Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Geschichte des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft 5
3. Ziele des Frauenbundes 7
4. Die Arbeit des Frauenbundes 8
4.1 Koloniale Propaganda 9
4.1.1 Kolonie und Heimat 9
4.2 Der Kampf gegen die Mischehen 10
4.2.1 Ansiedlung in Deutsch-Südwest 11
4.2.2 Das Heimathaus in Keetmannshoop 12
5. Weiblicher Kulturimperialismus 13
5.1 Der Kampf gegen die Verkafferung 14
6. Emanzipatorische Kräfte 15
7. Fazit 18
8. Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
„Wenn an Stelle der einigen tausend Männer, die jetzt in den Kolonien wohnen, erst einige tausend Familien draußen eine zweite Heimat sich geschaffen haben, werden die Kolonien zu dem werden, was sie werden sollen und können, zu einem Neudeutschland!“ 1 Koloniale Euphorie war nicht alleine Sache von Männern. Auch Frauen forderten eine Rolle bei der „Eroberung“ der Welt ein und waren dabei teilweise recht erfolgreich. In dieser Arbeit möchte ich die Spannungen zwischen weiblicher Emanzipation und rassistischer Unterdrückung am Beispiel des „Frauenbundes der deutschen Kolonialgesellschaft“ herausarbeiten.
Im Zuge der Entdeckungs- und Forschungsreisen gründeten sich im Laufe der 1860er erstmals geographische Gesellschaften, die Horst Gründer in seinem Standardwerk „Geschichte der deutschen Kolonien“ als „Keimzelle“ der späteren Kolonialvereine bezeichnet. 2 Seit den späten 1870er Jahren nahm die Zahl der kolonialpolitisch und kolonialpropagandistisch arbeitenden Vereine und Gesellschaften deutlich zu und politisch interessierte Frauen der bürgerlichen Rechten entdeckten die Kolonien und die „Koloniale Idee“ als Betätigungsfeld 3 . Frieda von Bülow, die man wohl als Begründerin des deutschen Kolonialromans betrachten darf, zeichnete in ihren, in hohen Auflagen erschienen, Romanen weibliche Figuren, die sich für die „Koloniale Sache“ engagierten und ihren Teil zur Errichtung deutscher Herrschaft „am andern Ende der Welt“ 4 beitrugen, und so verwundert es kaum, dass der 1907 von Frauen südwestafrikanischer „Schutztruppenoffiziere“ 5 gegründete „Deutschkoloniale Frauenbund“, welcher 1908 der „Deutschen Kolonialgesellschaft“ beitrat und fortan unter dem Namen „Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft“ 6 die Arbeit der von kolonialpolitisch engagierten
1 Zit. nach: Carstens, Cornelia, und Gerhild Vollherbst. „'Deutsche Frauen nach Südwest!' - Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft.“ In Kolonialmetropole Berlin, von Ulrich van der
Heyden und Joachim Zeller, 50-56. Berlin, 2002, S. 51.
2 Gründer, Horst. Geschichte der deutschen Kolonien. 4. Auflage. Paderborn, München, Wien, Zürich, 2000, S. 39.
3 Vor allem mit der Reform des „Reichsvereinsgesetzes“ 1908.
4 So der Titel eines 1890 erschienen Romans von Frieda von Bülow
5 Walgenbach, Katharina. 'Die weiße Frau als Trägerin deutscher Kultur'. Koloniale Diskurse über Geschlecht, 'Rasse' und Klasse im Kaiserreich. Frankfurt/M, 2005, S.85.
6 Im folgenden: Frauenbund
3
Frauen konzentrierte, eine zentrale Rolle bei der Konstruktion einer weiblichen weißen Identität spielte.
Sowohl beim Studium der Romane Frieda von Bülows, als auch der Illustrierten „Kolonie und Heimat“ 7 , des Zentralorgans des Frauenbundes, stellte sich mir die Frage nach der Rolle der Frau und ihrer Selbstpositionierung in der kolonialpolitischen Agitation.
