Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, SS 1999
Institut für Soziologie
Übung im Grundstudium:
Arbeitnehmerbeteiligung und Technikentwicklung
Organisatorische und individuelle
Voraussetzungen der Partizipation
in der Gruppenarbeit
Eine Hausarbeit von
Roswitha Fürst
Bewertung: 1,7
Seiten: 14
2
Inhalt
Einleitung. 3
1 Organisatorische Voraussetzungen für mehr Partizipation
der Arbeitnehmer in Gruppenarbeit. 4
1.1 Die Arbeit in Gruppen: Die Teilautonome Arbeitsgruppe (TAG)
und der Qualitätszirkel (QZ) 4
1.2 Partizipationschancen - Ein Blick auf die Praxis. 5
2 Individuelle Voraussetzungen für mehr Partizipation. 7
2.1 Sachliche, methodische und soziale Kompetenzen. 7
2.2 Partizipationschancen - Ein Blick auf die Praxis. 8
3 Symbiose der organisatorischen und individuellen Aspekte 10
3.1 Das Unternehmen als Kooperations- und
Kommunikationssystem. 10
3.2 Gruppenarbeit erfolgreich eingeführt. 11
4 Schlusswort. 13
5 Literaturverzeichnis 15
3
Einleitung
„Vor dem Hintergrund steigender Wettbewerbsanforderungen (...) müssen viele Unternehmen ihre Aufbau- und Ablauforganisation optimieren, um am Markt bestehen zu können. Gruppenarbeit ist eine Möglichkeit, durch Reorganisationsprozesse den gestiegenen Marktanforderungen zu entsprechen.“ (Eicker/ Laartz 1997, S.3) Reorganisationsprozesse beinhalten dabei eine Abkehr vom Taylorismus und damit einhergehenden Arbeitsteilung und eine Hinwendung zu mehr Partizipation seitens der ArbeitnehmerInnen 1 (Eicker/ Laartz 1997, S.3). Aber was bedeutet Partizipation? Ralph Greifenstein, Peter Jansen und Leo Kißler geben folgende Definition: „Unter Partizipation wird ein spezifisches Verhalten von Akteuren und Agierenden gefaßt: die bewußte und abgesicherte Teilhabe an spezifizierten (R.F.: auf Regeln basierenden) Aktionen, nämlich an Entscheidungsprozessen.“ (Greifenstein/ Jansen/ Kißler 1993, S.30) Des Weiteren grenzen sie den Begriff in Bezug auf die Arbeitnehmer ein. So wollen die Akteure ihre Interessen artikulieren, in dem sie sich mental und real an Unternehmensentscheidungen über Arbeitsbedingungen beteiligen (Greifenstein/ Jansen/ Kißler 1993, S. 30).
Die Frage ist nun, inwieweit durch Gruppenarbeit tatsächlich Partizipationsmöglichkeiten geschaffen werden können, in welchem Ausmaß dabei die organisatorischen Bedingungen eine Rolle spielen und welche individuellen Voraussetzungen der Arbeitnehmer mitbringen muss. Dies soll im Folgenden analysiert und erörtert werden. Ein internationaler Vergleich wäre in diesem Fall äußerst interessant, um aber dem Rahmen dieser Hausarbeit entsprechen zu können, ist der Blick allein auf die Gruppenarbeit in Deutschland gerichtet. Im ersten Teil sollen zwei Idealtypen der Gruppenarbeitsformen vorgestellt und auf Partizipationschancen eingegangen werden, die sich in der Praxis durch die Organisationsform ergeben. Der zweite Teil bezieht sich auf die individuellen Voraussetzungen. Abschließend wird dargelegt, welche Bedingungen optimal wären, um durch Gruppenarbeit ökonomischen und sozialen Erfolg und größtmögliche Partizipation zu erhalten.
1 Wenn im Folgenden die Rede von dem Arbeitnehmer ist, so ist dies nicht geschlechts-spezifisch
aufzufassen.
4
1 Organisatorische Voraussetzungen für mehr Partizipation der Arbeitnehmer in Gruppenarbeit
Es gibt viele Formen und Ausprägungen von Gruppenarbeit. „Unterschiede in den Gruppenarbeitsformen zeigen sich im Ausmaß und Umfang der Selbstorganisation der Gruppen.“ (Eicker/ Laartz 1997, S.3) Im Folgenden sollen zwei Idealtypen vorgestellt werden.
1.1 Die Arbeit in Gruppen: Die Teilautonome Arbeitsgruppe (TAG)
und der Qualitätszirkel (QZ)
Qualitätszirkel (QZ), die zu den Problemlösungsgruppen zu zählen sind, bestehen in der Regel aus vier bis zehn Mitarbeitern aus einem Arbeitsbereich der unteren Hierarchieebene, die sich regelmäßig auf freiwilliger Basis zusammenfinden. Unter der Leitung eines Moderators, der meist ein direkter Vorgesetzter ist, werden losgelöst von einer Themenvorgabe Schwierigkeiten des eigenen Arbeitsbereiches diskutiert und nach Lösungen gesucht. Das Ganze findet meistens während der Arbeitszeit statt. Hervorzuheben ist, dass die Einführung dieser Form der Gruppenarbeit keine Umstrukturierung der Organisationsstruktur darstellt; sie wird viel mehr parallel zur herkömmlichen Struktur des Unternehmens implementiert (Zink 1995, S.14f. und Antoni 1995, S. 25). Die Teilautonomen Arbeitsgruppen, auch TAG genannt, werden dagegen als „funktionale Einheiten der regulären Organisationsstruktur verstanden, deren Mitglieder konstant zusammenarbeiten, um ein komplettes Produkt bzw. Teilprodukt zu erstellen.“ (Antoni 1995, S. 25) Die TAG besteht aus drei bis zehn Mitgliedern gleicher Hierarchieebenen, die innerhalb einer vorgegebenen Aufgabe die Planung, Entscheidung und Kontrolle des Arbeits- und Kooperationsprozesses weitgehend selbstverantwortlich übernehmen. Die Mitarbeiter sollen möglichst gleich hoch qualifiziert sein, damit die Gruppe in sich homogen ist. Dabei wird die „klassische“ Arbeitsteilung aufgelöst und der einzelne Arbeitnehmer erhält einen erweiterten Handlungsspielraum. Charakteristisch für die TAG ist außerdem, dass der Gruppensprecher, der nicht weisungsberechtigt ist, von der Gruppe bestimmt wird und sozusagen die „Schnittstelle zur Außenwelt“ darstellt (Antoni 1995, S.25 und Wilkesmann 1992, S. 12ff.). 2
2 Viele Autoren zählen „Fertigungsinseln“, die vor allem im Bereich des Maschinenbaus
Arbeit zitieren:
Roswitha Fürst, 1999, Organisatorische und individuelle Voraussetzungen der Partizipation in der Gruppenarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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