1) Vorwort Diese Arbeit soll einen Einblick in die Möglichkeiten und Chancen der konfrontativen Pädagogik als Präventionsmaßnahme für die Schule liefern.
Zuerst möchte ich die Notwendigkeiten von Präventionsmaßnahmen begründen und die gegenwärtige Stellung und Situation von Schule kurz umreißen. Anschließend will ich die Ursprünge der konfrontativen Methoden vorstellen und eine Definition anführen. Der Hauptteil der Arbeit soll sich mit den Anwendungsgebieten, den Zielen und den methodischen Vorgehen befassen. In diesem Zusammenhang sollen einige Abwandlungsformen und Praxisbeispiele angeführt werden, die die Erfolgschancen und die bisherige Etablierung belegen sollen.
Voranstellend soll erwähnt werden, dass das Ergebnis dieser Arbeit keine „Patentrezepte“ für den Umgang mit Schülern und für die konkrete Umsetzung liefern kann, da die Einführung und Anwendung der hier dargestellten Methode individuell verschieden ist (und sich erst in der Praxis bewährt bzw. nicht) und von dem jeweiligen Schultyp, der Personenanzahl und dem konkreten Problem abhängig ist. Allerdings sollte die Methode als eine Anregung und mögliche Orientierung für die Präventionsarbeit gesehen werden.
2) Einführung Schule war und wird auch künftig ein bedeutender Raum für Kinder und Jugendliche und ihre Entwicklung sein. Allerdings hat sich die Rolle und Bedeutung der Schule in den letzten Jahren stark gewandelt und das traditionelle Bild der Schule als Bildungs- und Erziehungsstätte kann in der Form allein nicht mehr bestehen. Die Schule hat sich zunehmend in Richtung Ganztagsschule und eigenständige Lebenswelt entwickelt, in der die Jugendlichen einen Großteil ihrer Zeit verbringen. In der Lebenswelt Schule wird man nicht nur auf eine künftige Rolle für die Gesellschaft und Berufswelt vorbereitet, sondern innerhalb dieses Lebensraumes entwickeln sich Freundschaften (peer-group) und man wird mit alltäglichen Problemen konfrontiert. Somit ist Schule ein kommunikativer Treffpunkt und eine erfahrbare Sozialität.
Durch diese Veränderung werden neue didaktische und methodische Notwendigkeiten ersichtlich. Gerade im Bezug auf die sozialen Probleme Gewalt und Drogen muss die Schule reagieren und darf sich nicht von diesen abschotten, denn sie sind ebenfalls Bestandteil des sozialen Geschehens. Im Sinne einer gewaltfreien Schule äußert sich Rolf Haubls wie folgt:
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„Wer eine Schule ohne Gewalt will, muss eine andere Schule wollen.“ 1 Das bedeutet, dass man sich für neuere Konzepte und Methoden öffnen sollte, die im Sinne von Präventionsarbeit an die Sozialpädagogik anknüpfen.
Es gibt verschiedene Formen der Präventionen, die in unterschiedlichen Graden die Eltern, die Lehrer, die Schüler und die Schulverwaltungen ansprechen. Neben meditativen Programmen oder einer Verhaltensänderung über Werteerziehung / Demokratieerziehung versucht sich jüngst die Konfrontative Pädagogik in der Praxis zu bewähren. Obwohl der Ansatz zu Teilen stark kritisiert wird, zeigt sich die konfrontativ ausgerichtete Pädagogik in verschiedenen Abwandlungen und Praxisbeispielen. Es stellt sich die Frage, worin der Ursprung dieser Präventionsform liegt und wie sich die Besonderheit dieser begründen lässt.
