, der deutschnationale Handlungsgehilfenverband (DHV) mit seinen
8 Heuel, ideologische Integration, S. 191f.
9 Broszat, Staat, S. 183f.
10 Smelser, Ley, S. 135.
11 Uellenberg-van Dawen, Gewerkschaften, S. 87.
Arbeit zitieren:
Christian Gräber, 2008, Die Deutsche Arbeitsfront, München, GRIN Verlag GmbH
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