Die Forschung hatte in den vergangenen Jahren ihr Hauptaugenmerk auf die wirkungsmächtigen Kolonialvereine der Männer. Wegweisend für meine Erkenntnisse sind vor allem die Pionierarbeiten von Martha Mamozai 8 und Karen Smidt 9 , die sich als erste mit der kolonialen Genderforschung auseinandersetzten. Seit kurzem erschienen einige beachtenswerte Arbeiten auf deren Erkenntnisse ich mich in meiner Arbeit teilweise stützen darf. Als zentrale Werke darf man Lora Wildenthals Arbeit 10 , den erst letztes Jahr erschienenen Aufsatz von Claire B. Veghiattis über die Konflikte zwischen
DKG und Frauenbund 11 , sowie Katharina Walgenbachs viel beachtete Dissertation 12
über Geschlecht und Rasse in der kolonialen Agitation des Frauenbundes zählen. 2007 erschien zudem das Buch „Weiße Weiblichkeiten“ von Annette Dietrich, das die Theorien der postkolonialen Kritik sowie die „Whiteness“-Studies am Quellenmaterial anwendet und so viel zum laufenden Diskurs beitragen kann. 13
7 Die Zeitschrift „Kolonie und Heimat“, bis 1911 mit dem erweiterten Titel „in Wort und Bild“, war das Zentralorgan des Frauenbundes und orientierte sich am Stil der „Gartenlaube“, der ersten populären
deutschen Illustrierten. Die „Kolonie und Heimat“ wurde 1919 in „Ausland und Heimat“ umbenannt und
1920 ganz eingestellt.
8 Mamozai, Martha. Schwarze Frau, weiße Herrin. Frauenleben in den deutschen Kolonien. Reinbek bei Hamburg, 1989.
9 Smidt, Karen. 'Germania führt die deutsche Frau nach Südwest' Auswanderung, Leben und soziale Konflikte deutscher Frauen in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika 1884 - 1920. Eine sozial-
und frauengeschichtliche Studie. Magdeburg, 1997.
10 Wildenthal, Lora. German Women for Empire, 1884-1945. Durham, London, 2001. 11 Venghiattis, Claire B. „Conflict over women's patriotic activism. Gender Relations and the German Colonial Movement.“ In 'Ihrem Volk Verantwortlich'. Frauen der politischen Rechten (1890-1933).
Organisationen - Agitationen - Ideologien, von Eva Schöck-Quinteros und Christiane Streubel, 87-108.
Berlin, 2007.
12 Walgenbach 2005
13 Dietrich, Anette. 'Weiße Weiblichkeiten'. Konstruktion von 'Rasse' und Geschlecht im deutschen Kolonialismus. Bielefeld, 2007.
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2. Geschichte des „Frauenbundes der Deutschen
Kolonialgesellschaft“
Als erste Organisation, die versuchte Frauen in die koloniale Agitation mit einzubeziehen, ist der 1886 gegründete „Deutschnationale Frauenbund“ zu nennen. Von Martha und Eva Pfeil sowie Frieda von Bülow ins Leben gerufen, trat der Verein als konfessionslos im öffentlichen Leben auf, auch wenn die Kontakte zur Evangelischen Missionsgesellschaft nicht zu unterschätzen waren.
Die schillernde Persönlichkeit des nur 350 Mitglieder zählenden Vereins war die Autorin Frieda von Bülow, deren Affäre mit Carl Peters und ihr immer eigenständigeres Auftreten in den Kolonien, bald das öffentliche Ansehen des Vereins derart beschädigte, dass dieser sich 1888 auflöste. Im gleichen Jahr gründeten Martha und Eva Pfeil wiederum den „Deutschen Frauenverein für Krankenpflege in den Kolonien“, der sich sehr um den Respekt der Kolonialbewegung bemühte und von einem etwas zurückhaltenderen Nationalismus geprägt war. Der Verein schloss sich bald dem „Deutschen Frauenverein zur Pflege und Hilfe für Verwundete im Kriege“, dem Vaterländischen Frauenverein, an, der 20 Jahre lang, zwischen 1887 und 1907, die Krankenversorgung in den Kolonien übernahm.
1907 wurde schließlich der „Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft“ als „Deutsch-Kolonialer Frauenbund“ mit der Unterstützung des Präsidenten der DKG sowie des Staatssekretärs des Reichskolonialamts von Ehefrauen von DKG-Mitgliedern gegründet 14 . Eine Mitbegründerin des Frauenbundes war, neben Frieda von Bülow, Adda von Liliencron, die bereits zuvor durch ihre kolonialpropagandistischen und vor allem ihre militärpropagandistischen Veröffentlichungen aufgefallen war. Adda von Liliencron prägte als erste Vorsitzende auch die Ausrichtung des Frauenbundes der Anfangsjahre. Ein Jahr nach der Gründung beschlossen die Gründerinnen sich der DKG als korporatives Mitglied anzuschließen, da sie sich eine höhere Effektivität ihrer Arbeit erhofften und führten fortan den offiziellen Namen „Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft“.