3) Ursprünge und Definition Seit ca. 10 Jahren gibt es die Konfrontative Pädagogik (KP) in Deutschland, aber die ersten Konzepte wurden bereits in den späten 80’er Jahren durchgeführt. Der US-Vorreiter für die so genannten Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) und die Coolness-Trainings (CT) ist die US Glen Mills School. Hierbei handelt es sich um ein offenes Heim im Campus Stil der Princton University, das seit 1984 Kurse mit Jugendlichen durchführte. 2 Jahre später nahm die Jugendstrafanstalt Hameln in Niedersachsen die AAT’s in ihr Programm auf und konnte so die dortigen Aggressionen und die Rückfallrate der jugendlichen Straftäter vermindern. 2 Die Gründe für das Aufgreifen dieser neuen Methode liefert die Definition von Jens Weidner: „Konfrontative Pädagogik versteht sich in diesem Sinne als Ergänzung, als pädagogische ultima ratio […], wenn akzeptierendes Begleiten […], non-direktive Gesprächsforschung […], einfühlsame Einzelfälle oder ein lebensweltorientierter Zugang […] nicht mehr ausreichen.“ 3 Die KP wendet sich folglich von einer reinen Verständnispädagogik ab und versucht Verhalten nicht zu verharmlosen. Stattdessen werden die Täter mit ihrem Handeln und ihren Opfern (und der Opferperspektive) konfrontiert und sind gezwungen sich mit diesen auseinanderzusetzen. Hierbei wird primär das abweichende Verhalten in den Mittelpunkt gestellt, allerdings mit einem positiven Menschenbild im Hinterkopf. Diese Einstellung gegenüber den Jugendlichen / Gewalttätern greift die folgende Botschaft auf:
„Schaut her, wir [die Therapeuten, Trainer] sind da, wir weichen nicht, wir fordern und konfrontieren Dich. Dabei geht es ausschließlich um Deine ,miesen Taten’, nicht um Dich als
1 In: Weidner, Jens/ Kilb, Rainer/ Gall, Rainer (Hrsg.): Konfrontative Pädagogik in der Schule. Anti- Aggressivitäts- und Coolnesstraining. Weinheim und München. 2006. S. 22.
2 Zur Ursprungsgeschichte vgl. www.konfrontative-paedagogik.de (Deutsches Institut für konfrontative Pädagogik).
3 In: Weidner, Jens/ Kilb, Rainer/ Gall, Rainer (2006). S. 124.
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Person. Deine niederträchtigen, gemeinen Handlungen sind nicht akzeptabel, sie müssen
„saniert“ und positiv verändert werden – gerade, weil wir Dich mögen.“ 4 Anhand dieser Definition und Auffassung soll im nächsten Teil die Möglichkeiten der KP als Präventionsmaßnahme diskutiert und dargestellt werden.
4.1) Vorraussetzungen
Die KP sucht die direkte Nähe zum Jugendlichen und orientiert sich an dessen Lebensgewohnheiten und Interaktionsmuster. Bei der Methode handelt es sich um Behandlungsformen für gewaltbereite Mehrfachtäter, wobei das AAT primär in der Justiz angewendet wird und das CT in der Jugendhilfe. Im Sinne einer Eingliederung in die Schule wird die KP allerdings präventiv verstanden und soll gegen Mobbing, Vandalismus, Erpressung, Beleidigungen und Konfliktbereitschaft vorbeugen.
Um eine Konfrontation ermöglichen zu können, muss zu den Teilnehmern bzw. zwischen den Schülern und den Trainern ein Vertrauen aufgebaut werden. Folglich steht vor jeder Zielumsetzung die Beziehungsarbeit. Ein weiterer Schritt ist die Aufklärung, Information und das Einholen des Einverständnisses aller Teilnehmer, der Schule und der Eltern, denn die bewusste (aggressive) Konfrontation beruht auf Freiwilligkeit. Um ein Programm erfolgreich durchführen zu können, müssen Schüler und Lehrer aktiv eingebunden sein. Obwohl die Lehrer die KP-Programme nicht durchführen und diesbezüglich spezielle Trainer an die Schule geholt werden, muss eine Einigkeit innerhalb des Kollegiums bestehen, denn nur eine klare Zustimmung und Akzeptanz der Regeln und die Ablehnung von Gewalt repräsentiert die Einstellung der Schule und begründet die Wahl eines KP-Programms sinnvoll. Um die Position der Trainer und der Schule zu stärken und zu unterstützen, sollte zusätzlich mit der Justiz, der Polizei und schulexternen Institutionen (Vereine) zusammengearbeitet werden. Neben den Anforderungen an Schule und Teilnehmer gibt es bestimmte Orientierungen, auf deren Grundlage sich konfrontative Programme begründen. Die KP weist sozialisationstheoretische Bezüge auf, weshalb soziales Verhalten (Handlungskompetenz, Empathie, Rollendistanz, moralisches Bewusstsein) Kernpunkt der Programme ist. Hierbei spielt die Akzeptanz der Täter / Teilnehmer als Person, aber die Ablehnung ihrer Gewaltbereitschaft eine wichtige Rolle (= optimistisches Menschenbild). Die praktische Umsetzung orientiert sich einerseits an lerntheoretischen kognitiven Paradigmen und an einem autoritativen Erziehungsstil (Verhalten verstehen, aber nicht akzeptieren), welcher im Verlauf eines Programms dem demokratischen-partizipativen Stil weichen sollte. Bausmann
4 In: Weidner, Jens/ Kilb, Rainer/ Gall, Rainer (2006). S. 94.
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Arbeit zitieren:
Marlen Berg, 2007, Konfrontative Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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