1. Einleitung
Mit der Sichtweise der Pädagogik veränderte sich über die Zeit nicht nur die Art der schulischen Wissensvermittlung und das Erscheinungsbild von Klassenzimmern und Schulgebäuden, sondern auch die Gestaltung der Schulhöfe, auf denen die Kinder ihre Pause zwischen den Unterrichtsstunden verbringen. In der vorliegenden Arbeit möchte ich den Wandel der Schulhöfe im Laufe der Zeit beleuchten und ihn im Hinblick auf die Entwicklung zur heutigen Kindheit untersuchen. Hierbei werde ich mich lediglich auf den Bereich der Grundschule innerhalb der Bundesrepublik Deutschland beschränken. Ein weiterer Blick auf andere Schulformen, Kindergärten etc. oder in andere Länder würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
2. Der Schulhof und Kindheit im Wandel der Zeit
Im folgenden Abschnitt dieser Arbeit wird der Blick auf den Pausenraum und seine Entwicklung gelenkt und dabei die diversen Anforderungen bei seiner Gestaltung erläutert.
2.1. Der Schulhof - mehr als ein Pausenfüller?
Auf dem Schulhof sollten schon immer die problematischen Folgeerscheinungen des langen Stillsitzens während des Schulunterrichts kompensiert werden. Seit langem ist bekannt, dass es infolge des dauerhaften Sitzens und der wenigen körperlichen Bewegung zu Ausdauerschwächen, Koordinationsproblemen und anderen Gesundheitsstörungen kommen kann. Somit wird dieser Platz üblicherweise als „Auslauf“ für SchülerInnen verstanden, auf dem sie ihrem Bewegungsdrang nachkommen können, um dem weiteren Unterricht wieder aufmerksam zu folgen. Aus diesem Grund wurden auf dem vormals schlichten Schulhof motorische Bewegungsanreize geschaffen, um die SchülerInnen in Bewegung zu bringen. Die Autoren Dithmar und Rose verweisen in diesem Zusammenhang auf zahlreichen empirische Studien, die sich mit den Themen Bewegung und Schule beschäftigen (DITHMAR & ROSE 2001, S. 11). In den letzten Jahrzehnten setzen sich allerdings an vielen Schulen Stimmen durch, die im Schulhof mehr Potential sehen als einen bloßen Pausenhof, auf dem sich die SchülerInnen austoben können. In zahlreichen Projekten wurde durch Neugestaltun-
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gen versucht, die Aufgabenbereiche der Pausenhöfe unter vielschichtigen und gezielten Gesichtspunkten zu erweitern.
2.2. Anforderungen an einen zeitgemäßen Schulhof
Die Anforderungen an einen Schulhof sind so vielfältig wie die für ihn vorgesehenen Aufgaben. In dem folgenden Abschnitt möchte ich allerdings nur auf allgemeine An-forderungen an das Außengelände eingehen. Die folgende allgemeine Sammlung von Ansprüchen an einen Schulhof wurde unter eigener Bearbeitung durchgeführt, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Blick auf eine spezielle Schule. Die Schlagworte sind zur besseren Überschaubarkeit unterstrichen. Soweit Fremdquellen genutzt wurden, sind diese also solche gekennzeichnet und aufgeführt. Grundsätzlich muss ein zeitgemäßer Pausenraum als Allwetterschulhof gestaltet sein. Er muss über Regen- und Sonnenschutz in ausreichendem Maße verfügen, so dass auch bei ungünstiger Witterung ein Aufenthalt an frischer Luft möglich ist. Naturnah gestaltete Bereiche und ein Schulgarten bieten Raum zur ökologischen Erfahrungssammlung und Bildung der Schüler. Ein Schulhof soll über ein hohes Maß an sinnlichen Reizen verfügen. Nach Prof. Dr. Rittelmeyer geht es bei der Ausbildung
von sensomotorischen Fähigkeiten nicht um die Bereitstellung von Riechkästen und Wackelbrettern, die er als „Schnickschnack“ bezeichnet, sondern vielmehr um eine „sachbezogene sinnlich-motorische Hinwendung zur Welt: z.B. um die Aktivierung des Riechvermögens beim Betrachten einer Blumenblüte“ (RITTELMEYER 1999, S. 16). Weiter zeichnet sich ein moderner Schulhof durch vielseitige Bewegungsmöglichkeiten aus, die durch einen hohen Spielwert die SchülerInnen entsprechend ihres Alters zur Bewegung und zum Spiel anregen.