Mit Adda von Liliencron wurde eine erzkonservative Frau die erste Vorsitzende des Frauenbundes. Ihre Vorstellung der Rolle der Frauen in den Kolonien war es „ein
14 Kundrus, Birthe. „BAB Working Paper No. 3: 2005.“ Die imperialistischen Frauenverbände des Kaiserreichs. Koloniale Phantasie- und Realgeschichte im Verein. 31. Mai 2005. http://www.freiburg-
postkolonial.de/Seiten/Kundrus.pdf (Zugriff am 29. August 2008).
5
Stückchen Mutti“ für die Soldaten der „Schutztruppe“ zu sein 15 und diese Vorstellung prägte die ersten Jahre des Frauenbundes. Unabhängigkeit der Frauen in den Kolonien war nicht erwünscht. Vielmehr sollten sie in Stellung gehen und einen positiven Anteil an der Erhaltung des „Deutschtums“ in den Kolonien haben. Es ging Adda von Liliencron tatsächlich ausschließlich um eine weibliche Unterstützung der militärischen und kolonialen Ziele des Reiches. Mit der neuen Vorsitzenden, nach der einjährigen Amtszeit von Irmgard von Richthofen übernahm 1910 Hedwig Heyl den Vorsitz, veränderte sich das Auftreten des Frauenbundes maßgeblich. Entgegen ihrer Vorgängerin Adda von Liliencron gehörte Hedwig Heyl zum gemäßigten Lager der bürgerlichen Frauenbewegung, Kundrus diagnostiziert ihr sogar eine Nähe zum linken Flügel der Nationalliberalen. 16 In den ersten beiden Jahren nach der Gründung schlossen sich 4.500 Frauen dem Verein an. Bis 1914 wuchs die Zahl der Mitglieder auf ca. 18.500 17 , was umso beachtlicher ist, wenn man diese Zahlen mit denen der DKG vergleicht, deren Mitgliederzahl in den gleichen Jahren nur um 6.000 Mitglieder auf 43.000 anwuchs.
Die Reform des Vereinswesens in Deutschland hatte auf diese Entwicklung einen entscheidenden Einfluss. Es war ein völliges Novum in der Geschichte des Kaiserreiches, dass sich Frauen direkt an nationaler und kolonialer Politik beteiligen konnten. Seit 1850 hatte das preußische Vereinsgesetz alle politischen Aktivitäten von Frauen unter Strafe gestellt 18 . Allerdings wurde das Gesetz nicht konsequent durchgesetzt und es gab keine einheitliche Definition von „politischen Aktivitäten“. Die erste Veranstaltung zur Beschaffung von Finanzmitteln im November 1907 beschrieb die Tätigkeit des Frauenbundes folglich auch als caritativer und nicht politischer Natur 19 . Mit der Reform des Reichsvereinsgesetzes im Jahr 1908 änderte sich dieser Zustand und die Frauen begaben sich nicht mehr in die Illegalität, wenn sie sich Organisationen, wie dem Frauenbund, anschlossen, die eindeutig politische Ziele verfolgten. Der Frauenbund wurde in der Folgezeit schnell zu einem attraktiven Betätigungsfeld für bürgerliche und aristokratische Frauen, da sie sich einen völlig
15 Venghiattis 2007, S. 95.
16 Kundrus, Birthe. „Weiblicher Kulturimperialismus. Die imperialistischen Frauenverbände des Kaiserreichs.“ In Das Kaiserreich transnational, von Jürgen Osterhammel und Sebastian Conrad (Hrsg.),
S. 213-235. Göttingen, 2004, S. 229.
17 Diese Zahlen stammen aus: Venghiattis 2007, die sich auf eine Ausgabe der „Kolonie und Heimat“ aus dem Jahr 1908 sowie auf den Jahresbericht des Frauenbund aus dem Jahr 1914 beruft.
18 Daher war die Ausrichtung der ersten Frauenkolonialvereine auch keine Politische sondern bezog sich auf die medizinische Versorgung in den Kolonien.
19 Ebd., S. 89.
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Arbeit zitieren:
Kim Todzi, 2008, Rassifizierte Weiblichkeit , München, GRIN Verlag GmbH
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