Durch eine vielseitige und durchdacht gestaltete Anlage, wie z.B. Arkadengänge mit Rank- und Kletterpflanzen oder Bodenmodellierungen, können Rückzugs- und Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen werden (HARTMANN 1999, S. 228-232). Allerdings muss die Möglichkeiten der Aufsicht auch in einem solchen Fall gegeben sein. Dunkle Ecken und aufsichtsfreie Bereiche darf es nicht geben! Das gesamte Inventar eines Schulhofes muss ein hohes Maß an Vandalismussicherheit besitzen. Hierdurch können die laufenden Kosten gesenkt werden.
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In vielen Fällen ist Multifunktionalität der Außenfläche sowohl im Nutzungsspektrum
der Schule aber auch als Funktionsraum innerhalb des Stadtteils gewünscht. Bei der Planung muss an schulische wie außerschulische Sonderveranstaltungen, wie Schul-oder Stadtteilfeste gedacht werden. Hierbei kann der Pausenraum als Erlebnisraum für den gesamten Stadtteil dienen. Wegen der zunehmenden spielunfreundlichen Verbauung der Innenstädte kann es sich zudem kaum eine Stadt mehr erlauben, Schulhöfe an Nachmittagen und während der Ferien brachliegen zu lassen (KNECHT 1999, S. 74), so dass auch eine Nutzung als Spielfläche während der Freizeit bedacht werden muss.
Abschließend ist zu bemerken, dass sich ein gelungener Schulhof architektonisch in das Gesamtbild der Umgebung eingefügt und es bereichert. Diese Forderung wird hier zwar an letzter Stelle formuliert, da Kinder eher an Funktionalität als an künstlerischer Qualität, die von KÖHNKE-MEYER als „Designqualität mit optischen und haptischen Reizen“ beschrieben wird (KÖHNKE-MEYER 1999, S. 260), interessiert sind. Sie ist aber dennoch nicht zu vernachlässigen.
2.3. Veränderte Kindheit und Reaktionen in der
Schulhofgestaltung
Heutige Kinder wachsen unter anderen Bedingungen auf als Kinder vor beispielsweise 30 Jahren und so wird der Begriff „veränderte Kindheit“ vielfach diskutiert. Im folgenden Abschnitt befasse ich mich mit Lebensbereichen der Kinder, die dieser Veränderung - hin zur modernen Kindheit - besonders stark unterliegen. Weiter habe ich versucht, mögliche Reaktionen der Schule, insbesondere im Bereich der Schulhofgestaltung, zu erläutern.
Wegen der dichten Bebauung kommen besonders im städtischen Bereich Kinder immer seltener mit dem „grünen Lebensraum“ in Berührung. Die direkte multisensorische Wahrnehmung der Natur ist für viele Kinder heute nicht ohne weiteres möglich. Als „Naturfenster“ bieten sich naturnah gestaltete Bereiche, wie z.B. ein Biotop, eine Blumenwiese oder eine Hecke auf dem Schulgelände an. Viele Schulen sehen sich heute in der Pflicht, neben dem Biologieunterricht einen Beitrag zum Natur-Erleben und zur Naturschutzerziehung zu leisten, um das Bewusstsein für und den Umgang mit der Natur zu fördern. Somit ist eine Integration dieser Schulhofnatur in den Un-
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Ing. L. Theodor Breul, 2005, Veränderte Schulhofgestaltung als Reaktion auf den Wandel der Kindheit, München, GRIN Verlag GmbH
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